Behm, Martin – Herzallerliebster Jesu Christ

Herzallerliebster Jesu Christ,
Der du das Holz des Lebens bist,
Du grünest herrlich für und für
Und bist der Kirchen Lust und Zier.
An dir sich jedermann erquickt,
Wenn ihn die Last des Kreuzes drückt,
Dein Frucht giebt unser Seelen Speis
Zu deines Namens Lob und Preis.

Ich bitt, laß mich dein eigen sein,
Weil ich dir bin gepflanzet ein
Und von dir hab des Lebens Saft,
Der meiner Seelen giebet Kraft.
Hilf, daß ich bei dir Schatten find,
Wenn Gottes Zorn wird angezündt,
Und daß ich Stärk von dir gewinn,
Wenn ich ganz matt und kraftlos bin.

Behüt mich, Herr, zu jeder Zeit,
Daß ich nicht sei ein dürres Scheit,
Das nichts taug als zum Höllenbrand,
Welchs du hinwirfst mit Spott und Schand:
Das sind die Leut in Sünd verrucht,
Die von dir ewig sein verflucht.
Laß mich stets sein ein grünes Reis
Zu meinem Heil und deinem Preis.

Behm, Martin – Bei dir, o Jesu, sucht man Rath

Bei dir, o Jesu, sucht man Rath,
Weil man hier viel Beschwerung hat;
Den Frommen setzt man heftig zu,
Die Bösen lassen ihn nicht ruh;
Man greift ihn Ehr und Leben an,
Gleich wie man dir selbst hat gethan.

Mein Ehr und Leben mir bewahr,
Kein Spott und Schand mir widerfahr.
Ein guten Namen mir verleih;
Hilf, das ich red die Wahrheit frei,
Wenn mirs schon Unglimpf bringen möcht
Und mich in Noth und Banden brächt.

Dein Diener laß mich hören gern,
Daß ich von ihn dein Willen lern;
Dein Wort allhier laß sein mein Licht,
Nach dem ich mich im Finstern richt.
Vor Finsterniß mein Herz bewahr,
Auf daß ich nicht zur Höllen fahr.

Behm, Martin – Als Jesus Christ rang mit dem Tod

Als Jesus Christ rang mit dem Tod,
Schrie er zum Vater in der Noth.
Der Vater hört gar bald den Sohn,
That plötzlich auf sein Himmelsthron,
Schickt ihm ein Engel willig rein,
Der bracht ihm Stärkung in der Pein.

O Vater, schau auf deine Kind,
Wenn wir allhie in Nöthen sind
Und dich von Herzen rufen an;
Denn uns sonst niemand helfen kann.
Dein Engel uns vom Himmel schick,
Der uns in aller Noth erquick.

Hilf, daß wir sind ans Engels statt,
Wenn unser Nächster Kummer hat,
Daß wir durch dein Barmherzigkeit
Ihn trösten in seim Herzeleid.
Laß ihn den Trost auch nehmen an,
Wie dein Sohn selber hat gethan.

dein Engel send, wenn ich verricht
Nah deim Befehl mein Amt und Pflicht;
Hilf, daß er nicht fern von mir sei,
Wenn ich zu dir bet, ruf und schrei.
Dein Engel schick, der mich heim hol,
Wann ich von hinnen wandern soll.

Behm, Martin – Wenn ich zu dir, mein Herr und Gott

Wenn ich zu dir, mein Herr und Gott,
Von Herzen ruf in meiner Noth,
Daß ich nicht werd zu Schand und Spott,

So hilf, daß ich mein Kämmerlein
Zuschließ, das ist meins Herzen Schrein,
Damit nichts böses kann hinein.

Verleih mir, daß mein Seel und Leib
In Andacht ungeirret bleib,
Und ich kein Ungeberden treib.

Hilf, daß mein Haupt und Angesicht
Zu dir in Himmel sei gericht,
Und daß mein Herz nicht anders dicht.

Gieb Gnad, daß ich rein Händ aufheb,
Im Glauben an dir hang und kleb,
Mich in Gehorsam dir ergeb.

Wenn ich von Herzen zu dir schrei,
So mach mich alles Kummers frei,
Daß ich hier und dort fröhlich sei.

Behm, Martin – Gott Vater, reich von Güte

Gott Vater, reich von Güte,
Ich dank dir in meim Gemüthe,
Weil du hast die Menschen alle
Nach dem schweren Sündenfalle
Gnädigst wieder angenommen,
Dein Sohn lassen zu uns kommen,
Der uns sollt von Sünden retten,
Daß wir ewig Frieden hätten.

Davon zeugten die Propheten,
Daß man ihn für uns sollt tödten.
Die Figuren auf ihn weisten,
Daß er uns sollt Hülfe leisten.
Dazu hat er selbst gesaget,
Er sollt sein für uns geplaget,
Hasts auch offenbart den Heiden,
Daß dein Sohn den Tod sollt leiden.

Herr, dein Wort erhalt uns reine,
Weil es Christum weist alleine,
Das Verständniß uns aufthue,
Daß wir in ihm finden Ruhe;
Wollst der Menschen Satzungn wehren
Und ausreuten falsche Lehren,
So auf Werk die Menschen weisen,
Nicht allein dein Gnade preisen.

Durch dein Geist das Herz entzünde,
Uns durch Lieb mit dir verbinde,
Daß wir nach der Schrift uns richten
Und zu deinem Dienst verpflichten,
Daß wir mit den lieben Alten
Unverrückt im Glauben halten
Und mit ihn allsammt zugleiche
Bei dir sein im Himmelreiche.

Knapp, Albert – Dies Irae

Jenen Tag, den Tag der Wehen,
Muss die Welt in Brand vergehen,
Wie Prophetenspruch geschehen.

Weh! wie zittern dann die Schaaren,
Wird der Richter niederfahren,
Alles streng zu offenbaren!

Die Posaun‘ in Wundertönen,
Die durch alle Gräber dröhnen,
Ruft zum Thron den Erdensöhnen.

Tod, Natur, sie schau’n mit Beben
Alle Creatur sich heben,
Antwort vor Gericht zu geben.

Und ein Buch wird vorgetragen,
Das da wird von Allem sagen,
Weltgerichtsspruch aufzuschlagen.

Also vor des Richters Walten
Wird, was heimlich, sich entfalten,
Vor der Rache nichts behalten.

Ach! wie werd‘ ich denn bestehen?
Wen zum Anwalt mir erflehen,
Wenn Gerechte schier vergehen?

Herr, vor dessen Macht wir beben,
Freie Gnade kannst du geben;
Rett‘, o Gnadenquell, mein Leben!

Liebevoller Jesu, siehe!
Wie ich Ziel war deiner mühe,
Dass ich jenem Zorn entfliehe!

Mir nach war dein Schritt gewendet,
Du am Kreuz für mich verpfändet,
So viel Müh‘ sei nicht verschwendet!

Rächer, mit der heil’gen Waage,
Tilge wider mich die Klage
Vor dem grossen Rügetage!

Sieh, ich seufze schuldbeladen,
Schamroth über solchen Schaden;
Hör‘ mein Flehen, Gott, in Gnaden!

Du, der schuldfrei sprach Marien,
Und dem Schächer noch verziehen,
Hast auch Hoffnung mir verliehen!

Unwerth ist mein Fleh’n zu nennen,
Doch du Treuer, wollst mir gönnen,
Nicht in ew’ger Glut zu brennen!

Zu den Schafen mich geleite,
Von den Böcken in die Weite
Stelle mich zur rechten Seite!

Wenn Verworfne dein Verdammen
Niederstürzt in Pein und Flammen,
Ruf mit Sel’gen mich zusammen!

Flehend neig‘ ich Haupt und Hände,
Glimmt mein Herz, wie Asche; wende
Dich zu mir an meinem Ende!

O des Tages voller Zähren,
Wann vom Staube wiederkehren
Zum Gericht die Sünderschaaren!
Gott, dann wollst du gnädig fahren!

Jesu, frommer König, du,
Führe sie zu deiner Ruh!