Ringwaldt, Bartholomäus – Abendmahlslied (HErr Jesu Christ, du höchstes Gut)

HErr Jesu Christ, du höchstes Gut,
du Brunnquell aller Gnaden!
wir kommen, deinen Leib und Blut,
wie du uns hast geladen,
zu deiner Liebe Herrlichkeit
uns unsrer Seelen Seligkeit
zu eßen und zu trinken.

O Jesu, mach uns selbst bereit
zu diesem hohen Werke,
schenk uns dein schönes Ehrenkleid
durch deines Geistes Stärke;
hilf, daß wir würdge Gäste sein,
und werden dir gepflanzet ein
zum ewgen Himmelswesen.

Bleib du in uns, daß wir in dir
auch bis ans Ende bleiben;
laß Sünd und Noth uns für und für
von dir nicht wieder treiben,
bis wir durch deines Nachtmahls Kraft
zu Auserwählten fortgeschafft
und ewig selig werden.

Geistliche Lieder

Weisse, Michael – Christus in leiblicher Person

CHristus jnn leiblicher person
ist imm himmel vor Gottes thron,
Das zeigt die schriefft so klerlich an,
das auch kein Christen leugnen kann.

Aber mit seim heiligen geist
begabt er sein volck allermeist,
Richtet sein auserwelten an,
das sein wort jnn ihn hafften kan.

Nimpt sie durch seine boten auf,
unnd versichert sie mit der tauff,
Ja auch mit seinem testament,
das er ihn günstig sey on end.

Die menschen, durch Christum erkaufft
unnd jnn seine warheit getaufft,
Seind edler denn das testament,
welchs er doch seinen leichnam nennt.

Denn er verordnets jhn zu dienst,
daß ihnen zeuget sein verdienst,
Yhnen zu dienst leid er den todt,
trit auch yhnen zu dienst für Got.

Ihnen giebet er grossen preis,
wiel auch, das man yhn gunst beweiß,
Ja auch dienen die sacrament
und was man creaturen nennt.

Wer anders leert, der jrret ser
wider Christum und seine leer
Und ist gewies ein falsch prophet,
wenn er gleich wunderzeichen thet.

Das sacrament bleibt wein und brot
und wirt nicht verwandelt inn Got,
Es wirt wol leib und blut genant,
hat aber geistlichen verstandt.

Christi leib und blut, blos und schlecht,
macht niemanden vor Got gerecht,
Aber der geist inn seiner krafft
giebt vielen dörren hertzen saft.

Der Herr redet an manchem ort
durch gleichnis und verborgne wort:
Solt mans dann als fleischlich verstehn,
so müst der glaub zu boden gehn.

Die ersten Christen glaubten recht
und entpfingen wirdig und schlecht
Das testament nach Christi leer,
beweysten yhm nicht Gotlich ehr.

Ey, last unns auch des gleichen thun
und got bieten durch seinen sohn,
Das er uns das verleihen wolt
und bewaren inn seiner huld!

unbekannt – Das Hymnus Pange lingua

Ende des funfzehnte Jahrhunderts.

MEin zung erkling und frölich sing
von dem zarten leychnam fron,
Von dem blut und kostlichen ding,
dz gossen hat der welt zu lohn
Frucht des leybes
reinen weybes,
der künig aller völcker schon.

Uns geboren außerkoren
von der zarten junckfraw feyn,
Bey uns drey und dreyssig jaren
außgesprengt den samen seyn,
Da beschlossen
unuerdrossen
sein zeyt in wunderwerk und peyn.

Auff des letzten nachtmals essen,
als er bey den brüdern saß,
Das gesatz ward nicht vergessen,
als er das Osterlemblin aß,
Wolt er senden
mit seynen henden
den jüngern sich zu eynem maß.

Fleysch aus worten und wares brot
ward auß wort zu fleysch gemacht,
Weyn verwandelt sich in blut,
wiewol vernunfft das nit verstat,
Uns zu stercken
ist zu mercken:
allein eyn guter glaub ist not.

Darumb last uns fleyssig ehren
ein so grosses sacrament,
Das new ist und macht aufhören
dz gesatz des alten testament.
Der glaub leren
macht uns mehren
was unser sinn nit han erkent.

Lob und freüd sey Gott dem vatter,
Gott dem sün sey heyl und preyß,
Krafft, zier, ewig segen hat er;
dem geyst, der von in beyde entspreüst,
Lob deß gleychen
ewigklichen,
von jm all gnad und tugent fleüst.

Weisse, Michael – WIr glauben all und bekennen frey.

Aus der Ausgabe: „EIn hübsch new Christenlich gesangbuoch rc. Getruckt und volendet inn der Löblichen Statt Ulm, Durch Hansen Varniev rc.“ M.D.XXXIX.

WIr glauben all und bekennen frey,
das nach Christi wort diß brot Testamentlich sey,
Sein leib, der für unser missethat
am creütz leyd den bittern tod,

Deßgleichen der wein in seiner arth
sein unschuldig blut, wölchs am creütz vergossen ward,
Uns unnd allen glaubigen zu gut,
so jm volgen inn demut.

Weisse, Michael – Da Christus von uns scheiden wolt

Von dem Testament des Herren, etc.

1. Da Christus von uns scheiden wolt
und sich opffern für unser schult,
Verordnet er uns brot und wein,
das es sein leib und blut solt sein.

2. Wol dem, der ihr wirdig geneust,
ihr warheit inn sein hertz verschleust,
Denn sie zeuget ihm, das er frey
und ein recht mit gnoß Christi sey.

3. Wer sie aber, wie Judas thet,
on allen geist gotes entpfeht,
Dem giebet sie, wie Paulus spricht,
nichts anders denn schult und gericht.

4. Wer Christum nicht imm hertzen hat
sonder nur sucht inn wein und brot,
Den betreugt seine zuversicht,
denn was er sucht, dz findt er nicht.

5. Wacht, ihr Christen, und seht euch für,
das euch kein falsch prophet verfur,
Wenn sie kommenn unnd sagen frey,
das Christus persönlich da sey.

6. Die schriefft zeiget uns reichlich an,
was Christus sey und was er kan,
Auch wie er sey an einem ort
und nicht auf ein mal hie und dort.

7. Leiblich ist er vor Gotes trohn,
für uns ein stet opffer zu thun,
Aber durch seinn geist ist er hie,
das er uns alle nach sich zieh.

8. Prufet euch, ob ihr seit begabt
und den geist Christi jnn euch habt,
Ob ihr innerlich seit bereit,
zu thun Gotes gerechtikeit.

9. Weil diß warhafftig inn euch ist
und ihrs nur willig nicht verliest,
Wirt euch des Herren brot und weinn
ein zeugnis seiner gnaden seyn.

10. O Christe, verley, das wir rein
vereiniget deiner gemein,
Wirdig geniessen diser speiß
und dir stetz geben lob und preis.

Selneccer, Nikolaus – Ohn Gottes Vaters Gnad und Hut

Nach eigener Melodie

Ohn Gottes Vaters Gnad und Hut,
Ohn Gottes Sohnes Leib und Blut,
Ohn heilgen Geistes Licht und Glut
Hat der Mensch weder Kraft noch Muth,
Und bleibt ohn alles Erb und Gut.

Denn Gottes Vaters höchstes Gut,
Und Gottes Sohnes theures Blut,
Des heilgen Geistes werther Muth
Ist unser einiges Erbgut.
Selig ist, der dies hält in Hut.

Selneccer – Himmelfahrt

Rist, Johann – Wie wohl hast du gelabet

1. Wie wohl hast du gelabet,
O liebster Jesu, deinen Gast,
Ja mich so reich begabet,
Da ich jetzt fühle Freud‘ und Rast!
O wundersame Speise,
O süßer Lebenstrank!
O Lieb’smahl, das ich preise
Mit einem Lobgesang,
Indem es hat erquicket
Mein Leben, Herz und Mut!
Mein Geist, der hat erblicket
Das allerhöchste Gut.

2. Du hast mich jetzt geführet,
O Herr, in deinen Gnadensaal,
Daselbst hab‘ ich berühret
Dein‘ edle Güter allzumal;
Da hast du mir gegeben,
Geschenket mildiglich
Das werte Brot zum Leben,
Das sehr ergötzet mich;
Du hast mir zugelassen,
Daß ich den Seelenwein
Im Glauben möchte fassen,
Und dir vermählet sein.

3. Ein Herz, durch Reu‘ zerschlagen,
Ein Herz, das ganz zerknirschet ist,
Das, weiß ich, wird behagen,
Mein Heiland, dir zu jeder Frist;
Du wirst es nicht verachten,
Demnach ich emsig bin,
Nach deiner Gunst zu trachten.
Nimm doch in Gnaden hin
Das Opfer meiner Zungen;
Denn billig wird jetzund
Dein teurer Ruhm besungen,
Herr Gott, durch meinen Mund.

4. Hilf ja, daß dies Geniessen
Des edlen Schatzes schaff‘ in mir
Ein heil’ges Tränenfliessen,
Daß ich mich wende stets zu dir.
Laß mich hunfüro spüren
Kein‘ andre Lieblichkeit,
Als welche pflegt zu rühren
Von dir zu dieser Zeit.
Laß mich ja nichts begehren
Als deine Lieb‘ und Gunst;
Denn niemand kann entbehren
Hier deiner Lieb‘ und Brunst.

5. Wohl mir, ich bin versehen
Mit Himmelsspeis‘ und Engeltrank;
Nun will ich rüstig stehen,
Zu singen dir Lob, Ehr‘ und Dank.
Ade, du Weltgetümmel,
Du bist ein eitler Tand!
Ich seufze nach dem Himmel,
Dem rechten Vaterland.
Ade, dort werd‘ ich leben
Ohn‘ Unglück und Verdruss;
Mein Gott, du wirst mir geben
Der Wollust Überfluss.

Luther, Martin – Jesus Christus, unser Heiland (Abendmahlslied)

Das Lied S. Johannis Hus‘ gebessert

1. Jesus Christus, unser Heiland,
Der von uns den Gottes Zorn wandt,
Durch das bitter Leiden sein,
Half er uns aus der Höllen Pein.

2. Daß wir nimmer des vergessen,
Gab er uns sein Leib zu essen,
Verborgen im Brot so klein,
Und zu trinken sein Blut im Wein.

3. Wer sich will zu dem Tische machen,
Der hab wohl acht auf sein Sachen;
Wer unwürdig hiezu geht,
Für das Leben den Tod empfäht.

4. Du sollst Gott den Vater preisen,
Daß er dich so wohl wollt speisen,
Und für deine Missetat
In den Tod sein Sohn geben hat.

5. Du sollst glauben und nicht wanken,
Daß ein Speise sei den Kranken,
Den ihr Herz von Sünden schwer,
Und vor Angst betrübet, sehr.

6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit
Sucht ein Herz in großer Arbeit;
Ist dir wohl, so bleib davon,
Daß du nicht kriegest bösen Lohn.

7. Er spricht selber:Kommt, ihr Armen,
Laßt mich über euch erbarmen;
Kein Arzt ist dem Starken not,
Sein Kunst wird an ihm gar ein Spott.

8. Hättst dir war kunnt erwerben,
Was durft denn ich für dich sterben?
Dieser Tisch auch dir nicht gilt,
So du selber dir helfen willst.

9. Glaubst du das von Herzensgrunde
Und bekennest mit dem Mund,
So bist du recht wohl geschickt
Und die Speise dein Seel erquickt.

10.Die Frucht soll auch nicht ausbleiben:
Deinen Nächsten sollst du lieben,
Daß er dein genießen kann,
Wie dein Gott an dir getan.

Luther, Martin – Gott sei gelobet

Ein Lobgesang von dem Leib und Blut Christi

1. Gott sei gelobet und gebenedeit,
Der uns selber hat gespeiset
Mit seinem Fleisch und mit seinem Blute,
Das gib uns, Herr Gott, zugute.
Kyrieleison.

2. Herr, durch deinen heiligen Leichnam,
Der von deiner Mutter Maria kam,
Und das heilige Blut
Hilf uns, Herr, aus aller Not.
Kyrieleison.

3. Der heilige Leichnam ist für uns gegeben
Zum Tod, daß wir dadurch leben.
Nicht größer Güte kunnt er uns geschenken,
Dabei wir sein solln gedenken.
Kyrieleison.

4. Herr, dein Lieb so groß dich zwungen hat,
Daß dein Blut an uns groß Wunder tat
Und bezahlt unser Schuld,
Daß uns Gott ist worden hold.
Kyrieleison.

5. Gott gebe uns allein seiner Gnaden Segen,
Daß wir gehn auf seinen Wegen
In rechter Lieb und brüderlicher Treue,
Daß uns die Speis nicht gereue.
Kyrieleison.

6. Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß,
Der uns geb zu halten rechte Maß,
Daß dein arm Christenheit
Leb in Fried und Einigkeit.
Kyrieleison.

Liscovius, Salomon – Herr JEsu, sei von mir gepreist.

Weise: O Jesu Christ, mein’s Lebens

Herr JEsu, sei von mir gepreist,
Daß mich dein Leib so wohl gespeist,
Und auch dein Blut hat mich getränkt,
Hiermit bist du mir gar geschenkt.

Du bist in mir und ich in dir,
Dein rothes Blut ist meine Zier,
Dein heilig Fleisch ist meine Kraft,
Das mir ein ewig Leben schafft.

Nun Jesu, nimm mich wieder hin
Und leite meinen Geist und Sinn,
Daß ich nach deinen Willen thu,
Nimm an mein Herz zu deiner Ruh.

Ich bleibe dein in Lieb und Leid,
Steh du mir bei in aller Zeit
Und hilf, daß durch dein Fleisch und Blut
Ich erbe deines Himmels Gut.

Pasig – M. Salomon Liscovius geistliche Lieder