Hermann, Nikolaus – Omnis mundus ivundetur.

SEid frölich und jubilieret
Jhesu dem Messie!
Der die gantze Welt regieret,
ist ein Son Mariae
und leit im Krippelein
beim Ochssen und Esellein!
Sause, sause! Sause, sause, Kindelein!
du bist mein, ich bin dein!
jaucht und springet,
klingt und singet:
Hodie, hodie, hodie
ist geborn Christ, das Sönlein
Marie, Marie,
Ubd hat von uns weggenomen
alles weh, alles weh, alles weh!
Hilff, das wir bald zu dir komen,
O Christe!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Vom Fall Petri und seiner Vermessenheit

WAs menschen krafft, was fleisch und blut
on Gottes gnad und hülffe thut,
zeigt uns die gros vermessenheit
Sanct Petrus mut und freidigkeit.

Wenn Gott von uns abzeucht sein Hand,
bald fallen wir in Sünd und schand;
Wo Christ der HErr uns nicht erhelt,
vom Teuffel sind wir bald gefelt.

Petrus war ein freidiger Man,
meint auch, er wolt beim HErren stan,
Aber ein wort macht jn verzagt,
damit jn schreckt ein arme Magd,

Das er thet einen schweren fall,
verleugnet den HErren drey mal,
Und wurd aus seiner freidigkeit
gar ein verzagte blödigkeit.

Darumb, O lieben Brüder mein,
last uns je nicht vermessen sein,
Das wir nicht sicher dahin gehn,
sondern inn Gotts furcht allezeit stehn.

Der Feind hats auff uns abgericht,
kein vleis er spart und feiret nicht,
Die arge Welt, das Fleisch und blut
braucht er, damit uns schaden thut.

Drumb bit wir dich, Herr Jhesu Christ,
weil du sein mechtig worden bist:
Zerstör sein Reich und all sein macht,
hilff uns durch deines Geistes krafft! Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Vom Karfreitag, Sabbath und Ostertag.

AM Freitag mus ein jeder Christ
sein Creutz mit Christo tragen,
Bis der Sabbath verhanden ist,
denn ruht er in seim Grabe,
Bis kümbt der frölich Ostertag:
denn jn das Grab niht halten mag,
mit freuden er auffwachet!

Freitag, der Marter tag.

DEr Freitag wehrt die kleine zeit,
weil wir leben auff Erden,
Mit jamer, angst und hertzenleidt
daran betrübt wir werden,
Das macht Adams und unser schuldt!
wol dem, der sein Creutz mit gedult
dem HErren Christo nachtreget.

Sabbath, der Ruhetag.

AM Sabbath komen wir zu ruh,
all Creutz wird weggenomen,
Wenn uns itzt gehen die augen zu
und unser stund ist kommen,
Denn tregt man uns ins Rhubetlein,
darin gar sanfft wir schlaffen ein,
bis uns der HErr auffwecket.

Der Ostertag, der Freudentag.

DEnn kompt der frölich Ostertag,
so werdn wir all auffstehen!
Der Todt denn uns nicht halten mag,
entgegen werdn wir gehen
Christo und mit jm in seim Reich
leben in freuden ewigleich:
HErr Christ, das hilff uns, Amen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Hermann, Nikolaus – Von der unschuldigen Kindlein Historia.

Matth. 2.

Als nun Herodes wurd gewahr,
Daß er von Weisen betrogen war,
Wurd er zornig, und übt ein That,
Dergleich Niemand erfahren hat.

Weil er fürcht, er verlier sein Reich,
Ließ er durchs Schwert tödten zugleich
All Kinderlein von zweien Jahrn,
Die zu und um Bethlehem warn.

Er meint, es könnt ihm fehlen nicht,
Jesus müßt werden hingericht,
Aber es fehlt ihm weit sein Kunst,
Sein Tyrannei war gar umsonst.

Denn Gott sein liebes Söhnelein,
Joseph hieß sammt der Mutter sein
Fliehen in das Egyptenland,
Wie solchs zuvor geschrieben stand.

O du unsinniger Tyrann,
Jesus nimmt sich deins Reichs nicht an,
Er hat ein ewigs Himmelreich,
Dem keins auf dieser Erd ist gleich.

Mancher Mutter möcht wohl ihr Herz
Zersprungen sein für Weh und Schmerz,
Da sie ihr Kind von ihrer Brust
Reißen, und würgen sehen mußt.

O ihr lieben, seligen Ritterlein,
Ihr allerliebsten Märtyrlein,
Erstlich ihr euer milches Blut
Um Christus willn vergießen thut.

Ob ihr gleich diesmal unterliegt,
Dennoch habt ihr ehrlich gesiegt,
Jetzt herrschet ihr und lebt bei Gott,
Herodes Leib und Seel leidt Noth.

Ein schrecklich, gräßlich End er nahm,
Und brennt jetzt in der Höllenflamm,
Ich mein, er ists fein worden inn,
Was er hat für ein großen Gwinn.

Also wirds und soll allen gehn,
Die Gott und seim Wort widerstehn,
Hie nehmen sie ein schrecklichs End,
Und sind doch ewige Höllenbränd.

Gebet.

Herr Christ, hilf, daß wir unser Blut
Um deint willn, wenns von Nöthen thut,
Vergießen, und das zeitlich Leben
Auch können für das ewige geben.

Hermann, Nikolaus – Danket dem Herrn

Danket dem herren heut und allezeit,
denn groß ist seine güt und miltigkeit,
alles fleisch er speiset und erhelt,
denn sein geschöpf im wol gefelt.

Wenn über uns sein angesicht uns leucht,
der regen und tau die erd befeucht,
alsdenn wechst alles laub und gras,
sein werk treibt er on unterlaß.

Sobald der herr auftut sein milde hand,
so wechst die fülle in allem land,
daß sich des freuet jederman,
kein mensch noch vieh darf mangel han.

Er hat kein lust zu eim starken helt,
kein pracht noch macht im wolgefellt,
im liebt, daß man in fürcht und traut,
wer auf in hofft, hat wol gebaut.

Billich wirt er von uns gepreist,
daß er uns so reichlichen speist.
o vater, für dein gütigkeit
sagen wir dir dank in ewigkeit.

Ach herr, gib uns ein fruchtbar jar,
den lieben kornbau uns bewar,
für teurung, hunger, seuch und streit
bewar uns, herr, zu diser zeit.

Unser lieber vater du bist,
weil Christus unser bruder ist;
drumb trauen wir allein auf dich
und wollen dich preisen ewiglich.

Ach bleib bei uns, herr Jesu Christ,
weil es nu abent worden ist,
dein wort, o herr, das ewig liecht,
laß ja bei uns ausleschen nicht.

Er, lob und dank mit hohem preis
für disen trank und dise speis,
die uns der lieb und freundliche Got
aus gnaden jezund mitgeteilet hat!

Denn er ist freundlich und sein genad,
sein güt und treu kein ende hat,
der da erneret alles fleisch,
der seim geschöpf sein hülf beweist,

Der alle tier, fleisch und vöglein
mit seiner güt erhelt allein.
wenn der alt rab sein jung verleßt,
so speist sie Got in irem nest.

Er hat kein lust an rosses sterk,
gibt auch gar nicht auf stolze werk;
allein dem ist er lieb und wert,
der auf sein güte wart und ert.

Wir danken dir vater, herr und Got,
daß du uns speisest in hungers not,
durch unsern herren, Jesum Christ,
der unser heiland und erlöser ist.

Amen.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert