Speratus, Paul – Ein gesang von der geschicht des Osterfestes

und desselben bedeutlichen Propheceyen und Figuren.

Im Thon des Hymnus: Inventor rutili.

1. Christus ist erstanden von marter, todt und peyn
damit all dy erlöst, die recht gelaubig seyn.
Wy Adam fürt czum tod, vielmehr das Leben fund
dyser letzter Adam, als er vom todt erstund.

2. Oseas, der prophet, von dyser urstendt redt,
wy Christus unns dadurch auch aufferwecken thet,
hat uns geertzeneyd; er schlug unnd macht gesund;
das wir leben vor yhm, todt, hell er uberwund.

3. David auch melden thut, daß nit verbleyben würd
seyn sel ynn der helle, als ytho ward gespürt,
da Christus aufferwacht, öffent der helle dhor,
dy sich diß könges eher nit solten halten vor.

4. Jonam, den propheten, dy götlich krafft ernert,
das er yns walfisch leyb drey tag blyeb unversert,
und lebent wider kam durch dyses fisches schlund,
das Christus selbert deut, wy er vom tod erstund.

5. Disem tempel seyns leybs der Juden haß czubrach
den er selbst widerbaut, als er zuvor versprach;
mit eym erklerten leyb am dritten tag erscheyn
den seynen mancher weyß, besonders und gemeyn.

6. Dyses weytz korn gesterbt, lebt unn vil frücht uns tregt,
den verworffenen steyn czum ecksteyn got gelegt;
Joseph, durch brüder haß verkauft, unn tod geacht,
hat uns Christum bedeut, der von dem todt erwacht.

7. Verschlungen ist der todt, dy hell keyn sig mer hat,
seyt uns Christus vom todt zum ersten aufferstat.
Wo solches wirdt verkündt, dy sicherheit gebirt,
das der glaubigen leyb dergleychen werden zyrt.

8. Drumb wir Alleluja singen auß hertzen gyr,
loben got den vatter, den Sohn yn seyner czyr,
und dich den heylgen geyst, der du bist außgesendt;
O herr uns armen hylff, das wir von sund erstend.

Cosack – Paul Speratus

Tersteegen, Gerhard – Willkommen, verklärter Gottes Sohn

1.) Willkommen, verklärter Gottes Sohn,
Der im Triumph bist auferstanden!
Im Himmel schallt der Freudenton:
Es sind entzwei des Todes Banden!
Ich jauchze mit, dein Sieg erfreuet mich:
Mein Jesus lebt und herrschet ewiglich!

2.) Es betet dich der Himmel an,
Der Engel Scharen fallen nieder.
Die Jünger haben’s auch getan,
Ich ehre dich durch meine Lieder.
Du bist mein Gott, mein König nur allein,
Ich geb mich dir, mein ganzes Herz ist dein.

3.) Nun steht der andre Adam da,
In’s Paradies auf’s neu versetzet.
Die offne Pfort‘ im Geist ist nah.
Wer mit ihm stirbt, wird mit ergetzet.
Das Haupt ist durch und zieht die Glieder nach,
Durch Kreuz und Tod, zum sel’gen Ostertag.

4.) Das göttlich‘ Leben, das in mir
Und allen durch die Sünd‘ erstorben,
Nun grünet aus dem Tod herfür.
Mein Heiland hat’s so teu’r erworben.
Es leuchtet klar aus seinem Angesicht
Der Gottheit Bild, der Unschuld schönes Licht.

5.) Man kann aus deiner Gegenwart,
Erstandner Held, viel Wunder lesen:
Wie göttlich, herrlich, rein und zart,
Wie liebenswürdig ist dein Wesen!
O Jesu, schau, wie finster bin ich noch,
Verkläre mich nach deinem Bilde doch.

6.) Ich werfe, mit Maria, mich,
Mein Herr und Gott, zu deinen Füßen.
Und wenn ich dürfte, wollt ich dich,
Mit ihr, in Demut innigst küssen:
Sprich auch ein Wort mit Kraft in’s Herze mir,
So schau ich dich, so freu ich mich in dir.

7.) Verklärtes Haupt, nun lebest du.
Ach, lass mich, als dein Glied, auch leben.
Kannst du dem Elend sehen zu?
Willst du dein Kind nicht auch erheben
Aus Not und Tod, aus Sünd‘ und Eigenheit,
Zu leben dir in wahrer Heiligkeit?

8.) Du lebest fremde dieser Erd‘,
Im Paradies, in Gottes Frieden.
Gib, dass ich auch im Geiste werd‘
Also von allem abgeschieden.
Dem Eiteln tot, und dir im Geist gemein,
So leb in mir, o Lebensfürst, allein.

9.) Brich durch, er koste, was es will.
Was du nicht bist, lass in mir sterben,
Dass ich auch mög dies frohe Ziel,
Den Auferstehungsstand, ererben.
Ich kann ja nichts, ich lieg im Tod verhaft‘,
Wirk du in mir durch deines Lebens Kraft.

10.) Wirk du in mir, zieh himmelwärts
Begierden, Sinnen und Gedanken,
Dass, wo du bist, mein ganzes Herz
Von nun an leben mag ohn‘ Wanken:
Du bist nicht fern. Wer dich nur liebet rein,
Der kann im Geist bei dir im Himmel sein.

Hermann, Nikolaus – Halleluja, stimmt an ein Lied und preist des Himmels

1.) Halleluja, stimmt an ein Lied
Und preist des Himmels hohe Güt‘,
Springt, hüpft, frohlockt mit Freuden.
Da Christus aus dem Grabe steigt,
Und sich den Jüngern wieder zeigt,
Nach überstandnem Leiden:
Da der Siegherr
Triumphieret,
Jubilieret,
Da das Leben
Hat dem Tod Valet gegeben.

2.) O Tod, wo ist dein Stachel nun?
Was kann uns jetzt die Hölle tun?
Der Teufel legt darnieder.
Die Sünde mag uns schrecken nicht
Mit Gottes strengen Zorngericht:
Hier ist schon Rat dawider.
Jesus Christus,
Jetzt erstanden,
Macht zu Schanden,
Was kann quälen
Und betrüben unsre Seelen.

3.) So bald der dritte Tag brach an,
Nachdem war dieser Gottesmann
In’s finstre Grab geleget,
Begab viel Wunderdinge sich,
Die Erde ward ganz kräftiglich
Des Morgens früh beweget.
Da sich plötzlich,
Gleichsam blitzend,
Niedersitzend,
Nicht ohn‘ Grauen,
Ließ ein Himmelsbote schauen.

4.) Die Grabeshüter wurden blass,
Wie dieser auf den Steinen saß,
Vor Angst und großem Schrecken.
Sie hielten allda keine Ruh‘
Und eilten nach der Stadt hinzu,
Den Handel zu entdecken.
Da sich kecklich
Die verkehrten
Schriftgelehrten
Solche Sachen
Unternahmen falsch zu machen.

5.) Triumph! Was tust du, lose Rott‘?
Du bringst dich selbst in Hohn und Spott,
Mit allen deinen Tücken!
Erst meinst du, durch die Hüter soll
Der Sachen sein geraten wohl,
Da dieses nicht will glücken,
Wie kein Grabstein,
wie kein Siegel
Hilft, noch Riegel,
Will durch Lügen
Endlich du die Welt betrügen?

6.) Triumph! Der Herr dringt durch den Stein,
Den Hütern lässt er’s Grab allein
Und zeigt sich der Marien.
Die, was sich hab begeben dar,
Der hochbetrübten Jüngerschar
Erzählet ohn‘ Verziehen.
Ferner schafft er,
Dass die Brüder
Hin und wieder
Oft ihn sehen,
Kund zu tun sein Auferstehen.

7.) Viktoria, da steht der Held,
Und zeiget sich der ganzen Welt,
Als einen Überwinder.
Der hat dem Krieg ein Loch gemacht
Und nun den Frieden wiederbracht‘
Zum Trost der armen Sünder.
Singet, springet,
lasset hören,
Gott zu Ehren,
Freud‘ und Wonne!
Jetzt, jetzt scheint uns die Gnadensonne.

8.) O, starker Simson , dessen Macht
Der Seelenfeind hat umgebracht
Und ihre Werk zerstöret.
Nimm gnädig an den Lobgesang,
Womit von uns du wirst zum Dank
Demütig jetzt verehret.
Großer Siegsherr,
Hier auf Erden,
Bis wir werden
Besser droben
Dermaleinst dich können loben.

Hermann, Nikolaus – Gesegnet sei uns dieser Tag

1.) Gesegnet sei uns dieser Tag,
Daran der Feind darnieder lag.
Der Herr, der Helden größter Held,
Hat ihn mit starkem Arm gefällt.

2.) Ja alles, alles, was uns droht,
Die Sünde, Elend, selbst den Tod
Hat überwunden Jesus Christ,
Als er vom Tod erstanden ist.

3.) Verschlossen in dem Grabe lag
Der Herr nur bis zum dritten Tag.
Und dann hält ihn des Grabes Schoß
Nicht weiter fest, er reißt sich los.

4.) Der Heiland siegt‘ und drang empor
Aus seiner Gruft. Der Tod verlor
Von nun an alle seine Macht.
Das Leben ist an’s Licht gebracht.

5.) Erlöst durch Gottes starke Hand,
Die unser Elend abgewandt,
Verehren wir den, welcher kam
Und unsre Lasten auf sich nahm.

6.) Was ist denn, das uns ferner droht,
Wenn wir dem göttlichen Gebot
Getreu sind und von Sünden rein,
Mit Eifer uns der Tugend weihn?

7.) Dann trifft das schreckliche Gericht
Der Sünde unsre Seele nicht.
Uns kommt des heilands teures Blut,
Das er für uns vergoss, zu gut.

8.) Dein Leiden, Herr, dein Tod und Grab
Drang uns die herbsten Tränen ab.
Doch dieser Tag, da du, o Herr,
Vom Tod erstandst, erfreut uns sehr.

9.) Drum, großer Sieger, singen wir
Ein jauzend Halleluja dir.
Dich preisen wir, o Jesu Christ!
Der du vom Tod erstanden bist.

Franck, Salomo – So ruhest du

So ruhest du, oh meine Ruh,
in deiner Grabeshöhle,
und erweckst durch deinen Tod
meine todte Seele.

Man senkt dich ein nach vieler Pein,
du meines Lebens Leben!
Dich hat jetzt ein Felsengrab,
Fels des Heils, umgeben.

Ach, bist du kalt, mein Aufenthalt?
Das macht die heiße Liebe,
die dich in das kalte Grab
durch ihr Feuer triebe.

O Lebensfürst, ich weiß, du wirst
mich wieder auferwecken:
sollte denn mein gläubig Herz
vor der Gruft erschrecken?

Sie wird mir sein ein Kämmerlein,
da ich auf Rosen liege,
weil ich nun durch deinen Tod
Tod und Grab besiege.

Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt;
doch wird er auferstehen,
und in ganz verklärter Zier
aus dem Grabe gehen.

Indes will ich, o Jesu, dich
in meine Seele senken,
und an deinen bittern Tod
bis ins Grab gedenken.

Geistliche Lieder

Weisse, Michael – Victime Pascali laudes

SIngen wir frölich alle sampt,
lobend unser Osterlamb!

Christus, unschuldig befunden,
ward als ein Lamb gebunden
und am Creutz gestochen,
nicht zubrochen.
Der tod wolt dz leben dempffen,
fieng an, mit jm zu kempffen
und ward uberwunden
und verschlungen.

Christus steyg zur Hellen
inn die untersten stellen,
da die Altuäter gefangen
sein warteten mit grossem verlangen.
Da grieff er den feind an
und band den gerüsten man,
nam jm seinn harnisch und haußrat
und sieget als ein gewaltiger Gott.

Nu ist er vom Tod erstanden und lebet inn klarheyt,
teylet mit uns seine gnade und warheyt.
O Christe, des Todes und der Hellen uberwinder,
erbarm dich heut aller armen Sünder!

Hilff, das sie von sünden auffstehn
und inn ein newes leben gehn! Alleluja!

Hermann, Nikolaus – Am heiligen Ostertag.

Ev. Marci 16.

Am Sabbath frühe Marien drei,
Kamen zum Grab mit Spezerei,
Als jetzt der helle Tag anbrach,
Und man die Sonn aufgehen sah.

Wer wälzt uns von des Grabes Thür
Den großen Stein, der leit dafür?
Alsbald sie aber kamen dar,
Der Stein davon gewälzet war.

Da gingen sie zum Grab hinein,
Und sahen drin die Engelein
Im Grab sitzen zur rechten Hand
In einem langen, weißen Gwand.

Sie sehr erschracken für dem Gsicht,
Der Engel antwort: Fürcht euch nicht,
Ihr sucht den gekreuzigten Christ,
Vom Tod er auferstanden ist.

Da sehet her, das ist die Statt,
An welcher er gelegen hat.
So geht nun hin, und sagts von Stund
Sein Jüngern und thuts Petro kund.

In Galiläam heißt sie gahn,
Da will der Herr sich sehen lan.
Zum Grab sie gingen schnell hinaus,
Es kam sie an ein Furcht und Graus.

Wir danken dir, Herr JEsu Christ,
Daß du vom Tod erstanden bist,
Und hast zerstört sein Gwalt und Macht
Und uns zum Leben wiederbracht.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Hermann, Nikolaus – Das Osterlamm, ein Abbild Christi.

Durchs Osterlamm bedeutet ist
Unser Heiland, der Herre Christ.
Kein Fehl noch mangel er an ihm hat,
Ist schuldig keiner Missethat.
Er wurd verrathen in der Nacht,
Und für aller Welt Sünd geschlacht.

Sein Blut unser Seelen bestreicht,
Tod., Sünd, Höll, Teufel von uns weicht.
Für uns in heißer Liebesflamm
Wurd er gebratn ans Kreuzes Stamm.
Was bedeut denn die bittere Salz?
Das Kreuz, wenns uns liegt auf dem Hals.

Rechtschaffne Lehr durch süße Brod
Dein Schrift uns fürgebildet hat.
Kein Sauerteig soll sein dabei,
Daß Lehr und Leben heilig sei.
Falsche Lehr ist das gesäurt Brod
Wer davon ißt, wird ausgerott.

Gegürt sein und Schuh haben an
Und ein Stab in den Händen han,
Bedeut, daß wir all Augenblick
Zu wandern sollen sein geschickt
Aus dem elenden Pilgrimsstand
Ins recht verheißne Vaterland.

Da hilf uns hin, Herr Jesu Christ,
Der du selbst fürgegangen bist
Deim Volk und sie errettest hast
Von der Egypter schweren Last;
Führ uns auch in das Vaterland,
Weil du dein Blut hast dran gewandt.

Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Hermann, Nikolaus – Vom Karfreitag, Sabbath und Ostertag.

AM Freitag mus ein jeder Christ
sein Creutz mit Christo tragen,
Bis der Sabbath verhanden ist,
denn ruht er in seim Grabe,
Bis kümbt der frölich Ostertag:
denn jn das Grab niht halten mag,
mit freuden er auffwachet!

Freitag, der Marter tag.

DEr Freitag wehrt die kleine zeit,
weil wir leben auff Erden,
Mit jamer, angst und hertzenleidt
daran betrübt wir werden,
Das macht Adams und unser schuldt!
wol dem, der sein Creutz mit gedult
dem HErren Christo nachtreget.

Sabbath, der Ruhetag.

AM Sabbath komen wir zu ruh,
all Creutz wird weggenomen,
Wenn uns itzt gehen die augen zu
und unser stund ist kommen,
Denn tregt man uns ins Rhubetlein,
darin gar sanfft wir schlaffen ein,
bis uns der HErr auffwecket.

Der Ostertag, der Freudentag.

DEnn kompt der frölich Ostertag,
so werdn wir all auffstehen!
Der Todt denn uns nicht halten mag,
entgegen werdn wir gehen
Christo und mit jm in seim Reich
leben in freuden ewigleich:
HErr Christ, das hilff uns, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Dieterich, Veit – Das frölich Ostergesang.

//Victime pascali laudes.//

Wir christen all itz frölich sein,
und Got je billich loben;
denn gopfert ist für unser sünd
um am kreuz hoch erhoben
das osterlam,
welchs von uns nam
den tod und Gottes zoren.

Das lam on alle sünde ward,
das für uns ist gestorben.
wir arme schaf, verirret gar,
weren also verdorben,
wo diß opfer
nicht von Got wer
zu unserm heil verordnet.

Diß ist doch je ein wunderding,
daß leben mit dem tode,
gar heftig kriegt und manlich ringt,
daß zletzt in solcher note
des lebens herr
stirbt in uner,
doch endlich wider lebet.

Denn Jesus Christ ist Gottes son,
ein fürst und herr des lebens.
was nun der tod an im hat ton,
ist ganz und gar vergebens;
denn Gottes macht
schwecht teufels kraft,
daß der tod nichts kan schaffen.

Der tod hat gsigt ein kleine zeit,
nit gar drei ganze tage;
der teufel hat darob groß freud,
daß Christus im grab lage.
hie hör, was gschicht:
Christus durchbricht
wol aus dem tod zum leben.

Sag uns, du liebe Magdalen,
da du vom grab weg liefest,
sahst nit bald hinter dir sten
Jesum, den du so liebtest?
erstanden war
aus todes gfar,
der itzt herrscht über alles.

Das grab stet öd, kein hüter mer
darbei sich itzt leßt finden.
zwen engel von Gott traten her,
die gute mer verkünden:
der kreuzigt Christ
nit im grab ist;
vom tod ist er erstanden.

Solchs ist gewiss, derhalb itz wir
von herzen frölich singen
und schreien all, o Christ, zu dir:
laß uns im tod gelingen,
daß wir mit dir
vom tode schier
zum leben durch hindringen!

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert
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