Burkard Waldis – Psal. LXXXIIII. Quam dilecta.

ACh Gott, wie lieblich und wie fein
stets in der heilgen Christen gmein,
da man dein wort thut lehren!
Drumb auch mien seel dahin verlangt,
da man stedts deinem namen danckt,
mit freuden dich thut ehren.
Da zu groß lust vnd liebe hat
mein leib vnd seel
on maß vnd zil
im Herrn, dem lebendigen Gott.

Gleich wie sein hauß der vogel bawt,
die Schalb auch auff jr nest vertrawt,
da sie jr eyer legen,
Also tracht ich auch gantz vnd gar,
Herr Zebaoth, nach deim Altar
vnd wart auff deinen Segen.
Wol deiner lieben Christen schar,
die dir vertrawt
vnd auff dich bawt!
die preißt vnd lobt dich jmmerdar!

Wol dem, der dich für seine sterck
helt vnd nicht trawt auff menschen werck,
wandelt nach deinem sinne!
Die da gehn durch das Jamerthal,
dein wort verkünden vberal,
vil leut damit gewinnen!
Die werden durch deinn geyst erquickt,
in aller gstalt
gar manigfalt
mit vil segen vnd gnad geschmuckt.

Sie wircken auch durch deine gnad
vil zeychen und groß wunder that,
damit die lehr beweren;
Mit freuden trettens in den krieg,
erhalten auch gar manchen Sieg,
wann sie jr vil bekeren,
Daß man auch spürt in allem land,
daß solches schafft
die Göttlich krafft
vnd wirckt alleyn sein rechte hand.

Darumb, Herr Gott, verlaß vns nit,
vernimm vnd hör doch vnser bitt
vnd wöllst von himmel schawen!
Sihe an das Reich des gsalbten dein,
die glauben an den Christum dein,
sich jm alleyn vertrawen!
Du bist jr schutz, jr schirm vnd schildt,
jr preiß vnd ehr,
darumb du, HERR,
sie nimmer mehr verlassen wilt!

Mit warheyt ichs wol sagen mag:
bei dir vil besser ist ein tag,
dann sunst vil tausent jare!
Wolt lieber der geringste sein
in deiner heylgen Christen gmeyn
vnd hüten an dem thore,
Dann in der Gottlosen pallast,
da man deinr ehr
denckt nimmermehr,
dein wort vnd Euangelion haßt.

Dann Gott der HERR ist Sonn vnd schildt,
gibt gnade, gut vnd ehre mildt,
er le´ßts an jm nicht fehlen!
Für der welt hon, spot, schmach vnd haß
wil er alls gut on vnderlaß
gar reichlich mit vns theylen!
Wol dem, der Gott heymstelt sein Sach,
ist jm bereyt
in lieb vnd leydt,
dem hilfft er auß dem vngemach!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Burkard Waldis – Psal. CIII. Benedic anima mea.

MEin seel lobt Got zu aller frist,
was in mir ist
seinn heylgen namen ehret!
Mein seel lobt Gott zu aller frist
und nit vergißt
was zu seim lob gehöret!
Der uns groß gut auch täglich thut,
vns hertzlich liebt, all sünd vergibt,
Heylet all vnsern schaden
auß güt vnd lauter gnaden.

Der mein leben vom todt erlößt,
mich täglich tröst,
mit gnad und guten krönet,
Der meinen mund stedts frölich macht
mit freuden lacht
und all meins thuns verschonet;
Er macht mich jung und frisch zum sprung,
er schaffet recht dem armen knecht,
Den die Gottlosen neiden,
und alln, die unrecht leiden.

Er hat sein wege wissen lon
des Amrams son,
Israel seine sitten;
Der HERR ist von hertzen gnedig
und barmhertzig,
von gduld vnd grosser güten!
Vnsr missethat in vngenad
er nicht gedenckt, die Sünd vns schenckt,
Zorn will er nicht behalten,
die gnade leßt Er walten.

Nach vnsern Sünden vns nit richt,
handelt auch nicht
wie wirs haben verdienet;
Die missethat auch nicht vergilt,
nach größ der schuld
mit gnaden vns versünet,
Im himel weit, auff erden breyt
leßt walten gnad an rechtes stadt
Vbr alle, so jn forchten
vnd seinem willn gehorchen.

So weit da ist der Morgenstern
vom Abend fern,
wirfst von vns vnser sünde,
Wie ein Vatter mitleiden tregt,
keinn zorn erregt
vbr seine lieben kinde,
Der maß auch Gott mitleiden hat,
erbarmet sich so vetterlich
Vbr all, die jn belieben,
er wil sie nicht betrüben.

Dann Er kennt wol das schwach geschlecht
vnd sein gemecht,
daß wir sein schlam vnd erden;
Des menschen leben ist wie staub,
wie graß vnd laub,
grünt, wies wolt etwas werden:
Wann der windt weht vnd drüber geht,
bald sichs verstelt, zu boden felt,
Verschwindt in einer stunden,
sein statt wirt nimmer funden.

Abr sein gnad wert von Ewigkeyt
zu Ewigkeyt
vbr all, so jm vertrawen,
Sein grechtigkeyt zu kindes kind,
die seinen bund
halten vnd auff jn bawen,
Den glauben han,
gedencken dran
vnd seinen willn auch gern erfülln,
Nach seinen gebotten leben,
die Er jn hat gegeben.

Der HERR hat seinen stul bereyt
im himel weit,
sein reich herscht vber alle;
Auff erd man auch sein wort verkündt
mit vollem mund
reichlich mit großem schalle.
Die Engel schon seinn willen thun,
manch starcker held sein wort vermelt,
Daß Euangelion leren,
all welt sein stimm muß hören.

Lobet den HERRN sein diener gar,
jr heere schar,
die jr thut seinen willen!
Lobet den HERRN all seine werck,
all krafft vnd sterck,
die seinn befehl erfüllen!
An allem ort erkling sein wort
in seinr herrschaft mit aller krafft,
Für all sein thewre gaben
mein seel den HERRN sol loben!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme