Schubart, Christian Friedrich Daniel – Urquell aller Seligkeiten

Urquell aller Seligkeiten, die in Strömen

1) Urquell aller Seligkeiten,
die in Strömen sich verbreiten
durch der Schöpfung weit Gebiet,
Vater, hör mein flehend‘ Lied!

2) Nicht um Güter dieser Erde,
des erhab‘nen Geists Beschwerde,
um die Weltlust komm ich nicht,
Vater, vor dein Angesicht.

3) Schätze, die mich nicht verlassen,
wenn ich sterbend werd‘ erblassen,
Tugenden, des Christen Wert
sind es, die mein Herz begehrt.

4) Geber aller guten Gaben,
festen Glauben möcht‘ ich haben,
wie ein Meerfels unbewegt,
wenn an ihn die Woge schlägt.

5) Lieb‘, aus deinem Herzen stammend,
immer rein und immer flammend,
liebe, die dem Feind verzeiht
und dem Freund das Leben weiht.

6) Hoffnung, die mit hohem Haupte,
wenn die Welt ihr alles raubte,
hinblickt, wo sie wonnevoll
alles wieder finden soll.

7) Starken Mut im Kampf des Christen
mit der Welt und ihren Lüsten,
Sieg dem Geist und wenn er siegt,
Demut, die im Staube sich schmiegt.

8) Duldung, alle Lebensplagen
mit Gelassenheit zu tragen,
stilles Harren, bis der Tod
mich erlöst auf dein Gebot.

9) Seelenruhe, Mut im Sterben,
wenn die Lippen sich entfärben
und der letzte Seufzer spricht:
o, mein Jesu, lass mich nicht!

10) Willst du, Herr von meinem Leben,
diese Seligkeit mir geben,
so wird auch die Leidensnacht
mir zum heit’ren Tag gemacht.

11) Immer will ich beten, ringen,
stille harren, Dank dir bringen,
bis der Ruf einst meinen Geist
zu dir, Vater, kommen heißt.

12) Seele, gib dich nun zufrieden,
Jesus kommt und stärkt die Müden.
Nun vergiss nie sein Gebot:
‚Sei getrost bis in den Tod!‘

Gottfried Arnold – Des Glaubens Kunst.

Das ist des Glaubens Kunst,
Bei tausend Widersprüchen,
In aller Nebel Dunst
Dem Feind nicht sein gewichen.
Und brich durch alle Türen:
So wird der Geist zum Thron
Der Gottheit Dich hinführen!
Denn über Luft und Stern

Ist erst die heit’re Stille,
Wenn Alles von sich fern
Verstößt der lautre Wille.
Dann liegt der Anker ewig fest
Am Schiff, das Gott nicht sinken lässt!

Behm, Martin – Um wahren Glauben.

O Gott, der du die Menschen liebst,
Ihn aus ddeim Schatz viel Gaben giebst,
Du weißt, daß uns der Glaub ist noth,
Ohn Glaube wird der Mensch zu Spott.

Den Glauben hast du auserwählt,
Ohn Glauben dir kein Mensch gefällt;
Was nicht vom Glauben Ursprung nimmt,
Bei dir kein Gunst noch Lieb bekümmt.

Der Glauben ist allein dein WErk,
Wird nicht erlangt durch Menschenstärk;
Giebst du ihn nich aus lauter Gunst,
So ist des Menschen Thun umsonst.

Drum bitt ich, durch dein Geist und Glanz
Den Glauben in meim Herzen pflanz,
Wirk ihn durchs Wort und Sacrament,
Darin dein Gnad wird ausgespendt.

Vernunft und Glauben reimt sich nicht,
Eins heftig widers ander ficht;
Hilf daß ich mich deim Wort bequem
Und mein Vernunft gefangen nehm.

O Herr, ich glaub, doch bin ich schwach,
Mein Glauben täglich stärker mach;
Erhalt des Glaubens Fünklein klein,
Daß er nicht ganz verlier den Schein.

Den Glauben in mir stärk und mehr,
Sonst ist er zu behalten schwer,
Hilf, daß er wachs und hab Bestand
In Nöthen als ein ehrne Wand.

Laß mich nicht zweifeln noch verzagn,
Auf dein Verheißung soll ichs wagn.
Hilf, daß ich festen Glauben hab,
Bis mein Leib wird gelegt ins Grab.

Doch thu von mir Vermessenheit,
Bewahr mich auch vor Sicherheit;
Laß mich in Demuth gläubig sein,
Daß ich trau auf dein Güt allein.

Hilf, daß ich hier im Glauben ring,
Durch Tod und Leben zu dir dring;
Daß ich empfang die himmlisch Gab,
Die ich hier nur im Glauben hab.

Amen.