Albert Zeller – Ich will mein Kreuz mit Freuden tragen

Ich will mein Kreuz mit Freuden tragen
Vom Morgen- bis zum Abendstrahl,
So lang der Herr es mir lässt tagen
Auf Höhen und im tiefen Tal,
Ja durch den Strom der bittern Leiden,
Der an des Lebens Ufer schlägt:
O möge Gott mich nur begleiten,
So lang ein Hauch in mir sich regt!

Was ist mein Kreuz und meine Freude?
Dass ich den irren Wandersmann,
Der auf des Stromes düstrer Seite
Kömmt klagend und verzagend an,
Darf durch die Flut hinüber tragen
Ans Ufer, das ihm Rettung beut
Und auf den Lauf von seinen Tagen
Aufs Neue Licht und Hoffnung streut.

O welche Wonne, welch Entzücken,
Wenn seine Rettung ganz gelingt!
Wie nehm ich fröhlich auf den Rücken,
Was mir die nächste Stunde bringt!
O könnt ich immer davon zeugen!
Doch anders will es Gottes Rat,
Ich muss verstummen und mich beugen,
Auch wenn sich Tod und Unheil naht.

Wie braust der Strom oft so gewaltig
In trüben Wogen wild einher!
Wie droht die Not so tausendfaltig,
Wie wird die teure Last so schwer,
Dass es mir ist, als wenn ich trüge
Auf meinen Schultern eine Welt:
Da schau ich eines Kindes Züge,
Das leise mich umschlungen hält.

Es ist mein Heiland, den ich trage!
Wie hab ich das so sehr verkannt?
Zum Jubel wird die stumme Klage,
Er reicht mir lächelnd seine Hand,
Und neue Kraft durchströmt die Glieder
Vom Haupt zur Sohle wunderbar,
Der Sturm verbraust und ruhig wieder
Fließt das Gewässer, rein und klar.

Kurz war die himmlische Erscheinung,
Ich trag die alte Kreuzeslast;
Doch hab ich ihre tiefste Meinung
Ins innerste Gemüt gefasst:
Ich habe meinen Herrn gesehen
In seiner Kindeslieblichkeit,
Ich darf zufrieden weiter gehen
Durch alle Strömung dieser Zeit.

Und reißt sie heute oder morgen
Mich nieder mit der lieben Last,
Ich will darum nicht weiter sorgen,
Bin ich hienieden doch nur Gast:
Der mein und aller Menschen Sünden
Auf seines Lammesschultern trug,
Er lässt auch mich die Heimat finden,
Wenn er einst spricht: Es ist genug!

Albert Zeller – Ich sink an seinem Kreuze nieder

Ich sink an seinem Kreuze nieder
Und knie mit Maria hin,
Wir Alle sind ja Schwestern, Brüder;
Ein Leid beweget unsern Sinn.

Da hängt Er zwischen Erd und Himmel,
Der Sohn, der Erd und Himmel schuf!
Ein rohes, tosendes Getümmel
Verschlingt fast seinen Abschiedsruf.

Ich hab ihn mit ans Kreuz geschlagen,
Und klage mich des jammernd an;
Er aber betet ohne Klagen:
„Sie wissen nicht, was sie getan!“

Der Retter stirbt, der Herr des Lebens,
Er stirbt für uns den Menschentod.
Lass ihn nicht sterben, Mensch, vergebens!
Der Herr des Lebens ist dein Gott!

Da fasst ein Jubel sonder Gleichen
Im Schmerz die Seele wunderbar;
Durch dunkle Wolken niederreichen
Sieht man den Himmel rein und klar.

Vergeben sind sie uns, vergeben,
Die Sünden unsrer Erdenlust:
Ein himmlisch Weinen, Danken, Beben
Erfüllt die sturmzerriss’ne Brust.

Aufs Neu geschenkt sind wir uns Alle;
Das Lied des Heils steigt himmelwärts,
Und den entsühnten Brüdern falle
Entsühnt ich selber an das Herz.

Arnold, Gottfried – Preis des Kreuzes Christi.

Nichts, gar nichts auf dieser Erden
Ist, das mich erfreuen kann;
Eins ist, das mir lieb will werden,
Und zu zieh’n mich fänget an:
Einer ist mein höchstes Gut:
Der mir hilft mit seinem Blut.

Zwar Er tut es nur verborgen,
Dass der alte Mensch sich nicht
Achte frei von Todessorgen;
Doch wend‘ ich mein Angesicht
Lieb’s und hoffnungsvoll auf Ihn,
Dann fällt aller Kummer hin.

Schlag‘ und plag‘, Herr, nach Gefallen,
Töte nur mein Fleisch hinfort:
Liebe bleibt doch treu in Allen,
Haltend des Geliebten Wort;
Liebe schätzt auch das nicht schwer,
Was sonst unerträglich wär‘!

Tretet her, ihr Gotteslieben,
Die ihr auch, wie ich, zum Holz
Durch die Liebe seid getrieben:
Seid am Kreuz in Liebe stoiz!
Denn es ist kein schlechtes Gut,
lieben Das, was wehe tut.

Laßt und diese Gnaden loben,
So wie die Erkauften tun!
Vor des Lammes Thron dort oben
Soll das Danken nimmer ruh’n.
Preis sei dem erwürgten Lamm!
So sing ich vor’m Kreuzesstamm.

Gerhardt, Paul – Hör an, mein Herz, die sieben Wort

1. Hör an, mein Herz, die sieben Wort,
die Jesus ausgesprochen,
Da ihm durch Qual und blutgen Mord
sein Herz am Kreuz gebrochen.
Tu auf den Schrein
und schleuß sie ein
als edel Höhegaben,
So wirst du Freud
in schwerem Leid
und Trost am Kreuz haben.

2. Sein allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen,
Bat, daß sein GOtt der bösen Schar
wollt ihre Sünd erlassen.
Vergib, vergib,
sprach er aus Lieb,
o Vater, Ihnen allen!
Ihr keiner ist,
der säh und wüßt,
in was für Tat sie fallen.

3. Lehrt uns hiermit, wie schön es sei,
die lieben, die uns kränken,
Und Ihnen ohne ohne Heuchelei
all ihre Fehler schencken.
Er zeigt zugleich,
wie Gnadenreich
und fromm sei sein Gemüte,
Daß auch sein Feind,
ders böse meint,
bei ihm nichts find als Güte.

4. Drauf spricht er seine Mutter an,
die bei Johanne stunde,
Tröst‘t sie am Kreuz, so gut er kann,
mit seinem schwachen Munde:
Sieh hier dein Sohn!
Weib, der wird schon
mein Amt bei dir verwalten.
Und, Jünger, sieh,
hier stehet, die
du sollst als Mutter halten.

5. Ach, treues Herz, so sorgest du
für alle deine Frommen.
Du siehst und schauest fleißig zu,
wie sie in Trübsal kommen,
Trittst auch mit Rat
und treuer Tat
zu Ihnen auf die Seiten,
Du bringst sie fort,
gibst Ihnen Ort
und Raum bei guten Leuten.

6. Die dritte Red hast du getan
dem, der dich, HErr, gebeten:
Gedenk und nimm dich meiner an,
wenn du nun wirst eintreten
In deinen Thron
und Ehr und Kron
als Himmelsfürst auf setzen!

7. O süßes Wort, o Freudenstimm!
Was will uns nun erschrecken?
Laß gleich den Tod mit großen Grimm
hergehn aus allen Ecken;
Stürmt er gleich sehr,
was kann er mehr,
als Leib und Seele scheiden?
Indessen schwing
ich mich und spring
ins Paradies mit Freuden.

8. Nun wohl, der Schächer wird mit Freud
aus Christi Wort erfüllt,
Er aber selbst fängt an und schreit,
gleich als ein Leue brüllt:
Eli, mein Gott!
welch Angst und Not
muß ich, dein Kind, ausstehen!
Ich ruf, und du
schweigst still dazu,
läßt mich zu Grunde gehen.

9. Nimm dies zur Folge, frommes Kind,
wann GOtt sich grausam stellet,
Schau, daß du wenn sich Trübsal findt,
nicht werdest umgefället.
Halt steif und fest:
der dich jetzt lätzt,
wird dich gar bald erfreuen,
Sei du nur treu
und halt dabei
stark an mit gläubgem Schreien.

10. Der HErr fährt fort, ruft laut und hell
klagt, wie ihn heftig dürfte:
Mich dürftet, sprach der ewge Quell
und edel Lebensfürste.
Was meint er hier?
Er zeigt dir,
wie mutig er getragen
An deiner Last,
die du ihm hast
gemacht in Sündentagen.

11. Er deutet auch darneben an,
wie ihn so hoch verlange,
Daß dies sein sein Kreuz bei jedermann
Frucht bring und wohl verfange.
Das merk mit Fleiß,
wer sich im Schweiß
der Seelenangst muß quälen:
Das ewge Licht
Schleußt keinen nicht
vom Teil und Heil der Seelen.

12. Als nun des Todes finstre Nacht
begunnt hereinzudringen,
Sprach Gottes Sohn: Es ist vollbracht
das, was ich soll vollbringen.
Was hier und dar
die heilge Schar
der Väter und Propheten
Hat aufgesetzt,
wie man zuletzt
mich kreuzgen würd und töten.

13. Ists denn vollbracht, was willst du nun
dich so vergeblich plagen,
Als müßt ein Mensch mit seinem Tun
die Sündenschuld abtragen?
Es ist vollbracht!
Das nimm in Acht,
du darfst hier nichts zu geben,
Als daß du gläubst
und gläubig bleibst
in deinem ganzen Leben.

14. Nun endlich redt er noch einmal,
schreit auf ohn alle Maßen:
Mein Vater, nimm in dein Saal
das, was ich jetzt muß lassen:
Nimm meinen Geist,
der hier sich reißt
aus meinem halten Herzen!
Und hiermit wird
der große Hirt
entbunden aller Schmerzen.

15. O wollte GOtt, daß ich mein End
auch also möchte Enden
Und meinen Geist in Gottes Händ
und treuen Schoß hinsenden!
Ach laß, mein Hort,
dein letztes Wort
mein letztes Wort auch werden!
So werd ich schön
und selig gehn
zum Vater von der Erden.

unbekannt – De Hymnus, Vexilla regis Prodeunt.

DEs Köninges bannern ghan herör,
de frucht des Crützes sweuet hoch her,
An dem de Schepper alles flesches
gehangen hefft ynn snöder wise.

Am suluen dartho seer vorwundt
mit einem scharpen spher thor negenden stundt,
Syne syde gaff water vnde blot
thor vordelginge der Helschen gloth.

Dat Dauid sang, ward do vorfült
mit lauesengen vm geiste gar milde,
Tho den minschen seggende also:
Godt herschet am holte aldar.

Des Crützes holdt getziret ys,
mit purpuren des Köninges Christ,
Als ein gantz gudt vtherwelt stamm,
de solcke ledtmate dragen kan.

Darane ys vtgerecket de heil,
dat lohn, vor welcker de werlt was veil,
Der sünde börden he vp sick nam,
der Helle roeff he herlick wan.

Solck Crütze billick tho lauen ys,
daran me Gades heimelicheit list,
Dar anne ligt aller Christen trost,
wente Godt vorbüt alle frömde lust.

Danck sy dy, Godt dreueldichlick,
all wat leuet priset darumme dick,
Dat du doch des frönen Crützes Dod
vnd heffst erlöst vth ewiger nodt. Amen.

Quelle

Tersteegen, Gerhard – Das Kreuz ist dennoch gut

1.) Das Kreuz ist dennoch gut,
Ob es gleich wehe tut.
Der gute Gott es giebet,
Drum muss es sein geliebet.
Ei, fasse guten Mut!
Was bitter ist im Munde,
Ist innerlich gesunde,
Es ist so gut, so gut.

2.) Das Kreuz ist dennoch schön,
Kann’s gleich Vernunft nicht sehn.
Man wird im Kreuz geehret,
Mit Gottes Sohn verkläret,
Die Engel um dich stehn,
Sie schauen dich mit Freunden
Im stillen Geiste leiden.
Es ist so schön, so schön.

3.) Das Kreuz macht Gott gemein ,
Es treibt den Sinn hinein,
Der sonst gern ausspazieret
Und leicht das Herz verführet.
Nun sammelt er sich fein,
Er mag von Welt nicht hören,
Er muss in Gott sich kehren
Und wird mit Gott gemein.

4.) Wo Kreuz ist, das ist Licht.
Du kennst dich selber nicht,
Solang du nicht probieret.
Du hast, wie sich’s gebühret,
Von Gott auch kein Gesicht.
Kreuz lehrt dich alle Wahrheit,
Kreuz führt dich in die Klarheit.
Wo Kreuz ist, das ist Licht.

5.) Das Kreuz macht hell und rein,
Es fegt den falschen Schein,
Die heimelichsten Flecken
Im Kreuze sich entdecken,
Geschieht es gleich mit Pein.
Der Schaum der Eitelkeiten
Zerschmilzt in Kreuz und Leiden.
Es macht so rein, so rein.

6.) Das Kreuz macht dich gebeugt,
Geschmeidig und erweicht,
Der ungebrochne Wille
Wird kindlich, sanft und stille,
Der Geist vor Gott sich neigt,
Das Herz will gern zerfließen
In aller Menschen Füßen.
Es wird sogar gebeugt.

7.) Im Kreuze wird man klein.
Der eingebild’te Schein
Und alles hohe Dünken
Muss in dem Kreuze sinken,
Da lernt man Gott allein
Verehren und erheben,
In seinem Nichts zu leben.
Man wird so klein, so klein.

8.) Kreuz führt dich aus der Not
Ins Leben durch den Tod.
Kannst du dein eignes Leben
Dem Tod am Kreuz ergeben
Und ganz dich lassen Gott –
Bald steht der Geist im Frieden,
Vergnügt und abgeschieden
Von Jammer, Angst und Not.

9.) Ich lieb das liebe Kreuz
Und wollt aus heil’gem Geiz
Der ganzen Welt Vergnügen
Dafür wohl lassen liegen,
Ich küss es ja bereits.
Mein Kreuzesfürst, mein Leben
Sei völlig dir ergeben
Und deinem lieben Kreuz.

10.) Vom Kreuz ins Paradies,
Vom Leiden zum Genieß
Ist Jesus vorgegangen.
Willst du die Kron erlangen,
So halt das Kreuz gewiss!
O Jesu, mit mir leide,
Bis dass ich endlich scheide
Vom Kreuz ins Paradies!

Hermann, Nikolaus – O heiligs Kreuz, daran Christus starb

1.) O heiligs Kreuz, daran Christus starb,
Und das Leben uns erwarb,
Singen wolln wir dein‘ Kampf und Streit,
Wie der Feind durch dich unten leit!
Dein Triumph, Sieg und Herrlichkeit
Rühmt man in der Welt weit und breit.

2.) Kein Wald hat auf dem ganzen Erdreich
Ein‘ Baum, der sich dir vergleich:
Du grünst und blühst lieblich und fein,
Holdselig deine Blätter sein,
Preisen muss man auch deine Zweig‘,
Kein Baum trägt Frücht‘ deinen gleich.

3.) O, wie gar ein‘ holdselige Last
An dei’m Stamm du getragen hast!
O, wie teuer sind deine Äst‘,
Dran sich Gottes Sohn hängen lässt,
Und seine Arm‘ an dir ausgespannt,
Dass alles zu sich zieh sein Hand!

4.) Da unser aller Vater Adam
Verführt wurd durchs Weib Evam,
Welche die Schlang‘ erstlich versucht
Und betrug durch des Baumes Frucht,
Dass sie sündigten wider Gott
Und fielen in sünd‘, Schand und Tod:

5.) Solch’s jammert die göttlich‘ Majestät
Und beschloss in ihrem Rat:
Der Schad‘, durch ein Baum verursacht,
Sollt am Baum werden wiederbracht
Und am Holz sollt werden gebüßt
All’s, was am Holz gesündigt ist.

6.) Also wollt‘ des Feindes Trug und List,
Dadurch der Mensch verführet ist,
Mit gleichem Maß und ‚Schwingigkeit
Vergelten die göttlich‘ Weisheit:
Die Arznei sollt den Ursprung ha’n,
Darum erstlich der Schad herkam!

7.) Als nun herbei kam die selige Zeit,
Bestimmt von der Dreifaltigkeit,
Wurd‘ vom Vater ins Fleisch gesandt
Sein Sohn der Welt zu ei’m Heiland,
Und ein Jungfräulein schwanger war
Und den Schöpfer der Welt gebar.

8.) Da wurd er, wie sonst ein Kindlein klein,
Gewickelt in Windelein.
Er wuchs und ging in Knechtsgestalt
Bis dass er dreißig Jahr wurd‘ alt,
Da wurd‘ sein‘ Gottheit offenbar
Durch sein‘ Wunden, Leben und Lehr‘.

9.) Als er nun sein Lauf vollendet hat‘,
Wurd‘ er durch den Hohen Rat
Geschlagen an des Kreuzes Stamm‘,
Wo er der Welt Sünd‘ auf sich nahm
Und bezahlt mit großer Geduld,
Was Adam und wir ha’n verschuld’t.

10.) Essig und Gall‘ ließ man in sein‘ Mund,
Ein Speer ihm sein Seit‘ verwundt,
Draus floss Wasser mit rotem Blut,
Das der Welt Sünd‘ abwaschen tut,
Dadurch wurd‘ durch seinen Tod
Mit dem Menschen versühnet Gott.

11.) O, du holdseliger Kreuzesstamm,
Der zu solchen Ehren kam,
Das du trugest der ganzen Welt
Einig’s Opfer und Lösegeld,
Und dich färbet mit seinem Blut
Das Lamm Gottes, das höchste Gut!

12.) Ehr sei Gott Vater im Himmels-Thron
Und Christo, sein’m einigen Sohn,
Samt dem heiligen Geist, der gleich ist
Gott Vater und dir, o Herr Christ,
Von nun an bis in Ewigkeit!
O, du heilge Dreifaltigkeit!

Gerhardt, Paul – Als Gottes Lamm und Leue

1. Als Gottes Lamm und Leue
Entschlafen und verschieden,
Erwacht in Lieb und Treue
Ein Paar recht frommer Jüden.
Die machten sich zum Kreuz hinzu,
Dich, o du unser ewge Ruh,
Zu deiner Ruh zu bringen.

2. Also weiß Gott die Seinen
Am Kreuz in Acht zu nehmen
Und, die es böse meinen,
Zur rechten Zeit zu zähmen.
Das Wüten nimmt zuletzt ein End,
Und wenn die Unschuld gnug geschändt,
So findt sich, der sie ehre.

3. Dann einer aus dem Rate,
Joseph, der fromme Reiche,
Der wagt es, ging und bate
Pilatum um die Leiche.
Pilatus war bereit und gab
Befehl, daß man sie nähm herab
Und Joseph übergäbe.

4. Gelegnet sei dein Wille,
Joseph, und dein Begehren,
GOtt wolle dir die Fülle
Der Freuden dort gewähren,
Daß du, den meine Seele liebt,
Vom Kreuze, da man ihn betrübt,
So freudig losgebeten.

5. Hierzu hat sich auch funden
Des Nicodemi Treue,
Der bringt bei hundert Pfunden
Der besten Spezereie,
Die Myrrhen samt der Aloe
Zu salben den, der aus der Höh
Uns salbt mit seinem Geiste.

6. Da siehst du, wie die Schwachen
Zuletzt gestärkt werden.
GOtt kann zu Helden machen,
Was blöd ist hier auf Erden.
Der Glaube, der im Finstern lag,
Bricht endlich an den hellen Tag
Und leuchtet wie die Sonne.

7. Nun, diese beiden Frommen
Ergreifen mit viel Weinen
Den, der vom Kreuz genommen,
Und wickeln ihn in Leinen,
Verwahren ihn zugleich dabei
Mit edler teurer Spezerei,
Wie in Judäa bräuchlich.

8. So soll man Christum ehren,
Wann er nun liegt darnieder.
Wir sollen balsamieren
Ihn und sein arme Glieder,
Die Unbekleidten wickln ein
Und die, so ganz verlassen sein,
Mit unsrer Hilf annehmen.

9. Es war nicht weit von hinnen,
Wo Christus starb, zu schauen
Ein Garten und darinnen
Des Josephs Grab, gehauen
Gar neu in einem Felsenstein,
Da legten ihren Schatz hinein
die zwei gelieben Herzen.

10. Ach Jesu, dessen Schmerzen
Mir all mein Heil erworben,
Komm, ruh in meinem Herzen,
Das in der Sünd erstorben!
Laß dirs gefallen, ich will dir
Dein Grab bereiten in mir hier,
So leb und sterb ich selig.