Verf. unbekannt – Allein durch den Glauben!

Also hat Gott die Welt geliebt,
Dass er Christum hat geben,
Sein‘ liebsten Sohn in Tod betrübt,
Dass wir nun ewig leben.
Gott, wie groß ist deine Güt,
Die kein Mensch kann von Herzen
Ganz ermessen!
Herr, gib Gnad,
Dass wir dies nimmermehr vergessen.

Christus hat uns zum Himmel bracht
Ohn aller Menschen Stärke,
Allein der Glaube selig macht
Ohn alle unsre Werke.
Darum wer glaubt an Jesum Christ,
Der hat das ewig Leben,
Merk gar eben,
Denn wo nicht Glaube ist,
Mag kein Mensch selig werden.

Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt,
Als Christus selbst tut sagen,
Nimmermehr er sich des erbarmt,
Der trotzt auf Werk ohn Glauben;
An Leib und Seel wird er geplagt,
Kann auch kein‘ Trost erlangen,
Liegt gefangen,
Allhie ohn alle Gnad,
Ewig in Todes Banden.

Wer gläubig bleibt bis an sein End,
Der wird gwiss selig werden,
und Christum frei ohn Furcht bekennt
Vor aller Welt auf Erden:
Wird er auch den im höchsten Thron
Vor Gott mit Ehr bekennen
Und ihn nennen
Seinen Miterben schon,
Des Freud wird sein kein Ende.

Verf. unbekannt. – Buß-Seufzer.

All meine Sünden reuen mich von Herzen
Und bringen mir nicht wenig Angst und Schmerzen,
Weil sie so groß und viel bei mir aufwachen.
Ach Gott! erhör mein Klagen,
Lass mich in Sünden nimmermehr verzagen.

Zu dir allein, Herr Jesu Christ, ich fliehe,
Mit Gnadenaugen, bitt ich, mich ansiehe,
Du hast erlöst alles, was war verdorben:
Gott, dein rote Wunden
Lass mir ein Trost sein in der letzten Stunden.

O heilger Geist, den Glauben in mir mehre;
Hilf, dass ich mich von Herzn zu dir bekehre;
Du bist mein Trost in allen meinen Nöten.
Gott, durch deinen Namen
Lass mich auf Christum selig sterben. Amen.

Valent. Ernst Löscher – Gott sei mir Sünder gnädig!

König, dessen Majestät
Weit über alles steiget,
Dem Erd und Meer zu Dienste steht,
Vor dem die Welt sich neiget;
Der Himmel ist dein helles Kleid,
Du bist voll Macht und Herrlichkeit,
Sehr groß und wundertätig;
Ich armer Wurm vermag nichts mehr,
Als dass ich ruf zu deiner Ehr:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Hier steh ich, wie der Zöllner tat,
Beschämet und von ferne:
Ich suche deine Hilf und Gnad,
Herr, von Herzen gerne;
Doch weil ich voller Fehler bin
Und, wo ich mich nur wende hin,
Beschmutzet und unflätig,
So schlag ich nieder mein Gesicht
Vor dir, du reines Himmelslicht:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Die Schulden, der ich mir bewusst,
Durchängsten mein Gewissen;
Drum schlag ich reuig an die Brust
und will von Herzen büßen:
Ich bin, o Vater! ja nicht wert,
Dass ich noch wandle auf der Erd;
Doch, weil du winkst, so bete ich
Mit ganz zerknirschtem, bangen Geist,
Der gleichwohl dich noch Abba heißt:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Mein Abba, schaue Jesum an,
Den Gnadenthron der Sünder,
Der für die Welt genug getan,
Durch den wir Gottes Kinder
Im gläubigen Vertrauen sind:
Der ists, bei dem ich Ruhe find;
Sein Herz ist ja guttätig.
Ich fasse ihn und lass ihn nicht,
Bis Gottes Herz mitleidig bricht:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Regiere doch mein Herz und Sinn
In diesem ganzen Leben:
Du bist mein Gott, und was ich bin,
Bleibt ewig dir ergeben.
Ach! heilige mich ganz und gar,
Lass meinen Glauben immerdar
Sein durch die Liebe tätig;
und will es nicht fort, wie es soll,
So ruf ich, wie mein Herz ist voll:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Mein Leben und mein Sterben ruht
Allein auf deiner Gnade;
Mir geh es gleich bös oder gut,
Gib nur, dass es nicht schade.
Kommt dann das letzte Stündlein an,
So sei mir auf der Todesbahn,
Mein Jesu, selbst beiräthig;
Und wenn ich nicht mehr sprechen kann,
So nimm den letzten Seufzer an:
Gott sei mir Sünder gnädig!

Joh. Heermann – Die Tränen Christi.

Du weinest vor Jerusalem,
Herr Jesu, lichte Zähren;
Bezeugst, es sei dir angenehm,
Wenn Sünder sich bekehren:
Wenn ich vor dir mit Buß erschein
und über meine Sünde wein,
So wäschst du ab aus lauter Gnad
Die Missetat,

So mich bisher gequälet hat.
Wenn deines Vaters Zorn entbrennt
Von wegen meiner Sünde,
Zu deinen Tränen ich mich wend:
Da ich Erquickung finde.
Vor Gott sind sie so hoch geschätzt:
Wer damit seine Sünde netzt,
Den blickt Gott an mit Gütigkeit
Zu jeder Zeit
Und sein betrübtes Herz erfreut.

Hier muss ich auch im Tränenhaus
Vor großer Angst oft weinen,
Der Welt aushalten manchen Strauß:
Sie martert stets die Deinen.
Auf allen Seiten, wo sie kann,
Fängt sie mit mir zu hadern an.
Dies tröstet mich zu aller Frist,
Herr Jesu Christ:
In Not du auch gewesen bist.

Du zählest alle Tränen mein;
Ich weiß: sie sind gezählet;
und ob sie nicht zu zählen sein,
Dennoch dir keine fehlet.
So oft vor dir sie regen sich,
So oft bewegen sie auch dich,
Dass du dich mein erbarmen musst.
Dir ist bewusst
Mein Kreuz: drum hilfst du mir mit Lust.

Wer itzund säet Tränen aus,
Hält in Geduld Gott stille,
Wird fröhlich sein in deinem Haus,
Da Freude ist die Fülle;
Ja solche Freude, die kein Mann
Mit seiner Zung aussprechen kann,
Und die da bleibt in Ewigkeit.
Mein Kreuz und Leid
Wird werden dort zu lauter Freud.

Für diese Tränen dank ich dir,
Dass du die Freudenkrone,
Herr Christ, dadurch erworben mir
Bei dir ins Himmels Throne.
Wenn du mich holen wirst hinauf
Zu deiner Auserwählten Hauf:
Dann will ich recht lobsingen dir,
höchste Zier,
Für deine Tränen für und für.

Mart. Rutilius und Johann Major – Zuflucht zu Jesu Wunden.

Ach Gott und Herr,
Wie groß und schwer
Sind mein begangne Sünden!
Da ist Niemand,
Der helfen kann,
In dieser Welt zu finden.
Lief ich gleich weit
zu solcher Zeit
Bis an der Welt ihr Ende
und wollt los sein
Des Elends mein,
Würd ich doch solchs nicht enden.

Zu dir flieh ich:
Verstoß mich nicht,
Wie ichs wohl hab verdienet!
Ach Gott, zürn nicht,
Geh nicht ins G’richt:
Dein Sohn hat mich versühnet.
Solls ja so sein,
Dass Straf und Pein
Auf Sünde folgen müssen:
So fahr hie fort
Und schone dort;
und lass mich ja jetzt büßen.

Gib auch Geduld,
Vergiss der Schuld,
Verleih ein ghorsam Herze;
Lass mich ja nicht,
Wies wohl geschicht,
Mein Heil murrend verscherzen.
Handel‘ mit mir,
Wies wohlgfällt dir;
Durch dein Gnad will ichs leiden!
Lass mich nur nicht
Dort ewiglich
Von dir sein abgescheiden!

Gleichwie sich fein
Ein Vögelein
In hohlen Baum verstecket,
Wenns trüb hergeht,
Die Luft unstät
Menschen und Vieh erschrecket:
Also, Herr Christ,
Mein Zuflucht ist
Die Höhle deiner Wunden.
Wenn Sünd und Tod
Mich bracht in Not,
Hab ich mich drein gefunden.

Darin ich bleib,
Ob hie der Leib
und Seel von ander scheiden;
So werd ich dort
Bei dir, mein Hort,
Sein in ewigen Freuden.
Ehre sei nun
Gott Vater, Sohn
und heilgem Geist zusammen!
Zweifle auch nicht,
Weil Christus spricht:
Wer glaubt, wird selig. Amen.

Mart. Rutilius. (V. 1-6.) +1618.
Joh. Major. (V. 7-10.) + 1654.

Johann Rist – Nach dem Genuss des heil. Abendmahls.

Jesu, meine Wonne,
Du meiner Seelen Sonne,
Du Freundlichster auf Erden,
Lass mich dir dankbar werden!

Wie kann ich gnugsam schätzen
Dies himmelsüß Ergötzen
und diese teure Gaben,
Welch uns gestärket haben?

Wie soll ich dir verdanken,
Herr, dass du mich Kranken
Gespeiset und getränket,
Ja selbst dich mir geschenket?

Ich lobe dich von Herzen
Für alle deine Schmerzen,
Für deine Schläg und Wunden,
Der du so viel empfunden.

Dir dank ich für dein Leiden,
Den Ursprung meiner Freuden;
Dir dank ich für dein Sehnen
Und heiß vergossne Tränen.

Dir dank ich für dein Lieben,
Das standhaft ist geblieben;
Dir dank ich für dein Sterben,
Das mich dein Reich lässt erben.

Jetzt schmecket mein Gemüte
Dein übergroße Güte;
Dies teure Pfand der Gnaden
Tilgt alle meine Schaden.

Herr, lass mich nicht vergessen.
Dass du mir zugemessen
Die kräftig Himmelsspeise,
Wofür ich dich jetzt preise.

Du wollest ja die Sünde,
Welch ich annoch empfinde,
Aus meinem Fleische treiben
und kräftig in mir bleiben.

Nun bin ich losgezählet
Von Sünden, und vermählet
Mit dir, mein liebstes Leben!
Was kannst du Werters geben?

Lass, Schönster, meine Seele
Doch stets in dieser Höhle
Des Leibes mit Verlangen
An deiner Liebe hangen!

Lass mich die Sünde meiden;
Lass mich geduldig leiden;
Lass mich mit Andacht beten
und von der Welt abtreten!

Im Handeln, Wandeln, Essen
Lass nimmer mich vergessen,
Wie trefflich ich beglücket,
Ja himmlisch bin erquicket!

Nun kann ich nicht verderben;
Drauf will ich selig sterben
und freudig auferstehen,
Jesu, dich zu sehen.

Johann Olearius – Freudige Betrachtung des heiligen Abendmahls.

Ich will zu aller Stund
Aus meines Herzens Grund,
Gott, deine Güte preisen,
Die du mir tust beweisen,
Ich will mein ganzes Leben
Zu deinem Lob ergeben.

Jesu, mein höchstes Gut,`
Dein Leib, dein wahres Blut,
Ist meines Herzens Freude,
Mein Trost in allem Leide,
Weil diese deine Gaben
Mein‘ Leib und Seele laben.

Vernunft, Witz und Verstand
Wird hier zu Spott und Schand,
Der Wahrheit muss man trauen,
Auf Gottes Wort fest bauen;
Was Gott spricht, muss bestehen,
Sollt alle Welt vergehen.

Hier ist das Gotteslamm,
Für uns am Kreuzesstamm
Aus lauter Lieb gestorben,
Dadurch das Heil erworben;
Hier kannst du Gnade finden,
Vergebung aller Sünden.

Gott Lob für seine Treu,
Die ich noch immer neu
In seinem Nachtmahl finde;
Weicht Teufel, Tod und Sünde;
Gott will mir Trost und Leben
Hier und dort ewig geben.

David Denicke – Von dem Worte Gottes.

Wir Menschen sind zu dem, o Gott,
Was geistlich ist, untüchtig:
Dein Wesen, Wille und Gebot
Ist viel zu hoch und wichtig;
Wir wissens und verstehens nicht,
Wo uns dein göttlich Wort und Licht
Den Weg zu dir nicht weiset.

Drum sind vor Zeiten ausgesandt
Propheten, deine Knechte,
Dass durch sie würde wohlbekannt
Dein Will und deine Rechte.
Zum letzten ist dein lieber Sohn,
Vater, von des Himmels Thron
Selbst kommen, uns zu lehren.

Für solches Heil sei, Herr, gepreist:
Lass uns dabei verbleiben;
und gib uns deinen guten Geist,
Dass wir dem Worte gläuben,
Dasselb annehmen jederzeit
Mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud
Als Gottes, nicht der Menschen.

Hilf, dass der losen Spötter Hauf
Uns nicht vom Wort abwende;
Denn ihr Gespött samt ihnen drauf
Mit Schrecken nimmt ein Ende.
Gib du selbst deinem Donner Kraft,
Dass deine Lehre in uns hast,
Auch reichlich bei uns wohne.

Öffn‘ uns die Ohren und das Herz,
Dass wir das Wort recht fassen,
In Lieb und Leid, in Freud und Schmerz
Es aus der Acht nicht lassen;
Dass wir nicht Hörer nur allein
Des Wortes, sondern Täter sein,
Frucht hundertfältig bringen.

Am Wege wird der Same fort
Vom Teufel hingenommen;
In Fels und Steinen kann das Wort
Die Wurzel nicht bekommen;
Der Same, so auf Dornen fällt,
Von Sorg und Wollust dieser Welt
Verdirbet und ersticket:

Ach hilf, Herr, dass wir werden gleich
Allhie dem guten Lande,
und sein an guten Werken reich
In unserm Amt und Staude,
Viel Früchte bringen in Geduld,
Bewahren deine Lehr und Huld
In feinem gutem Herzen.

Lass uns, dieweil wir leben hier,
Den Weg der Sünder meiden,
Gib, dass wir halten fest an dir
In Anfechtung und Leiden.
Rott aus die Dornen allzumal,
Hilf uns die Weltsorg überall
Und böse Lüste dämpfen.

Dein Wort, o Herr, lass allweg sein.
Die Leuchte unsern Füßen:
Erhalt es bei uns klar und rein;
Hilf, dass wir draus genießen,
Kraft, Rat und Trost in aller Not,
Dass wir im Leben und im Tod
Beständig darauf trauen.

Gott Vater, lass zu deiner Ehr
Dein Wort sich weit ausbreiten.
Hilf, Jesu, dass uns deine Lehr
Erleuchten mög und leiten,
O heilger Geist, dein göttlich Wort
Lass in uns wirken fort und fort
Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung.

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Um Hilfe und Beistand.

Herr Jesu, Lob und Preis und Dank
Sei deiner Güte lebenslang!
Dein Volk ist deiner Gnade froh
und tröstet sich und rühmet so:
Du bist noch hier, o bleib in Ewigkeit,
So weiden wir in ewger Sicherheit.

Herr, nimm dich selbst der Herde an,
Die keiner sonst verpflegen kann;
Bekehre das, was dich nicht kennt,
Beschäme, was sich so zertrennt,
und stehe dem Versuchten mächtig bei,
Dass ihm dein Licht im Dunkeln nahe sei.

O steure doch der Wölfe Wut,
Gib deinen Schafen Löwenmut.
Was sich auf falscher Bahn verliert,
Das werde bald zurückgeführt.
So zeuch uns insgesamt in dich hinein.
Herr, wann wird alles eine Herde sein?