Rambach, Johann Jakob – Der Herr ist gut

Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn.
Wir dürfen ihn gar Abba, Vater! nennen;
Wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehn,
So sehn wir ihn vor zarter Liebe brennen.
Dies Wort gibt uns im Kampfe Trost und Mut:
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut und will der Sünder Schuld
Nicht mit dem Schwert nach höchster Strenge rächen;
Es ist bei ihm ein Reichtum der Geduld,
Er übersieht der Irrenden Gebrechen,
Er ist versöhnt durch seines Sohnes Blut.
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut und teilt sich willig mit,
Sein Wesen ist ein Brunnen guter Gaben;
Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt,
Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben.
Wo ist ein Herr, der so mit Knechten tut?
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut. Kein Elend ist so groß,
Er hat ja Kraft als Neigung uns zu schützen;
Ist er nur unser Hort und starke Wehr‘,
So kann der Geist im stillen Frieden sitzen.
Es macht sein Schutz, daß man hier sicher ruht.
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut. Wer dies im Glauben schmeckt,
Wird nimmermehr aus seinem Dienste gehen;
Hier wird erst recht, was Freiheit sei, entdeckt;
Hier kann der Geist im rechten Adel stehen.
Nichts ist umsonst, was hier der Glaube tut.
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut und sieht in Gnaden an
Den schlechten Dienst der Knechte, die ihn lieben;
Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann;
Kein kalter Trunk in unvergolten blieben.
Er gibt dafür die ganze Segensflut.
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut und bleibt es bis zum Tod.
Wir sollen ihm in seinen Armen sterben;
Er will uns führen aus der letzten Not
Und alles, was er hat, uns lassen erben,
Und Ruhe geben, wie er selber ruht.
Der Herr ist gut.

Der Herr ist gut. Fallt nieder vor dem Thron!
Wir sind zum Segen herzlich eingeladen.
Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn,
Lobt seinen heil’gen Geist, den Geist der Gnaden;
Lobt ihn für alles, was er ist und tut!
Der Herr ist gut.

Geistlicher Liederschatz

Rambach, Johann Jakob – Der Herr hat nie sein Wort gebrochen

Der Herr hat nie sein Wort gebrochen,
Noch seinen Gnadenbund verletzt.
Was seine Wahrheit hat versprochen,
Das wird auch in die That gesetzt.
Er ist entfernt von Trug und List,
Die eine Brut des Satans ist.

2. Was er aus Lieb und Huld verheißen,
Das läßt er in Erfüllung gehn.
Er pflegt den Grund nicht umzureißen,
Darauf des Glaubens Pfeiler stehn.
Scheint die Erfüllung gleich noch weit,
So kommt sie doch zur rechten Zeit.

3. Doch wie er das unfehlbar giebet,
Was seine Lieb uns zugedacht,
So wird auch, wenn er Rache übet,
Sein Drohwort ganz gewiß vollbracht.
Wenn er den Schluß zu strafen faßt,
So fühlt man dessen Centnerlast.

4. Drum scheue dich mit frommen Herzen
Vor dem, was er den Sündern dräut.
Es ist, o Seele, nicht zu scherzen
Mit seiner Strafgerechtigkeit.
Fleuch, fleuch, was er zu strafen droht,
Sonst sinkest du in Not und Tod.

5. Doch halt dich auch mit festem Glauben
An sein verheißnes Gnadenwort;
Es stehet nicht auf Sand und Schrauben,
Drum fahre nur im Hoffen fort,
So wirst du sehn, daß seine Treu,
Sein Wort zu halten, mächtig sei.

6. Wir haben ja zwei starke Gründe,
Auf welchen unser Glaube ruht,
Weil er, damit er Beifall finde,
Zu seinen Worten Eide thut.
O Wunder, wenn ein Sünder hört,
Daß ihm die ewge Wahrheit schwört.

7. Ach Seele, laß dich dies beschämen,
Da es dein Gott so treulich meint.
Siehst du ihn sich nach dir bequemen,
So sei du auch dem Wanken feind,
Beweise dich als Gottes Kind,
Bei dem man Treu und Wahrheit findt.

Rambach, Johann Jakob – O großer Geist, O Ursprung aller Dinge

O großer Geist, O Ursprung aller Dinge
O Majestät voll Pracht und Licht!
Wer ist, der dir ein würdig Loblied singe?
Welch sterblich Herz erzittert nicht?
Stellt sich der Seraphinen Schaar
Vor deinem Thron verhüllet dar:
Wie sollte nicht ich Hand voll Erden
Vor dir voll Furcht und Schauer werden?

Ach rühre mir die ganz befleckten Lippen
Mit deines Altars Kohlen an;
Sonst fahr ich hin an ungeheure Klippen,
Wo Seel‘ und Leib zerscheitern kann.
Bring‘ eine demuthvolle Scheu
Den Kräften meiner Seele bey;
Laß mich auf Knie und Antlitz fallen,
Wenn Heilig! Heilig! Heilig! schallen.

Dein Wohnhaus ist ein Licht, das keinen Schatten,
Ein Glanz, der keinen Wechsel weiß.
Eh‘ Sonn‘ und Mond das Amt zu leuchten hatten,
War schon dein lichter Freudenkreis.
Wer weiß zu deinem Glanz die Spur?
Faßt dich wohl eine Creatur?
Und kann der Strahl erschaffner Augen
Dein Wesen zu durchforschen taugen?

Die Sonne selbst hat ihre dunklen Flecken;
Du aber bist ein reines Licht.
Es kann in dir nichts Finstres sich verstecken,
Dein heller Glanz verdunkelt nicht.
Du bist in dir vollkommen rein;
Dein unbefleckter Gottheitsschein
Hat nichts, das Sünd‘ und Nacht zu nennen,
Nichts, das die Klügsten tadeln können.

Was deine Hand pflegt an das Licht zu stellen,
Das glänzt von Heiligkeit und Zier.
Es fließet nichts aus deinen lautren Quellen
Als ein krystallner Bach herfür.
Du hassest, was nach Bosheit schmeckt,
Und was mit Satans Gift befleckt;
Es können nichts als gute Gaben
Von dir den ersten Ursprung haben.

Es zeigt sich zwar in des Gewissens Sprüchen
Ein Blick von deiner Heiligkeit;
Doch hast du sie mit noch weit klärern Strichen
In deinem theuren Wort erneut.
Allein das allergrößte Licht
Hat sie in dessen Angesicht,
Der, dir die Sünder zu versühnen,
Auf Erden ohne Sünd‘ erschienen.

Dieß war der Sohn, das Bild von deinem Wesen,
Dem dein Gesetz ins Herz geprägt,
An dessen Stirn war in der That zu lesen,
Was Arons Stirn im Schatten trägt.
Der hat auf seiner Todesbahn
Die Schuld der Sünden abgethan,
Und, da er als ein Fluch gestorben,
Die Kraft zur Heiligung erworben.

Nun kann dein Bild in uns von neuem grünen
In Unschuld und Gerechtigkeit.
Nun kann dein Volk in heil’gem Schmuck dir dienen,
Da ihm dein Sohn die Kräfte beut.
Es kann in dessen Blute rein,
Ja ohne Fehl und Tadel seyn,
Der auf sich nahm der Sünden Bürden,
Auf daß die Sünder selig würden.

So gieb denn Kraft, daß wir dich heilig scheuen,
Mit deines Kindes Blut besprengt.
Gieb Fleiß und Ernst, wenn sich der Staub vom neuen
An die gewaschnen Füße hängt;
Schenk uns ein Herz, das heilig ist,
Weil du, der Vater, heilig bist,
Bis du uns an den Ort wirst bringen,
Da wir ein ewig Heilig! singen.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Rambach, Johann Jakob – Ein Jahr geht nach dem andern hin

1. Ein Jahr geht nach dem andern hin
der Ewigkeit entgegen.
Ach, möchte doch der träge Sinn
dies fleißiger erwägen.
Ach, brächte doch ein jedes Jahr
viel neue, gute Früchte dar!

2. Allein wo ist, wo ist die Frucht,
die wir bisher getragen?
wie oft hat Gott umsonst gesucht!
wie hat er müssen klagen!
es that ihm weh, wenn seine Hand
anstatt der Frucht nur Blätter fand.

3. Haut ab, sprach er, den kahlen Baum,
der keine Früchte träget.
Was nimmt er andern Saft und Raum?
komm Tod, der alles schläget,
komm, leg‘ die Axt der Wurzel an,
thu‘ einen Streich, so ist’s gethan!

4. Allein der treue Heiland spricht:
„laßt ihn noch dies Jahr stehen.
Trägt er auch jetzo Früchte nicht;
ich hoff‘ sie noch zu sehen.“
Ach! halt‘ des strengen Urtheils Lauf
doch dies Jahr noch, mein Vater, auf.

5. So gieb denn, lieber Heiland! Kraft,
dies Jahr viel Frucht zu bringen.
Ach, laß doch deines Geistes Saft
in unsre Zweige dringen.
Schütt‘ auch auf unsrer Aller Haus
viel Gnade, Kraft und Segen aus!

Geistlicher Liederschatz