Gerhardt, Paul – Noch dennoch mußt du drum nicht ganz

Gerhardt, Paul – Noch dennoch mußt du drum nicht ganz

  1. Noch dennoch mußt du drum nicht ganz
    in Traurigkeit versinken,
    Gott wird des süßen Trostes Glanz
    schon wieder lassen blinken.
    Steh in Geduld, wart in der Still
    und laß Gott machen, wie er will,
    Er kanns nicht böse machen.
  2. Ist denn dies unser erstes Mal,
    daß wir betrübet werden?
    Was haben wir als Angst und Qual
    bisher gehabt auf Erden?
    Wir sind wohl mehr so hoch gekränkt,
    und hat doch Gott uns drauf geschenkt
    ein Stündlein voller Freuden.
  3. So ist auch Gottes Meinung nicht,
    wenn er uns Unglück sendet,
    als dass sein Angesicht
    ganz von uns sei gewendet;
    Nein, sondern dieses ist sein Rat,
    daß der, so ihn verlassen hat,
    durchs Unglück wiederkehren.
  4. Denn das ist unsers Fleisches Mut,
    wenn wir in Freuden leben,
    Daß wir dann unserm höchsten Gut
    am ersten Urlaub geben,
    Wir sind von Erd und Halten Wert
    viel mehr, was hier ist auf der Erd
    als was im Himmel wohnet.
  5. Drum fährt uns Gott durch unsern Sinn
    und läßt uns Weh geschehen:
    Er nimmt oft, was uns lieb, dahin,
    damit wir aufwärts sehen
    und uns zu seiner Güt und Macht,
    Die wir bisher nicht groß geacht,
    als Kinder wiederfinden.
  6. Tun wir nun das, ist er bereit,
    uns wieder anzunehmen,
    Macht aus dem Leide lauter Freud
    und Lachen aus dem Grämen,
    und ist ihm das gar schlechte Kunst;
    Dem ist geschwind geholfen.
  7. Drum falle, du betrübtes Heer,
    in Demut vor ihm nieder;
    spricht; Herr, wir geben dir die Ehr,
    Ach, nimm uns Sünder wieder
    in deine Gnade! Reiß die Last,
    die du uns aufgeleget hast,
    hinweg, heil unsern Schaden!
  8. Denn Gnade geht doch vor Recht,
    Zorn muß der Liebe weichen,
    wenn wir erliegen, muß uns schlecht
    Gott sein Erbarmen reichen
    Dies ist die Hand, die uns erhält,
    wo wir die lassen, bricht und fällt
    all unser Tun in Haufen.
  9. Auf Gottes Liebe mußt du stehn
    und dich nicht lassen fällen,
    wenn auch der Himmel ein wollt gehn
    und alle Welt zerschellen;
    Gott hat uns Gnade zugesagt,
    sein Wort ist klar, wer sich drauf wagt,
    dem kann es nimmer fehlen.
  10. So darfst du auch an seiner Kraft
    gar keinen Zweifel haben.
    Wer ists, der alle Dinge schafft?
    Wer teilt aus alle Gaben?
    Gott tuts! Und das ist auch der Mann,
    der Rat und Tat erfinden kann,
    wann jedermann verzaget.
  11. Deucht dir die Hilf unmöglich sein,
    so sollst du gleichwohl wissen:
    Gott räumt uns dieses nimmer ein,
    daß er sich laß einschließen
    in unsers Sinnes engen Stall;
    sein Arm ist frei tut überall
    viel mehr als wir verstehen.
  12. Was ist sein ganzes wertes Reich
    als lauter Wundersachen?
    Er hilf und baut, wann wir uns gleich
    Des gar kein Hoffnung machen,
    und das ist seines Namens Ruhm,
    den du, wann du sein Heiligtum
    willst sehen, ihm mußt geben.

Schreibe einen Kommentar