Bartholomäus Ringwaldt – Ein Lied, darin ein jeder Christ vermahnet wird, sich gegen den jüngsten Tag und seine letzte Stunden gefasst zu machen.

Im Ton: Ach, lieben Christen, seid getrost.

1. Ach lieben Christen, jung und alt,
Ihr Armen und ihr Reichen,
Wisst, dass der HErr von oben bald
Die Welt wird überschleichen
Mit seinem Tag der Herrlichkeit,
Darinnen alle Eitelkeit
Soll aufgehoben werden.

2. Derhalben tut umgürtet stehn,
Führt euer Lamp bescheiden,
Dass ihr fein mögt entgegen gehu
Dem Bräutigam mit Freuden,
Wenn er behend mit großer Pracht
Wird kommen als ein Dieb zu Nacht,
Die ganze Welt zu richten.

3. Wohl denen, so zu jeder Fahrt
Im Glauben ohn Gedichte
Auf ihren Abschied han gewart
Und auf das letzt Gerichte;
Die werden als die keuschen Bräut
von Christo in die ewig Freud
Hinauf geführet werden.

4. Die aber solche Ding veracht,
Der Buß nicht wargenommen,
Die werden in die schrecklich Acht
Des großen Gottes kommen
Und dort im klaren Himmelssaal
Das zugerichte Abendmahl
In Ewigkeit nicht schmecken.

5. Darum, ihr Christen, bessert euch
Und tut der Buß nicht sparen
Auf dass ihr mögt ins Himmelreich,
Und nicht zur Höllen fahren,
Von deren Angst und heißen Glut
Uns Christus durch sein reines Blut
Genädig hat erlöset.

6. Ach, wenn die Last der Höllen schwer,
Wie etlich Leute sagen,
Ein solche Straf der Sünden wär,
Die leichtlich stünd zu tragen:
So hätte Gottes milde Hand
Fürwahr nicht seinen Sohn gesandt,
uns davon zu erlösen.

7. Weil aber Gott ihn hat gesandt,
Als den verheißnen Samen,
So laßt auch ab von Sünd und Schand
Und glaubt an seinen Namen:
So werdet ihr wie klare Stern
Am jüngsten Tag mit diesem Herrn
Gehn in die ewig Freude.

8. Das helf ja Gott der Vater gut
Allen, die es begehren
Und sich auf seines Sohnes Blut
Mit Ernst zu ihm bekehren,
Und durch die Lieb beweisen fein,
Dass sie im Herzen gläubig sein
Und nach dem Himmel ringen. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein innig Gebet eines sehr schwachen Christen.

1. HErr Jesu Christ, weil ich empfind,
Dass mir all Leibeskraft verschwindt
und mein von dir gesetztes Ziel
Sich nahen und beweisen will.

2. Als bitt ich dich, gedenk doch nicht,
Was ich auf Erden hab verricht
Nach Menschenart an Wort und Tat,
So sich nicht wohl geziemet hat.

3. Sondern vergib mir solche Feil1Fehl
Und mach mich armen Sünder heil
Durch deine Wunden, die geschlagn,
Als du hast meine Schuld getragn.

4. Sieh, HErr, ich glaub nur stracks an dich,
Dein Blut allein, das tröstet mich,
So du für deine Bundgenossn
Hast willig an dem Kreuz vergossn.

5. Auf dieses und dein‘ ganz Person
Verlass ich mich, o Gottes Sohn,
Und will dich übergeben nicht,
Dieweil mein Herz im Leibe ficht.

6. Ach, HErr, erkenn mein schweres Joch,
Wie matt bin ich, erquick mich doch
Mit einer Paradieses Gab
Durch deinen Geist von oben ‚rab.

7. Und hilf ‚mir überwinden fein
Die widerliche Todespein,
Die unser Fleisch noch hart beschwert.
Ob sie wohl ist in Schlaf verkehrt.

8. Vor allem aber bitt ich dich,
Wenn ich nun in dein letzten Stich
Werd sollen meinen Mund beschließn
Und wenig von mir selber wissn.

9. So laß mir ja nichts fallen ein,
Das greulich möcht zu hören sein,
Als mancher, mit dem Tod belegt,
Bisweilen was zu albern pflegt.

10. Sondern verhilf mir auf dein Leidn
Vernünftig von der Welt zu scheidn
Und all den Meinen wohl und ebn
In dir ein gute Nacht zu gebn.

11. Auf dass ich ohne übrig Weh
Im rechten Glauben sanft vergeh,
Und zu den Schafen deiner Herd
In Ewigkeit versammlet werd.

12. Das hilf mir, o Gott heilger Geist,
Der du der Blöden Tröster heißt
Und in dem Tod auf ihre Brust
Das Amen selber sprechen musst.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Lied um einen gottseligen Wandel und um ein seliges Ende.

1. Hilf mir, HErr Jesus, weil ich leb,
Dass ich dem Argen widerstreb,
Und mich nicht auf der breiten Straß
Der rohen Welt befinden laß.

2. Sondern gib, dass ich Hass und Neid,
Unkeuschheit, Geiz und Hoffart meid,
Dazu dem Nächsten recht verzeih.
Und wie ein Christ barmherzig sei.

3. Bescher mir auch nach aller Not
In dieser Welt das täglich Brot,
Dass ich nicht einen harten Mann
Darf um Befördrung sprechen an.

4. Vergib mir auch zu jeder Zeit
All menschliche Gebrechlichkeit,
Mit welcher ich mich mit Verdruss
Bis in die Gruben schleppen muss.

5. So wohl vor Schand und Feursgefahr
Mich, du getreuer Gott, bewahr,
Und laß die lieben Engel dein
Zu allen Zeiten bei mir sein.

6. Auf dass sie mich auf allen Seitn,
Wo ich zu schaffen hab, geleitn,
Und meinen Leib vor Mord und Lügn
Des bösen Feindes schützen mögn.

7. Verleih mir auch ein sanften Mut
Im Leiden unter deiner Rut,
Und brauch im Strafen rechte Maß,
Dass ich nicht mög verzagen was.

8. Vornehmlich aber wenn ich nu
Werd sollen gehn in meine Ruh
Und nach der Adamskinder Weis
Abscheiden von dem Erdenkreis.

9. So laß mich ja nicht lange liegn
Wider den letzten Feind zu kriegn,
Dass ich nicht mög in Fleisch geberdn,
Die Läng was ungeduldig werdn.

10. Doch nimm mich auch nicht allzuschnell
Von hinnen durch ein Ungefäll,
In welchem ich den Gnadenbund
Von Herzen nicht betrachten konnt.

11. Sondern zuvor nach rechter Maß
Mein Fleisch was überwelken laß,
Und mich zu solcher ernsten Sach
Geschickt und dir behäglich mach.

12. Damit ich fein vor meinem End
Verordnen mög mein Testament,
Und Jedermann mit gut Bedacht
Im Glauben geb ein‘ gute Nacht.

13. Das hilf mir, HErr, durch deinen Geist
Und durch den edlen teuren Schweiß,
Der dir im Garten ausgedrungn,
Als du mit Todesangst gerungn.

14. Auf dass ich so durch dein Gewalt
In letzten Zügen Recht behalt,
Und auf der Leiter Jacobs klar
Ins Leben aus dem Tode fahr.

Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Kinderlied oder Gebet wider den Erzfeind.

1. Du wahrer Gott, Herr Jesu Christ,
Der du der beste Helfer bist,
Wenn mit dem Schwert der böse Feind
Die Christen zu erwürgen meint.

2. Sieh doch, wie hart dein Heiligtum
Vom Antichrist mit großem Ruhm
An starker Rüstung mancherlei
Zu dieser Zeit belagert sei.

3. Da denn der Gotteslästrer spricht,
Er woll in uns dein Angesicht
Also beschämen, dass es nicht
Mehr gelten soll in diesem Licht.

4. Das gib, o Jesu Christ, nicht zu,
Sondern dein Ehr beschirmen tu
Und diesen losen Haufen trenn,
Dass man dein‘ göttlich Macht erkenn.

5. Gehört uns aber eine Rut,
Wie jeder zwar bekennen tut,
So straf du uns nach deim Verstand
Und gib uns nicht ins Feindes Hand.

6. Denn seine Hand, wie du wohl weißt,
Gar all zu unbarmherzig schmeißt,
Du aber, wenn du gleich was schlägst,
Doch deine Gnad nicht von uns legst.

7. Darum nach unsrer Not und Bitt
Das lose Volk zu Boden tritt,
So dich, noch deinen Vater kennt,
Und täglich deinen Namen schändt.

8. Auf dass durch ihre Niederlag
Die ganze Welt erkennen mag,
Dass du, HErr Christ, in einer Kron
Seist Gottes und Marien Sohn.

9. Der da zur Zeit das große Heer
Der Israeliter durch das Meer
Mit trocknen Füßen hab gelenkt
Und ihre Feind im Grund versenkt. Amen.