Einst wurden Fuchs und Pferd,
Warum, das weiß ich nicht, auch hat es mich verdrossen,
Denn mir sind beide Tiere wert,
In einen Käficht eingeschlossen.
Das Pferd fing weidlich an zu treten
Für Ungeduld, und trat
Den armen Reinke Fuchs. der nichts an Füßen hat.
„Das nun hätt ich mir wohl verbeten,
Tret‘ Er mich nicht, Herr Pferd! ich will ihn auch nicht treten.“
Tag: 29. August 2020
Matthias Claudius – Der Mann im Lehnstuhl.
Saß einst in einem Lehnstuhl still
Ein viel gelehrter Mann,
Und um ihn trieben Knaben Spiel
Und sahn ihn gar nicht an.
Sie spielten aber Steckenpferd,
Und ritten hin und her:
Hopp, hopp! und peitschten unerhört,
Und trieben’s Wesen sehr.
Der Alte dacht‘ in seinem Sinn:
„Die Knaben machen’s kraus;
Muß sehen lassen wer ich bin.“
Und damit kramt‘ er aus;
Und macht ein gestreng Gesicht,
Und sagte weise Lehr‘.
Sie spielten fort, als ob da nicht
Mann, Lehr‘ noch Lehnstuhl wär‘.
Da kam die Laus und überlief
Die Lung‘ und Leber ihm.
Er sprang vom Lehnstuhl auf und rief
Und schalt mit Ungestüm:
„Mit dem verwünschten Steckenpferd!
Was doch die Unart tut!
Still‘ da! ihr Jungens, still‘, und hört!
Denn meine Lehr‘ ist gut.“
„Kann sein,“ sprach einer, „weiß es nit,
Geht aber uns nicht an.
Da ist ein Pferd, komm reite mit,
Dann bist du unser Mann.“
Claudius, Matthias – Nach der Krankheit
Ich lag und schlief, da fiel ein böses Fieber
Im Schlaf auf mich daher,
Und stach mir in der Brust und nach dem Rücken über,
Und wütete fast sehr.
Es sprachen Trost, die um mein Bette saßen,
Lieb Weibel grämte sich,
Ging auf und ab, wollt‘ sich nicht trösten lassen,
Und weinte bitterlich.
Da kam Freund Hain: „Lieb Weib, mußt nicht so grämen,
Ich bring‘ ihn sanft zur Ruh'“;
Und trat ans Bett, mich in den Arm zu nehmen,
Und lächelte dazu.
Sei mir willkommen, sei gesegnet, Lieber!
Weil du so lächelst; doch
Doch, guter Hain, hör‘ an, darfst du vorüber,
So geh und laß mich noch!
„Bist bange, Asmus? – Darf vorübergehen
Auf dein Gebet und Wort.
Leb also wohl, und bis auf Wiedersehen!“
Und damit ging er fort.
Und ich genas! Wie sollt‘ ich Gott nicht loben!
Die Erde ist doch schön,
Ist herrlich doch wie seine Himmel oben,
Und lustig drauf zu gehn!
Will mich denn freun noch, wenn auch Lebensmühe
Mein wartet, will mich freun!
Und wenn du wiederkömmst, spät oder frühe,
So lächle wieder, Hain!