Wer wälzt den Stein mir von dem Grab,
Darin mein Heiland liegt?
Den ich so heiß geliebet hab,
Der liegt vom Tod besiegt.
Nur noch ein Einzig, Einzigmal
Möcht ich sein Antlitz sehn,
Und dann in aller meiner Qual
Getrost von hinnen gehn.
Es steigt in alter Herrlichkeit
Die Sonn auch heut empor,
Ach dass sie nur die kurze Zeit
Den hellen Schein verlor!
Und wie ein Garten Gottes steht
Die Welt auch heute da,
Mit Duft und Blüten übersät,
Und leuchtet fern und nah.
Nun mutig, Herz, nun tritt hinzu
Zu diesem Felsenstein,
Der in der tiefen Grabesruh
Den Meister schließet ein!
Das Grab ist leer, o großer Gott!
Was ist das für ein Trug?
Treibt ihr noch mit dem Toten Spott?
Wars nicht des Hohns genug?
Sag an, sag an, du fremder Mann,
Wo habt ihr meinen Herrn?
Wo habt ihr ihn denn hingetan?
O wollt ihn mir nicht wehrn!
„Maria“ spricht der Gottessohn;
O wie das selig klingt!
Das ist der alte Liebeston,
Der Mark und Bein durchdringt!
Du bists, du bists, du selber ja:
Brich nicht vor Wonne, Herz!
Ein seliges Hallelujah
Wird nun der Trennungsschmerz.
„Zu meinem Vater, eurem klar
Geht nun mein Siegeslauf,
Zu meinem Gott, zu eurem fahr
Ich triumphierend auf.“
Und meinen Schwestern, Brüdern sag
Ich, was er selbst gesagt,
Und preise Gott, wie ich vermag,
Ich benedeite Magd.
Kategorie: Zeller Albert
Zeller, Albert – Gott sei gelobt, wir wissen
Gott sei gelobt, wir wissen,
Wenn dieser Bau zerfällt
Und Alles wird zerrissen,
Was hier zusammenhält:
Wir haben eine Hütte
Von seiner eignen Hand,
Die stehet in der Mitte
Im neuen Vaterland.
Dieweil wir hier noch wallen,
Sind wir beschwert, gedrückt;
Es will uns nicht gefallen,
Das Glück ist zu zerstückt.
Ein ewiges Verlangen
Beseelet Alt und Jung
Und dennoch will uns bangen
Vor der Verwandelung.
Wir wollen nicht entkleidet,
Nur überkleidet sein,
Wei Leib und Seele scheidet,
Soll es wie Zauber sein.
Es soll der Tod verschlungen
Nur von dem Leben sein:
Dir ist es ja gelungen,
Das selge Los ist dein.
Nur Eine lichte Welle
Brach durch die Sichtbarkeit,
Und warf mit Blitzesschnelle
Um dich des Himmels Kleid;
Gott hat dich schnell erhoben,
Fast ging es mir zu jach;
Mit Weinen und mit Loben
Sah ich dem Fluge nach.
Es war dein Tun und Streben
Ein lichter Maientag,
Der über meinem Leben
Mit Himmelswonne lag;
Von Treu zu Treu bewähret,
Geführt von Licht zu Licht,
So wurdest du verkläret
Zum Engelsangesicht.
Was soll ich fürder klagen
Gedenkend an mein Weh,
Mit Seufzen und mit Fragen,
Was ich doch nicht versteh?
Ist seine Lieb nicht größer,
Als ich sie bieten kann?
Dein Schöpfer und Erlöser
Hat dir nur wohlgetan.
Du ruhst in seinem Lieben
Am Herz der Seligkeit;
Uns aber ist geblieben
Das Pfand, das uns befreit;
Das ist des Geistes Wehen,
Der uns bereitet still,
Zu ihm und dir heißt gehen
Und rufet, wann er will.
Zeller, Albert – Soll ich der Blumen nicht mehr warten
Soll ich der Blumen nicht mehr warten,
Noch an die Erde fest gebannt,
Weil meine Blum in Gottes Garten,
In ihrem ewgen Vaterland?
Ich will sie still und emsig pflegen
Die kleinen Freuden dieser Welt:
Auf kleinem Tun ruht großer Segen,
Wenn es aufs Ewge ist gestellt.
Ist nicht das beste Tun hienieden
Nur in dem Kleinen Sorg und Treu?
Das Höchste, was uns hier beschieden,
Muss werden jede Stunde neu.
Wir werden müd; die Kräfte fliehen,
Und sei der Geist auch hoch begabt;
Wie will ein Wandrer weiter ziehen,
Wenn er nicht stets aufs Neu sich labt?
In immer neuen, frischen Zügen
Bedürfen wir der Gottesluft,
Wenn auch zu immer kühnern Flügen
Uns auf die innre Stimme ruft.
Nur Schritt für Schritt geht unsre Reise
Zu der verheißnen Gottesstadt,
Wenn sie auch längst in Sonnenweise
Entgegen uns geleuchtet hat.
Wer nicht im Kleinsten und Geringsten
Etwas von Gottes Hauch verspürt,
Für den gibt es kein Fest der Pfingsten,
Auch wenn sich Erd und Himmel rührt.
Zeller, Albert – Ich bin verwelkt und grüne
Ich bin verwelkt und grüne
Doch wie ein Tannenbaum;
Das macht die Gottessühne,
Die lässt zum Himmelsraum
Mich wieder aufwärts steigen
Mit neuverjüngter Kraft;
In Krone, Stamm und Zweigen
Treibt frischer Lebenssaft.
Wie wenn vom Blitz getroffen
Ein Baum nicht untergeht,
Mit allen Adern offen
Den Elementen steht,
Und Erd und Himmel reichen
Kraft, Nahrung, Heilung dar;
Er grünt wie Seinesgleichen,
Er übergrünt sie gar.
Und dennoch will mir dünken,
Es sei ein eitler Schein,
Und bei dem ersten Winken
Sink aller Zauber ein:
Er ist einmal berühret
Vom heilgen Opferstrahl
Und trägt, wie sichs gebühret,
Das ernste Todestal.
Mehr als mein halbes Leben
Steht schon auf ewgem Grund:
Das ist es, was mich eben
Macht fröhlich und gesund.
Wie Wind und Wetter gehe,
Was kümmert das den Kern?
Ich falle oder stehe
Mit Freuden meinem Herrn.
Zeller, Albert – Erloschen und versunken
Erloschen und versunken
Wär jedes Freudenlicht,
Wenn mit dem letzten Funken
Ein treues Auge bricht?
Und was uns Gott zu eigen
Auf dieser Erde gibt,
Das wollt Er uns nur zeigen,
Bis wir es recht geliebt,
In unser Herz geschlossen
Wie unser eigen Blut,
Und es gefühlt, genossen
Als unser liebstes Gut?
Und dann für immer immer
Entzög Ers unserm Blick,
Und dieser flüchtge Schimmer
Wär unser ganzes Glück?
So grausam sollt Er spielen,
Dem alle Lieb entsprang,
Mit unsrem reinsten Fühlen,
Mit unsrem tiefsten Drang,
Damit nur Er geliebet,
Nur Er geehret sei,
All Anderes zerstiebet
Wie nichtger Staub und Spreu?
Er selbst hat sich gegeben
In unsern lieben dar;
Sein Tun ist immer Leben,
Sein Wort bleibt immer wahr;
Er legte voll Erbarmen
Die Treuen uns ans Herz,
Und hebt auf Freundesarmen
Uns Schwache himmelwärts.
Nur immer voller, reiner
Soll es geliebet sein:
Des weigere sich Keiner
Und süßer Lohn ist sein.
Und lieben wir nur freier,
Wenn Einer uns verlässt,
So wird die Totenfeier
Zum heilgen Osterfest.