Paul Speratus wurde 1484 wahrscheinlich zu Rottweil in Schwaben geboren und stammte aus dem edlen Geschlechte derer von Spretten. Zu seiner Ausbildung hielt er sich längere Zeit in Paris und in Italien auf und lehrte dann in Augsburg, Würzburg und Salzburg die Theologie. Im Jahre 1522 wurde er als Diener des göttlichen Wortes nach Ofen berufen und predigte, als er auf seiner Reise dahin durch Wien kam, in der dortigen St. Stephanskirche frei und öffentlich wider das Papsttum und die Missbräuche der katholischen Kirche. Die Folge hiervon war, dass er längere Zeit eingekerkert wurde. Allein nach seiner Freilassung trat er mit derselben Freimütigkeit auf und predigte an verschiedenen Orten, wie zu Ofen in Ungarn und zu Iglow in Mähren, die reine und lautere Lehre des Evangeliums. Er wurde abermals verfolgt und eingezogen und war schon zum Feuertode verurteilt; allein durch vielseitige Fürsprache wurde das Todesurteil in Landesverweisung verwandelt. So kam er im Jahre 1523 nach Wittenberg, wo er Luther persönlich kennen lernte und von ihm so nachdrücklich an den Herzog Albrecht von Preußen empfohlen wurde, dass er 1524 zu dessen Hofprediger und das Jahr darauf zum Bischof von Pomesanien mit dem Wohnsitze zu Liebmühl ernannt wurde. Hier lernte er zwei gleichgesinnte Männer, Johann Brismann und Johann Poliander, kennen und legte in Gemeinschaft mit ihnen in Preußen den ersten Grund zur Reformation. Er starb 1554 zu Liebmühl nach einer reich gesegneten Wirksamkeit. – Seine Lieder sind hinreichende Zeugnisse für seine Glaubenstreue und siegesgewisse Unerschrockenheit im Kampfe für die Wahrheit.