Mein Heiland nimmt die Sünder an,
Die unter ihrer Last der Sünden
Kein Mensch, kein Engel trösten kann;
Die nirgends Ruh noch Rettung finden!
Sie, denen selbst die Welt zu klein,
Die bang des Richters Auge scheu‘n,
Sie, denen längst der Stab gebrochen,
Die schon der Hölle zugesprochen,
Seh’n diese Freistatt aufgetan:
Mein Jesus nimmt die Sünder an!
Sein mehr als mütterliches Herz
Trieb Ihn von Seinem Thron auf Erden;
Ihn drang der Sünder Weh und Schmerz,
An ihrer Statt ein Fluch zu werden!
Er senkte sich in ihre Not
Und schmeckte für sie Angst und Tod.
Nun, da Er denn Sein eignes Leben
Zur teuren Zahlung hingegeben
Und Seinem Vater g’nug getan,
So heißt’s: Er nimmt die Sünder an!
Nun findet man in seinem Schoß
Ein sich‘res Schloss gejagter Seelen;
Er spricht sie von der Strafe los
Und tilgt ihr jammervolles Quälen.
Es wird ihr ganzes Sündenheer
Ins unergründlich tiefe Meer
Durch seinen Mittlertod versenken,
Und ihnen Gottes Geist geschenket,
Durch den man Vater! rufen kann.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.
So bringt er sie zum Vater hin
In seinen blutbeflossnen Armen,
Und dieses neigt des Vaters Sinn
Zu lauter ewigem Erbarmen.
Er nimmt sie auf an Kindes statt,
Ja alles, was er ist und hat,
Wird ihnen eigen übergeben,
Und selbst die Tür zum ewgen Leben
Wird ihnen huldreich aufgetan.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.
O könntest du Sein Herz nur sehn,
Wie sich’s nach armen Sündern sehnet,
Sowohl, wenn sie noch irre gehn,
Als wenn ihr Auge vor Ihm tränet!
Wie eilt Er in Zachäus Haus,
Und streckt die Hand nach Zöllnern aus!
Wie stillt er jener Magdalenen
Den wilden Guss erpresster Tränen
Denkt des nicht mehr, was sie getan!
Mein Heiland nimmt die Sünder an!
Wie freundlich blickt er Petrum an,
Obgleich er noch so tief gefallen!
Und dies hat er nicht nur getan,
Da er auf Erden musste wallen,
Nein, er ist immer einerlei,
Gerecht und fromm und ewig treu.
Und wie er unter Schmach und Leiden,
So ist er auf dem Thron der Freuden
Den Sündern liebreich zugetan.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.
So komme denn, wer Sünder heißt,
Und wen sein Sündengräu’l betrübet,
Zu dem, der keinen von sich weist,
Der sich gebeugt zu ihm begibet.
Wie, willst du dir im Lichte stehn
Und ohne Not verloren gehn?
Willst du der Sünde länger dienen,
Da dich zu retten Er erschienen?
O nein, verlass die Sündenbahn!
Mein Heiland nimmt die Sünder an!
Komm nur mühselig und gebückt,
Komm nur, so gut du weißt zu kommen!
Wenn gleich die Last dich niederdrückt,
Gebeugt wirst du gern angenommen.
Sieh, wie Sein Herz dir offen steht
Und wie Er dir entgegen geht!
Wie oft hat er nicht voll Verlangen
Gesucht, dich gnädig zu umfangen!!
So komm denn, armes Herz, heran,
Mein Heiland nimmt die Sünder an!
Sprich nicht: Ich hab’s zu arg gemacht,
Und alle Güter Seiner Gnaden
Do Lang und schändlich durchgebracht,
Er hat mich oft umsonst geladen.
Wenn du es jetzt nur redlich meinst
Und deinen Fall mit Ernst beweinst,
So soll Ihm nichts die Hände binden,
Und du sollst jetzt noch Gnade finden;
Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann!
Mein Jesus nimmt die Sünder an!
Doch sprich auch nicht: „Es ist noch Zeit,
Ich muss erst diese Lust genießen;
Gott wird ja eben nicht gleich heut
Die off‘ne Gnadenpforte schließen.
Nein, weil Er ruft, so höre du
Und greif mit Glaubenshänden zu!
Wer diesen Tag sein Heil verträumet,
Hat eine Gnadenzeit versäumet,
Die wohl nie wieder kommen kann.
Heut komm, heut nimmt dich Jesus an!
Ja, zeuch du selbst uns recht zu dir,
Holdselig süßer Freund der Sünder.
Erfüll mit sehnender Begier
Auch uns und alle Adamskinder.
Zeig uns bei unserm Seelenschmerz
Dein nur von Liebe wallend Herz.
Und wenn wir unser Elend sehen,
So lass uns ja nicht stille stehen,
Bis dass ein jeder sagen kann:
Gottlob, auch mich nimmt Jesus an!