Spitta, Carl Johann Philipp – Christus hat dem Tode die Macht genommen.

Wenn meine letzte Stunde schlägt,
Mein Herz hört auf zu schlagen,
Wenn man ins stille Grab mich legt
Nach all den trüben Tagen:
Was wär ich dann, was hätt ich dann,
Wär mir die Tür nicht aufgetan
Zum sel‘gen Himmelreiche?

Wie flicht der eitlen Freuden Schwarm,
Wenn sich der Tod lässt schauen!
Sie überlassen, schwach und arm,
Den Menschen seinem Grauen.
Das Blendwerk ird‘scher Eitelkeit
Verschwindet vor der Wirklichkeit
Im Angesicht des Todes.

In unverhüllter Schreckgestalt
Tritt vor uns unsre Sünde,
Und von den Augen fällt alsbald
Der Selbstverblendung Binde;
Wir sind dann ganz auf uns beschränkt,
und alles in und an uns lenkt
Den Blick auf unser Elend.

Wenn du dann nicht mein eigen bist
In meiner letzten Stunde,
Wenn du dann nicht, Herr Jesus Christ,
Mich labst mit froher Kunde,
Dass du für den, der an dich glaubt,
Dem Tode seine Macht geraubt,
So muss ich ja verzagen.

Nun aber, weil du mein, ich dein,
Kann ich getrost entschlafen,
Dein heiliges Verdienst ist mein,
Schützt mich vor allen Strafen;
Du hast ja meinen Tod gebüßt,
Und dadurch meinen Tod versüßt
Zu einem sel‘gen Heimgang.

Drum bei dem letzten Glockenklang
Sei du mir, Herr, zur Seite,
und gib mir bei dem Todesgang
Dein freundliches Geleite;
Damit die letzte Erdennot
Nicht eine Krankheit sei zum Tod,
Vielmehr zum ew‘gen Leben.

Franz Joachim Burmeister. – Es ist genug!

Es ist genug! So nimm, Herr, meinen Geist
Zu Zion’s Geistern hin;
Lös auf das Band, das allgemächlich reißt,
Befreie diesen Sinn,
Der sich nach seinem Gotte sehnet,
Der täglich klagt und nächtlich tränet:
Es ist genug!

Es ist genug des Jammers, der mich drückt;
Des Adams Apfelgier,
Das Sündengift hat kaum mich nicht erstickt,
Nichts Gutes wohnt in mir:
Was kläglich mich von Gotte trennet,
Was kläglich mich beflecket nennet,
Des ist genug!

Es ist genug des Kreuzes, das mir fast
Den Rücken wund gemacht.
Wie schwer, o Gott, wie hart ist diese Last!
Ich schwemme manche Nacht
Mein hartes Lager durch mit Tränen,
Wie lang, wie lange muss ich sehnen?
Wenn ists genug?

Es ist genug! wenn nur mein Jesus will,
Er kennet ja mein Herz.
Ich harre sein und halt indessen still,
Bis er mir allen Schmerz,
Der meine sieche Brust abnaget,
Zurücke legt und zu mir saget:
Es ist genug!

Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt,
So spanne mich doch aus.
Mein Jesus kommt, nun gute Nacht, o Welt!
Ich fahre ins Himmelshaus,
Ich fahre sicher hin in Frieden,
Mein großer Jammer bleibt danieden.
Es ist genug!

Johannes Hermann Schein. – Williges Sterben

Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt,
Hilf mir in meinem Leiden.
Ruf ich dich an, versag mirs nicht:
Wenn sich mein Seel will scheiden,
So nimm sie, Herr, in deine Händ;
Ist alles gut, wenn gut das End.

Gern will ich folgen, liebster Herr,
Du wirst mirs nicht verderben.
Ach du bist doch von mir nicht fern,
Wenn ich gleich hie muss sterben,
Verlassen meine liebste Freund,
Dies mit mir herzlich gut gemeint.

Ruht doch der Leib sanft in der Erd,
Die Seel sich zu dir schwinget;
In deine Hand sie unversehrt
Durch‘n Tod ins Leben dringet.
Hier ist doch nur ein Tränental:
Angst, Not, Müh, Arbeit überall.

Tod, Teufel, Höll, die Welt, die Sünd
Mir können nichts mehr schaden.
An dir, o Herr, ich Rettung sind;
Ich tröst mich deiner Gnaden.
Dein ein‘ger Sohn aus Lieb und Huld
Für mich bezahlet alle Schuld.

Was wollt ich denn lang traurig sein,
Weil ich so wohl bestehe,
Bekleid‘t mit Christi Unschuld rein,
Wie eine Braut hergehe?
Gehab dich wohl, du schnöde Welt:
Bei Gott zu leben mir gefällt.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt. – Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!

Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!
Hin geht die Zeit, her kommt der Tod:
Ach, wie geschwinde und behände
Kann kommen meine Todesnot!
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Es kann vor Nacht leicht anders werden,
Als es am frühen Morgen war;
Denn weil ich leb auf dieser Erden,
Leb ich in steter Todsgefahr.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Herr, lehr mich stets mein End bedenken
Und, wenn ich einstens sterben muss,
Die Seel in Jesu Wunden senken
Und ja nicht sparen meine Buß.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Lass mich bei Zeit mein Haus bestellen,
Dass ich bereit sei für und für
und sage frisch in allen Fällen:
Herr, wie du willt, so schicks mit mir!
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Mach mir stets zuckersüß den Himmel
Und gallenbitter diese Welt;
Gib, dass mir in dem Weltgetümmel
Die Ewigkeit sei vorgestellt.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Ach Vater, deck all meine Sünde
Mit dem Verdienste Christi zu,
Darein ich mich festgläubig winde;
Das gibt mir recht gewünschte Ruh.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden
Hab ich mir recht und wohl gebett;
Da sind ich Trost in Todesstunden
Und alles, was ich gerne hätt.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Nichts ist, das mich von Jesu scheide,
Nichts, es sei Leben oder Tod.
Ich leg die Hand in seine Seite
und sage: mein Herr und mein Gott!
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Ich habe Jesum angezogen
Schon längst in meiner heil‘gen Tauf;
Du bist mir auch daher gewogen,
Hast mich zum Kind genommen auf.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Ich habe Jesu Fleisch gegessen,
Ich hab sein Blut getrunken hier:
Nun kannst du meiner nicht vergessen!
Ich bleib in ihm und er in mir.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

So komm mein End heut oder morgen:
Ich weiß, dass mirs mit Jesu glückt.
Ich bin und bleib in deinen Sorgen,
Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt.
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut:
Machs nur mit meinem Ende gut!

Ich leb indes in Gott vergnüget
Und sterb ohn alle Kümmernis.
Mir gnüget, wie mein Gott es füget;
Ich glaub und bin es ganz gewiss:
Durch deine Gnad und Christi Blut
Machst dus mit meinem Ende gut.