Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Sexagesimä.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O Gott, du frommer Ackermann,
Weil man in deinem Namen
Zu säen jetzt wird fangen an
Dein Wort, den edlen Samen,
So gib dein Gnad und Kraft dazu,
Dass solches wohl geraten tu
Zu Stärkung unsers Glaubens.

2. Mit deinem Geist die Herzen pflüg
Und innerlich durchtreibe,
Dass dein Wort in uns haften mög,
Aufgeh und wohl bekleibe,
Und in Geduld, Lieb, Ehr und Zucht
Vor allen Menschen bringe Frucht
Dem Namen dein zu Ehren.

3. Den Weg und harten Fels gewinn,
Hack aus das Dorngeräusche,
Auf dass uns nicht des Fleisches Sinn
In Irrtum führ noch täusche,
Sondern dass wir als Kinder dein
Bis an das End beständig sein
Im rechten Glauben. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Septuagesimä.

Im Ton: Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält.

1. O du getreuer Jesu Christ,
All unser Trost und Leben,
Der du der rechte Weinstock bist
Und wir sind deine Reben,
Ernähr und doch mit deinem Saft
Und hilf uns durch deins Geistes Kraft
In dir viel Frucht zu bringen.

2. Ohn dich verwelken wir gar bald
Und werden Wasserranken.
Durch dein Wort uns fest an dir halt,
Dass wir von dir nicht wanken.
Dem Vater uns durchs Kreuz behack1beschneide
Und alles Übrigs von uns zwack,
Dass wir gereinigt werden.

3. Hilf auch, dass wir in deinem Berg,
Im christlichen Weingarten,
Uns allweg fleißen guter Werk
Und unser Amt recht warten.
Und darin nichtes suchen mehr,
Als deines Namens Lob und Ehr
und unsers Nächsten Frommen. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage St. Matthiä.

Im Ton: Ach Gott, vom Himmel sieh darein.

1. HErr Christe, Gottes Ebenbild,
Des Vaters eigen Herze,
Der du von allen haben willt,
Die da mit Seelenschmerze
Beladen sind, dass sie zu dir
Allein solln tragen ihr Begier,
Du wollest sie erquicken.

2. Hilf uns durch deine Wunden rot
Von allen unsern Sünden,
Auf dass wir in der höchsten Not
Fried im Gewissen finden
Und in dir haben wahren Trost,
Wenn uns der Tod ans Herze stoßt
In unsrer letzten Stunden.

3. Gib Gnad, dass wir nicht mit der Welt
Dein Wort aus Frevel hassen,
Sondern von dir, dem klugen Held,
Uns wohl berichten lassen,
In welchem alle Weisheit steht,
Die aus dem Schatz der Gottheit geht,
Uns Menschen gar verborgen.

4. Hilf auch, dass wir mit Herz und Mund
Dich lehren und bekennen,
Und in dem Kreuz nicht gehn zu Grund,
Wenn uns die Feind anrennen
Von wegen solcher Weisheit klar,
Die von der tollen Kirchenschar
Wird heftig angefochten.

5. Schütz uns vor ihrer Bitterkeit,
Vor ihrem grausam Morden;
Sieh doch, wie sie in kurzer Zeit
So grimmig ist geworden.
Sie will uns schlechts vertilgen gar.
O starker Christ, nimm unser war
Und mach ihr Tun zu nichte. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet am neuen Jahre.

Im Ton: Ein Kindelein so löbelich.

1. Gott Vater, der du deinen Sohn
In unser Fleisch gesenket,
Und ihn als deines Hauptes Kron
Aus Lieb uns hast geschenket,
Dass er der Menschen Sünd und Schuld
Mit dir in sich versühnen sollt
Und das Gesetz erfüllen,
Auf dass sein Fluch, samt aller Bürd
Der Höllen aufgehoben würd
Um seines Leidens willen.

2. Gib Gnad, dass wir die Ehrung dein
Mit Lust und Dank annehmen
Und uns im Kreuz des Namens sein
In keinen Läuften schämen,
Sondern dieselben mit dem Mund
Zur Seligkeit aus Herzensgrund
Vor aller Welt bekennen,
Und zu ihm in der höchsten Not.
Es sei im Leben oder Tod,
Mit wahrem Glauben rennen.

3. Bescher uns auch ein fröhlich Zeit
Zu diesem neuen Jahre,
Und deine arme Christenheit
Vors Feindes Schwert bewahre,
So wohl vor Wasser, Pest und Feur,
Vor Hagel und vor Brötung teur1Teuerung,
Vor Mördern und vor Dieben,
Vor schnellem Tod, Sünd, Hass und Neid,
Dass wir in Fried und Einigkeit
Einander mögen lieben.

4. Der Obrigkeit nach allem Stand
Mit deiner Gnaden walte,
Die Prediger in unserm Land
Bei reiner Lehr erhalte.
Kirch, Rathaus, Schul und ganz Gemein
Lass dir, o Herr, befohlen sein,
Samt Weib, Gesind und Kinden;
Daneben schütz auch unser Vieh
Und was wir sonst mehr haben hie,
Dass es nicht mög verschwinden.

5. Wo unser ein in diesem Jahr
Ein Unfall soll bekommen,
Oder aus diesem Leben gar
Zu dir würd aufgenommen,
So gib Geduld eim jedermann,
Dass er sein Kreuz ertragen kann,
Und in dem Glauben siege,
Und mit dem Blut des Sohnes dein
Besprengt in seinem Kämmerlein
Ganz wohl bewahret liege. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntag nach dem Christtage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Herr Christe, weil in deinem Reich
Das liebe Kreuz muss schweben
Und wir dir müssen werden gleich
In diesem armen Leben,
Auf dass wir in der Klarheit dein
Dir wieder mögen ähnlich sein
Als Glieder deines Leibes.

2. Verleih uns Kraft und starken Mut,
Ganz ritterlich zu kämpfen,
Wenn uns die Welt an Gut und Blut
Will deinetwegen dämpfen,
Dass wir aus Lieb des Wortes dein
Verachten alle Angst und Pein
Und fröhlich auf dich sterben.

3. Gib uns Geduld in allem Leid,
Hilf uns das Kreuze tragen,
Dass wir aus Fleisches Blödigkeit
Nicht übrig mögen zagen,
Sondern durch deinen Geist gerüst
Dasjenig, was uns wider ist,
Im Glauben überwinden.

4. Tu dich auch an den Feinden dein,
Die dir stets widersprechen
Und hoch betrüben dein Gemein,
Mit starken Armen rächen;
All ihren Frevel ihnen zahl
Und stürz sie in die ewig Qual,
Dem Namen dein zu Ehren. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 4. Advent.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. O Jesu Christ, des Vaters Glanz,
Ein Licht der armen Heiden,
Gib, dass wir unsre Herzen ganz
In deiner Fülle weiden,
Und stracks auf dich, dein Wort und Tod
Uns halten in der letzten Not
Und fröhlich darauf sterben.

2. Denn du bist durch dein Gerechtigkeit
In deiner Kraft und Stärke
Ein Ursach unsrer Seligkeit,
Nicht unser Tun und Werke;
Du, du allein mit deinem Blut
Hast uns von Sünd und Höllenglut
Gewaltiglich erlöset.

3. Hilf, dass solch Amt und Ehre dein
Wird allenthalb gerühmet,
Und nicht durch losen Heuchelschein
So jämmerlich vertümet1verwerfen, verdammen,
Als wohl der Papst aus stolzem Mut
Mit seinen Jesuiten tut,
Die hin und wieder schleichen.

4. Behüt uns, HErr, vor ihrem Gift,
Vor ihrem Mord und Lügen,
Und gib, dass wir an Pauli Schrift
uns lan allein genügen,
Die uns dein Knecht Lutherus klar,
Welcher der deutsch Elias war,
Recht gründlich hat erkläret. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 3. Advent.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O du getreuer Jesu Christ,
Wahr Gott in unserm Fleische,
Der du der recht Messias bist,
Der ganzen Welt verheißen,
Und außer dir kein ander Held
zu warten steht auf dieser Welt,
Als wohl die Juden sagen.

2. Hilf, dass wir dich als Diener treu
Mit Herz und Mund bekennen,
Und uns von dir kein Lieb noch Scheu
Durch Ärgernis lan trennen,
Sondern stracks bei dem Worte dein
Verharren und drauf schlafen ein,
Wie Sankt Johann der Täufer.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Lied, darin ein jeder Christ vermahnet wird, sich gegen den jüngsten Tag und seine letzte Stunden gefasst zu machen.

Im Ton: Ach, lieben Christen, seid getrost.

1. Ach lieben Christen, jung und alt,
Ihr Armen und ihr Reichen,
Wisst, dass der HErr von oben bald
Die Welt wird überschleichen
Mit seinem Tag der Herrlichkeit,
Darinnen alle Eitelkeit
Soll aufgehoben werden.

2. Derhalben tut umgürtet stehn,
Führt euer Lamp bescheiden,
Dass ihr fein mögt entgegen gehu
Dem Bräutigam mit Freuden,
Wenn er behend mit großer Pracht
Wird kommen als ein Dieb zu Nacht,
Die ganze Welt zu richten.

3. Wohl denen, so zu jeder Fahrt
Im Glauben ohn Gedichte
Auf ihren Abschied han gewart
Und auf das letzt Gerichte;
Die werden als die keuschen Bräut
von Christo in die ewig Freud
Hinauf geführet werden.

4. Die aber solche Ding veracht,
Der Buß nicht wargenommen,
Die werden in die schrecklich Acht
Des großen Gottes kommen
Und dort im klaren Himmelssaal
Das zugerichte Abendmahl
In Ewigkeit nicht schmecken.

5. Darum, ihr Christen, bessert euch
Und tut der Buß nicht sparen
Auf dass ihr mögt ins Himmelreich,
Und nicht zur Höllen fahren,
Von deren Angst und heißen Glut
Uns Christus durch sein reines Blut
Genädig hat erlöset.

6. Ach, wenn die Last der Höllen schwer,
Wie etlich Leute sagen,
Ein solche Straf der Sünden wär,
Die leichtlich stünd zu tragen:
So hätte Gottes milde Hand
Fürwahr nicht seinen Sohn gesandt,
uns davon zu erlösen.

7. Weil aber Gott ihn hat gesandt,
Als den verheißnen Samen,
So laßt auch ab von Sünd und Schand
Und glaubt an seinen Namen:
So werdet ihr wie klare Stern
Am jüngsten Tag mit diesem Herrn
Gehn in die ewig Freude.

8. Das helf ja Gott der Vater gut
Allen, die es begehren
Und sich auf seines Sohnes Blut
Mit Ernst zu ihm bekehren,
Und durch die Lieb beweisen fein,
Dass sie im Herzen gläubig sein
Und nach dem Himmel ringen. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein innig Gebet eines sehr schwachen Christen.

1. HErr Jesu Christ, weil ich empfind,
Dass mir all Leibeskraft verschwindt
und mein von dir gesetztes Ziel
Sich nahen und beweisen will.

2. Als bitt ich dich, gedenk doch nicht,
Was ich auf Erden hab verricht
Nach Menschenart an Wort und Tat,
So sich nicht wohl geziemet hat.

3. Sondern vergib mir solche Feil1Fehl
Und mach mich armen Sünder heil
Durch deine Wunden, die geschlagn,
Als du hast meine Schuld getragn.

4. Sieh, HErr, ich glaub nur stracks an dich,
Dein Blut allein, das tröstet mich,
So du für deine Bundgenossn
Hast willig an dem Kreuz vergossn.

5. Auf dieses und dein‘ ganz Person
Verlass ich mich, o Gottes Sohn,
Und will dich übergeben nicht,
Dieweil mein Herz im Leibe ficht.

6. Ach, HErr, erkenn mein schweres Joch,
Wie matt bin ich, erquick mich doch
Mit einer Paradieses Gab
Durch deinen Geist von oben ‚rab.

7. Und hilf ‚mir überwinden fein
Die widerliche Todespein,
Die unser Fleisch noch hart beschwert.
Ob sie wohl ist in Schlaf verkehrt.

8. Vor allem aber bitt ich dich,
Wenn ich nun in dein letzten Stich
Werd sollen meinen Mund beschließn
Und wenig von mir selber wissn.

9. So laß mir ja nichts fallen ein,
Das greulich möcht zu hören sein,
Als mancher, mit dem Tod belegt,
Bisweilen was zu albern pflegt.

10. Sondern verhilf mir auf dein Leidn
Vernünftig von der Welt zu scheidn
Und all den Meinen wohl und ebn
In dir ein gute Nacht zu gebn.

11. Auf dass ich ohne übrig Weh
Im rechten Glauben sanft vergeh,
Und zu den Schafen deiner Herd
In Ewigkeit versammlet werd.

12. Das hilf mir, o Gott heilger Geist,
Der du der Blöden Tröster heißt
Und in dem Tod auf ihre Brust
Das Amen selber sprechen musst.