Herman, Nikolaus – Der Spruch: Abraham glaubet, das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.

In einen Gesang gefasset. Genes. 15.

Von Abraham geschrieben ist,
Daß er hab gläubt an Jesum Christ.
Darum die Schrift ihm giebt den Ruhm,
Daß er für Gott sei grecht und fromm.

2. In Isaak, seim Söhnelein
Sahe er Christum, Gotts Lämmelein,
Der für die Sünd der ganzen Welt
Sich geben würd zum Lösegeld.

3. Drauf faßt er all sein Zuversicht,
Vertraut auf die Beschneidung nicht.
Solche wurd ihm zur Gerechtigkeit
Gerechnet und zur Seligkeit.

4. Der Glaub an Christum hat die Kraft,
Daß er zu Kindern Gottes macht
Alle, die ergreifen das Wort,
Das sie von Jesu han gehört.

5. Drin er uns armen Sündern zeigt,
Wie uns Gott Vater sei geneigt,
Daß er uns durch sein theures Blut
Woll retten von Sünd, Höll und Tod,

6. Und beweisen Barmherzigkeit
Allen den, so ihr Sünd sind leid,
Und traun auf dich, o Herre Christ,
Gläuben, daß du ihr Heiland bist;

7. Und habst versöhnt des Vaters Zorn,
Darin wir Alle sind geborn;
Und habst bezahlt mit großer Gduld,
Was Adam und wir han verschuldt.

8. Solcher Glaub macht allein gerecht,
Kinder Gottes und liebe Knecht,
Die erben solln mit seinem Sohn,
Sofern sie auch sein Willen thun.

9. Dazu hilf uns, Herr Jesu Christ,
Mit uns es sonst verloren ist.
Verderbt ist unser Fleisch und Blut,
Ohn dein Hilf es nur Arges thut.

Herman, Nikolaus – Ein Lied vom wahren Glauben, der allein selig macht und thätig ist durch die Liebe.

Wider die Heuchler und Maulchristen rc. Gemacht im Joachimsthal.

Man mags auch auf die Weise singen:
Wo Gott zum Haus nicht gibt rc.
Oder: Erhalt uns Herr rc.

Wer hie für Gott will sein gerecht,
Sein Kind und angenehmer Knecht,
Der trotzt nicht auf sein Frömmigkeit,
Noch aufs Gebet Gerechtigkeit.

2. Das Gsetz fordert von uns zu viel,
Herz, Seel, all Kräft es haben will.
Wer nun lebt unter seinem Joch,
Der bleibt ein Heuchler vor und noch.

3. Niemand dem Gsetz genug kann thun,
Denn Christ allein, wahr Gottes Sohn.
Mit seim Gehorsam und bittern Tod
Erfüllt ers Gsetz, versühnet Gott;

4. Und erwirbt uns ein Grechtigkeit,
Die steht in Gotts Barmherzigkeit.
Dieselb er uns im Wort verkündt,
Die ist Vergebung aller Sünd.

5. Den Schatz ergreift der Glaub allein,
Und macht das Herz von Sünden rein,
Traut nur auf Gotts Barmherzigkeit,
In Christo aller Welt erzeigt.

6. Das ist zum Heil der recht Anfang,
Wenn eim sein Sünd macht weh und bang,
Und ergreift im Wort Christi Blut,
Den theuern Schatz und höchste Gut.

7. Dann macht das Herz der Glaub gewiß,
Daß Gott mit ihm versühnet ist,
Und all sein Sünd vergeben sind,
Und Gott ihn aufnehm zu eim Kind.

8. Also wurd David nach seim Fall,
Gleichwie die Sünder allzumal,
Selig und ledig aller Schuld
Und erlangt Gottes Gnad und Huld.

9. Wer nun recht glaubt, daß Christus Blut
Ihm hab erworben solches Gut,
Und woll ihm auch das ewige Leben
Aus lauter Gnad und Güte geben;

10. Sollt der sich nit Christo zu Ehrn,
Für Sünd und Schand sträuben und wehen,
Und anfangen ein neues Leben,
Sein bösen Lüsten widerstreben?

11. Wo sich nicht ändert Herz und Muth,
Und wer jetuzt wie vor lebt und thut,
Wahrlich, deß Glaub ist noch nicht recht,
Beßre Frücht er sonst mit sich brächt.

12. Ein rechter Christ sich fleißt all Stund,
Daß nicht sein Gwissen werd verwundt;
Sein Fürsatz ist dahin gericht,
Daß die Sünd in ihm herrsche nicht.

13. Auf Christum werdn wir drum getäuft,
Daß in uns werd die Sünd ersäuft,
Und alle böse Lust gedämpft.
Die widern Geist stets ficht und kämpft.

14. Christus gibt uns sein heilgen Geist,
Der wirkt in uns, vermahnt und heißt,
Treibt uns zum Besten allezeit,
Daß wir absterben der Bosheit.

15. Mit Fleiß raunt er in unser Ohr:
Du bist ein Christ, leb nit wie vor,
Deim Fleisch und Lüsten widerstreb,
Christo, beim Herrn, gleichförmig leb.

16. Sonst schwebt dein Glaub nur bloß im Maul,
Wo du zur Lieb bist träg und faul,
Und wird bei Gott nicht gelten viel,
Herz, Mund und Händ er haben will.

17. Christus zu den Maulchristen spricht:
Hebt euch von mir, ich kenn euch nicht,
Denn Gleißnersart bin ich sehr feind,
Mir lieben, die recht Christen seind.

18. Das ist das rechte Hochzeitkleid,
Wer Christo gläubt mit dem Bescheid,
Daß er auf ihn all Zuversicht
Setzt, und sein Leben nach ihm richt.

19. Drum sich betrüg selbst Keiner nicht,
Wenn Christ wird kommen zu Gericht,
Wird er vergelten Jedermann,
Was er Guts oder Bös gethan.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Lied vom Amt der Schlüssel und Kraft der heiligen Absolution.

Für die Kinder im Jochimsthal.

1. So wahr ich leb, spricht Gott der Herr,
Des Sünders Tod ich nicht begehr,
Sondern daß er bekehre sich,
Thu Buß und leb auch ewiglich.

2. Drum Christ, der Berr, sein Jüngr aussandt,
Geht hin, predigt in alle Land,
Vergebung der Sünd Jedermann,
Dems leid ist, glaubt und will ablan.

3. Wem ihr die Sünd vergeben werd,
Soll ihr los fein auf dieser Erd,
Wem ihr sie bhalt im Namen mein.
Dem sollen sie behalten sein.

4. was ihr bindt, soll gebunden sein,
Was ihr auflöst, das soll los sein.
Die Schlüssel zu dem Himmelreich
Hiemit ich euch geb allen gleich.

5. Wenn ihr verkündigt diesen Trost,
Daß er durch mein Blut sei erlöst;
Bhält dieß Zeugniß im Herzen sein,
Derselb ist los von Schuld und Pein.

6. Wenn uns der Priester absolvirt,
Sein Amt der Herr Christ durch ihn führt,
Und spricht uns selbst von Sünden rein,
Sein Werkzeug ist der Diener allein.

7. Und wenn die Sünd wär noch so groß,
So werden wir derselben los
Durch Kraft der Absolution,
Die verordnet hat Gottes Sohn.

8. Wem der Priester auflegt sein Hand,
Dem löst Christ auf der Sünden Band,
Und absolvirt ihn durch sein Blut,
Wers gläubt, aus Gnad hat solches Gut.

9. Das ist der heilgen Schlüssel Kraft,
Sie bindt und wieder ledig macht,
Die Kirch trägt sie an ihrer Seit,
Die Hausmutter der Christenheit.

10. Wen nun sein Gwissen beißt und nagt,
Die Sünd quält, daß er schier verzagt,
Der halt sich zu dem Gnadenthron,
Zum Wort der Absolution.

11. Lob sei dir, wahrer Gottessohn,
Für die heilig Absolution,
Drin du uns zeigst dein Gnad und Güt;
Für Ablaßbrief, Herr, uns behüt.