Gottfried Arnold – Pilgerlied.

Was ist doch diese Zeit mit ihren Leiden?
Ach, folgen nicht darauf des Himmels Freuden?
Was ist die Schmach der Welt, ihr Trotz und Quälen?
Bist Du doch, Jesu Christ, mein Schatz der Seelen!

Die Trübsal dringet an, die Menschen wüten;
Der Hüter Israels wird mich behüten;
Mein Kleinod soll mir dennoch Niemand stehlen,
Denn Jesus ist mein Hirt, mein Schatz der Seelen.

Ich will geduldig sein in Kreuz und leiden;
Du, Gottes Sohn, wirst mich, dein Schäflein, weiden,
Du wirst mich führen aus den Trauerhöhlen,
Du edler Friedefürst, Schatz meiner Seelen!

Du bist mein Preis und Ruhm, mein Ehrenkönig;
Der Welt und Hölle Zorn ist viel zu wenig,
Dass er mich von Dir trieb‘; es soll ihm fehlen,
Denn Du bist, Jesu Christ, mein Schatz der Seelen.

Du bist mein Siegesheld in allen Kriegen,
Drum werd‘ ich auch im Streit nicht unterliegen.
Du bringst mir fühle Ruh nach Hitz‘ und Quälen;
Komm bald, o Sieger, komm, du Schatz der Seelen!

Ja, ruft mein Seelenfreund, bald werd‘ ich kommen!
Schnell wird ein Ruf gescheh’n: „Steht auf ihr Frommen!
Ihr Klugen, stehet auf, kommt, liebe Seelen,
Euch wollt ich mir zur Braut schon längst erwählen!“

Bald ist es Mitternacht; drum lasst uns wachen;
Lasst schwärmen diese Welt und höhnisch lachen!
Wie wird den Törichten die Hoffnung fehlen,
Wenn unser Freund erscheint, der Schatz der Seelen!

Das Hallelujah kommt; auf Leid folgt Wonne;
Ach, leuchte hell in uns, du Gnadensonne!
Lasst uns mit Wachsamkeit die Stunden zählen,
Denn wie der Blitz kommst Du, Schatz unsrer Seelen!

Ja, Amen, komme bald, getreuer Hirte!
Steh‘ auf, o Friedensheld, dein Schwert angürte:
Lass keine Seele Dir sich je verhehlen,
So schau’n wir selig Dich, du Schatz der Seelen!

Gottfried Arnold – Um Vollbringung des Willens Christi.

Jesu, meiner Seele Leben,
Dem ich mich zum Dienst ergeben,
Dem auch der geheimste Grund
Aller Menschenherzen kund:
Herr! Du prüfest meine Sinnen,
Reden, Schweigen und Beginnen;
Was ich vor und nachmals tu,
Alles überblickest Du!

Ach, ich wünsche deinen Willen
Ganz in Allem zu erfüllen!
Stehe diesem Vorsatz bei,
Mach‘ mich eig’nen Willens frei!
Gib mir Weisheit, dass in Allen
Mir dein Wollen mag gefallen,
So in Freuden, als im leid,
So in Zeit, als Ewigkeit!

Stets nach deinem Willen streben,
Heißt den Engeln ähnlich leben,
Und muss auch in Höllenpein
Deiner Gläub’gen Labsal sein.
Denn, was ohne Dich beginnet,
Was nur Fleisch und Blut ersinnet,
Hat, ob’s noch so wohlgestalt,
Keinen Grund und keinen Halt.

Herr! nur Du wirkst guten Willen;
Gib auch Kraft, ihn zu erfüllen,
Wie Dir’s lieb ist in der Zeit,
Wie Dir’s lieb in Ewigkeit!