unbekannt – Ermunterung zur Buße.

Waket up, gy (d. i. ihr) Christen alle,
Waket up mit ganzem Flyth
In dessem Yammerdale!
Waket up! Ydt ys mehr denn Tydt.
De Here werd bald kamen,
De Dach will ein’n Avendt ban.
De Sünder werd he vordämen;
Wol (d. i. Wer) mach vor em bestan?

Geld, Gudt kann uns nicht baten (bessern);
Uns helpt noch hoge Modt.
Du moßt ydt forts vorlaten,
Wente dar kummt de bitter‘ Dodt.
All bist du schon van Farwen,
All bist du junck und ryck:
Godt kann dy bald vorderven
In einem Ogenblick (Tydt).

Darum gy Christen alle,
De hyr thosamen syth,
Latet juwen Homodt fallen,
Und wachtet (wartet) up de Tydt.
Will go by Gade leven,
So söket dat ewige Gut;
He werd juw (euch) rycklick geven,
Und helpen uth aller Nodt.

Gades Wort ys uns gegeven
Uth groter Barmherticheit,
Dat wy darna schöln leven
Und maken uns bereit.
So lat uns dar nu faten
Und kleven vast daran;
Will wy dat nu vorlaten,
So ys et mit uns gedan.

Och! weer‘ he nicht gebaren,
De Gades Wort voracht’t!
Ydt ys mit em vorlaren,
De wandert all in der Nacht.
Vull Laster und vull Schande,
Und spottet mit Gades Wort.
O weh dem groten Elende!
Syn‘ Seel werd ewig vormordt.

De Armen, by juw wahnen,
Will dar juw Ogen up slan;
Se werden juw vorklagen,
Wenn gy vor dem strengen Ordel stan.
Dat werde gy wol wethen,
Dat Gott nicht tho vorgelden steit;
Und de den Armen heft Gudt gedan,
De werd syn’n Lohn entfahn.

unbekannt – Christus, Lehrer und Vorbild der Genügsamkeit.

O Mensche, wollst bedenken
Mein bitter Leiden groß!
Ich will dir wieder schenken
Das Leben für den Tod.
Bey mir so sollt du bleiben;
Ich hab‘ dir durch mein Leiden
Den Himmel aufgethan.

Ich hab‘ sich nicht erlöset
Durch Silber noch durch Gold;
Hat mich mein Blut gekostet:
Wie bist du denn so stolz?
Auf Erden Schätz‘ zu ‚rwerben
In deiner Seel Verderben,
Gab ich dir auch die Lehr‘?

Wer zeitlich Gut begehret
für meine Gütigkeit,
Das dann der Rost verzehret,
Dem wird es ewig leid.
Wohl in des Himmels Throne
Da find’st du also schone
Den Schatz der Seligkeit.

Die Lilien auf dem Felde,
Wie zierlich sie da stahn!
Bezahlen nicht mit Gelde
Die Schönheit, die sie han.
Salomon in seinem Gewade
War nicht gleich einem Blade
Derselben Lilien eins.

Die Vöglein in den Lüften
Sich freuen ihrer Nest‘;
Die Füchs‘ in ihren Klüften
Haben von mir die Vest‘.
Ich hab‘ gar nichtes eigen,
Drauf ich mein Haupt mogt‘ neigen;
Was Gebrechen habt ihr denn?

Ist mein doch Himmel und Erde,
Und all’s was drinnen ist.
Mein Volk zu Fuß und Pferde
Hab‘ ich geführt ohn‘ List
Wohl aus Aegypten-Lande
In Starkheit meiner Hande
In das gelobte Land.

Es sollen nicht auf morgen
Die treuen Diener mein
für Speis und Kleider sorgen;
Die Sorg‘ ist mein allein.
Ich will euch all‘ ernähren,
Vor’m Hunger euch erwehren;
Fürwahr, ihr’s glauben sollt.

Darum laßt euch begnügen
Am selben, was ihr han;
Ich will euch wohl zufügen
Eur‘ Nothdurft sonder Wahn.
Ihr sollt gar nicht verzagen,
Wenn ihr am jüngsten Tage
Vor’m Sohn des Menschen stahn.

Walther, Johann – Vorgefühl der himmlischen Freude

Herzlich thut mich erfreuen
Die liebe Sommerzeit,
Wenn Gott wird schön verneuen
Alles zur Ewigkeit.
Den Himmel und die Erden
Wird Gott neu schaffen gar;
All‘ Creatur soll werden
Ganz herrlich, hübsch und klar.

Kein‘ Zunge kann erreichen
Die ewig‘ Zierheit groß;
Man kann’s mit nichts vergleichen,
Die Wort sind viel zu bloß.
Drum müssen wir das sparen
Bis an den jüngsten Tag;
Dann werden wirs erfahren,
Was Gott ist und vermag.

Da werden wir mit Freuden
Den Heiland schauen an,
Der durch sein Blut und Leiden
Den Himmel aufgethan,
Die lieben Patriarchen,
Propheten allzumal,
Die Märtrer und Apostel
Bey ihm, ein große Zahl.

Die werden uns annehmen
Als ihre Brüderlein,
Sich (al. und) unser gar nicht schämen,
Uns mengen mitten ein;
Wir werden alle treten
Zur Rechten Jesu Christ,
Als unsern Gott anbeten,
Der unsers Fleisches ist.

Er wird zur rechten Seiten
Uns freundlich sprechen zu:
Kommt, ihr Gebenedeyten,
Zu meiner Ehr und Ruh‘!
Nu sollet ihr ererben
Mein’s lieben Vaters Reich,
Welch’s ich euch that erwerben;
Drum steht eu’r Erbe (al. seyd ihr Erben) gleich.

Er wird uns frölich leiten
Ins ewig‘ Paradeis,
Die Hochzeit zubereiten
Zu seinem Lob und Preis;
Da wird seyn Freud‘ und Wunne
In rechter Lieb‘ und Treu‘
Aus Gottes Schatz und Brunne,
Und täglich werden neu.

Da wird man hören klingen
Die rechten Saitenspiel;
Die Musica wird bringen
In Gott der Freuden viel;
Die Engel werden singen,
All Heil’gen Gottes gleich,
Mit himmelischen Zungen
Ewig in Gottes Reich.

Kein Ohr hat je gehöret,
Kein menschlich Aug‘ gesehn
Die Freud‘, so den’n bescheret,
Die Gott ihm ausersehn;
Sie werden Gott anschauen
Von hellem Angesicht,
Leiblich mit ihren Augen
Das ewig wahre Licht.

Also wird Gott erfüllen
Alles durch seine Kraft,
Wird alles seyn in allen
Durch seinen Geist und Saft,
Wird sich selbs ganz zu eigen
Uns geben völliglich,
Und all sein Gut uns zeigen
In Christo seliglich.

Mit Gott wir werden halten
Das ewig‘ Abendmahl;
Die Speis wird nicht veralten
Auf Gottes Tisch und Saal;
Wir werden Früchte essen
Vom Baum des Lebens gut,
Vom Brunn des Lebens Flüsse
Trinken zugleich mit Gott.

Wir werden stets mit Schalle
Für Gottes Stuhl und Thron
In (al. Mit) Freuden singen alle
Ein neues Lied gar schon:
Lob, Ehr‘, Preis, Kraft und Stärke
Gott Vater und dem Sohn!
Des heilgen Geistes Werke
Sey Lob und Dank gethon!

Frölich ich pfleg‘ zu singen,
Wenn ich solch‘ Freud‘ betracht,
Und geh‘ in vollen Sprüngen;
Mein Herz für Freuden lacht.
Mein G’müth thut sich hoch schwingen
Von dieser Welt mit Macht,
Sehn mich zu solchen Dingen,
Der Welt ich gar nicht acht‘.

Drum wollen nicht verzagen,
Die jetzt in Trübsal seynd,
Und die die Welt thut plagen
Und ist ihn’n spinnenfeind;
Sie wollen ihr Kreuz tragen
Mit Freuden in Geduld,
Auf Gottes Wort sich wagen,
Trösten sich seiner Huld.

Wer Gottes Reich und Gaben
Mit Christo erben will,
Der muß hie Trübsal haben,
Verfolgung leiden viel.
Das soll ihn aber laben,
Es währt ein kleine Zeit;
Der Held (al. Herr) wird bald daher traben,
Sein‘ Huld ist g’wiß nicht weit.

Indeß die Welt mag heucheln,
Gott spotten immerhin,
Um Genießes willen schmeicheln,
Klug seyn in ihrem Sinn,
Ihr Sachen listig beugen
Nach dem der Wind her weht,
Aus Forcht der Wahrheit geschweigen,
Wie jetzt im Schwange geht.

Man laß die Welt nur toben
Und redlich laufen an:
Es sitzt im Himmel droben
Gottlob ein starker Mann;
Er wird gar bald aufwachen,
Der ewig strafen kann,
Der Richter aller Sachen,
Er ist schon auf der Bahn.

Der Bräutigam wird bald rufen:
Kommt, all ihr Hochzeitgäst‘!
Hilf, Gott, daß wir nicht schlafen,
In Sünden schlummern vest,
Bald han in unsern Händen
Die Lampen, Oel und Licht,
Und dürfen uns nicht wenden
Von seinem Angesicht!

Hiemit will ich beschließen
Das frölich‘ Sommerlied.
Es wird gar bald aufsprießen
Die ewig‘ Sommerblüth‘,
Das ewig‘ Jahr herfließen;
Gott geb‘ in diesem Jahr,
Daß wir der Frücht‘ genießen!
Amen, das werde wahr.

Eine andere – und kürzere – Fassung habe ich bereits im Jahr 2013 hier aufgenommen. Ein Teil dieses Liedes findet sich auch in diesem Lied.