Tersteegen, Gerhard – Frühlingslied

Tersteegen, Gerhard – Frühlingslied

Komm, laß uns gehen, mein Freund, hinaus aufs Feld,
Laß uns besehen des Frühlings Pracht und Freude,
Schau‘ da Dein Werk! Die Erd‘ im neuen Kleide;
Sie grünt, sie blüht; Dir jauchzet alle Welt.

Der Vöglein Schaar singt lustig Tag und Nacht;
Das Bienlein saugt gar emsig bei dem Wetter,
Wie süß bestreahlt die Sonne Blum‘ und Blätter!
Du bist’s, mein Licht, der Alles fröhlich macht.

Im Herzen Du, dort außen die Figur;
Ich liebe Dich in Deinen Schildereien,
Und muß mich ja herzkindlich drüber freuen,
Wie schön, wie schön ist Deine Creatur!

Das kleinste Blatt, das feinste Gräselein
Rühmt Deine Kunst. Was grünt und blüht und lebet,
Ein liebend Herz entzückt zu Dir erhebet,
Wie schön, wie schön muß nicht das Urbild sein!

Deine Himmelpracht, Dein tausend Tausendschön,
Draus im Triumph stets neue Wunder grünen,
Dein Leben und Dein Geben, uns zu dienen,
Kann ich vergnügt in dem Geälde sehn.

Die Sonne lockt der Blüthe Knospen aus,
Die Erde trägt den Schooß voll Erstlingsgaben,
Gras, Kraut und Korn zum Nähren und zum Laben;
Hier bing‘ ich’s Dir als Priester in Dein Haus.

Ich schaue dort mit süßem Andachtsblick,
Der Blumen Zier in Gärten und in Wiesen;
Gestalt, Geruch und Farben hoch gepriesen,
Und bringe Dir die ganze Pracht zurück.

Die Nachtigall singt Hallelujah Dir,
Bewunderend den neuen Schmuck im Grünen.
Hör‘, Liebster, hör‘, so will ich auch Dir dienen,
In Dir mein Herz sich freu‘ und jubelir‘.

Die Lerche trägt Dein, Lob, so hoch sie kann;
Ich möcht‘ in Dir, als meiner Luft, so schweben,
Disch, selig’s Gut, mit höchstem Lob erheben;
Doch, wer erreicht’s? Ich sink‘ ich bete an!

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