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Schlagwort: Ostern

Gerhardt, Paul – Nun freut euch hier und überall

Gerhardt, Paul – Nun freut euch hier und überall

1. Nun freut euch hier und überall,
ihr Christen, lieben Brüder!
Das Heil, das durch den Todesfall
Gesunken, stehet wieder.
Des Lebens lebet noch,
Sein Arm hat aller Feinde Joch
mit aller Macht zerbrochen.

2. Der Held, der alles hält, er lag
im Grab als überwunden,
Er lag, bis daß der dritte Tag
sich in die Welt gefunden;
Da dieser kam, kam auch die Zeit,
Da, der uns in dem Tod erfreut,
sich aus dem Tod erhube.

3. Die Morgenröte war noch nicht
mit ihrem Licht vorhanden,
und siehe, da war schon das Licht,
das ewig leucht, erstanden;
Die Sonne war noch nicht erwacht,
da wacht und ging in voller Macht
die unerschaffne Sonne.

4. Das wußte nicht die fromme Schar,
die Christo angehangen,
drum als nunmehr der Sabbat war
zu End hinabgegangen,
Begunnt Maria Magdalen
und andre mit auszugehn
und Spezerei zu kaufen.

5. Ihr Herz und Sinn ist hoch bemüht,
ein Salböl darzugeben
für Jesu, dessen teure Güt
uns salbt zum ewigen Leben.
Ach, liebes Herz, der seinen Geit
vom Himmel in die Herzen geußt,
Darf keines Öls noch Salben.

6. Ja du, o heilger Jungfrausohn,
bist schon gnug balsamieret
als König, der im Himmelsthron
und überall regieret!
Dein Balsam ist die ewge Kraft,
dadurch Gott Erd und Himmel schafft,
die läßt dich nicht verwesen.

7. Doch geht die fromme Einfalt hin
bald in dem frühsten Morgen,
Sie gehn, und plötzlich wird ihr Sinn
voll großer schwerer Sorgen.
Ei, sprechen sie, wer wälzt den Stein
vons Grabes Tür und läßt uns ein
zum Leichnam unsres Herren?

8. So sorgten sie zur selben Zeit
für das, was schon bestellet,
Es war der Stein ja allbereit
erhoben und gefället
Durch einen, der des Erdreichs Wucht
erbeben macht und in Flucht
des Grabes Hüter jagte.

9. Das war ein Diener aus der Höh,
von denen, die uns schützen,
Sein Kleid war weißer als der Schnee,
Sein Ansehn gleich den Blitzen,
der hat das fest verschlossne Grab
eröffnet und den Stein herab
vons Grabes Tür gewälzet.

10. Das Weiberhäuflein kam und ging
hinein ohn alle Mühe.
Hör aber, was für Wunderding
sich da begab! Denn siehe,
Das, was sie suchten, findt sich nicht
und wo ihr Herz nicht hingericht,
das ist allda zur Stelle.

11. Sie suchten ihrer Seelenhort
und finden sein Gewande,
Sie hören aus der Engelwort
Wies gar viel anderes Stünde,
als ihr betrübtes Herz gemeint:
Daß billig wär bisher geweint,
nun jauchzen soll und lachen.

12. Sie sehn das Grab entledigt stehn,
und als sie das gesehen,
Da läuft Maria Magdalen,
Zu sagen, was geschehen.
Die andere Schar ist Kummers voll
und weiß nicht, was sie machen soll,
Verharret bei dem Grabe.

13. Da stellen sich in heller Zier
zween edle Himmelsboten,
Die sprechen: ,Ei, was suchet ihr
Das Leben bei den Toten?
Der Heiland lebt! Er ist nicht hier!
Heut ist er, glaubt uns, Heute früh
ist er vom Tod erstanden.´

14. Gedenkt und sinnt ein wenig nach
Den Reden, die er triebe,
Du er so klar und deutlich sprach,
Wie er zwar würd aus Liebe
Den Tod ausstehn und große Plag,
jedennoch an dem dritten Tag
auch herrlich triumphieren.

15. Da dachten sie an Christi Wort
und gingen von dem Grabe
hin zu der elf Apostel Ort
und sagten, was sich habe
Erzeigt in ihrem Angesicht;
Man hielt es aber anderes nicht,
als ob es Märlein wären.

16. Maria, die betrübt´, sich gibt
in schnelles Abescheiden,
findt Petrum und den Jesus liebt,
erzählet allen beiden:
Ach, spricht sie, unser Herr ist hin,
und niemand ist, der, wo man ihn
hab hingelegt will wissen.

17. Der Hochgeliebte läuft geschwind
und kommt zuerst zum Grabe;
Er guckt, und da er nichts mehr findt
als Leinen, weicht er abe.
Da aber Simon Petrus kommt,
geht er ins Grab hinein und nimmt
das Werk recht in die Augen.

18. Er sieht die Leinen für sich dar,
zu voraus, wie mit Fleiße
gelegt und eingewickelt war
das Haupttuch zu dem Schweiße:
Da ging auch, der am Ersten kam,
hinein, wie Petrus tat und nahm,
was er da sah, zu Herze.

19. Da glauben sie nun dem Bericht,
weil sie mit Augen schauen,
Was sie zwar als ein Gedicht
gehöret von den Frauen;
Doch werden sie Verwunderns voll,
denn keiner weiß, das Christus soll
von Toten auferwachen.

20. Maria steht vorm Grab und weint,
und plötzlich wird sie innen,
Daß zween in weißen Kleidern sind
vor ihr im Grabe drinnen,
Die sprechen: ,Weib, was weinst du?´
Sie haben meines Herzensruh,
Sprach sie, hinweggenommen.

21. Mein Herr ist weg, und ich weiß nicht,
Wo ich soll suchen gehen.
Indessen wendt sie ihr Gesicht
und siehet Jesum stehen.
der spricht: ,O Weib, was fehlet dir?
Was weinest du, was sucht du hier?´-
Sie meint, der Gärtner rede.

22. Ach, spricht sie: ,Herr, hast du´s getan,
So sag es unverhohlen,
Wo liegt mein Herr? Wo komm ich an?
So will ich mir ihn holen.´
Der Herr spricht mit gewohnter Stimm:
Maria! Da wendt sie sich um
und spricht: Sieh du da, Rabbuni!´

23. Rühr mich nicht an! Ich bin noch nicht
zum Vater aufgefahren,
geh aber hin, sprach unser Licht,
Sage meiner Brüder Scharen:
Ich fahr als eures Todes Tod
zu meinem und zu eurem Gott
und unser aller Vater.

24. Maria ist das arme Weib,
von welcher unser Meister,
der starke Helfer, vormals treib
auf einmal lieben Geister.
Die, die ists, welcher Jesu Christ
zum ersten Mal erschienen ist
am heiligen Ostertage.

25. Nun, sie ging hin, täts denen kund,
die mit ihr Jesum liebten
und über ihn von Herzensgrund
sich grämten und betrübten.
kein einzger aber fiel ihr bei,
ein jeder hielts für Fantasei,
und wollt es niemand glauben.

26. Es gingen auch ins Grab hinein
die andere Schar der Frauen,
Da gab sich ihrem Augenschein
ein Jüngling anzuschauen
in einem langen weißen Kleid,
Der sprach: ,Habt Freud und Trost und seid
ohn alle Furcht und Strecken.

27. Ihr Sucht den Held von Nazareth,
der doch hier nicht vorhanden;
seht, das ist seines Lagers Stätt,
von der er auferstanden.
Geht schnell, sagts Petro und der Zahl
der andern Jünger allzumal:
ihr Herr und Meister lebe,-

28. Die Weiber eilen schnell davon,
den Jüngern Post zu bringen,
und siehe da, die Freudensonn,
nach der sie alle gingen,
Die geht daher, und sehen sie
im Leben, den sie also früh
als einen Toten suchten.

29. Sein süßer Mund macht all ihr Leid
mit seinem Grüßen süße,
Sie treten zu mit großer Freud
und greifen seine Füße.
Er aber spricht: ,Seid gutes Mute!
geht hin, sagt meinen Brüdern Guts,
Berichtet, was ihr sahet.

30. Sprecht, daß sie nunmehr also fort
in Galiläam gehen,
Allda will ich, Kraft meiner Wort,
vor ihren Augen stehen.-
Und hiermit Schloß er sein Gebot.
Die Weiber gehn und loben Gott,
Berichten, was befohlen.

31. O Lebensfürst, o starker Leu
aus Judä Stamm erstanden,
so bist du nun wahrhaftig frei
von Todes-Strick und Banden.
Du hast gesiegt und trägst zu Lohn
ein allzeit unverwelkte Kron
als Herr all deiner Feinde.

32. Was fragt du nach des Teufels Spott
und ungereimten Klagen!
Man hat, spricht er und seine Rott,
ihn heimlich weggetragen.
Die Jünger haben ihn bei Nacht
gestohlen und bei Seit gebracht,
indem wir feste schliefen.

33. O Bosheit! War dein Schlaf so fest,
Wie hast du können sehen?
Ist denn dein Auge wach gewest,
Wie läßt´st dus so geschehen,
daß durch der Jünger schwache Hand
der Stein und seines Siegelsband
wurd auf- und abgelöset?

34. Es ist dein hart verstockter Sinn,
der dich zum Lügen leitet,
So fahr auch nun zum Abgrund hin,
da dir dein Lohn bereitet!
Ich aber will, Herr Jesu Christ,
So lang ein Leben in mir ist.
Bekennen, daß du lebest.

35. Ich will dich rühmen, wie du seist
die Pest und Gift der Höllen,
Ich will auch, Herr, durch deinen Geist
mich dir zur Seiten stellen
und mit dir sterben, wie du stirbst,
und was du in dem Leid erwirbst,
Soll meine Beute bleiben.

36. Ich will von Sünden auferstehn,
Wie du vom Grab aufstehest:
Ich will zum andern Leben gehn,
Wie du zum Himmel gehest
Dies Leben ist doch lauter Tod,
drum komm und reiß aus aller Not
uns in das rechte Leben!

Gerhardt, Paul – Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Gerhardt, Paul – Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder,
es geht und träget in Geduld
die Sünden aller Sünder;
es geht dahin, wird matt und krank,
ergibt sich auf die Würgebank,
entsaget allen Freuden;
es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod,
und spricht: Ich wills gern leiden.

Das Lämmlein ist der große Freund
und Heiland meiner Seelen;
den, den hat Gott zum Sündenfeind
und Sühner wollen wählen.
„Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
der Kinder, die von Anfang an
verdient des Zornes Ruten;
die Straf ist schwer, der Zorn ist groß,
du kannst und sollst sie machen los
durch Sterben und durch Bluten.“

„Ja, Vater, ja, von Herzensgrund,
leg auf, ich will dies tragen;
mein Wollen liegt an deinem Mund,
mein Wirken ist dein Sagen.“
O Wunderlieb, o Liebesmacht!
Du kannst, was nie ein Mensch gedacht,
Gott seinen Sohn abringen.
O Liebe, Liebe! Du bist stark,
du strecktest den in Grab und Sarg,
vor dem die Felsen springen.

Du marterst ihn am Kreuzesstamm
mit Nägeln und mit Spießen
du schlachtest ihn als wie ein Lamm,
machst Herz und Adern fließen:
das Herze mit der Seufzer Kraft,
die Adern mit dem edlen Saft
des purpurroten Blutes.
O süßes Lamm, was soll ich dir
erweisen dafür, daß du mir,
erweisest so viel Gutes?

Mein Lebetage will ich dich
aus meinem Sinn nicht lassen,
dich will ich stets, gleich wie du mich,
mit Liebesarmen fassen;
du sollst sein meines Herzens Licht,
und wenn mein Herz in Stücke bricht,
sollst du mein Herze bleiben;
ich will mich dir, mein höchster Ruhm,
hiermit zu deinem Eigentum
beständiglich verschreiben.

Ich will von deiner Lieblichkeit
bei Nacht und Tage singen,
mich selbst auch dir zu aller Zeit
zum Freudenopfer bringen.
Mein Bach des Lebens soll sich dir
und deinem Namen für und für
in Dankbarkeit ergießen;
und was du mir zu gut getan,
das will ich stets, so tief ich kann,
in mein Gedächtnis schließen.

Erweitre dich, mein Herzensschrein,
du sollst ein Schatzhaus werden
der Schätze, die viel größer sein
als Himmel, Meer und Erden.
Weg mit dem Gold Arabia!
Weg Kalmus, Myrrhen, Kassia!
Ich hab ein Bessers funden:
Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ,
ist dieses, was geflossen ist
aus deines Leibes Wunden.

Das soll und will ich mir zu nutz
zu allen Zeiten machen;
im Streite soll es sein mein Schutz,
in Traurigkeit mein Lachen,
in Fröhlichkeit mein Saitenspiel,
und wenn mir nichts mehr schmecken will,
soll mich dies Manna speisen.
Im Durst solls sein mein Wasserquell,
in Einsamkeit mein Sprachgesell,
zu Haus und auch auf Reisen.

Was schadet mir des Todes Gift?
Dein Blut, das ist mein Leben.
Wenn mich der Sonnen Hitze trifft,
so kann mirs Schatten geben.
Setzt mir der Wehmut Schmerzen zu,
so findt ich bei dir meine Ruh
als auf dem Bett ein Kranker.
Und wenn des Kreuzes Ungestüm
mein Schifflein treibet üm und üm,
so bist du dann mein Anker.

Wann endlich ich soll treten ein
in deines Reiches Freuden,
so soll dein Blut mein Purpur sein,
ich will mich darin kleiden;
es soll sein meines Hauptes Kron,
in welcher ich will vor den Thron
des höchsten Vaters gehen
und dir, dem er mich anvertraut
als eine wohlgeschmückte Braut
an deiner Seite stehen.

Philipp Spitta – Wandle leuchtender und schöner

Philipp Spitta – Wandle leuchtender und schöner

Wandle leuchtender und schöner,
Ostersonne, deinen Lauf;
denn dein Herr und mein Versöhner
stieg aus seinem Grabe auf.

Als das Haupt er sterbend beugte,
bargst du dich in mächtgem Flor;
doch jetzt komm hervor und leuchte,
denn auch er stieg längst empor.

Erde, breite deinen Frieden
unter deinem Himmel aus;
denn dein Herr ist nicht geschieden,
er zerbrach des Todes Haus.

Deine starken Felsen bebten,
als er seinen Geist verhaucht;
grüße nun den Neubelebten,
wonnevoll in Licht getaucht!

Doch du selber, meine Seele,
sag, wie feierst du den Tag,
da der Herr des Grabes Höhle
mit gewalt’gem Arm durchbrach?

Feierst du sein Auferstehen
auch in rechter Osterfreud’?
Kann man an dir selber sehen,
welch ein hoher Festtag heut?

Bist du mit ihm auferstanden
aus der Sünde Todesnacht?
Hast du dich von ihren Banden
losgerungen, frei gemacht?

Oder liegst du noch verborgen
und in deinen Sünden tot?
Kündet deinen Ostermorgen
noch kein helles Morgenrot?

0 dann laß dich nicht bedecken
länger mehr die finstre Nacht!
Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken,
von dem Tode auferwacht!

Komm, vom Schlaf dich zu erheben,
komm, der Fürst des Lebens ruft,
wache auf zum neuen Leben,
steig herauf aus deiner Gruft!

Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig
die durchbohrten Hände hin,
macht dich der Betäubung ledig,
weckt mit Liebesruf den Sinn!

Keine Strafe sollst du scheuen,
darum bleibe nicht zurück,
raff dich auf, dich zu erfreuen
an des neuen Lebens Glück!

Steig empor zum neuen Leben;
denn du schliefest lang genug.
Kraft zum Leben wird dir geben,
der für dich den Tod ertrug.

Fang nur an, erst aufzustehen,
fühlst du dich auch noch so matt;
der wird dir zur Seite gehen,
der dich auferwecket hat.

O bedenke und erwäge,
wie du gehn magst, nicht so lang;
solch Bedenken macht nur träge,
macht dich mehr noch schwach und krank.

Keine Hilfe wird versagen
er, wenn du nur erst begannst,
wird dich auf den Armen tragen,
wo du selbst nicht gehen kannst.

Sieh, dein Herr Ist auferstanden,
daß du könntest auferstehn,
aus der Sünde Haft und Banden
in die schönste Freiheit gehn!

Willst du ihm dich nur ergeben,
streift er deine Ketten ab,
und du siehst dein altes Leben
hinter dir als leeres Grab.

Matthias Claudius – Osterlied

Matthias Claudius – Osterlied

Das Grab ist leer, das Grab ist leer!
Erstanden ist der Held!
Das Leben ist des Todes Herr,
Gerettet ist die Welt!

Die Schriftgelehrten hatten’s Müh‘
Und wollten Weise sein;
Sie hüteten das Grab und sie
Versiegelten den Stein.

Doch ihre Weisheit, ihre List
Zu Spott und Schande ward;
Denn Gottes Weisheit höher ist
Und einer andern Art.

Sie kannten nicht den Weg, den Gott
In seinen Werken geht;
Und daß nach Marter und nach Tod
Das Leben aufersteht.

Gott gab der Welt, wie Moses lehrt,
Im Paradies sein Wort;
Und seitdem ging es ungestört
Im Stillen heimlich fort.

Bis daß die Zeit erfüllet war —
Die Himmel fei’rten schon —
Da kam’s zu Tage, da gebar
Die Jungfrau ihren Sohn.

Den Seligmacher Hoch und hehr
Und Gottes Wesens voll,
Ging er in Knechtsgestalt einher,
Tat Wunder und tat wohl.

Und ward verachtet und verkannt,
Gemartert und verklagt,
Und starb am Kreuz durch Menschenhand;
Wie er vorher gesagt.

Und ward begraben und beweint,
Als sei er tot, allein
Er lebt, nun Gott und Mensch vereint,
Und alle Macht ist sein.

Halleluja! das Grab ist leer!
Gerettet ist die Welt,
Das Leben ist des Todes Herr!
Erstanden ist der Held!

Salomon Frank – Es ist vollbracht

Salomon Frank – Es ist vollbracht

Es ist vollbracht! Er ist verschieden,
Mein Jesus schließt die Augen zu;
Der Friedensfürst schläft ganz mit Frieden,
Die Lebenssonne geht zur Ruh‘,
Und sinkt in stille Todesnacht;
O theures Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! wie Gott gesprochen,
Des Lebens Wort muß sprachlos seyn.
Das Herz der Treue wird gebrochen,
Den Fels des Heils umfaßt ein Stein.
Die höchste Kraft ist nun verschmacht’t;
O wahres Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! Schweig‘, mein Gewissen,
Ihr Sünden schreit nicht allzusehr.
Habt ihr die Wolken oft zerrissen,
Das Blut des Lammes schreit vielmehr.
Nun ist getilgt der Sünden Macht.
O süßes Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! mein Herzverlangen,
Du allerliebste Liebe, Du,
Die Engel wünschen zu umfangen,
Nimm auch in meinem Herzen Ruh‘,
Wo Liebe Dir ein Grab gemacht:
Trostvolles Wort: es ist vollbracht!

Es ist vollbracht! Ich will mich legen
Zur Ruh‘ auf Christi Grabesstein,
Die Engel sind allhie zugegen,
Ich schlumm’re sanft mit Jakob ein.
Die Himmelspfort‘ ist aufgemacht;
O Lebenswort: es ist vollbracht!

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Mein Erlöser lebet nun

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Mein Erlöser lebet nun

1.) Mein Erlöser lebet nun,
Er starb um der Sünde willen,
Gottes Recht genug zu tun,
Gottes Willen zu erfüllen.
Als er aber den vollbracht,
War’s geschehn um’s Todes Macht.

2.) Todesmacht, du weichst! Vor wem?
Vor der Sünder ew’gem Bürgen!
Todsgewalt, du fliehst vor dem,
Der für mich sich ließ erwürgen.
Christus, der besiegte dich,
– Welch ein ew’ger Trost für mich!

3.) Ew’ger Trost in aller Not:
Jesus ist vom Tod erstanden!
Nun wird auch an mir der Tod
Ewiglich zu Spott und Schanden.
Wen ein Sorgenstein noch drückt,
Wird durch diesen Trost erquickt.

4.) Trost erquickt in aller Qual,
Aber keiner macht die Herzen
So wahrhaftig und zumal
Ganz und gar von allen Schmerzen
Los und ledig immerfort
Als das Auferstehungswort.

5.) Wort, mach deine Kraft uns kund,
Welche dir der Herr gegeben,
Dass, wie Christus auferstund,
Wir ihm auch von neuem leben,
Dass sein Auferstehungstag
Auch der unsre werden mag.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Auf, Herz, dass dich der Sonne Licht

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Auf, Herz, dass dich der Sonne Licht

1.) Auf, Herz, dass dich der Sonne Licht
An diesem Morgen früh,
An diesem hohen Tage nicht
Antreff, als auf dem Knie.

2.) Das Aug‘ gerichtet in die Höh‘,
Dass dich der Morgenstern
Aufgehend anders nirgends seh,
Als suchend deinen Herrn.

3.) Als voller sehnender Begier
Nach ihm, und ganz erfüllt
Von seiner Kreuzespein allhier
Von seinem Marterbild.

4.) Hingehend zu der Grabesgruft,
Wo er begraben lag,
Zu atmen seines Lebens Luft
Am Auferstehungstag.

5.) Nicht in dem Grabe jetzo mehr
Such den, der ihm entschwebt.
Komm, sieh nur, wie das Grab nun leer
Und Jesus Christus lebt.

6.) Und höre, was der Engel spricht:
‚Er ist nicht hier, geh fort!
Sucht Jesum bei den Toten nicht,
Sucht ihn in seinem Wort!‘

7.) Im Wort, das er vor seinem End‘
Euch sterbend hinterließ,
In seinem Wort und Sakrament,
Da seht ihr ihn gewiss!

8.) Ja, Heiland, ja, da such ich dich,
Nur dort erscheinst du mir.
Auf diesem Wege seh ich dich
Und du begegnest mir.

9.) Ja, da wirst du von mir erkannt,
Da wird die Schrift mir Licht.
Da wird mein Herz zu dir entbrannt:
Verschwinde mir nur nicht!

10.) Schilt meines Herzens Härte hier
Und des Unglaubens Macht,
Brich doch durch die verschlossne Tür,
Mach helle meine Nacht!

11.) Lass mich durch deine Nägelmal,
Durch deine off’ne Seit‘
Erblicken meine Gnadenwahl
Und meine Seligkeit!

12.) Du bist mein Herr und Gott, an dich
Glaub ich, den ich nicht seh,
Bis ich dich droben ewiglich
Im Glanz der Wunden seh!

Gellert, Christian Fürchtegott – Freiwillig hab ich’s dargebracht,

Gellert, Christian Fürchtegott – Freiwillig hab ich’s dargebracht,

»Freiwillig hab ich’s dargebracht,
Und niemand nimmt mein Leben.
Es selbst zu lassen, hab ich Macht,
Macht, wieder mir’s zu geben.
Und darum liebt mein Vater mich,
Daß ich mein Leben laß, und ich
Für meine Feind es lasse.

Ich bin in meiner Niedrigkeit
Ein Ärgernis auf Erden;
Verschmäht, gegeißelt und verspeit,
Gekreuzigt werd ich werden.
Wenn alles dies vollendet ist:
So wird des Menschen Sohn, der Christ,
Nicht die Verwesung sehen.

Weil er sich selbst erniedrigt hat:
So wird ihn Gott erhöhen.
Ich leid und sterb an eurer Statt,
Dann werd ich auferstehen.
Am dritten Tag geh ich heraus,
Lösch alle Schmach des Kreuzes aus.
Als Gottes Sohn bewiesen.

Ich will euch sehn, erfreuet euch,
Euch siegreich wiedersehen;
Euch lehren, meines Vaters Reich
Und hohen Rat verstehen;
Euch den verheißnen Geist verleihn;
Und ihr sollt meine Zeugen sein,
Daß ich vom Tod erstanden.

Geht hin und lehret alle Welt;
Ich bin des Weibes Samen,
Der Samen Abrahams, der Held;
Und tauft in meinem Namen.
Wer an Gott gläubt, gläubt auch an mich.
Tut Wunder, und beweist, daß ich
Zur Rechten Gottes sitze.

Kämpft für mein Evangelium,
Und freuet euch der Leiden.
Kein Engel und kein Fürstentum,
Nichts soll euch von mir scheiden.
Man wird euch hassen, und euch schmähn,
Euch töten; dennoch soll’s geschehn,
Daß eure Lehre sieget.«

Herr, unser Heil! sie hat gesiegt,
Und siegt in allen Landen,
Und zeuget, daß dein Wort nicht trügt,
Und zeugt, du bist erstanden.
Dein Kreuz, an das man dich erhöht,
Verwandelt sich in Majestät;
Du gehst aus deinem Grabe.

Gehaßt in deiner Niedrigkeit,
Warst du ein Ziel des Spottes,
Und zeigtest doch zu gleicher Zeit
An dir die Hoheit Gottes.
Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Greul;
Doch sterben für der Feinde Heil,
Dies ist die höchste Tugend.

Dein Reich war nicht von dieser Welt,
Dein Ruhm nicht Menschenehre.
An Demut groß, an Lieb ein Held.
Und göttlich in der Lehre;
Geduldig, und von Sünden rein,
Gehorsam, bis zum Kreuze, sein;
Dies war des Heilands Größe.

Du starbst am Kreuz. Doch war dir nicht
Die Kraft des Herrn gegeben?
Wer gab den Blinden das Gesicht?
Den Toten selbst das Leben?
Und wem gehorchte Wind und Meer?
Und wem der bösen Geister Heer?
Du warst von Gott gekommen.

Nun irren mich nicht Schmach und Spott,
Noch deines Kreuzes Schanden.
Du bist mein Herr, du bist mein Gott;
Denn du bist auferstanden.
Du bist mein Heil, mein Fels, mein Hort,
Der Herr, durch dessen mächtig Wort
Auch ich einst ewig lebe.

Wir sind nun göttlichen Geschlechts,
Durch dich des Himmels Erben.
Dies ist die Hoffnung deines Knechts,
In dieser will ich sterben.
Wie du vom Tod erstanden bist;
So werd auch ich, Herr Jesu Christ,
Am jüngsten Tag erstehen.

Gellert, Christian Fürchtegott – Erinnre dich, mein Geist, erfreut

Gellert, Christian Fürchtegott – Erinnre dich, mein Geist, erfreut

Erinnre dich, mein Geist, erfreut
Des hohen Tags der Herrlichkeit;
Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
Der von dem Tod erstanden ist!

Fühl alle Dankbarkeit für ihn,
Als ob er heute dir erschien,
Als spräch er: Friede sei mit dir!
So freue dich, mein Geist, in mir!

Schau über dich, und bet ihn an.
Er mißt den Sternen ihre Bahn;
Er lebt und herrscht mit Gott vereint,
Und ist dein König und dein Freund.

Macht, Ruhm und Hoheit immerdar
Dem, der da ist, und der da war!
Sein Name sei gebenedeit,
Von nun an bis in Ewigkeit!

O Glaube, der das Herz erhöht!
Was ist der Erde Majestät,
Wenn sie mein Geist mit der vergleicht,
Die ich durch Gottes Sohn erreicht?

Vor seinem Thron, in seinem Reich,
Unsterblich, heilig, Engeln gleich,
Und ewig, ewig selig sein;
Herr, welche Herrlichkeit ist mein!

Mein Herz erliegt froh unter ihr;
Lieb und Verwundrung kämpft in mir,
Und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht,
Fall ich, Gott, auf mein Angesicht.

Du, der du in den Himmeln thronst,
Ich soll da wohnen, wo du wohnst?
Und du erfüllst einst mein Vertraun,
In meinem Fleische dich zu schaun?

Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst,
In Wolken göttlich kommen wirst,
Erweckt aus meinem Grabe gehn,
Und rein zu deiner Rechten stehn?

Mit Engeln und mit Seraphim,
Mit Thronen und mit Cherubim,
Mit allen Frommen aller Zeit
Soll ich mich freun in Ewigkeit?

Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm
Erhebt uns nicht das Christentum!
Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn,
Sind wir auch auferstanden schon.

Nie komm es mir aus meinem Sinn,
Was ich, mein Heil, dir schuldig bin;
Damit ich mich, in Liebe treu,
Zu deinem Bilde stets erneu.

Er ist’s, der alles in uns schafft,
Sein ist das Reich, sein ist die Kraft.
Halt im Gedächtnis Jesum Christ,
Der von dem Tod erstanden ist.

Klepper, Jochen – Siehe, das ist Gottes Lamm

Klepper, Jochen – Siehe, das ist Gottes Lamm

Siehe, das ist Gottes Lamm,
das der Erde Sünde trug.
Blutend an dem Kreuzesstamm,
tat es Gottes Zorn genug.
In dem Felsengrabe liegend,
hat er uns zur Ruh gebracht.
Über Tod und Sünde siegend,
drang das Lamm durch unsre Nacht.

Siehe, das ist Gottes Held,
der aus dunklem Grabe stieg.
Herr des Himmels und der Welt,
bringt er uns den ew’gen Sieg.
Uns hat er dem Tod entnommen,
uns, die sterben und vergehn!
Gottes Held wird wiederkommen,
und wir werden auferstehn.

Siehe, das ist Gottes Sohn,
der in Stall und Krippe lag.
Nach der Marter, nach dem Hohn
strahlt sein heller Freudentag.
Alle Zeit, die wir noch leben,
ist von seinem Glanz erfüllt.
Die dem Sohn die Ehre geben,
werden einst sein Ebenbild.

Ihm sei Ehre, Lob und Preis
und Gewalt in Ewigkeit.
Und ihn rühme, wer es weiß,
daß er uns vom Tod befreit.
Wer da atmet, soll bezeugen,
was ihm Gott geoffenbart;
wer da glaubt, soll sich ihm beugen,
der ein Fürst des Lebens ward.