Arndt, Ernst Moritz – Kommt her, ihr seid geladen

Kommt her, ihr seid geladen,
der Heiland rufet euch,
der süße Herr der Gnaden,
an Huld und Liebe reich;
der Erd und Himmel lenkt,
will Gastmahl mit euch halten
und wunderbar gestalten
was er in Liebe schenkt.

Kommt her, verzagte Sünder,
und werft die Ängste weg;
kommt her, versöhnte Kinder,
hier ist der Liebesweg.
Empfangt die Himmelslust,
die heilge Gottesspeise,
die auf verborgne Weise
erquicket jede Brust.

Kommt her, betrübte Seelen,
die Not und Jammer drückt,
mit Gott euch zu vermählen,
der wunderbar beglückt.
Kommt, legt auf ewig ab
der Sünde bange Säumnis;
empfanget das Geheimnis,
das Gott vom Himmel gab.

O Wonne kranker Herzen,
die mir von oben kam!
Verwunden sind die Schmerzen,
getröstet ist der Gram.
Was von dem Himmel fleußt,
hat lieblich sich ergossen;
mein Herz ist gar durchflossen
vom süßen Liebesgeist.

Drum jauchze, meine Seele,
hell aus der Sündennacht!
Verkünde und erzähle
die tiefe Wundermacht,
die unermeßlich süß
ein Born der Liebe, quillet
und jeden Jammer stillet,
der fast verzweifeln ließ.

Drum jauchze, meine Seele,
drum jauchze deinem Herrn!
Verkünde und erzähle
die Gnade nah und fern,
den Wunderborn im Blut,
die selge Himmelsspeise,
die auf verborgne Weise
dir gibt das höchste Gut.

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Alber, Erasmus – Von Erlösung der welt.

(Kirchengesäng, Franckfurt am Main M.D.LXX, in 8°, Blatt 447 b.)

VOn Maria, der reinen magd,
wie JEsaia hat geweissagt,
Ist uns geborn der süsse trost,
der uns mit seinem blut hat erlößt.
Sein nam heist Jhesu Christ,
der ein warer mensch geborn ist;
Wer er uns nicht geborn,
so wern wir all zu mal verlorn.

Er ist wahrer Gottes sohn,
von ewigkeit geborn seiner gnaden thron,
Gott hat uns so lieb gehabt,
daß er uns mit seim lieben sohn hat begabt.

Und hat ihn hie auff erden
lassen von der welt verspottet werden,
Er must selbst sein creutz tragen,
umb unser sünd willn ist er geschlagen.

Durch eines menschen sünd und fall
warn verdampt die menschen all,
durch eins menschen gerechtigkeyt,
nemlich durch Jhesum Christum,
ist uns erworben die seligkeyt.
Er trug für war unser kranckheit
auß lauter barmhertzigkeit,
Er lud unser schmertzen auff sich,
das lämblein Gottes für uns
gieng in den bittern tod williglich.
Christ zum schuld opffer sein leben,
wie Jesaia weissagt,
hat in den tod gegeben;
Gott Vatter kund niemand fin den
der sünd, tod, teuffel und hell
het mögen uberwinden.

Sein eigen sohn, Jhesus Christus, must sein leben
für alle arme sünder geben,
Er kund allein dem bösen Sathan wider streben;
Drumb last uns ihn unsern eingen mitler nennen,
kein andern mitler wölln wir kennen,
von seiner lieb sol uns kein Creatur trennen.

O Herr Christ, der du von dem Vater selbst
im himel zu unserm mitteler erwelt bist,
Sey uns gnadig, Christe, lieber Herr,
dann wir halten dich für unsern eingen mitteler.

Hillf, daß wir unser trawen
auff niemand anders bawen,
sondern auff dein wort laß uns schawen.
Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Alber, Erasmus – Von Adams fall und erlösung durch Christum.

(Kirchengesäng, Franckfurt am Mayn M.D.LXX, in 8°, Blatt 444.)

GOtt sprach zu Adam:
Von allen beumen zu essen erleub ich dir,
nur einen mit ernst verbiet ich dir!

Hab acht auff diß mein gebot,
laß dirs nit sein ein spot,
denn es hats geredt dein Gott;
sonst wirstu und all dein erben
erschrecklich verderben,
des tods wirstu sterben!
Da macht sich auch dar die schlang,
wolt sich nit seumen lang,
thet dem armen weiblein bang:
Ja wohl, solt euch verbieten Gott
den baum? halts nur für ein spott!
ist weder nutz noch not!
Eua hat sich nicht vorbedacht,
sie sprach: Gott hat uns gegeben macht,
daß wir essen sölln alle speiß,
den baum mitten im Paradeis
hat er uns verboten mit fleiß:
Wann wir denselben rürten ahn,
den todt möchten wir vleicht essen dran!
Die schlang sprach: Es ist da kein fahr!
Gott weiß, wz ich red, daß ist war,
gantz lauter und offenbar!

Da fieng das weib zu zweiffeln ahn;
hett sie vor den man
rath gefragt, der het fürm teuffel künnen stahn:
des war die schlang so betrogen,
durffts nit mit dem man wagen.
Der baum deucht sie sein also schon,
dz sie aß dauon!
da verlor sie uns des ewgen lebens kron;
dem man gab sie auch zu essen,
Gotts wort war da vergessen.

Da verborgen sie sich beyd vor dem Herrn.
Gott rieff Adam, das höret er nit gern:
Ich steh in angst und sorgen,
darum hab ich mich vor dir verborgen,
daß ich bin nackt.
Gott sprach: Wer hat dir gesagt,
daß du nacket bist?
warumb hast du dann geuolgt des teuffels list?
Da sprach er zu Gott, Das weib, dz du mir
gegeben hast, gab mir, ich aß mit ihr.
Gott sprach zu Eua: warumb
hastu das gethan? Sie antwort: Darumb,
daß mich die schlang verfürt.
Zur schlangen sprach der Herr:
Der fluch geh dich ahn
vor andern thieren, daß du das hast gethan!
Des weibs sam soll dir den kopf zu tretten!
Das ist Jhesus Christus,
der uns arme menschen solt erretten.
Dadurch Adam ward getrost,
und wir sein erben sind mit ihm erlößt
auß aller noth
und von dem ewgen tod!
Deßgleichen hat Gott darnach den alten
auch dasselb versprochen
mit eim eyd, er wolts ihn trewlich halten,
dem Abraham sonderlich:
Durch seinen samen sölln wir ewiglich
gesegnet sein
und loß von ewger pein!

O Herr Christ,
dir sey lob gesagt,
dz du unser mitler bist!
Hilff uns, Herr,
durch dein heylges blut
und verlaß uns nimmermehr!

Ach Gott Vatter in ewigkeit,
sey uns genädig und hilff uns
auß allem hertzen leid!
All unser hoffnung steht zu dir;
verstoß uns nit auß deinem reich,
ist unsers hertzen begir.

Wann du nicht bey uns armen leuthen immer bist,
so ists auß mit uns. Ach helff, Jhesu Christ!
nicht laß an uns das tewer leiden dein,
nicht laß dein heilges blut und sterben
an uns immer verlohren sein.
Amen.

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer