Piscator, Johannes – Ein Christliche Klag, Trost und Gebet

Ach, lieber Got,
Was Jamr und Not
Ist in der Welt an allen Orten!
Doch schirmstu fein
Die Gläub’gen dein
Wider List und Gewalt der Hölle Pforten.

Drumb will ich mich
Ganz sicherlich
Verlassen thun auf dein Zusage,
Seyn wolgemut
Und alles gut
Von dir erwarten ohn Zagen.

Doch ist’s dein Will,
Dass ich halt still
Und etwas leid in diesem Leben:
So gieb Gedult
Durch deine Hult,
Dass ich dir ja nicht widerstrebe.

Die Welt ist schnöd,
Das Fleisch ist blöd,
Der Teufel auch umbher thut schleichen.
Drumb mich bewahr
In aller G’fahr
Und nim mich endlich in dein Reiche.

Waldis, Burkhardt – Hertzog Heinrichs vō Braunschweigs klage Liedt

1. Ich stundt an einem Morgen
heimlich an einem ort,
Da hett ich mich verborgen,
ich hort Klegliche wort
Von einem Wolff, der klagt sich sehr,
wie jm sein Nest verstöret,
sein Balck zurrissen wer:

2. O weh mir armen Gwelffen,
wie ist mein nodt so gross!
Will mir kein freundt jtzt helffen?
wie steh ich hie so bloss:
Auff die ich mich vorlassen han
sein all von mir abtretten,
sind nicht ein trewen Man.

3. Ich hett mich hoch vermessen
vnd war gar viel zu kün,
Docht mein Ross solt han gfressen
den Rauten Krantz so grün,
Den bundten Hundt zerrissen gar,
Lewen vnd Bern verschlungen
alsambt mit haut vnd har.

4. Drumb liss ich mich fast sehen
mit Ritterlicher that,
Mit schenden vnd mit schmehen,
mit list vnd falschem Rath,
Mit lügen vnd vorreterey,
stifft bey mein Bundgenossen
viel heimlich Meuterey.

5. Man sagt, ich hab mit Brennen
vnd Mord viel schaden than,
Mit rauben, vberrennen
beschedigt manigen man:
Das klagt beid Gosslar vnd Braunschweig,
zu Pless der Eseltreiber,
zu Eimbeck Heinrich Deick.

6. Zum Berlyn Simon Fincken
vber mich gsungen hat,
Zu Schening liss vorsincken
wol in den Wall, vorstath,
Doctor Delingshausen gnant,
der ist jtzt auffgegraben
vnd warhefftig erkant.

7. Zwey schwerter sahe ich glüen
in einem Feur gar heiss:
Der Rauten Krantz wolt blüen,
gar bald brach mir der schweiss,
Der Lew zog neben jm daher:
ich erwischt das Hasen Baner,
meins bleibens war nicht mehr.

8. Ein Vater het erkoren
dort oben an der Elb,
Hat mir ein Eid geschworen,
er wolt mir helffen selb:
Baldt ward er nicht gesehen mehr,
jck wolt, das Gott im Himel
für jn gestorben wehr.

9. Ich bath mein langen Bruder,
ders Wasser tretten kan,
Das er zuricht sein Ruder
vnd brecht sein Segel an,
Vnd fürd sein Schifflein in den Sund:
da wars im hwy versuncken
am Schagen in den grundt.

10. Bald thet ein Briefflein schreiben
auff einen Roten hudt,
Er wölt sein Redlein treiben,
das meine sach würd gut:
Da bleib ich aller hülffen loss,
denn er must selbst entrinnen
von seinem schwarzen Schloss.

11. Scharlach kan mich nicht decken,
breit hüt fürm heissen schein:
Ich weiss gut frische Wecken,
da will ich beissen ein,
Das ich meins hungers werd ergetzt,
jhr Pferd hau sie gesattelt,
jhr Spies vnd schwerd gewetzt.

12. Die liessen mich auch in sorgen,
vmb Gleid den Adler badt:
Da must ich frü am Morgen
gar heimlich aus der Stadt:
Ich fand kein trost gantz vberal,
all welt hett mich verlassen,
doch tröst mich Belial.

13. Er sprach ›lass dich nicht dempfen,
du trewer Diener mein:
Wöllest Ritterlich kempfen,
ich will stets bey dir sein:
Der Bapst hat noch viel gelt vnd Gut,
den will ich dahin treiben,
das er dir helffen thut.‹

14. Da nam ich Harnisch, Waffen,
mein Schwerdt vmb mich gegürdt,
Sprach ›lass ein wenig offen,
Pluto, mein lieber Wirdt:
Gar bald ich wider zu dir kum,
der Bapst hat aus geschrieben
ein new Concilium.‹

15. Doch hab ich mich keins guten
zum Bapst vnd meinem Gott
Hinfürbas zu vermuten,
weil jtzt all Welt jr spot
Mit jnen treibt vnd gar verflucht,
scheltens für grosse Narren
wehr hülff bey jnen sucht.

16. Ach, das jtzt noch wolt gelten
wie vormals in der Welt
Des Bapsts Fluch, Bann vnd schelten,
vnd Brieff die man obs Gelt
Verkaufft, so wolt ich mich noch wern,
die Luttherischen Buben
vnd Letzer mores lern.

17. Mann sagt mir einst ein possen,
beym menschen wehr kein heil,
Solt mich nicht drauff verlossen,
die schlügen alle feil
Vnd wehr kein glaub auff Erden mehr:
jtzt werd ichs selber jnnen,
empfinds auch all zu sehr.

18. Ich traut auff Wolffenbüttel,
mein starck vnd festes Schloss:
Itzt hilffts mich nicht ein Tüttel,
dazu mein weisses Ross,
Dahinder ich zu Fuss mus ghan:
die schwerter hants zerhawen,
die Katz frist jtzt danon.

19. Cain, du Fürst der Welte,
dich ruff ich jtzund an.
Pharao, du starcker Helte,
auch Saul, du theurer man,
Achitophel, du trewer Rath,
Absolon vnd Semei,
ewer gleich man jtzt nicht hat.

20. Nero, Domiciane,
euch folg ich willig nach.
Caligula, Juliane,
jr strebt allzeit nach Rach:
Bey euch ich Ewig bleiben muss,
helfft, das ich müg erlangen
am end des Judas buss.

21. Dabey lass ichs jtzt bleiben,
weil ich nicht weiter kan:
Was sie reden vnd schreiben
muss ich geschehen lan:
Damit beschlies ich das gedicht,
kan ich mich aber rechen,
so lass ichs warlich nicht.

Sachs, Hans – Herr, wie lang wilt vergessen mein

Herr, wie lang wilt vergessen mein
In meiner grosen note?
Wie lang verpirgst das antlitz dein?
Herr, wie lang sol ich gote
(Hie rat!) suechen pey meiner seel?
Wie lang sol mein herz leiden quel?
Mein feint thuet sich erheben.

Schaw und erhor mich, herr und got,
Und mein augen erleuchte,
Das ich nit entschlaff in dem dot,
Das sich mein feint guet dewchte,
Das er mein mechtig worden sey,
Und sich mein widersacher frey,
Das ich sey umbgestosen.

Herr, ich hoff aber auf dein guet,
Deins hails frewt sich mein herze.
Durch Cristum hastw mich pehuet
Vor ewiclichem schmerze,
Der fuer mich lied den pitern dot;
Des wil ich dir lobsingen, got,
Das dw mir hast geholffen.

Sachs, Hans – Der XIII. Psalm Dauid, hoch zuo singen

HErr, wie lang wilt vergessen mein
in meiner grossen nöte?
Wie lang verbirgst das antlitz dein?
herr, wie lang sol ich räte
Suchen bey meinr trawrigen seel?
wie lang sol mein hertz leyden quel?
Mein feindt thut sich erheben.

Schaw und erhör mich, Herr und Got,
und mein augen erleuchte,
Das ich nicht entschlaff in dem todt,
des sich mein feindt gut deuchte,
Das er mein mechtig worden sey,
und sich mein widersacher frew,
Das ich sey umbgestossen.

Herr, ich hoff aber auff dein gut,
deins heils frewt sich mein hertze!
Durch Christum hastu mich behut
vor ewigklichem schmertze,
Der für mich lyd den pittern todt,
des wil ich dir lob singen, Got,
Das du mir hast geholffen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Magdeburg, Johann – HErr, richte mich unnd führ mein sach

Psalm XLIII. Judica me Deus es biscerne causam rc.

HErr, richte mich unnd führ mein sach
wider unheylig völcker!
Errette mich, schaff mir gemach
von falschen bösen heuchlern!
Du bist ein Gott der stercke mein:
was lestu mich verstossen sein?
du gibst mir krafft und leben!

Wie lestu mich so traurig gehn,
wenn mich mein feind hart drenget?
Send mir dein liecht und warheit rein,
daß sie zu recht mich bringen
Und leiten mich zum berge dein,
zu deinem heilgen hauß hinein,
daß mich dein trost erquicke!

Daß ich zum Altar Jhesu Christ,
zu dem Gott mög eingehen,
Der all mein freud und wonne ist,
und mög da für jm stehen
Und dir, Gott, auff der harpffen gut
fein spielen her mit gutem mut
und dir, meim Gotte, dancken.

Mein seel, warum betrübstu dich
und bist in mir unrhugig?
Harr nur auff Gott, traw festiglich!
bei Gott ist nichts unmüglich!
Denn ich werd jm noch dancken bald,
daß er mir gibt ein liecht gestalt
und ist mein Gott und helffer!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Mathesius, Johann – Zwo Lamentationes, d.i. Klagelieder

die man pflegt zu singen in der Marterwochen.
I.

O Christenleut, vergesset nicht,
Was Gottes Sohn durch Oseam spricht:
Fürcht euch nicht, ihr Brüder mein,
Ich rett euch aus der Höllen Pein;
Ich würg den gräßlichen Tod.
Das kostet mich mein theures Blut so roth;
Also versöhn ich euch mit meinem Gott.

II.

Wir danken Christ für seinen Streit,
Der seinen Sieg und Triumph uns geit.
Der Tod ist verschlungen zwar,
Und sein Stachel ist zerbrochen gar;
Die Sünd hat ihr Macht verlorn.
Des Gsetzes Kraft, der grimmige Gottes Zorn,
Die hat Christus in seinem Grab verschorn.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder

Adam von Fulda – Ah hilff mich leid, Geistlich

AH hilff mich leid und sehnlich klag!
von tag zu tag solt sich
trewlich mein hertz mit schmertz besagen,
klagen der verlornen zeit,
Die ich so thörlich hab verzert,
beschwert beid leib und seel,
on heil und not für Gott, der rechen,
brechen wil der sunden neid.
Denn ich sein ehr sehr schwer-
lich han an scham verwund,
und kund gemacht nacht tag und stund
grund, mein ubelthat;
gnad bat ich da umb sonst,
gunst, kunst war gar verlorn,
zorn, ungemach,
rach sah ich one ziel,
viel zu verkeren, mehren ungenad.
Gott hat rechtlich mich hie gestrafft;
schafft, als ich mein, sein Göttlich recht,
verschmecht kein knecht, der sich rewlich
mit zehren keren ist zu Gott,
Denn er wil nicht des sunders tod.

Mein kleglich bit bewegen sol
den vol genaden schrein,
allein HERR Christ der ist on gleichen,
weichen mus alls himels heer.
Ich bsorg auch nicht, das sey umbsonst
sein gunst, die er zuns tregt,
bewegt das hertz vol schmertz mit ringen,
dringen nach verlorner ehr. Sein wunden rot, not, spot
und scham dem Vater zeigt,
beigt, neigt und zwingt, dringt das er lieb,
üb barmhertzigkeit,
geit zeit und ware rew, new trew
ins sunders hertz, schmertz, wach und ach,
schmach, rach und kranckheit viel
wil sie bekeren, leren sein gedult.
Die schuld ist mein, sein gnad ich ger:
ker dich zu mir schir, höchster trost,
du hast erlost, für mich schcwerlich
vergossen lassen dein blut rot,
Durch deiner marter angst und not!

All dienst an mir fand Gott gespart,
gar hat in des befilht,
doch hilt sein huld gedult viel jaren
sparen mich für aller not.
Ich lebt im saus nach alter weis,
kein vleis zu Gottes lob,
als ob sein güt mich müht zu leben,
streben wider sein gebot.
damit ich han an scham
sein ehr sehr fast verletzt,
tretzt, setzt mein sinn hin wider Gott,
hat gerewet mich;
ich sih, sein Göttlich krafft hafft, strafft
mein unzucht hie, wie jm gliebt,
betrübt, übt lieb und rach,
nach gantz lieblicher veterlicher art.
Ah Christe mild, bild gnad mir ein,
dein diener ich mich ger zu sein,
in rechtem schein hoff ich frölich
zu wandern, andern verlorn zeit:
Da helffe mir zu Christ, der für uns leid!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer