Johann Andreas Rothe, geboren 1688 in Lissa, einem Dorfe bei Görlitz in Schlesien, wo sein Vater Pfarrer war, erhielt seine Gymnasialbildung zu Görlitz und Breslau und bezog darauf 1708 die Universität Leipzig, um Theologie zu studieren. Lange Zeit konnte er sich nicht entschließen, ein Pfarramt anzunehmen, weil ihn mancherlei Gewissensskrupeln beunruhigten und davon abhielten, bis er im Jahre 1722 durch den Grafen Zinzendorf als Pastor nach Berthelsdorf berufen wurde. Hier wirkte er durch seine herzliche und ergreifende Predigtweise mit großem Segen und hatte auch die am Hutberge sich ansiedelnde mährische Brüdergemeinde, Herrnhuter genannt, als Filial zu besorgen. Allein, als später das innige Verhältnis, in welchem er zu Zinzendorf stand, sich auflöste, legte er sein Pfarramt zu Berthelsdorf nieder und wurde 1737 Pastor zu Hermsdorf bei Görlitz und seit 1742 zu Thommendorf bei Bunzlau. Hier starb er auch im Jahre 1758.
Rothe war ein reich begabter und gelehrter Mann, sowie tüchtiger Prediger, der ohne Scheu und Menschenfurcht von der Wahrheit zeugte, und hat auch als Kirchenliederdichter ganz Vortreffliches geleistet, da fast alle seine Lieder, deren er 45 hinterlassen hat, sich durch Kraft und Lebendigkeit des Ausdrucks und durch freudige Entschiedenheit des Bekenntnisses auszeichnen.