Horn, Johannes – O Frew dich, Jerusalem

O Frew dich, Jerusalem,
du Christliche gemeyn,
Lob Got mit frölicher stimm,
das er von dir sein grimm
Auß lieb gewendet hat,
und umb deiner not
gesandt seinen lieben Son
von dem hymlischen thron
auff den jammerthal.

Auff das er dich deiner Sünd
benemm, dauon entbünd,
Und durch sein teylhafftigkeit
bring zu der seligkeyt,
Wolch sonst kein Menschlich macht
hett zu wegen bracht;
darumb nimbt er dir zu gut
inn so grosser demut
dein natur an sich.

Sehr in nidriger gestalt
ist er auff diese Welt
Vom Vatter herab gesandt,
dein König und Heyland,
der also willigklich
sein leben für dich
hie opffert biß inn den Tod,
das du auß aller not
möchtest ledig sein.

Er ist der verheyßne samen
von des Dauides stamm,
Durch den das Menschlich geschlecht
wider bracht wird zurecht,
Von sehr grosser gewalt,
Göttlicher gestalt,
der rechte Emanuel,
welcher uns auß der Hell
selbs erlöset hat.

Ey, lob Christum den Heyland,
uns vom Vatter gesandt,
Bitt jn, auff das er uns auch
allhie teylhafftig mach
Seiner gerechtigkeyt,
wyrd und heyligkeyt,
darjnn er empfangen ist,
sprich: O Herr Jesu Christ,
verlaß dein Volck nicht!

Reuschmar, Jacob – O treuer Heiland, Jesu Christ.

O treuer heiland, Jesu Christ,
mein erlöser allein du bist.
wenn ich dich hab und glaub an dich,
so bin ich selig ewiglich.

Gib, daß ich dich im glauben rein
recht kenn und bleib bei dir allein,
all billich er dir gebe frei,
so kan mein sel frölich sein.

O Jesu zart, du Gottes lam,
mich armen sünder nicht verdamm,
erbarm dich mein, wend allen feil!
du bist mein einiger trost und heil.

Laß dir mein sach befolen sein,
bitt für mich stets den vater dein,
denn du der rechte heiland bist,
o menschen freund, herr Jesu Christ.

Kom bald, hilf uns, eil zum gericht,
du wollst doch lang ausbleiben nicht!
wie ist doch itzt die welt so bös,
ach Gottes son, uns bald erlös!

Weil es dir so wol gefellt,
daß du lang schonst der bösen welt,
gibst zeit zur buß ganz gnediglich,
auf daß die welt bekere sich.

In diser letzten zeit, o HERR,
erhalt bei uns dein wort und ler;
gib gnad, daß sich vil leut bekern,
den satan wer, der hindert gern!

Dir sei, HERR Christe, lob bereit,
mit vater und dem heiligen geist!
al ding in himmel und auf ert
dich billich preiset und hoch ert.

Amen.

Goedeke/Tittmann – Deutsche Dichter des sechszehnten Jahrhundert

Weisse, Michael – O Vater der barmhertzigkeyt,

O Vater der barmhertzigkeyt,
wir bitten dich mit innigkeit,
Du wollest dich erbarmen
der schwachen und armen.

Die sich hertzlich zu dir keren,
gnad und hülff von dir begeren,
Auff das sie deinen willen
stets möchten erfüllen.

Hilff, das sie dir warheyt finden
zur vergebung aller sünden,
Innheyliger gemeynschafft
enden jr Bilgerschafft.

Christe, aller welt Heylandt,
hilff allen, die dich han erkannt,
Das sie in dir
zu nemen für und für.

Laß sie nicht krafftlos werden
unter deinem joch auff erden,
Auß deim Gesetz
fallen ins Teuffels netz.

Hilff durch dein Blutvergiessen,
das sie dein hie wol geniessen
Und benedeyt
dich loben alle zeyt.

O Heyliger Geyst, warer Gott,
sih heut an der glaubigen not
Und erleucht durch dein güt
der irrenden gemüt.

O komm, du verheyßner tröster,
und mach und geystliche Priester,
Das wir Gott unsern schöpffer
preysen mit danckopffer.

O hilff, das wir die Priesterschafft
inn recht heiliger gemeynschafft
Alles in Christi namen
wol volenden, Amen.

Wirtenberg, Graf Jörg von – DAs ich nit kan sünd lan

Ein klaglied wider fleisch und bluot, das Gott helffen und raaten wöll.

(„Nüw gsangbüchle rc. Getruckt zuo Zürych by Christoffel Froschauer, Im JAr D.M.XL.“ in 8°. Seite CCXXXIIII)

DAs ich nit kan sünd lan,
ist mir ein last, krenckt vast
beid lyb und seel, darumb ich wil
mim Gott die schwachheit klagen,
Als minem Herrn, hilfft gern,
gibt gnad und gunst – – –
daruff ich truw und endlich buw,
wie kü+nd ich dann verzagen?
Der gloub erhelt und stelt
mir Christum dar klar uffs best, gantz vest,
daruff wil ich mich lassen,
uff solcher ban styff stan,
den alten Adam massen.

Sey du nit feer, min Herr!
das werck ist din, nit min!
ich bin zu schwach, du mich starck mach,
mit nicht kan ich sunst enden.
Du mit mir teil din heil
unnd ewigs wort, min hort,
ouch das es läb und widersträb,
was sich von dir wil wenden,
Uff das din pryß mit flyß
in mir din leer, eer groß werd uff erd
und nimmermer thu wancken:
darzu mich leit, bereit,
so wil ich dir, Herr, dancken.

Min Gott, erhalt, tröst bald!
erzeig mir gnad, hilff, raat!
leer mich die wält, jr gut und gält,
umb dint willn übergeben.
Die stund bringts end, behend
volgt bald der tod mit not,
fallt hin wies loub, zergadt wie stoub:
was ist min fleischlich läben?
O JEsu Christ, du bist
des läbens wär, stäg: hilff mir zu dir!
der für mich hast gelitten,
verrert din blut, mir zgut,
tod, tüfel überstritten.

Selneccer, Nikolaus – Danket dem Herrern unserm Gott

1. Danket dem Herrern unserm Gott,
dir euch allzeit errettet.
Singt Hallelujah früh und spät,
kommt her, den Herrn anbetet.
Er ist freundlich von großer Güt,
Ewig wird seine Gnade,
er als ein Vater uns dies Zweck
daß uns nichts könne schaden.

2. Er hat euch all zusammen bracht
vom Aufgang und vom Morgen,
Vom Süd, von West, von Mitternacht,
und tut euch all versorgen.
Die In der Wüsten nah und weit
kein Statt noch Herberg gfunden
vertrieben Sie zogen daher,
kein Speis sie haben funden.

3. Hungrig und durstig, bald verschmacht,
zum Herrern herzlich beten:
Er bald sie hört, zu recht auch bracht,
tat sie gewaltlich erretten.
Gab in nach aller Notierung gnug,
daß sie kein Leid mehr schwächte
half Ihnen aus mit guten Sug
und gab in neue Kräfte.

4. Die solln dem Herrern dankbar sein
um seine Güt und Wahrheit,
Daß er gibt Speiß beid groß und klein,
daß sie sich alle freuen,
Daß er dem Nächsten gibt sein Kleid
und Tut die Hungrigen speisen,
uns zu erquicken ist bereit,
Tut all Gnad beweisen.

5. Gefange Leut in Finsternis,
verschuld durch große Sünde,
Da sie Gaben manch Ergernis,
gehaßt und gebunden,
Weil sies Gsetz des höchsten Gott
geschendet hatten, in ihren Not,
taten Sie bald genesen.

6. Die Narren so wurden gestraft
um ihrer Sünde willen,
Daß sie verloren all ihr Kraft,
könnten kein Schmertz nicht stillen,
Es ekelt ihr für Speis und Trank,
sie könnt sie auch niemand retten,
lagen gar matt, warren Totkrank
um ihr groß übertretten.

7. Die Worte all durchs Kreuz glehrt
bei Gott um Gnad zu schreien
Und wenn sich jemand zu Gott bekehrt,
so tritt er bald gediehen:
Er macht sie Gsund, gab ihm sein Wort,
sein Sohn er zu ihn sämtlich,
daß sie nicht sterben in der Not,
erlöst aus schweren banden.

8. Die ihren Handel trieben weit
und auf den Waffen führen,
Mit großem Gfahr auf wilden Meer
und Gottes Macht erfuren:
Ihr Leben an sidnen Faden war,
für großer Angst sie zagen,
da war kein Zorn bei ihr all gar,
ihr Lieb und Güt sie wagen:

9. Da sie schreien zum Herrn Gott
in ihrem Elan bitter,
Daß er dem Meer gebeten woll
und stiller das Unwetter,
Wurden sie bald erhört all,
kamen aus allen Nöten:
darum sie singen Lob und Schall:
das Meer sie lehret beten.

10. Die welchen ihre Wasserquelle,
ihr Bach nicht mögen stieben,
Wird alles dürr, versieget schnell,
daß man nichts kann genießen,
Von Wegen das viel Sünde groß
werden stettigs behangen
Und Sicherheit an unterlaß
fehrt fort nimmt über die Hände:

11. Daher groß Teuerung, Hunger, Klag
entsteht und ist kein Freude,
Niemand sich da ergötzen mag
und ist alles voll Leid.
Wenn man aber zum Herrern schreit,
so gibt er seinen Segen,
das alles Wieder sein gedeiht
gibt Glanz und gnädig Regen.

12. Die mit Tyrannen werden gplättet,
geengstiret und gezwungen,
Und haben kein Rettung noch Macht,
werden gar sehr gedrungen:
Bald so man sich zum Herrn kehrt,
erreitet er die Armen,
den Jurist und Tyrananen verwehrt,
tut sich der sein erbarmen.

13. Solchs werden alle nützen sehen
und dich des hertzlich freuen
Daß soche Ding all sind gesheit,
werden auf Gott vertrauen,
Der solche groß Wohltat tut
allein durck der seinen Namen,
aus lauter Gnad und großer Güt,
des Singen wir fröhlich. Amen.

Selneccer, Nikolaus – Ein feste Burg ist unser Gott

1. Ein feste Burg ist unser Gott,
darum will ich ihn loben.
Er rett’t und hilft in aller Not,
ob gleich die Welt tut toben.
Sein Nam’ will ich anrufen recht,
so werd ich von mein’ Feinden schlecht
erlöst und will wohl bleiben.

2. Herzlich hab ich dich lieb, o Herr,
mein Stärk’, mein Fels und Feste,
du bist mein’ Burg, mein Lob und Ehr,
mein Schutz aufs allerbeste,
mein Gott, auf den ich trau allein,
mein Schild, mein Heil, mein Macht gar fein,
mein Hort: wer will mir schaden?

3. Ich hab erfahren Gottes Macht,
sein’ Treu und Huld in allen,
da mich umfingen Tag und Nacht
des Todes Band’ und Gallen,
die Bäch’ Belials schreckten mich,
voll Zagens, ohne Trost war ich,
die Höll’ hatt’ mich umgeben.

4. Des Todes Strick’ verwirrten mich,
es war kein Trost auf Erden,
all’s Unglück zu mir drang und schlich,
konnt’ des los nimmer werden.
Es war mir bang und angst an Mut,
an Seel’ und Leib war nichts mehr gut,
all’ Hoffnung blieb dahinten.

5. Da rufet ich den Herren an
und schrei zu Gott dem Höchsten,
er höret mich und zu mir kam
mit Hilf aufs allereh’ste.
An sei’m Wort tat ich halten fest,
im Tempel hört er mich zuletzt
und nahm mein’ Bitt’ zu Ohren.

6. Ach, traut auf Gott, ihr Christen fein,
und laßt euch nicht verführen,
sein Wort laßt euch gewisser sein,
tut ja nicht das verlieren.
Wer darauf baut, der hat’s sehr gut,
kann stetig haben guten Mut,
ach, wenn wir’s glauben wollten!

7. Wie groß Elend ist stetig hie
bei uns in unserm Leben!
Wie manches Kreuz, Elend und Müh
tut immer um uns schweben!
Doch hilft uns Gott ja wunderlich,
daß uns nicht schadet Ungelück,
er tut die Sein’n erretten.

8. Sag her: wer hat Gott jemals traut
und wär’ verlassen worden?
Wer auf sein Wort ganz fröhlich baut,
es sei in Krieg und Morden,
es sei in Hunger, Kummers Not,
es sei in Krankheit, Armut, Spott:
wem hat’s jemals gefehlet?

9. Darum so sag ich frisch und frei
und will das wohl erhalten:
ich bin und leb ganz ohne Scheu,
laß Gott den Herren walten.
Sein Wort, das tut’s und gibt den Mut,
ohn’ sein Wort bleibt kein Schutz noch Hut:
selig, wer auf ihn trauet!

10. Gott sei gelobt in Ewigkeit
für seine Güt’ und Gaben!
Er hat uns alles Gut’s bereit,
und weil wir das noch haben,
so laßt uns solch’s gebrauchen recht,
daß wir dieselben b’halten schlecht
und danken Gott dem Herren.

11. Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist
sei Lob und Ehr von Herzen,
geb’ uns sein Wort am allermeist’,
still aller Seelen Schmerzen,
er ist doch unser Stärk’ und Gott
und unser Hort in aller Not,
wer solches glaubt sprech’ Amen.

Speratus, Paul – Es ist das Heil uns kommen her

1. Es ist das Heil uns kommen her
Von Gnad‘ und lauter Güten;
Die Werk‘ die helfen nimmermehr,
Sie mögen nicht behüten.
Der Glaub‘ sieht Jesum Christum an,
Der hat g’nug für uns all‘ gethan,
Er ist der Mittler worden.

2. Was Gott im G’setz geboten hat,
Da man es nicht kunnt‘ halten,
Erhub sich Zorn und große Noth,
Für Gott so mannigfalte.
Vom Fleisch wollt‘ nicht heraus der Geist,
Vom G’setz erfordert allermeist,
Es war mit uns verloren.

3. Es war ein falscher Wahn dabey,
Gott hätt‘ sein G’setz drum geben,
Als ob wir mögten selber frey
Nach seinem Willen leben;
So ist es nur ein Spiegel zart,
Der uns zeigt an die sündig‘ Art,
In unserm Fleisch verborgen.

4. Nicht müglich war, dieselbig‘ Art
Aus eignen Kräften lassen;
Wiewol es oft versuchet ward,
Doch mehr sich Sünd‘ ohn‘ Maaßen:
Denn Gleißnerswerk Gott hoch verdammt,
Und je dem Fleisch der Sünde Schand‘
Allzeit war angeboren.

5. Noch mußt‘ das G’setz erfüllet seyn;
Sonst wär’n wir all‘ verdorben.
Darum schickt Gott sein’n Sohn herein,
Der selber Mensch ist worden;
Das ganz‘ Gesetz hat er erfüllt,
Damit sein’s Vaters Zorn gestillt,
Der über uns gieng alle.

6. Und wenn es nu erfüllet ist
Durch den, der es kunnt‘ halten:
So letne itzt ein frommer Christ
Des Glaubens recht Gestalte;
Nicht mehr, denn: „Lieber Herre mein!
Dein Tod wird mir das Leben seyn;
Du hast für mich bezahlet.“

7. Daran ich keinen Zweifel trag;
Dein Wort kann nicht betrügen.
Nu sagst du, daß kein Mensch verzag‘;
Das wirst du nimmer lügen:
„Wer gläubt an mich und wird getauft,
Demselben ist der Himm’l erkauft,
Daß er nicht wird verloren.“

8. Er ist gerecht für Gott allein,
Der diesen Glauben fasset;
Der Glaub‘ giebt uns von ihm den Schein,
So er die Werk‘ nicht lasset.
Mit Gott der Glaub‘ ist wohl daran;
Dem Nächsten wird die Lieb‘ Guts thun,
Bist du aus Gott geboren.

9. Es wird die Sünd‘ durchs G’setz erkannt,
Und schlägt das G’wissen nieder:
Das Evangeli kommt zu Hand,
Und stärkt den Sünder wieder;
Es spricht: „Nur kreuch zum Kreuz herzu!
Im G’setz ist weder Rast noch Ruh‘
Mit allen seinen Werken.“

10. Die Werk‘ die kommen g’wißlich her
Aus einem rechten Glauben;
Wenn das nicht rechter Glaube wär‘,
Wollt’st ihn der Werk‘ berauben.
Doch macht allein der Glaub‘ gerecht;
Die Werk‘ die sind des Nächsten Knecht,
Dabey wir’n Glauben merken.

11. Die Hoffnung wart’t der rechten Zeit,
Was Gottes Wort‘ zusagen;
Wenn das geschehen soll zu Freud‘,
Stetzt Gott kein g’wisse Tagen.
Er weiß wohl, wenn’s am besten ist,
Und braucht an uns kein‘ arge List;
Das soll’n wir ihm vertrauen.

12. Ob sich’s anließ‘, als wollt‘ er nicht,
Laß dich es nicht erschrecken;
Denn wo er ist am besten mit,
Da will er’s nicht entdecken.
Sein Wort laß dir gewisse seyn,
Und ob dein Herz spräch‘ lauter Nein,
So laß doch dir nicht grauen.

13. Sey Lob und Ehr‘ mit hohem Preis
Um dieser Gutthat willen,
Gott Vater, Sohn, heyligem Geist!
Der woll‘ mit Gnad‘ erfüllen,
Was er in uns ang’fangen hat,
Zu Ehren seiner Maiestat,
Daß heilig werd‘ sein Name.

14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd‘
G’scheh wie im Himmelsthrone;
Das täglich Brodt noch heut‘ uns werd‘;
Woll‘ unser Schuld verschonen,
Als wir auch unsern Schuldnern thun;
Laß uns nicht in Versuchung stehn;
Lös‘ uns vom Uebel. Amen!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Savonarola, Girolamo – Herr, mit deinen Retterarmen

Herr, mit deinen Retterarmen,
Meine Lust, die helfen kann,
Komm zu mir auch mit Erbarmen,
Nimm auch mich zum Diener an.

Einsam, müde muß ich wallen,
Finde nimmer Trost und Rath,
Und ich weiß, ich werde fallen
Auf dem friedenlosen Pfad.
Und der Schrecken ist sein Ende
In des Abgrunds Fluch und Bann,
Herr, nach dir wend‘ ich die Hände,
Der allein mir helfen kann.

Du hast dich herabgeneiget,
Locktest auf der Liebe Feld,
Das hinauf zum Himmel steiget!
Meine Thorheit, schuldentstellt,
Ließ des Weges Dornen sehen,
Seine Siegerkränze nicht.
Laß mich wieder zu dir gehen,
Herr, dem Hülfe nie gebricht.

Hätt‘ ich damals dem geachtet.
Von verlorner Sünderbahn,
Die zur Linken niedernachtet.
Mich gewendet himmelan;
Froh und leicht wär‘ ich gezogen.
In der Wahrheit Zuversicht.
Der getäuscht sich und betrogen.
Send‘ ihm deiner Hoffnung Licht.

Eile Herr, mein Leben eilet.
Komm herein ins arme Herz,
Das, zerstöret und zertheilet.
Flammt nach dir in Liebesschmerz.
Gott, mein Gott, mich nicht verlasse.
Den der alte Feind bekriegt.
In den Vaterarm mich fasse,
Weil darin der Himmel liegt.

Rückwärts gleit‘ ich, wo mich halten?
Wenn dein Arm nicht Hülfe schafft.
Muß mein Herz zu Stein erkalten.
Schmelzend Eis wird meine Kraft.
Der sich müde nach dir sehnet
Liegt verlassen vor dir da,
Weit ist ihm der Weg gedehnet,
Und der Abend ist ihm nah.

Rapp – Die erwecklichen Schriften Savonarolas

Sachs, Hans – Das lied: Anna du anfencklich bist,

verendert, und Christlich Corrigiert.

CHriste, du anfengklichen bist,
ain wurtzel unnser seligkait!
Auß deinem todt gewachsen ist
ain ewig werent sicherhait
Zu dem vatter,
gen dem wir seer
uns versünden täglichen:
O sun Dauid,
du für uns trit,
versün uns miltigklichen!

Christe, du ainiger tröster
aller betrübten hertzen,
Zu dir all Christen rüffen seer,
das du uns helfst auß schmertzen!
Der feynde streyt
gen uns auß neyd
all tag gar listigkliichen:
O sun Dauid,
du für uns trit,
hilff kempffen Ritterlichen!

Christe, du von Götlichem stam,
von Got vater geboren,
Der zu unns her auff erden kam,
auff das nicht wurd verloren
Wer inn dich glaubt,
des bist ain haubt
aller Christgelaubichen:
O sun Dauid,
du für uns trit!
dir sey lob ewigklichen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Rist, Johann – Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ

1. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ,
Mag dich ein Sünder haben,
Der nach dem Himmel hungrig ist
Und sich mit dir will laben,
So bitt‘ ich dich demütiglich,
Du wollest so bereiten mich,
Daß ich recht würdig werde.

2. Auf grüner Aue wollest du
Mich diesen Tag, Herr, leiten,
Den frischen Wassern führen zu,
Den Tisch für mich bereiten.
Ach, ich bin sündlich, matt und krank,
Laß, Herr, mich deinen Gnadentrank
Aus deinem Becher schmecken!

3. Du angenehmes Himmelsbrot,
Du wollest mir verziehen,
Daß ich in meiner Seelennot
Zu dir muß kläglich schreien;
Dein Glaubensrock bedecke mich,
Auf daß ich möge würdiglich
An deiner Tafel sitzen!

4. Tilg allen Haß und Bitterkeit,
O Herr, aus meinem Herzen,
Laß mich die Sünd‘ in dieser Zeit
Bereuen ja mit Schmerzen;
Du heissgebratnes Osterlamm,
Du meiner Seele Bräutigam,
Laß mich dich recht geniessen!

5. Zwar ich bin deiner Gunst nicht wert,
Als der ich jetzt erscheine
Mit Sünden allzuviel beschwert,
Die schmerzlich ich beweine.
In solcher Trübsal tröstet mich,
Herr Jesu, daß du gnädiglich
Der Sünder dich erbarmest.

6. Ich bin ein Mensch, krank von der Sünd‘,
Laß deine Hand mich heilen!
Erleuchte mich, denn ich bin blind;
Du kannst mir Gnad‘ erteilen.
Ich bin verdammt, erbarme dich;
Ich bin verloren, suche mich
Und hilf aus lauter Gnaden!

7. Mein Bräutigam, komm her zu mir
Und wohn in meiner Seelen;
Laß mich dich küßen für und für
Und mich mit dier vermählen!
Ach, laß doch deine Süßigkeit
Für meine Seele sein bereit
Und stille ihren Jammer!

8. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ,
Komm selbst, dich mir zu schenken!
O Blut, das du vergossen bist,
Komm eiligst, mich zu tränken!
Ich bleib‘ in dir und du in mir,
Drum wirst du, meiner Selle Zier,
Auch mich dort auferwecken.