Ernst Gottlieb Woltersdorf – Komm, mein Herz, in Jesu Leiden

Komm, mein Herz, in Jesu Leiden
Dich zu laben und zu weiden!
Stille hier dein sehnlich Dürsten
An dem Mahl des Lebensfürsten.
Dass ich einen Heiland habe,
Und in seinem Heil mich labe,
Und in sein Verdienst mich kleide:
Das ist meines Herzens Freude.

2. Zwar hab‘ ich ihn alle Lage,
Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage;
Er ist auf der Himmelsreise
Täglich meine Seelenspeise.
Dass ich einen Heiland habe,
Bleibt mein Alles bis zum Grabe,
Und ich mag nichts Andres wissen,
Als sein teures Heil genießen.

3. Aber ich will mit Verlangen
Auch sein Abendmahl empfangen.
Hier darf Seel‘ und Leib ihn essen,
Und so kann ich’s nicht vergessen:
Dass ich einen Heiland habe,
Der am Kreuz und in dem Grabe,
Wie sein Wort mir sagt und schreibet,
Mein Erlöser war und bleibet.

4. Ach, wie werd‘ ich oft so müde!
Wie entweicht der süße Friede!
Sünd‘ und Welt kann mich verwunden,
Wenn mir dieses Licht entschwunden:
Dass ich einen Heiland habe,
Der mit seinem Hirtenstabe,
Sanft und mild und voll Vergeben,
Mir nichts ist, als Heil und Leben.

5. O ich Armer, ich Verlorner,
Ich in Sünden schon Geborner!
Was wollt‘ ich vom Troste wissen,
Wäre dies mir weggerissen:
Dass ich einen Heiland habe,
Dessen Blut mich Sünder labe!
Besser wär‘ es, nie geboren,
Als dies teure Wort verloren!

6. Sei gesegnet, ew’ge Liebe,
Dass du mir aus treuem Triebe,
Da das Misstrau’n mich vergiftet,
Solch ein Denkmal selbst gestiftet:
Dass ich einen Heiland habe,
Der gekreuzigt sank zu Grabe,
Dass er meinen Tod bezwänge,
Und in seinen Sieg verschlänge!

7. Heil’ges Brot, sei mir gesegnet,
Weil mir Der mit dir begegnet,
Dessen heil’ge Todeswunden
Die Erlösung mir erfunden!
Dass ich einen Heiland habe,
Der erblasst und tot im Grabe
Auch für meine Schuld gelegen,
Will ich schmecken und erwägen.

8. Heil’ger Wein, sei mir gesegnet,
Weil mir Der mit dir begegnet,
Dessen Blut mich lässet finden
Die Vergebung aller Sünden!
Dass ich einen Heiland habe,
Der die arme Seele labe:
Muss nicht dies mein Dürsten stillen,
Und mein Herz mit Wonne füllen?

9. Er befiehlt’s, mich satt zu essen,
Meines Jammers zu vergessen;
Er gebeut’s, mich satt zu trinken,
Und in Freude zu versinken:
Dass ich einen Heiland habe,
Der sich selbst zur Opfergabe,
Ja, zur Nahrung und zum Leben
Mir aus ew’ger Huld gegeben!

10. Gott! was brauch‘ ich mehr zu wissen?
Ja, was will ich mehr genießen?
Wer kann nun mein Heil ermessen?
Werd‘ ich das nur nie vergessen:
Dass ich einen Heiland habe!
Ich bin frei vom Tod und Grabe.
Wenn mich Sünd‘ und Hölle schrecken,
So wird mich mein Heiland decken.

11. Ja, mein Heiland, den ich nehme,
Weil ich mich nicht knechtisch schäme!
„Nehmet hin!“ so rufst du Allen.
Darum soll es laut erschallen:
Dass ich einen Heiland habe,
Und an ihm mich mutig labe.
Trotz den Feinden, die mich hassen,
Will ich mich nicht stören lassen.

12. Will hinfort mich etwas quälen,
Oder wird mir etwas fehlen,
Oder wird die Kraft zerrinnen:
So will ich mich nur besinnen,
Dass ich einen Heiland habe,
Der vom Kripplein bis zum Grabe,
Bis zum Thron, wo man ihn ehret,
Mir, dem Sünder, zugehöret!

Friedrich Adolph Lampe – O Fels des Heils! am Kreuzesstamm

O Fels des Heils! am Kreuzesstamm
Für meine Sünden, wie ein Lamm,
Gemartert und geschlachtet!
Dein Leiden ist ein Büschlein mir
Aus Myrrhen, welches für und für
Auf meiner Brust vernachtet,
Wo ich Stets mich
Wohl erquicke, Und erblicke
Seelen Weide,
Ja die Wurzel aller Freude.

2. Dein Fleisch gibt wahre Seelen-Speis.
Dein Blut wäscht rote Sünden weiß.
Dein Fluchholz ist mein Stecken,
Der mich in Schwachheit unterstützt;
Ein Brunn, draus Lebens-Wasser sprützt;
Ein Schild, der mich kann decken,
Der nicht Zerbricht
Vor den hellen, Blizesschnellen
Donnerkeilen,
Vor des Abgrunds Feuer Pfeilen.

3. Wie lieblich ist dein Liebes Mahl?
Da seh‘ ich, mit was Angst und Qual
Die Liebe dich umhüllet.
Da werd‘ ich als aus deiner Hand,
Mit deinem theu’r?ten Gnaden Pfand
Erquickt, mit Lust erfüllet :
Wann du, Jesu,
In Erbarmen Dich der armen
Seele schenkest,????
Und an deinen Eid gedenkest.

4. Wer bin ich, o Blut-Bräutigam?
Ich steck im tiefsten Sünden Schlamm.
Doch kommst du mich zu laden.
Mich Höllen-Wurm, der Fluch und Pein
Verdienet, mich, mich führst du ein
Zur Tafel deiner Gnaden,
Deiner Reinen
Himmels – Gaben, Welche laben
Das Verlangen,
Das auf Hoffnung lag gefangen.

5. Ich hab‘ den festbeschwornen Bund
So oft gerissen in den Grund,
Und mein Gelübd‘ verlassen.
Die Schuld ist groß, der Glaube klein;
Doch willst du mir versöhnet sein,
Und nimmermehr mich hassen.
Dein Wort, Mein Hort,
Bleibt beständig, Wie abwendig
Ich gewesen,
Du willst mich auf’s neu genesen.

6. Drum sinkt vor dir ein ledig Herz,
Das nichts dir bringt als Sünden-Schmerz,
In Selbst-Verfluchung nieder.
Ich bin mir selber gram, dass ich,
Mein Schatz, so oft getäuschet dich.
Ich komm‘ in Demut wieder.
Willig Bin ich,
Dir auf’s neue Huld und Treue
Zu verschreiben,
Wann dein Geist mich nur wird treiben.

7. Ach komm‘ in deinen Garten dann,
Ich will dir bringen, was ich kann,
Was du mir erst gegeben.
Willst du noch mehr? so gib es mir.
Ich will es wieder bringen dir.
Der Weinstock gibt den Reben
Kräfte, Säfte,
Die von innen, Herz und Sinnen
Aufwärts jagen,
Und dir reife Früchte tragen.

8. Stärk‘ meinen Glauben, um das Kleid
Der ewigen Gerechtigkeit
Freimütig anzuziehen.
Ich komm in fester Zuversicht.
Dein Bundes-Siegel fehlt ja nicht.
Du hast es mir verliehen,
Dass ich Fröhlich
Darf erscheinen, Und in deinen
Off’nen Wunden
Hab‘ ich freien Zutritt funden.

9. Von dir hab‘ ich das Priestertum,
Dass ich ins innerst Heiligtum
Darf unverhüllet gehen.
Den Vorhang riss dein Tod entzwei.
Ich darf als Bundsgenosse frei
Vor deinem Antlitz stehen.
Grämen, Schämen
Hat ein Ende, Weil die Hände
Sind durchgraben,
Die für mich bezahlet haben.

10. Hie ist die Liebe mein Panier.
Dein Liebes-Altar brennt in mir.
Du hast mein Herz genommen.
Du hast mir Lebensbrot geschenkt.
Ich werd‘ aus Edens Strom getränkt.
Du wirst bald selber kommen,
Und mich Ewig
Dir vereinen, In dem reinen
Paradeise,
Wo du Manna gibst zur Speise.

11. Gib nur, dass so, wie sich für jetzt
Mein Herz in deiner Füll‘ ergötzt,
Es in dir möge bleiben;
Und dass den Vorsatz, den ich hab‘
Erneuert, keine Furcht, kein Grab
Noch Hölle mög‘ vertreiben.
Ich will Nun still
An dir kleben, In dir leben,
Tausend Welten
Können gegen dich nichts gelten.

12. Lass mich durch dieses Honigs Kraft
Gestårket, meine Wanderschaft
Fortsetzen durch die Wüste.
Gieb, dass Ägyptens Fleisch-Topf nie
Von dir, o Himmels-Brot, mich zieh
Zum Lock-Aas böser Lüste.
Komm bald! Herr, halt
Deiner Tauben Treu‘ und Glauben
Unzerbrochen,
Wie dein Wort und Pfand versprochen.

Hardenberg, Georg Philipp Friedrich Freiherr von (Novalis) – Hymne.

Wenige wissen
Das Geheimnis der Liebe,
Fühlen Unersättlichkeit
Und ewigen Durst.
Des Abendmahls
Göttliche Bedeutung
Ist den irdischen Sinnen Rätsel;
Aber wer jemals
Von heißen geliebten Lippen
Atem des Lebens zog,
Wem heilige Glut
In zitternde Wellen das Herz schmolz,
Wem das Auge aufging,
Dass er des Himmels
Unergründliche Tiefe maß,
Wird essen von seinem Leibe
Und trinken von seinem Blute
Ewiglich.
Wer hat des irdischen Leibes
Hohen Sinn erraten?
Wer kann sagen,
Dass er das Blut versteht?
Einst ist alles Leib
Ein Leib,
In himmlischem Blute
Schwimmt das selige Paar. —

O! dass das Weltmeer
Schon errötete,
Und in duftiges Fleisch
Aufquolle der Fels!
Nie endet das süße Mahl,
Nie sättigt die Liebe sich;
Nicht innig, nicht eigen genug
Kann sie haben den Geliebten.
Von immer zärteren Lippen
Verwandelt wird das Genossene
Inniglicher und näher.
Heißere Wollust
Durchbebt die Seele,
Durstiger und hungriger
Wird das Herz:
Und so währet der Liebe Genuss
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Hätten die Nuchternen
Einmal gekostet,
Alles verließen sie,
Und setzten sich zu uns
An den Tisch der Sehnsucht,
Der nie leer wird.
Sie erkennten der Liebe
Unendliche Fülle
Und priesen die Nahrung
Von Leib und Blut.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Ach, Jesus lebt in mir

Ach, Jesus lebt in mir;
Nichts ist, das uns kann scheiden:
Es ist im Abendmahl
Eins worden aus uns beiden.
Ich hab‘ ihn, er hat mich:
Was sein ist, das ist mein;
Sein Herz, mein Herz Ein Herz;
Was mein ist, das ist sein.

An JEsu hange ich;
Er lebt und ich soll leben:
Er hat mir des zum Pfand
Sein Fleisch und Blut gegeben.
Ich hab die rechte Speis,
Ich hab den rechten Trank,
Dadurch ich ewig leb,
Und dir sag Lob und Dank.

Zum Leben hast du mich
Gespeiset und getränket;
Der Vater hat mir dir
Auch alles mir geschenket.
Auf diesen Trost leb‘ ich
Und fahr‘ auch drauf dahin,
Weil du mein Leben bist
Und sterben mein Gewinn.

Sterb ich dem Leibe nach,
So muss mirs doch gelingen:
Ich werde durch den Tod
Zu dir ins Leben dringen.
Ich weiß es zu gewiss,
Dass mein Erlöser lebt,
Der aus dem Grab auch mich
Zum Leben einst erhebt.

Herr, dieses klaren Worts:
„Ich leb, und ihr sollt leben.“
Will ich durch deine Hilf
Mich nimmermehr begeben.
Sag, Jesu, Amen drauf!
Ich sage dazu Ja.
Es bleibt dabei, ich leb‘,
Amen! Halleluja.

Telemann, Georg Philipp – Da ich mich hier eingefunden (Ode zur Communion)

1. [Choral]

Da ich mich hier eingefunden
mit zum Abendmahl zu gehn.
Ach so seh ich deine Wunden,
liebster Jesu offen stehn.
Und die selben öffnen mir,
auch zu gleich die Himmels Tür.
Daß ich einst da hin gelange
und in deiner Wahrheit prange.

2. Aria (Canto)

Meine Seele ist entzücket,
da dich nur der Glaube sieht
und dir in das Herze blicket,
das vor heißer Liebe glüht.
Was vor Lust wird erst geschehn,
wenn ich dich kann schauend sehn?
Wenn ich dir im Schoße liege
und mich ewig da vergnüge.

3. Aria (Alto)

Ach du bist nicht nur dort oben,
wo dein Vater dich erhöht.
Wo dich tausend Engel loben
und der Thron des Höchsten steht.
Sondern wahrlich ja auch hier,
ist dein Leib und Blut in mir,
denn ich diese teure Gabe
mit dem Mund empfangen habe.

4. [Choral]

Weg Vernunft mit allem Scheine,
weg verkehrter Menschen Wahn.
Seh ich gleich nur Brot mit Weine,
und ich nicht begreifen kann,
wie man Jesum da genießt?
Weils ein groß Geheimnis ist,
will ich seinen Worten glauben
und gewiß im Glauben bleiben.

5. Aria (Basso)

Weg auch Welt mit allen Schätzen,
weg mit allem weit und breit.
Die kann mich nicht mehr ergötzen
hier ist meine Seligkeit.
Mein ist Jesus.Hab ich den,
will ich Glück und Gut verschmähen,
wo ich diesen Schatz nicht finde,
noch mein Herz mit ihm verbinde.

6. Aria (Tenore)

Ich bin nun nicht mehr der meine,
denn ich lebe ganz in dir.
Du bist auch nicht mehr der deine,
denn du lebest ganz in mir.
Jesus, Jesu, du bist mein,
Jesu, Jesu, ich bin dein.
Glaubenskraft und Liebesflammen
halten dich und mich zusammen.

7. Choral

Freudig leb ich meine Tage,
traurig macht mich keine Not.
Ungedultig keine Plage,
schrecklich ist mir auch kein Tot.
Jesus lebt, so sterb ich nicht,
und in solcher Zuversicht,
fahr ich Erden satt und müde,
hin zu ihm in Freud und Friede.

Christoph Karl Ludwig von Pfeil – Auf, mein Herz, dein Heil ist nahe.

1) Auf, mein Herz, dein Heil ist nahe.
Tu die Tür auf, und empfahe,
den, der anklopft, wer ihn höret
und den Eingang ihm gewähret,
zu dem will er sich in Gnaden
und ihn mit zum Nachtmahl laden.

2) Was hast du ihm vorzusetzen,
ihm sein Herze zu ergötzen?
Womit soll er seinen Willen
als dein Gast vergnüglich stillen?
Kannst du Jesum Christum sehen
ungesättigt von dir gehen?

3) Führ ihn in des Herzens Kammer!
Zeig ihm deinen ganzen Jammer,
Armut, Elend, Not und Blöße,
Sündenmeng‘ und ihre Größe!
Sage: von des Falles wegen
ist dies alles mein Vermögen.

4) Was ich außer diesem habe
ist, o Herr, nur deine Gabe:
nimm vorlieb mit meinem Sehnen,
Glaubens-, Hoffnungs, Liebestränen,
mit dem innnigsten Verlangen
deine Gnade zu empfangen.

5) Nimm vorlieb mit deinen Früchten!
lass mit eigenen Gerichten,
mir geschenkt durch dein Versühnen,
dich bewirten und bedienen.
Hätt‘ ich mehr von dir genommen,
könntest du jetzt mehr bekommen.

6) Aber eben dieserwegen,
weil so dürftig mein Vermögen,
gönne mir an deinem Tische,
dass sich meine Kraft erfrische,
dass mein Herz schon hier auf Erden
möge ganz dein Schatzhaus werden.

7) Lass mit dir mich Nachtmahl halten,
dass die Triebe nicht erkalten,
die aus dir in mir noch leben:
dein Leib, der für mich gegeben
und dein Blut, für mich vergossen,
mache mich zum Reichsgenossen.

—-

Geistlicher Liederschatz – Sammlung der vorzüglichsten geistlichen Lieder für Kirche, Schule und Haus und alle Lebensverhältnisse,
Berlin, bei Samuel Elsner. – Gedruckt bei Trowtzsch und Sohn – 1832

Burghard von Kramm – Abendmahlslied.

Jesus, treuer Heiland, holde Himmelszier,
Sieh‘, ich komme flehend: öffne öffne mir!
Öffne Deine Arme,
Dass ich d’rin erwarme,
Dass an Deiner Brust
Ich voll süßer Lust
Dein Gebot empfange,
Danach ich verlange,
Jesus, treuer Heiland, Sonne, Strahlenmeer,
komm mir entgegen, neige Dich mir her!

Jesus, meine Freude, milder Himmelstau,
Der so sanft erquicket dürre Herzensau,
Lass Dich selbst hernieder!
Höre, unsre Lieder
Flehn zu Dir empor!
Tritt Du nun hervor!
Tröste unsre Seelen,
Die sich bitter quälen,
Jesus, meine Freude, reiner Himmelstau,
Sieh‘ auf Deine Gnade ich alleine bau‘.

Jesus, großer König mit der Dornenkron‘,
Wohl verdien‘ ich Jammer, Tod und Qual als Lohn,
Wenn Du nicht voll Gnaden
Deckst der Seele Schaden,
Wenn Dein reines Blut
Nicht vertilget gut
Jene tausend Flecken,
Die mein Kleid bedecken!
Jesus, großer König mit der Dornenkron‘,
Wolle Du abwenden meiner Sünden Lohn.

Jesus, treuer Bruder, Gott und Menschensohn,
Lass mich niedersinken hier vor Deinem Thron.
Lass zu Deinen Füßen
Mich der Ruh‘ genießen,
Die Du reichlich gibst
Denen, die Du liebst.
Ob ich’s nicht verdiene,
Nimmst auf Dich die Sühne.
Jesus, treuer Bruder, Gott und Menschensohn,
Lass mich niedersinken hier vor Deinem Thron.

Jesus, treuer Hirte, sieh‘, ich eilte gern
Zu Dir auf Dein Rufen, doch noch steh‘ ich fern,
Kann es nicht erfassen,
Dir mich ganz zu lassen, –
Denn mein eitler Sinn
Ringt noch nach Gewinn.
Dass auf dieser Erde
Mir der Tod nicht werde,
Jesus, treuer Hirte, o darum komm Du,
Zich‘ mich fest und innig Deinem Kreuze zu!

Johann Rist – Nach dem Genuss des heil. Abendmahls.

Jesu, meine Wonne,
Du meiner Seelen Sonne,
Du Freundlichster auf Erden,
Lass mich dir dankbar werden!

Wie kann ich gnugsam schätzen
Dies himmelsüß Ergötzen
und diese teure Gaben,
Welch uns gestärket haben?

Wie soll ich dir verdanken,
Herr, dass du mich Kranken
Gespeiset und getränket,
Ja selbst dich mir geschenket?

Ich lobe dich von Herzen
Für alle deine Schmerzen,
Für deine Schläg und Wunden,
Der du so viel empfunden.

Dir dank ich für dein Leiden,
Den Ursprung meiner Freuden;
Dir dank ich für dein Sehnen
Und heiß vergossne Tränen.

Dir dank ich für dein Lieben,
Das standhaft ist geblieben;
Dir dank ich für dein Sterben,
Das mich dein Reich lässt erben.

Jetzt schmecket mein Gemüte
Dein übergroße Güte;
Dies teure Pfand der Gnaden
Tilgt alle meine Schaden.

Herr, lass mich nicht vergessen.
Dass du mir zugemessen
Die kräftig Himmelsspeise,
Wofür ich dich jetzt preise.

Du wollest ja die Sünde,
Welch ich annoch empfinde,
Aus meinem Fleische treiben
und kräftig in mir bleiben.

Nun bin ich losgezählet
Von Sünden, und vermählet
Mit dir, mein liebstes Leben!
Was kannst du Werters geben?

Lass, Schönster, meine Seele
Doch stets in dieser Höhle
Des Leibes mit Verlangen
An deiner Liebe hangen!

Lass mich die Sünde meiden;
Lass mich geduldig leiden;
Lass mich mit Andacht beten
und von der Welt abtreten!

Im Handeln, Wandeln, Essen
Lass nimmer mich vergessen,
Wie trefflich ich beglücket,
Ja himmlisch bin erquicket!

Nun kann ich nicht verderben;
Drauf will ich selig sterben
und freudig auferstehen,
Jesu, dich zu sehen.

Johann Olearius – Freudige Betrachtung des heiligen Abendmahls.

Ich will zu aller Stund
Aus meines Herzens Grund,
Gott, deine Güte preisen,
Die du mir tust beweisen,
Ich will mein ganzes Leben
Zu deinem Lob ergeben.

Jesu, mein höchstes Gut,`
Dein Leib, dein wahres Blut,
Ist meines Herzens Freude,
Mein Trost in allem Leide,
Weil diese deine Gaben
Mein‘ Leib und Seele laben.

Vernunft, Witz und Verstand
Wird hier zu Spott und Schand,
Der Wahrheit muss man trauen,
Auf Gottes Wort fest bauen;
Was Gott spricht, muss bestehen,
Sollt alle Welt vergehen.

Hier ist das Gotteslamm,
Für uns am Kreuzesstamm
Aus lauter Lieb gestorben,
Dadurch das Heil erworben;
Hier kannst du Gnade finden,
Vergebung aller Sünden.

Gott Lob für seine Treu,
Die ich noch immer neu
In seinem Nachtmahl finde;
Weicht Teufel, Tod und Sünde;
Gott will mir Trost und Leben
Hier und dort ewig geben.