Rambach, Johann Jakob – O großer Geist, O Ursprung aller Dinge

Rambach, Johann Jakob – O großer Geist, O Ursprung aller Dinge

O großer Geist, O Ursprung aller Dinge
O Majestät voll Pracht und Licht!
Wer ist, der dir ein würdig Loblied singe?
Welch sterblich Herz erzittert nicht?
Stellt sich der Seraphinen Schaar
Vor deinem Thron verhüllet dar:
Wie sollte nicht ich Hand voll Erden
Vor dir voll Furcht und Schauer werden?

Ach rühre mir die ganz befleckten Lippen
Mit deines Altars Kohlen an;
Sonst fahr ich hin an ungeheure Klippen,
Wo Seel‘ und Leib zerscheitern kann.
Bring‘ eine demuthvolle Scheu
Den Kräften meiner Seele bey;
Laß mich auf Knie und Antlitz fallen,
Wenn Heilig! Heilig! Heilig! schallen.

Dein Wohnhaus ist ein Licht, das keinen Schatten,
Ein Glanz, der keinen Wechsel weiß.
Eh‘ Sonn‘ und Mond das Amt zu leuchten hatten,
War schon dein lichter Freudenkreis.
Wer weiß zu deinem Glanz die Spur?
Faßt dich wohl eine Creatur?
Und kann der Strahl erschaffner Augen
Dein Wesen zu durchforschen taugen?

Die Sonne selbst hat ihre dunklen Flecken;
Du aber bist ein reines Licht.
Es kann in dir nichts Finstres sich verstecken,
Dein heller Glanz verdunkelt nicht.
Du bist in dir vollkommen rein;
Dein unbefleckter Gottheitsschein
Hat nichts, das Sünd‘ und Nacht zu nennen,
Nichts, das die Klügsten tadeln können.

Was deine Hand pflegt an das Licht zu stellen,
Das glänzt von Heiligkeit und Zier.
Es fließet nichts aus deinen lautren Quellen
Als ein krystallner Bach herfür.
Du hassest, was nach Bosheit schmeckt,
Und was mit Satans Gift befleckt;
Es können nichts als gute Gaben
Von dir den ersten Ursprung haben.

Es zeigt sich zwar in des Gewissens Sprüchen
Ein Blick von deiner Heiligkeit;
Doch hast du sie mit noch weit klärern Strichen
In deinem theuren Wort erneut.
Allein das allergrößte Licht
Hat sie in dessen Angesicht,
Der, dir die Sünder zu versühnen,
Auf Erden ohne Sünd‘ erschienen.

Dieß war der Sohn, das Bild von deinem Wesen,
Dem dein Gesetz ins Herz geprägt,
An dessen Stirn war in der That zu lesen,
Was Arons Stirn im Schatten trägt.
Der hat auf seiner Todesbahn
Die Schuld der Sünden abgethan,
Und, da er als ein Fluch gestorben,
Die Kraft zur Heiligung erworben.

Nun kann dein Bild in uns von neuem grünen
In Unschuld und Gerechtigkeit.
Nun kann dein Volk in heil’gem Schmuck dir dienen,
Da ihm dein Sohn die Kräfte beut.
Es kann in dessen Blute rein,
Ja ohne Fehl und Tadel seyn,
Der auf sich nahm der Sünden Bürden,
Auf daß die Sünder selig würden.

So gieb denn Kraft, daß wir dich heilig scheuen,
Mit deines Kindes Blut besprengt.
Gieb Fleiß und Ernst, wenn sich der Staub vom neuen
An die gewaschnen Füße hängt;
Schenk uns ein Herz, das heilig ist,
Weil du, der Vater, heilig bist,
Bis du uns an den Ort wirst bringen,
Da wir ein ewig Heilig! singen.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

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