Johann Daniel Herrnschmidt – Gott will’s machen

Gott will’s machen,
dass die Sachen gehen,
wie es heilsam ist.
Lass die Wellen
sich verstellen;
wenn du nur bei Jesu bist.

2. Wer sich kränket,
dass er denket,
Jesus liege in dem Schlaf,
wird mit Klagen
nur sich plagen,
da der Unglaub‘ leidet Straf.

3. Du Verächter!
Gott, dein Wächter,
schläfet ja noch schlummert nicht;
zu den Höhen
aufzusehen,
wäre deine Glaubens-Pflicht.

4. Im Verweilen
und im Eilen bleibt
er stets ein Vater-Herz!
Lass dein Weinen
bitter scheinen;
dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz.

5. Glaub‘ nur feste,
dass das Beste
über dich beschlossen sei;
wenn dein Wille
nur ist stille,
wirst du von dem Kummer frei.

6. Nimmer klage,
niemals zage
wenn der Herr dir Leiden gibt;
der sie sendet,
auch sie wendet,
er hat nie ohn‘ Frucht betrübt.

7. Willst du wanken
in Gedanken,
fass‘ dich in Gelassenheit.
Lass den sorgen,
der auch morgen
Herr ist über Leid und Freud‘.

8. Gottes Hände
sind ohn‘ Ende,
sein Vermögen hat kein Ziel.
Ist’s beschwerlich,
scheint’s gefährlich,
deinem Gott ist nichts zu viel.

9. Seine Wunder
sind der Zunder,
da der Glaube Funken fängt.
Alle Taten
sind geraten
jedesmal, wie er’s verhängt.

10. Wenn die Stunden
sich gefunden,
bricht die Hilf mit Macht herein;
und dein Grämen
zu beschämen,
wird es unversehens sein.

11. Eignen Willen
zu erfüllen,
leidet sich’s noch ziemlich wohl,
da ist Plage,
Not und Klage,
wo man leiden muß und soll.

12. Drum wohl denen,
die sich sehnen
nach der stillen Willens-Ruh‘!
auf das Wollen
fällt dem Sollen
die Vollbringungskraft bald zu.

13. Mehr zu preisen
sind die Weisen,
die schon in der Übung stehn,
die das Leiden
und die Freuden
nur mit Hiobs Aug‘ anseh’n.

14. Nun so trage
deine Plage
fein getrost und mit Geduld;
wer das Leiden
will vermeiden,
häufet seine Sündenschuld.

15. Die da weichen
und das Zeichen
ihres Bräutigams verschmäh’n
müssen laufen
zu den Haufen,
die zur linken Seite stehn.

16. Aber denen,
die mit Tränen
küssen ihres Jesu Joch,
wird die Krone
auf dem Throne
ihres Heilands werden noch.

17. Amen, Amen!
in dem Namen
meines Jesu halt‘ ich still;
es geschehe
und ergehe,
wie, und wann und was Er will.

Friedrich Gottlieb Klopstock – Wie wird mir sein

Wie wird mir dann, o dann mir sein,
Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freu’n,
In Ihm entschlafen werde!
Von keiner Sünde mehr entweiht,
Entfesselt von der Sterblichkeit,
Nicht mehr der Mensch von Erde!
Freu‘ dich, Seele!
Stärke, tröste
Dich, Erlöste,
Mit dem Leben,
Das dir dann dein Gott wird geben.

2. Ich freue mich und bebe doch!
So drückt mich meines Elends Joch,
Der Fluch der Sünde nieder.
Der Herr erleichtert mir mein Joch;
Es stärkt durch Ihn mein Herz sich doch,
Glaubt und erhebt sich wieder.
Jesus! Christus!
Lass mich streben
Dir zu leben,
Dir zu sterben,
Deines Vaters Reich zu erben!

3. Besiege denn des Todes Grau’n,
Mein Geist; er ist der Weg zum Schau’n,
Der Weg im finstern Tale.
Er sei dir nicht mehr fürchterlich;
In’s Allerheiligste führt dich
Der Weg im finstern Tale.
Gottes Ruh‘ ist
Unvergänglich,
Überschwenglich;
Die Erlös’ten
Wird sie unaussprechlich trösten.

4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht,
Die mich, wenn nun mein Auge bricht,
Zu Deinen Toten sammelt.
Vielleicht umgibt mich ihre Nacht,
Eh‘ ich dies Flehen noch vollbracht,
Mein Lob Dir ausgestammelt.
Vater! Vater!
Ich befehle
Meine Seele
Deinen Händen;
Lass mich meinen Lauf gut enden!

5. Vielleicht sind meiner Tage viel;
Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel,
An dem die Krone schimmert.
Bin ich von meinem Ziel noch weit;
Die Hütte meiner Sterblichkeit,
Wird sie erst spät zertrümmert:
Lass mir, Vater,
Guter Taten
Edle Saaten
Wohl gedeihen,
Ewig ihrer Frucht mich freuen!

6. Wie wird mir dann, Erlöser, sein,
Wann ich mich Deiner ganz erfreu’n,
Dich dort anbeten werde?
Dann bin ich frei von Sünd‘ und Leid,
Ein Mitgenoss‘ der Herrlichkeit,
Nicht mehr der Mensch von Erde!
Preis Dir, dass mir
Durch Dein Leiden
Jene Freuden
Offen stehen!
Ewig will ich Dich erhöhen!