Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Weil der Mann mit fünf Wunden roth

Weil der Mann mit fünf Wunden roth
Verkünd’gen ließ den Seinen:
Ich fahre auf zum Vater, Gott,
Dem euren und dem meinen;
So ruft die ganze Zeugenwolk:
Willkommen unter deinem Volk,
Gott, Abba der Gemeinen!

2. Wer nun aus unsers Herren Tod
Erlangt ein neues Leben,
Der folgt mit Freuden dem Gebot,
Sein Herze zu erheben
Zum Vater, der so herzlich liebt,
Der alle gute Gaben gibt,
Und uns durch Christum regnet.

Friedrich August Weihe – Lobe den Herren

Lobe den Herren, den mächtigen Vater dort oben!
Auf, meine Seele, mit Beten und Danken und Loben!
Er ist dein Gott, Schöpfer und Helfer in Noth:
Schaue die herrlichsten Proben!

2. Lobe den Herren, den Mächtigen, Weisen und Treuen,
In dessen Namen sich Himmel und Erde erfreuen,
Der auch dich trägt,
Mütterlich leitet und pflegt;
Komm, dich ihm gänzlich zu weihen!

3. Lobe den Herren, den Sohn, die gekreuzigte Liebe!
Lobe, erhebe und sing‘ Ihm aus feurigem Triebe,
Dem, der dort starb, Und dich mit Blute erwarb,
Daß Er dein Eigenthum bliebe.

4. Lobe den Herren, der Sünde bezahlet und schenket,
Der seiner Kinder beständig zum Besten gedenket;
Dein ist sein Blut!
Er ist dein ewiges Gut,
Das dich belebet und lenket.

5. Lobe den Herren, den Geist, der dich lehret und treibet!
Der dir in Noth und Tod Tröster und Fürsprecher bleibet;
Er macht’s allein,
Daß du so selig kannst sein,
Daß dein Herz festiglich glaubet.

6. Lobe den Herren, den Geber unzähliger Gaben,
Die dich im Reiche der Gnad‘ und der Herrlichkeit laben!
Bitte sein viel,
Setze dem Loben kein Ziel,
So wirst du nehmen und haben.

Gerhardt, Paul – Du meine Seele singe

Du meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchen alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.

Ihr Menschen laßt euch lehren,
Es wird sehr nützlich sein:
Laßt euch doch nicht betören
Die Welt mit ihrem Schein.
Verlasse sich ja keiner
Auf Fürstenmacht und -gunst,
Weil sie wie unser einer
Nichts sind, als nur ein Dunst.

Was Mensch ist, muß erblassen
Und sinken in den Tod;
Er muß den Geist auslassen,
Selbst werden Erd und Kot.
Allda ists dann geschehen
Mit seinem klugen Rat
Und ist frei klar zu sehen,
Wie schwach sei Menschentat.

Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.

Hier sind die starken Kräfte,
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte,
die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzählge Herde
im großen wilden Meer.

Hier sind die treuen Sinnen,
die niemand unrecht tun,
all denen Gutes gönnen,
die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden,
und was er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden,
den schützt er im Gericht.

Er weiß viel tausend Weisen,
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen
oft bei geringem Mahl,
und die da sind gefangen,
die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden,
erleuchtet ihr Gesicht,
und die sich schwach befinden,
die stellt er aufgericht.
Er liebet alle Frommen,
und die ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen,
an ihm den besten Freund.

Er ist der Fremden Hütte,
Die Waisen nimmt er an,
Erfüllt der Witwen Bitte,
Wird selbst ihr Trost und Mann;
Die aber, die ihn hassen,
Bezahlet er mit Grimm,
Ihr Haus, und wo sie saßen,
Das wirft er üm und üm.

Ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König,
ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein Zelt,
ists billig, daß ich mehre
sein Lob vor aller Welt.

Gerhardt, Paul – Ich singe dir mit Herz und Mund

Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewußt.

Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.

Was sind wir doch? Was haben wir
auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir
allein gegeben werd?

Wer hat das schöne Himmelszelt
hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld
mit Tau und Regen netzt?

Wer wärmet uns in Kält und Frost
wer schützt uns vor dem Wind?
Wer macht es, daß man Öl und Most
zu seinen Zeiten findt?

Wer gibt uns Leben und Geblüt?
Wer hält mit seiner Hand
den güldnen, werten, edlen Fried
in unserm Vaterland?

Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir!
Du, du mußt alles tun,
du hältst die Wacht an unsrer Tür
und läßt uns sicher ruhn.

Du nährest uns von Jahr zu Jahr,
bleibst immer fromm und treu
und stehst uns, wenn wir in Gefahr
geraten, treulich bei.

Du strafst uns Sünder mit Geduld
und schlägst nicht allzusehr;
ja, endlich nimmst du unsre Schuld
und wirfst sie in das Meer.

Wann unser Herze seufzt und schreit,
wirst du gar leicht erweicht,
und gibst uns, was uns hoch erfreut
und dir zu Ehren reicht.

Du zählst, wie oft ein Christe wein
und was sein Kummer sei;
kein Zähr- und Tränlein ist so klein,
du hebst und legst es bei.

Du füllst des Lebens Mangel aus
mit dem, was ewig steht,
und führst uns in des Himmels Haus,
wenn uns die Erd entgeht.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring
und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,
dein Glanz und Freudenlicht,
dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,
schafft Rat und läßt dich nicht.

Was kränkst du dich in deinem Sinn
und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin
auf den, der dich gemacht.

Hat er dich nicht von Jugend auf
versorget und ernährt?
Wie manchen schweren Unglückslauf
hat er zurückgekehrt?

Er hat noch niemals was versehn
in seinem Regiment;
Nein, was er tut und läßt geschehn,
das nimmt ein gutes End.

Ei nun, so laß ihn ferner tun
und red ihm nicht darein,
so wirst du hier in Frieden ruhn
und ewig fröhlich sein.

Gerhardt, Paul – Merkt auf, merkt, Himmel, Erde

  1. Merkt auf, merkt, Himmel, Erde,
    Und du, o Meeresgrund,
    Was ich jetzt singen werde
    Aus Gottes heilgem Mund!
    Es fließe meine Lehre,
    Wie Tau und Regen fleußt;
    Wer Ohren hat, der höre
    Des Höchsten Wort und Geist.
  2. Es läßt der Herr euch weisen
    Sein Ehr und Namenszier;
    Die soll und will ich preisen,
    Das tut auch ihr mit mir.
    Er ist ein Gott der Götter,
    Ein Tröster in der Not,
    Ein Fels, ein einzger Retter
    Und selbst des Todes Tod.
  3. Sein Tun ist lauter Güte,
    Sein Werk ist rein und klar,
    Treu ist er am Gemüte,
    Im Wort und Reden wahr,
    Viel heiliger als die Engel,
    Die doch nur recht getan,
    Frei aller Fehl und Mängel,
    Fern von Unrechtsbahn.
  4. Er ist gerecht. Wir alle
    Sind schändlich angesteckt
    Mit Adams Sünd und Falle,
    Der täglich in uns heckt
    Viel böse schwere Taten,
    Die unserm großen Gott,
    Des kein Mensch kann entraten,
    Geraten nur zum Spott.
  5. Die ungeratnen Kinder,
    Die fallen von ihm ab
    Und werden freche Sünder,
    Vergessen aller Gab
    Und so viel tausend Güter
    Und so viel süßer Gnad,
    Die Ihnen Gott, ihr Hüter,
    So oft erwiesen hat.
  6. Dankst du denn solchermaßen,
    Du toll und töricht Volk,
    Dem, der dir regnen lassen
    Dein Manna aus der Volk
    Und aus des Himmels Kammer
    Dir Speisen zugeschickt,
    Damit in deinem Jammer
    Dein Herze würd erquickt?
  7. Woher hast du dein Leben
    Und deines Liebes Bild?
    Wer hat das Blut gegeben,
    Das dir die Adern füllt?
    Ists nicht dein Herr, dein Schöpfer,
    Dein Vater und dein Licht,
    Der dich, gleich als ein Töpfer,
    Von Erde zugericht?
  8. Gedenk und geh zurücke
    In die vergangnen Jahr;
    Erwäge, was für Glücke
    Gott deiner Väter Schar
    Erzeigt in schweren Zeiten!
    Das ist den Alten kund,
    Die werden dir andeuten
    Den rechten wahren Grund.
  9. Er stieß die wilden Heiden
    Mit seiner starken Hand
    Aus ihrer fetten Weiden
    Und gab das schöne Land
    Des Israels Geschlechte
    Zu seines Namens Ruhm
    Und Jacob, seinem Knechte,
    Zum Erb und Eigentum.
  10. Er fand ihn, wo es heulet,
    In dürrer Wüstenei,
    Er fand ihn und erteilet
    Ihm alle Vatertreu;
    Er lehret ihn, was tauge
    Und er selbst Tugend heiß,
    Er hielt ihn wie ein Auge
    Und sparte keinen Fleiß.
  11. Gleichwie ein Adler sitze
    Auf seiner zarten Brut
    Und gar genau beschützet,
    Was ihm am Herzen ruht;
    Er dehnt die starken Flügel,
    Wenn er sich hoch erschwingt
    Und über Tal und Hügel
    Sein edle Jungen bringt
  12. So hat sich auch gebreitet
    Des Höchsten Lieb und Gnad
    Auf Jakob, den er leitet,
    Auf daß ihm ja kein Schad
    Hier oder da anstieße:
    Er hub, er trug mit Fleiß,
    Bewahrt ihm Gang und Füße
    Auf seiner ganzen Reif.
  13. Er, sein Gott, tats alleine
    Und sonst kein anderer Gott;
    Es gaben Feld und Steine
    Öl, Honig, Wasser, Brot
    Ohn alle seine Mühe;
    Er hatte guten Mut
    Beim Fett der Schaf und Kühe
    Und trank gut Traubenblut.
  14. Da er nun wohl gegessen,
    Vergaß er Gottes Heil,
    Und da er des vergessen,
    Da wird er frech und geil;
    Da seine Not gestillet,
    Beschimpft er Gottes Ehr,
    Und da der Lieb gefüllet,
    Da wird das Herze leer.
  15. Leer wird es an dem Guten,
    Des Bösen wird es voll,
    Ließ Götzenopfer bluten
    Und dient, als wär er toll,
    Des schändlichen Feldteufeln:
    Und den, an dessen Macht
    Die Teufel selbst nicht zweifeln,
    Den ließ er aus der Acht.
  16. Er ließ den ewgen Retter
    Und gab sich in den Schirm
    Der neuerdachten Götter,
    Hielt Bestien und Gewürm
    Und Bilder von Metallen,
    Von Holz, von Stein und Ton,
    Den Heiden zu gefallen,
    Für seiner Seelen Kron.
  17. Als das nun der erkannte,
    Der Herz und Nieren kennt,
    Da wuchs sein Zorn und brannte,
    Gleichwie ein Feuer brennt:
    Und die er vor so schöne
    Geliebt an seinem Teil
    Als Töchter und als Söhne,
    Die wurden ihm ein Greul.
  18. Ich will mich, sprach er, wenden
    Von dieser schnöden Art,
    Die so abscheulich schänden
    Mich, der ich nichts gespart
    An meiner Treu und Güte:
    Ich habe recht geliebt,
    Dafür wird mein Gemüte
    Gekränket und betrübt.
  19. Sie reizen mich mit Sünden:
    Was gilt, es soll einmal
    Sich wieder etwas finden
    Zu ihrem Zorn und Qual!
    Es werden Völker kommen,
    Die blind sind als ein Stein:
    Sie sollen meine Frommen
    Und liebten Kinder sein.
  20. Mein Feuer ist entstanden
    Und brennet lichterloh
    In meines Volkes Landen,
    Die sind ihm wie das Stroh.
    Es wird weit um sich greifen
    Bis zu der Höllengrund
    Und alle Frucht abstreiten,
    Die auf der Erdenrund.
  21. Ich will mit meinen Pfeilen
    Sie treiben in den Tod:
    Es soll sie übereilen
    Schwert, Pest und Hungersnot.
    Ich will viel Tiere schicken
    Und strenges Schlangengift,
    Das soll zermartern, drücken
    Und fressen, wen es trifft.
  22. Ich will sie recht belohnen,
    Mein Zorn soll gleich ergehn,
    Auch derer nicht verschonen,
    Die jung, gerad und schön;
    Ich will sie all zerstäuben
    Und fragen hier und dort:
    Wo ist dann nun ihr Bleiben?
    Welch ist ihr Sitz und Ort?
  23. Doch muß ich gleichwohl scheuen
    Den ungereimten Wahn
    Der Feinde, die sich freuen,
    Als hätten sies getan.
    Sie bleiben wie die Narren
    Bei ihrem Gaukelspiel
    Und ziehn am Torheitkarren,
    Ich tu auch, was ich will.
  24. O, daß mein Volk verstünde
    Das edle schöne Gut,
    Das, wenns nun seine Sünde
    Bereut und Buße tut,
    Ihm nachmals wird beginnen!
    Denn was ich wieder segnen,
    Sobald es Gnade sucht.
  25. Mein Volk kommt aus Weinen,
    Sein Feind kommt aus der Ruh,
    Ihr tausend flieht vor einem,
    Wie geht das immer zu?
    Ihr Herr, ihr Fels und Leben,
    Ist weg aus ihrem Zeit,
    Er hat sie übergeben
    Zur Flucht ins freie Feld.
  26. Seid froh, ihr treuen Knechte
    Des Gottes Israel,
    Des Arm und starke Rechte
    Euch schützt an Leib und Seel,
    Habt fröhliches Vertrauen
    Und Glauben, der da siegt:
    So wird Gott wieder bauen,
    Was jetzt darniederliegt.
  27. Er wird am Feinde rächen,
    Was uns zuviel geschehn,
    Uns wird er Trost zusprechen,
    Uns wieder lassen sehn
    Die Sonne seiner Gnaden:
    Die wird in kurzer Zeit
    Des Landes Klag und Schaden
    Verkehrn in Glück und Freud.

Gerhardt, Paul – Sollt‘ ich meinem Gott nicht singen?

  1. Sollt’ ich meinem Gott nicht singen?
    Sollt’ ich ihm nicht dankbar sein?
    Denn ich seh’ in allen Dingen,
    Wie so gut er’s mit mir mein’.
    Ist doch nichts als lauter Lieben,
    Das sein treues Herze regt,
    Das ohn’ Ende hebt und trägt,
    Die in seinem Dienst sich üben.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb’ in Ewigkeit.
  2. Wie ein Adler sein Gefieder
    Über seine Jungen streckt,
    Also hat auch hin und wieder
    Mich des Höchsten Arm bedeckt.
    Alsobald im Mutterleibe,
    Da er mir mein Wesen gab
    Und das Leben, das ich hab
    Und noch diese Stunde treibe.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,
    Nein, er gibt ihn für mich hin,
    Daß er mich vom ew’gen Feuer
    Durch sein teures Blut gewinn’.
    O du unergründ’ter Brunnen,
    Wie will doch mein schwacher Geist,
    Ob er sich gleich hoch befleißt,
    Deine Tief’ ergründen können?
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb’ in Ewigkeit.
  4. Seinen Geist, den edlen Führer,
    Gibt er mir in seinem Wort,
    Daß er werde mein Regierer
    Durch die Welt zur Himmelspfort,
    Daß er mir mein Herz erfülle
    Mit dem hellen Glaubenslicht,
    Das des Todes Macht zerbricht
    Und die Hölle selbst macht stille.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  5. Meiner Seele Wohlergehen
    Hat er ja recht wohl bedacht.
    Will dem Leibe Not zustehen,
    Nimmt er’s gleichfalls wohl in acht.
    Wenn mein Können, mein Vermögen
    Nichts vermag, nichts helfen kann,
    Kommt mein Gott und hebt mir an
    Sein Vermögen beizulegen.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb’ in Ewigkeit.
  6. Himmel, Erd und ihre Heere
    Hat er mir zum Dienst bestellt;
    Wo ich nur mein Aug hinkehre,
    Find ich, was mich nährt und hält:
    Tier und Kräuter und Getreide
    In den Gründen, in der Höh,
    In den Büschen, in der See,
    Überall ist meine Weide.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen
    Und ermuntert mein Gemüt,
    Daß ich alle lieben Morgen
    Schaue neue Lieb’ und Güt’.
    Wäre mein Gott nicht gewesen,
    Hätte mich sein Angesicht
    Nicht geleitet, wär’ ich nicht
    Aus so mancher Angst genesen.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb’ in Ewigkeit.
  8. Wie so manche schwere Plage
    Wird vom Satan umgeführt,
    Die mich doch mein Lebetage
    Niemals noch bisher gerührt.
    Gottes Engel, den er sendet,
    Hat das Böse, was der Feind
    Anzurichten war gemeint,
    In die Ferne weggewendet.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  9. Wie ein Vater seinem Kinde
    Sein Herz niemals ganz entzeucht,
    Ob es gleich bisweilen Sünde
    Tut und aus der Bahne weicht:
    Also hält auch mein Verbrechen
    Mir mein frommer Gott zugut,
    Will mein Fehlen mit der Rut’
    Und nicht mit dem Schwerte rächen.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb’ in Ewigkeit.
  10. Seine Strafen, seine Schläge,
    Ob sie mir gleich bitter seind,
    Dennoch, wenn ichs recht erwäge,
    Sind es Zeichen, daß mein Freund,
    Der mich liebet, mein gedenke
    Und mich von der schnöden Welt,
    Die uns hart gefangen hält,
    Durch das Kreuze zu ihm lenke.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  11. Das weiß ich fürwahr und lasse
    Mirs nicht aus dem Sinne gehen:
    Christenkreuz hat seine Maße
    Und muß endlich stillen stehn;
    Wenn der Winter ausgeschneiet,
    Tritt der schöne Sommer ein:
    Also wird auch nach der Pein,
    Wers erwarten kann, erfreuet.
    Alles Ding währt seine Zeit,
    Gottes Lieb in Ewigkeit.
  12. Weil denn weder Ziel noch Ende
    Sich in Gottes Liebe find’t,
    Ei, so heb’ ich meine Hände
    Zu dir, Vater, als dein Kind,
    Bitte, woll’st mir Gnade geben,
    Dich aus aller meiner Macht
    Zu umfangen Tag und Nacht
    Hier in meinem ganzen Leben,
    Bis ich dich nach dieser Zeit
    Lob’ und lieb’ in Ewigkeit.

Gerhardt, Paul – Wir singen dir, Immanuel

Wir singen dir, Immanuel,
du Lebensfürst und Gnadenquell,
du Himmelsblum und Morgenstern,
du Jungfraunsohn, Herr aller Herrn!
Halleluja!

Wir singen dir in deinem Heer
aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr,
daß du, o lang gewünschter Gast,
dich nunmehr eingestellet hast.
Halleluja!

Von Anfang, da die Welt gemacht,
hat so manch Herz nach dir gewacht,
dich hat gehofft so lange Jahr
der Väter und Propheten Schar.
Halleluja!

Vor andern hat dein hoch begehrt
der Hirt und König deiner Herd,
der Mann, der dir so wohl gefiel,
wann er dir sang auf Saitenspiel.
Halleluja!

„Ach, daß der Herr aus Zion käm
und unsre Bande von uns nähm!
Ach, daß die Hülfe bräch herein,
so würde Jakob fröhlich sein!“
Halleluja!

Nun, du bist hier, da liegest du,
hältst in dem Kripplein deine Ruh,
bist klein und machst doch alles groß,
bekleidst die Welt und kommst doch bloß.
Halleluja!

Du kehrst in fremder Hausung ein,
und sind doch alle Himmel dein;
du liegst an deiner Mutter Brust
und bist doch selbst der Engel Lust.
Halleluja!

Du hast dem Meer sein Ziel gesteckt
und wirst mit Windeln zugedeckt;
bist Gott und liegst auf Heu und Stroh,
wirst Mensch und bist doch A und O.
Halleluja!

Du bist der Ursprung aller Freud
und duldest so viel Herzeleid;
bist aller Heiden Trost und Licht,
suchst selber Trost und findst ihn nicht.
Halleluja!

Du bist der größte Menschenfreund,
doch sind dir so viel Menschen feind;
Herodes achtet dich für Greul
und bist doch nichts als lauter Heil.
Halleluja!

Ich aber, dein geringster Knecht,
ich sag es frei und mein es recht:
ich liebe dich, doch nicht so viel,
als ich dich gerne lieben will.
Halleluja!

Der Will ist da, die Kraft ist klein,
doch wird dir nicht zuwider sein
mein armes Herz, und was es kann,
wirst du in Gnaden nehmen an.
Halleluja!

Hast du doch selbst dich schwach gemacht,
erwähltest, was die Welt veracht’t;
warst arm und dürftig, nahmst vorlieb
da, wo der Mangel dich hintrieb.
Halleluja!

Du schliefst ja auf der Erden Schoß;
so war das Kripplein auch nicht groß;
der Stall, das Heu, das dich umfing,
war alles schlecht und sehr gering.
Halleluja!

Darum so hab ich guten Mut;
du wirst auch halten mich für gut.
O Jesulein, dein frommer sinn
macht, daß ich so voll Trostes bin.
Halleluja!

Und bin ich gleich der Sünde voll,
hab ich gelebt nicht, wie ich soll:
ei, kommst du doch deswegen her,
daß sich der Sünder zu dir kehr.
Halleluja!

Hätt ich nicht auf mir Sündenschuld,
hätt ich kein Teil an deiner Huld;
vergeblich wärst du mir geborn,
wenn ich nicht wär in Gottes Zorn.
Halleluja!

So faß ich dich nun ohne Scheu,
du machst mich alles Jammers frei,
du trägst den Zorn, du würgst den Tod,
verkehrst in Freud all Angst und Not.
Halleluja!

Du bist mein Haupt, hinwiederum
bin ich dein Glied und Eigentum
und will, so viel dein Geist mir gibt,
stets dienen dir, wie dirs beliebt.
Halleluja!

Ich will dein Halleluja hier
mit Freuden singen für und für
und dort in deinem Ehrensaal
solls schallen ohne Zeit und Zahl.
Halleluja!

Gerhardt, Paul – Wie soll ich dich empfangen

Wie soll ich dich empfangen
und wie begegn’ ich dir,
o aller Welt Verlangen,
o meiner Seelen Zier?
O Jesus, Jesus, setze
mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze,
mir kund und wissend sei.

Dein Zion streut dir Palmen
und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen
ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen
in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen,
so gut es kann und weiß.

Was hast du unterlassen
zu meinem Trost und Freud?
Als Leib und Seele saßen
in ihrem größten Leid,
als mir das Reich genommen,
da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen
und hast mich froh gemacht.

Ich lag in schweren Banden,
du kamst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden,
du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren
und schenkst mir großes Gut,
daß sich nicht läßt verzehren,
wie irdisch Reichtum tut.

Nichts, nichts hat dich getrieben
zu mir vom Himmelszelt,
als dein getreues Lieben,
damit du alle Welt
in ihren tausend Plagen
und großen Jammerlast,
die kein Mund kann aussagen,
so fest umfangen hast.

Das schreib dir in dein Herze,
du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze
sich häufet mehr und mehr.
Seid unverzagt, ihr habet
die Hülfe vor der Tür;
der eure Herzen labet
und tröstet, steht allhier.

Ihr dürft euch nicht bemühen,
noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen
mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen,
ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen,
die ihm an euch bewußt.

Auch dürft ihr nicht erschrecken
vor eurer Sündenschuld;
nein, Jesus will sie decken
mit seiner Lieb und Huld.
Er kommt, er kommt den Sündern
zum Trost und wahren Heil,
schafft, daß bei Gottes Kindern
verbleib ihr Erb und Teil.

Was fragt ihr nach dem Schreien
der Feind und ihrer Tück?
Der Herr wird sie zerstreuen
in einem Augenblick.
Er kommt, er kommt, ein König,
dem alle Macht und List
der Feinde viel zu wenig
zum Widerstande ist.

Er kommt zum Weltgerichte,
zum Fluch dem, der ihm flucht,
mit Gnad und süßem Lichte
dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne,
und hol uns allzumal
zum ewgen Licht und Wonne
in deinen Freudensaal.

Michael Weisse – LOb vnd ehr mit stettem danckopffer

LOb vnd ehr mit stettem danckopffer
sey Gott vnsrem Vater, allmechtigen schöpffer,
sambt seinem Son,
der hie für vns hat genug gethan!
Dem heyligen Geyst gleycher weyse,
der mit seinen gaben die Seelen kan speysen
vnd sein Gesetz
schreyben inn der außerwelten hertz!
Diesem Got, dem einigen Sebaoth,
sey zu allen zeyten
lob vnd ehr vom gantzen himlischen heer
vnd auff allen seyten!
Auff dem gantzen erdtreych
dancksagung vnd klarheyt,
preyß, heyligkeyt,
benedeyung, krafft vnd herrligkeyt!

Wer kan dich, Herr, genugsamm preysen
vnd deim grösten Namen wirdig ehr beweysen!
du bist herrlich,
dein NAmen erschrecklich vnd ehrlich.
Wer kan doch deine gwallt außsprechen?
wer kan deine wunder vnd thatten außrechnen?
ey nu wolan,
lobe Gott den Herrn wer loben kan!
Von auffgang biß zur Sonnen nidergang
sey dir lob gesungen!
deine macht werd verkündet tag vnd nacht
frey von allen zungen!
Dein heyliger Namen
werd yetzt vnd alle zeyt
inn ewigkeyt
gelobt, gepreyst vnd gebenedeyt!

Wer mag dich, Herre Gott, durchgründen?
wer kan deines wesens ort vnd end erfinden?
wer kan entgehn
oder deiner gwalt sonst widerstehn?
Was kan on dich auf erden leben?
was inn lüfften schweben vnd inn wassern beben?
welch mensch kan sich
oder welch viech erneren on dich?
Herr Gott, Allmechtiger Sebaoth!
du bist der regieret,
der die Welt erhelt in jrer gestalt,
fruchtbar macht vnd zieret,
Den Himel vmbwendet,
lest donnern vnd regnen:
o Herr, on dich
kan nichts leben, beben noch schweben!

Wer kan dir, Herre, von vns krancken
deiner gnad vnd wolthat jmmermer verdancken,
welch vns dein Son
nach deim willen thut vnd hat gethan?
Diesen hast du für vns gegeben
vnd inn jm versprochen das ewige Leben,
gebenedeyt
vnd vom Todt, Sünd vnd Teuffel gefreyt.
Herre Gott! wie groß ist deine genad
vber so vil Sünder,
die du nu durch deinn Son fürest zur rhu,
machest vberwinder
Der Welt vnd des fleysches,
auch aller Sünden krafft,
durch den harisch
des glaubens inn stetter Ritterschafft.

Nu sey dir, Vater, danck gesaget,
das es deiner Weyßheyt also hat behaget,
durch deinen Son
deinem Völcklein so vil guts zu thun!
Diß durch deinen Geyst zu regieren
vnd durch vil anfechtung wie gold zu probieren,
daß alhie fein
vnd dort ewig wer inn hellem schein!
Frewt euch heut, o jr Christglaubigen leut,
denn euch ist gelungen!
Christus hat als ein Mensch vnd warer Gott
hier für euch gerungen,
Erlanget einn Namen
vber alle namen,
vnd diesem sey
lob vnd ehr inn ewigkeyt, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer