Benjamin Schmolck – Je größer Kreuz, je näher Himmel.

Je größer Kreuz, je näher Himmel,
Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott;
Bei dem verlarvten Weltgetümmel
Vergisst man Hölle, Fluch und Tod.
O selig ist der Mensch geschätzt,
Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt.

Je größer Kreuz, je besser Christe,
Gott streicht uns an den Probestein,
Wie mancher Garten lieget wüste,
Wo keine Tränenregen sein.
Das Gold wird auf dem Feuerherd,
Der Christ in mancher Not bewährt.

Je größer Kreuz, je stärker Glauben,
Die Palme wächset bei der Last;
Die Süßigkeit fleußt aus den Trauben,
Wenn du sie wohlgekeltert hast.
Im Kreuze wächset uns der Mut,
Wie Perlen in gesalzner Flut.

Je größer Kreuz, je größer Liebe:
Der Wind bläst nur die Flammen auf;
Und scheinet gleich der Himmel trübe,
So lachet doch die Sonne drauf.
Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut,
Gleichwie das Del im Feuer tut.

Je größer Kreuz, je mehr Gebete:
Geriebne Kräuter riechen wohl;
Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte,
So fragte man nicht nach dem Pol.
Wo kämen Davids Psalmen her,
Wenn er nicht auch versuchet wär?

Je größer Kreuz, je mehr Verlangen:
Im Tale steiget man bergan;
Wer durch die Wüsten oft gegangen,
Der sehnet sich nach Kanaan.
Das Täublein findet hier nicht Ruh,
So fleugt es nach der Arche zu.

Je größer Kreuz, je lieber Sterben:
Man freut sich recht auf seinen Tod;
Denn man entgehet dem Verderben,
Es stirbt auf einmal alle Not.
Das Kreuze, das die Gräber ziert,
Vezeugt, man habe triumphiert.

Je größer Kreuz, je schöner Krone,
Die Gottes Schatz uns beigelegt,
und die einmal vor seinem Throne
Der Überwinder Scheitel trägt.
Ach dieses teure Kleinod macht,
Dass man das größte Kreuz verlacht.

Gekreuzigter, lass mir dein Kreuze
Je länger und je lieber sein!
Dass mich die Ungeduld nicht reize,
So pflanz ein solches Herz mir ein,
Das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt,
Bis dort mein Kreuz die Krone trägt.

Rinkart, Martin – Kreuz-Gebetlein.

1. Ach Gott, mein treuer Gott,
Darf ich mein Elend klagen?
Und wie mir’s ist ums Herz,
Wie kannst du mich so plagen,
Mich dein betrübt Geschöpf,
Und schwache Kreatur,
Die voller Elend schon
Und Jammer von Natur.

2. Und muß noch solche Pein
Und große Schmerzen tragen,
Die du viel besser weißt,
Als ich sie weiß zu sagen,
Wo ist dein treues Wort
Und alter Vaters-Ruhm?
Was hilft mir denn zuletzt
Mein Glaub und Christentum?

3. Ach solltest du dein Kind
Dich lassen nicht erbitten,
Und deines Eifers Grimm
Vielmehr auf Leute schütten,
Die dich und deinen Sohn,
Und sein Heilwertig Wort
Erkannt und unerkannt
Verlästern fort und fort.

Eva von Thiele-Winkler – Lieben und Leiden

Das Leiden ist vom Lieben
Auf Erden nicht zu trennen,
Willst du das Lieben üben,
Lernst du das Leiden kennen.
Willst du das Leiden meiden,
So wird die Lieb vergehen,
Das Lieben und das Leiden
Muss hier zusammenstehen.

Es ist das Opferleben
Der Liebe wahres Wesen.
Wer sich nicht selbst will geben,
Wird nie den andern lösen.
Die Liebe fühlt die Schmerzen,
Sieht sie den andern leiden,
Sie kann aus ihrem Herzen
Des Nächsten Not nicht scheiden.

Die Liebe muss beim Wandern
Die Last der Brüder tragen,
Sie duldet für den Andern,
Lässt sich für andre schlagen.
Sie sieht mit tiefen Qualen
Rings um sich das Verderben.
Sie stirbt zu vielen Malen,
Sieht sie die andern sterben.

Nach Samariter Weise
Beugt sie sich tief hernieder,
Und findet auf der Reise
Des Herrn verlor’ne Brüder.
Sie trägt mit Liebesarmen
Sie in des Heilands Hürde,
Und legt in sein Erbarmen
Die schmerzhafte Bürde.

Mag auch das arme Leben
An fremdem Weh verbluten,
Ertrinkende zu heben,
Selbst sinken in den Fluten, —-
Was tut’s? Wenn nur die Liebe
Bis in den Tod kann lieben!
Wenn man dem heil’gen Triebe
Nur immer treu geblieben!

Dann werden grosse Fluten
Doch nimmer löschen können
Die heissen Flammengluten,
Die in der Seele brennen,
Die sich am Opferherde
Von Golgatha entzünden,
Und diese arme Erde
Mit Gottes Herz verbinden.

Darum lieber solche Schmerzen
Als alles Glück der Erden,
Und lieber Weh im Herzen
Als lieb- und leidlos werden.
Einst wird die Stunde kommen,
Da trennt sich Lieb vom Leide
Und, alles Weh entnommen,
Liebt sie in ew’ger Freude.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

Emil Quandt – Das grosse Herzeleid.

Es gibt im Leben ein Herzeleid,
Das ist wie die weite Welt so weit,
Das ist wie Bergeslasten schwer,
Das ist so tief wie das tiefe Meer.

Das ist das grosse Herzeleid,
Wenn um die Sünde die Seele schreit,
Wenn die Träne rinnt um der Sünde Last
Und um die Sünde die Wang erblasst.

Das ist des Lebens Herzeleid,
Das heilet kein Balsam dieser Zeit,
Das bannet kein Zauber von Lieb und Luft.
Das tötet kein Tod in der Menschenbrust.

Und ist es erwacht, dies Herzeleid,
Dann nagt es am Herzen in Fried und Streit,
Dann trübt es den Blick in der Sonne Pracht,
Dann macht es so laut die stille Nacht.

Das ist das grosse Herzeleid:
Dafür hat der Mittler sein Leben geweiht.
Durch Christ Blut und Gerechtigkeit
Wird uns gestillt das Herzeleid.

Rappard-Gobat, Dora – Durch Leiden zur Herrlichkeit

John Hooper – Trag willig in dem Ungemach

Trag willig in dem Ungemach
Mit Christus Kreuz und Qualen
Er kann und will es tausendfach
Mit Freuden dir bezahlen.

Dein Herz erschrecke nicht in Not
Hisse das Segel, steig ins Boot
Mach dich bereit
Und sei gewiß, du kommst dort an
Im ewig sichern Hafen dann Für allezeit.

Fürcht nicht den Tod, nicht Spott noch Schand
Gott sei und bleib dein ein’ger Trost
Der fordert’s Blut von ihrer Hand.

Du weißt, daß du einst sterben muß
So magst den Leib du geben
Tod ist nicht Tod – nein,
Eingang in das Leben.

Halt mutig ausgedrückt:
Wenn die Tyrannen droh’n mit Mord,
Dein Kompaß, der ist Gottes Wort
Es geht nach Haus!

Tersteegen, Gerhard – Stille doch, mein armes Herz

1.) Stille doch, mein armes Herz
O du stilles Wesen du,
Setze mich in dir zur Ruh!
Schau, ich leid es ja mit Schmerze,
Was mich störet und bewegt,
Was mich hin und wieder schlägt!

2.) Bin ich nicht in dir geblieben,
Ließ ich mich zu weit hinein,
Es sollt nicht geschehen sein.
Dennoch will ich wieder lieben.
Lass den Sturm nur legen sich,
Nimm mich ein und stille mich!

3.) Mein Gemüt ist gar im Treiben,
Zagt und wanket hin und her
Wie ein ungestümes Meer –
Wo soll doch dein Täublein bleiben?
Nirgends kann ich ruhig sein,
Lieber Noah, nimm mich ein!

4.) Nimm mich ein, lass dich erbitten,
Lass es alles fallen hin,
Was da störet meinen Sinn.
Birge mich in deiner Hütten,
Bei dir in der Seele Grund,
Da bedeck mich alle Stund!

5.) Meinen edeln Geist erlöse,
Dass ihn nichts hinfort berühr,
Was auch mag geschehen hier.
Mach ihn von der Welt Getöse,
Von Vernunft und Phantasei
Und vom Reich der Sinne frei!

6.) Still in mir die ganze Erde,
Herr, bewahr dein Heiligtum,
Dass darein nichts Fremdes komm,
Dass es nicht entheiligt werde,
Nicht verbildet, nicht verstört,
Weil es ganz dir zugehört!

Tersteegen, Gerhard – Sollt ich nicht gelassen sein

1.) Sollt ich nicht gelassen sein
In des Kreuzes Nacht und Pein.
Da mich Gottes Gnad‘ und Segen
Will von meinem Unflat fegen.

2.) Jesus hat mich so geliebt,
Da er bis zum Tod betrübt:
Sollt‘ ich ihme zu behagen,
Nicht ein kleines Kreuzchen tragen?

3.) Sollt der Ton nicht heißen gut,
Was der Töpfer mit ihm tut?
Will mich Gott im Schmerz begraben,
Sollt ich’s anders wollen haben?

4.) Nein, ich leg mich willenlos,
Wie ein Kind in’s Vaters Schoß.
Schließ die Augen, streck die Hände:
Herr, wohlan, dein Werk vollende!

5.) Nur in Gnaden schlage zu.
Nur dein Will‘ sei meine Ruh‘,
Will das Fleisch gleich immer klagen,
Schau nur was mein Geist will sagen.

6.) Was dich selbst nicht meint, verzehr
Durch des Leidens Glut, mein Herr,
Sieh, ich lass mich deinen Händen.
Du wollst mich durch’s Kreuz vollenden.

7.) Ach, möcht‘ es noch heut‘ geschehn,
Ach, wann werd‘ ich’s endlich sehn,
Dass ich, ganz befreit und reine,
Dir nur lebe, dich nur meine!

8.) Nun, ich geb mich völlig dran,
Hilf, Herr, dass ich leiden kann:
Wie du’s willst am liebsten sehen,
Lass es ewig mir geschehen.

Tersteegen, Gerhard – Ich bin im Kreuz, was soll ich tun

1.) Ich bin im Kreuz, was soll ich tun?
Nur wie ein stilles Schäflein ruhn
In Jesu Schoß und Willen.
Ich küsse meines Freundes Hand,
Der mir das Kreuz hat zugesandt,
Er will sein Werk erfüllen.

2.) Er fahre nur im Schmelzen fort,
Mitleiden ist ein süßes Wort,
Ich leide nicht alleine:
Sein Nahesein den Geist erquickt,
Sein Einfluss Kraft und Gnade schickt,
Auch wenn ich’s selbst nicht meine.

3.) Ich achte nicht des Kreuzes Pein,
Kann ich nur dir gefällig sein,
O Jesu, mein Verlangen:
Du bist und bleibst die Liebe doch,
Ich lieb‘ dich auch am Kreuze noch,
Mein Grund an mir bleibt hangen.

4.) Greif an, mein Herr, durch Kreuz und Leid,
Den tiefen Grund der Eigenheit.
Das Ende wird’s versüßen.
Die Leidenshitze, die mich brennt,
Verbrenne, Liebster, was uns trennt.
Bis wir in Eins zerfließen.

5.) Ich geb mich dir zum Opfer hin,
zu leiden in gelassnem Sinn,
Du weißt, ich bin der Deine.
Nur schenk mir deine Gnad‘ und Huld,
Dass ich mag leiden in Geduld,
Und dich nur lieb‘ und meine.

6.) Du funkelreine Gotteslieb,
Lass deine Kraft und sanften Trieb
Durch’s Kreuz in mir sich mehren.
Ich senke mich in dich hinein
Und will dich auch in Kreuz und Pein,
Durch’s Stillesein verehren.

Tersteegen, Gerhard – Das Kreuz ist dennoch gut

1.) Das Kreuz ist dennoch gut,
Ob es gleich wehe tut.
Der gute Gott es giebet,
Drum muss es sein geliebet.
Ei, fasse guten Mut!
Was bitter ist im Munde,
Ist innerlich gesunde,
Es ist so gut, so gut.

2.) Das Kreuz ist dennoch schön,
Kann’s gleich Vernunft nicht sehn.
Man wird im Kreuz geehret,
Mit Gottes Sohn verkläret,
Die Engel um dich stehn,
Sie schauen dich mit Freunden
Im stillen Geiste leiden.
Es ist so schön, so schön.

3.) Das Kreuz macht Gott gemein ,
Es treibt den Sinn hinein,
Der sonst gern ausspazieret
Und leicht das Herz verführet.
Nun sammelt er sich fein,
Er mag von Welt nicht hören,
Er muss in Gott sich kehren
Und wird mit Gott gemein.

4.) Wo Kreuz ist, das ist Licht.
Du kennst dich selber nicht,
Solang du nicht probieret.
Du hast, wie sich’s gebühret,
Von Gott auch kein Gesicht.
Kreuz lehrt dich alle Wahrheit,
Kreuz führt dich in die Klarheit.
Wo Kreuz ist, das ist Licht.

5.) Das Kreuz macht hell und rein,
Es fegt den falschen Schein,
Die heimelichsten Flecken
Im Kreuze sich entdecken,
Geschieht es gleich mit Pein.
Der Schaum der Eitelkeiten
Zerschmilzt in Kreuz und Leiden.
Es macht so rein, so rein.

6.) Das Kreuz macht dich gebeugt,
Geschmeidig und erweicht,
Der ungebrochne Wille
Wird kindlich, sanft und stille,
Der Geist vor Gott sich neigt,
Das Herz will gern zerfließen
In aller Menschen Füßen.
Es wird sogar gebeugt.

7.) Im Kreuze wird man klein.
Der eingebild’te Schein
Und alles hohe Dünken
Muss in dem Kreuze sinken,
Da lernt man Gott allein
Verehren und erheben,
In seinem Nichts zu leben.
Man wird so klein, so klein.

8.) Kreuz führt dich aus der Not
Ins Leben durch den Tod.
Kannst du dein eignes Leben
Dem Tod am Kreuz ergeben
Und ganz dich lassen Gott –
Bald steht der Geist im Frieden,
Vergnügt und abgeschieden
Von Jammer, Angst und Not.

9.) Ich lieb das liebe Kreuz
Und wollt aus heil’gem Geiz
Der ganzen Welt Vergnügen
Dafür wohl lassen liegen,
Ich küss es ja bereits.
Mein Kreuzesfürst, mein Leben
Sei völlig dir ergeben
Und deinem lieben Kreuz.

10.) Vom Kreuz ins Paradies,
Vom Leiden zum Genieß
Ist Jesus vorgegangen.
Willst du die Kron erlangen,
So halt das Kreuz gewiss!
O Jesu, mit mir leide,
Bis dass ich endlich scheide
Vom Kreuz ins Paradies!

Knaust, Henrich – Nu hab ich all mein tage gehört, rc.

Christlich und moraliter geendert, D. H. K.

NU hab ich all mein tag gehört,
wie leiden sei ein schwere pein,
So hat mir doch noch nie gebürt,
daß ichs möcht jnnen worden sein,
Dann jetzt allein, so ich groß pein
und hertzlich leid auff diser Erdt
muß schwerlich han und nemen an
zu widern, was mein Hertz begert.

Mein Hertz begert nicht anders mehr,
denn was zu Gottes ehr gezimpt;
Zu seinem dienst steht all mein bger,
sein trost mein leiden gar hinnimpt;
Wers noch so schwer, dennoch mein Herr
muß globet sein on ende,
denn ich bin sein und er der mein:
mein Gott, nicht von mir wende!

Mit freuden wil ich loben Gott
in allen meinen tagen fein,
Denn er mir hilffet auß der not,
darinn ich müst verdorben sein.
Mein hertz on schmertz jn loben sol,
und wann er mich gar tödten wolt,
wie sichs anstellt, dennoch nicht fehlt,
sein gnade mich erhalten solt.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer