Eber, Paul – Das Gebet Josaphats

(2. Chronica Kap. 20)

Wenn wir in höchsten Nöthen sein
Und wissen nicht wo aus noch ein
Und finden weder Hülf noch Rath,
Ob wir gleich sorgen früh und spat:

So ist dieß unser Trost allein,
Daß wir zusammen insgemein
Dich anrufen, o treuer Gott,
Um Rettung aus der Angst und Noth.

Und heben unser Augen und Herz
Zu dir in wahrer Reu und Schmerz
Und suchen der Sünd Vergebung
Und aller Strafen Linderung.

Die du verheißest gnädiglich
Allen, die darum bitten dich
Im Namen deines Sohns Jesu Christ,
Der unser Heil und Fürsprech ist.

Darum kommen wir, o Herre Gott,
Und klagen dir all unser Noth,
Weil wir jetzt stehn verlassen gar
In großer Trübsal und Gefahr.

Sieh nicht an unser Sünden groß,
Sprich uns derselb aus Gnaden los,
Steh uns in unserm Elend bei,
Mach uns von allen Plagen frei.

Auf daß von Herzen können wir
Nachmals mit Freuden danken dir,
Gehorsam sein nach deinem Wort,
Dich allzeit preisen hie und dort.

Eber, Paul – Zwei Ding, Herr Gott, bitt ich von dir

Zwei Ding, Herr Gott, bitt ich von dir,
die wollest du nicht weigern mir,
weil ich in diesem Elend bin,
bis mich mein Stündlein nimmt dahin.

2. Verfälschte Lehr, Abgötterei
und Lügen ferne von mir sei;
Armut und Reichtum gib mir nit,
doch dieses ich noch ferner bitt.

3. Sein ziemlich Notdurft schaff dem Leib,
daß ich kann nähren Kind und Weib,
und kein groß Not noch Mangel sei,
doch auch kein überfluß dabei.

4. Sonst wenn ich würd zu satte sein,
verleugnet ich den Herren mein
und saget: „Was frag ich nach Gott?
Ich bin versorgt vor aller Not.“

5. Oder, wenn Armut drücket mich,
zum Stehlen möchte geraten ich
und sonst mit Sünd trachten nach Gut,
ohn‘ Gottes Scheu, wie mancher tut.

6. Des Herren Segen machet reich
ohn‘ große Sorg, wenn du zugleich
in dei’m Stand treu und fleißig bist
und tust, was dir befohlen ist.

7. Und wenn vorhanden ist mein End,
nimm meine Seel in deine Händ,
gib ihr und allen Christen gleich
das ewig Leben in deinem Reich.

Eber, Paul – Helft mir Gotts Güte preisen

Helft mir Gotts Güte preisen,
Ihr lieben Kinderlein,
Mit G’sang und andrer Weisen,
Ihm allzeit dankbar sein,
Fürnehmlich zu der Zeit,
Da sich dieß Jahr thut enden,
Die Sonn sich zu uns wenden,
Das neu Jahr ist nicht weit.

Erstlich laßt uns betrachten
Des Herren reiche Gnad
Und so gering nicht achten
Sein unzählig Wohlthat.
Stets führen zu Gemüth,
Wie er dieß Jahr hat geben,
All Nothdurft diesem Leben
Und uns vor Leid behüt.

Lehramt, Schul, Kirch erhalten
In gutem Fried und Ruh,
Nahrung für Jung und Alte
Bescheret auch darzu
Und auch mit milder Hand
Sein Güter ausgespendet
Verwüstung abgewendet
Von dieser Stadt und Land.

Er hat unser verschonet
Aus väterlicher Gnad;
Wenn er sonst hätt belohnet
All unser Missethat
Mit gleicher Straf und Pein:
Wir wären längst gestorben,
In mancher Noth verdorben,
Die wir voll Sünden sein.

Nach Vaters Art und Treuen
Er uns so gnädig ist,
Wenn wir die Sünd bereuen,
Glauben an Jesus Christ
Herzlich ohn Heuchelei,
Thut er all Sünd vergeben,
Lindert die Straf darneben,
Steht uns in Nöthen bei.

All solch dein Güt wir preisen,
Vater im Himmelsthron,
Die du uns thust beweisen
Durch Christum, deinen Sohn,
Und bitten ferner dich:
Gib uns ein friedlichs Jahre,
Vor allem Leid bewahre
Und nähr uns mildiglich.

Eber, Paul – In Christi Wunden schlaf ich ein

In Christi Wunden schlaf ich ein,
Die machen mich von Sünden rein,
Ja Christi Blut und G’rechtigkeit
Das ist mein Schmuck und Ehren-Kleid,
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich zum Himmel werd eingehn.

Mit Fried und Freud ich fahr dahin.
Ein Gottes-Kind ich allzeit bin.
Dank hab‘, mein Tod! du führest mich,
In’s ewig Leben wandre ich,
Mit Christi Blut gereinigt fein,
Herr Jesu, stärk den Glauben mein.

Eber, Paul – Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott

Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott,
der du littst Marter, Angst und Spott,
Für mich am Kreuz auch endlich starbst
und mir deins Vaters Huld erwarbst:
Ich bitt durch bitter Leiden dein,
du wollst mir Sünder gnädig sein!

Wenn ich nun komm in Sterbens not
und ringen werde mit dem Tod,
Wenn mir vergeht all mein Gesicht
und meine Ohren hören nicht,
Wenn meine Zunge nichts mehr spricht
und mir vor Angst mein Herz zerbricht,

Wenn mein Verstand sich nicht versinnt
und mir all menschlich Hilf zerrinnt:
So komm, Herr Christe, mir behend
zu Hilf an meinem letzten End
Und führ mich aus dem Jammerthal,
verkürzt mir auch des Todes Qual!

Die bösen Geister von mir treib,
mit deinem Geist stets bei mir bleib,
Bis sich die Seel vom Leib abwend,
so nimm sie, Herr, in deine Händ!
Der Leib hab in der Erd sein Ruh,
bis sich der Jüngst Tag naht herzu.

Ein fröhlich Urständ mir verleih,
am jüngsten Gricht mein Fürsprech sei
Und meiner Sünd nicht mehr gedenk,
aus Gnaden mir das Leben schenck,
Wie du hast zugesaget mir
in deinem Wort, das trau ich dir:

Fürwahr, Fürwahr, euch sage ich:
wer mein Wort hält und glaubt an mich,
Der wird nicht kommen ins Gericht
und den Tod ewig schmecken nicht,
Und ob er schon hier zeitlich stirbt,
mitnichten er drum gar verdirbt!

Sondern ich will mit starker Hand
ihn reißen aus des Todes Band
Und zu mir nehmen in mein Reich,
da soll er dann mit mir zugleich
In Freuden leben ewiglich!
dazu hilf uns ja gnädiglich!

Ach Herr, vergib all unser Schuld!
hilf, daß wir warten mit Geduld
Bis unser Stündlein kommt herbei,
auch unser Glaub stets wacker sei,
Deim Wort zu trauen festiglich,
bis wir entschlafen seliglich!

Eber, Paul – Herr Gott im Himmelsthrone

Herr Gott im Himmelsthrone,
wir arme Kinderlein
loben dich samt dei’m Sohne
und heilgem Geist gemein,
daß du uns hast gegeben
im Mutterleib die Speis,
Vernunft, Sinn, Leib und Leben
und all Notdurft daneben
durch unsrer Eltern Fleiß.

2. Ein Bund mit uns geschlossen
in der Tauf gnädiglich
durch dein’s Sohns Blut vergossen:
wer ihm glaubt festiglich,
an diesen Bund stets denket,
hält sich zum Worte dein,
dem sind all Schuld geschenket,
sein Sünd ins Meer versenket,
soll ewig selig sein.

3. Läßt uns mit reichen Gnaden
dein Wort verkünden klar,
welch’s mit viel Seelenschaden
zuvor verfinstert war.
Solch’s jetzt treulich tun lehren,
die werden Diener dein,
dein Kirch und Reich zu mehren,
die Sünder zu bekehren,
halten die Gewissen rein.

4. Es ist aber zu klagen
und zu beweinen sehr,
daß man in Wind tut schlagen
solch Gnad und heilsam Lehr:
Niemand will jetzt mehr achten
G’fahr, Straf, Ehr oder Zucht,
nach Geld und Wollust trachten,
all Warnung ganz verachten,
das ist eine böse Sucht.

5. Niemand dies geht zu Herzen,
wie viel der Länder sein,
die stets seufzen mit Schmerzen,
Gott’s Wort zu hören rein:
Wenn sie dasselb erkennen,
so ist’s ihn’n lieb und wert,
lan sich davon nicht trennen,
viel eher zu Pulver brennen
und würgen mit dem Schwert.

6. Aber die Gott’s Wort haben
mit allem Überfluß,
lassen’s für übertraben,
hören’s mit überdruß:
Kein Dank tut sich ereignen
für solche Gnad so mild,
der sich billig soll zeigen,
das Herz zu Tugend neigen,
so wird die Welt nur wild.

7. Es muß Gott endlich strafen,
der Mutwill ist zu groß,
das Wort kann nicht Frucht schaffen,
das Volk wird gar ruchlos,
als man’s nicht hat vernommen
jemals zu einer Zeit;
drum müssen Strafen kommen,
ach Gott, verschon der Frommen
durch dein Barmherzigkeit!

8. Bewahr durch deine Güte
uns arme Würmelein,
vor falscher Lehr behüte
uns, deine Schäfelein,
laß uns ja nicht entgelten,
was der groß‘ Hauf‘ verschuld’t,
der Gott’s Wort höret selten,
gib nichts auf Straf und Schelten,
reizt dich zur Ungeduld.

9. Erhalt bei uns mit Gnaden
Fried, Zucht und Einigkeit,
bewahr vor Sünd und Schaden
Eltern und Obrigkeit,
laß uns ja nicht verzehren
Hunger noch Pestilenz,
auch nicht durch Krieg verheeren,
tu allem Unglück wehren,
bewach selbst unser Grenz.

10. Rett dieses Häuflein kleine,
wenn Landstraf reißen ein,
schon dieser armen G’mein’e
durchs bitter Leiden dein,
schütz uns an Seel und Leben,
laß uns dein‘ Pflänzlein sein,
und woll in dir bekleiden,
stets deine Kinder bleiben,
gehorsam, keusch und rein.

11. In Schulen wolln wir lernen
dich kennen aus dei’m Wort
und folgen denen gerne,
die uns an allem Ort
in Tugend unterweisen
und lehren züchtig sein,
auch mit Danksagung preisen
durch G’sang und ander Weise
loben den Namen dein.

12. Nun wolln wir mit uns nehmen
all fromme Jungfräulein,
die sich der Schul nicht schämen
und gerne bei uns sein.
Die sollen mit sich bringen
die Kinderbibel klein
und mit uns lesen, singen,
das wird ja wohl gelingen,
zur Zucht und Tugend fein.

13. Drum geht mit uns ohn‘ Scheuen,
ihr lieben Schwesterlein;
es wird euch nicht gereuen,
da wird’t ihr lernen rein,
wie ihr Gott sollt zu Ehren
leben nach sei’m Gebot,
zu ihm durch Buß bekehren,
das Gewissen nicht verzehren,
Trost haben in der Not.

14. Psalmen und Lieder singen
wird euer Übung sein,
dazu vor allen Dingen
den Katechismus fein
mit der Auslegung fassen
samt ander nutzer Lehr,
all Ungebärd zu lassen
und Untugend zu hassen,
erlangen Lob und Ehr.

15.Es wird euch besser zieren
denn Gold und schön Geschmeid,
so ihr fein tut studieren
Gott’s Wort und züchtig seid,
könnt lesen, singen, schreiben
und sprechen gut Gebet:
den Feind wird’t ihr vertreiben,
bei euch die Engel bleiben,
schützen euch früh und spät.

16. Freundlich tut Christus sagen:
Die Kindlein laßt zu mir,
ich will der keins ausschlagen,
das Himmelreich ist ihr.
So laßt uns nun derwegen
Christum suchen im Wort,
der gab uns seinen Segen,
woll‘ aller Kindlein pflegen,
erhalten hier und dort.

Eber, Paul – Herr Gott, dich loben alle wir

1. Herr Gott, dich loben alle wir
Und sollen billig danken dir
Für dein Geschöpf der Engel schön,
Die um dich schweb’n vor deinem Thron.

2. Sie glänzen hell und leuchten klar
Und sehen dich ganz offenbar,
Dein‘ Stimm‘ sie hören allezeit
Und sind voll göttlicher Weisheit.

3. Sie feiern auch und schlafen nicht,
Ihr Fleiß ist gar dahin gericht’t,
Daß sie, Herr Christe, um dich sei’n
Und um dein armes Häufelein.

4. Der alte Drach‘ und böse Feind
Vor Neid, Haß und vor Zorne brennt;
Und wie er vormals bracht‘ in Not
Die Welt, führt er sie noch in Tod;

5. Sein Dichten steht allein darauf,
Wie von ihm werd‘ zertrennt dein Hauf‘.
Kirch‘, Wort, Gesetz, all‘ Ehrbarkeit
Zu tilgen, ist er stets bereit.

6. Darum kein‘ Rast noch Ruh‘ er hat,
Brüllt wie ein Löw‘, tracht’t früh und spat,
Legt Garn und Strick, braucht falsche List,
Daß er verderb‘, was christlich ist.

7. Indes wachet der Engel Schar,
Die Christo folgen, immerdar
Und schützet deine Christenheit,
Wehret des Teufels Listigkeit.

8. Am Daniel wir lernen das,
Da er unter den Löwen saß,
Desgleichen auch dem frommen Lot
Der Engel half aus aller Not.

9. Dermaßen auch des Feuers Glut
Verschont und keinen Schaden tut
Den Knaben in der heißen Flamm,
Der Engel ihn zu Hilfe kam.

10. Also schützt Gott noch heutzutag‘
Vor übel und gar mancher Plag‘
Uns durch die lieben Engelein,
Die uns zu Wächtern geben sein.,

11. Darum wir billig loben dich
Und danken dir, Gott, ewiglich,
Wie auch der lieben Engel Schar
Dich preiset heut‘ und immerdar.

12. Und bitten dich, wollst allezeit
Dieselben heißen sein bereit,
Zu schützen deine kleine Herd,
So hält dein göttlich Wort in Wert.

13. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
desgleichen Christo, seinem Sohn,
und auch dem Tröster in der Not,
sind drei Person und nur ein Gott

Eber, Paul – Fürchte Gott, Eltern, Obrigkeit

Fürchte Gott, Eltern, Obrigkeit vor allen,
ihre Wort, Zucht, Straf laß dir wohlgefallen.
Die Lehrer, Weibsbild, Alten allzeit ehre,
dein Lob, Kunst, Gut mit Gott vermehre.
Daneben nüchtern, keusch, wahrhaftig sei,
auch fröhlich, freundlich, diensthaftig dabei:
und glaube, rede, richte nicht geschwinde,
so wirst du bei Gott, in dir, vor Menschen Ruhe finden.

Eber, Paul – Ein Gebet in Todesnöthen

(766 Geistliche Psalmen rc. Nürnberg M.DC. VII, in 8°, Seite 867)

O HERR, biß du mein Zuversicht,
so mein Mund kein Wort nimmer spricht!
Ja, so die Ohren nicht mehr hörn,
durch deinen Geist thu du mich lehrn!

HErr, biß mein Stärck, mein Felß und Trost,
so mir der Tod an mein Hertz stost,
Dadurch sich meine Augen wenden!
stehe mir bey und hilff mir enden!

HERR, meinen Geist befehl ich dir!
dein gnedig Angesicht wend zu mir!
Durch dein bitter Leiden und Sterben
laß mich in keiner Sünd verderben,

Die mir der feind so groß thut machen,
o HErr, reiß mich auß seinem Rachen
Und leg das tröstlich Wort auff mich
deiner Versöhnung, bitt ich dich!

Laß mein Gewissen auch empfinden,
daß ich rein sey von meinen Sünden!
O trewer Gott, ich bitt von Hertzen,
gib mir Gedult in allem Schmertzen.

Durch Jesum Christ erhör mein Bitt,
laß deinen Knecht sterben im Fried!
Erlöß mich auß der Noth und Qual,
beleyt mein Seel ins Himels Saal
Durch deine Engel in dein Reich,
daß ich dich lob dort ewigleich!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Eber, Paul

geboren am 8. November 1511 zu Kitzingen in Franken; besuchte die Schulen zu Ansbach und Nürnberg; gieng 1531 auf die Universität Wittenberg, wo er 1536 Magister wurde. Nach Forsters Tod bekam er die Predigerstelle an der Schloßkirche, und nach Bugenhagens Tod das Pastorat an der Stadtkirche, worauf er Doctor Theologiae wurde. Den colloquiis zu Worms und Altenburg wohnte er bei, und leistete der protestantischen Kirche viele Dienste. Er schrieb eine schöne Hand, und wurde daher auch von Melanchthon als Kopist gebraucht, lebte in genauer Freundschft mit diesem großen Manne, daher sein Beiname Repertorium Philippi. Er starb den 10. December 1569.

—-
Nachrichten von Liederdichtern des Gesangbuchs
von Immanuel Löffler.
Sulzbach, in des Kommerzienraths J. E. Seidel Kunst- und Buchhandlung.
1819