Freder, Johann – Ein anderes Morgengebet (ICk danck dy, Godt, vor alle dine woldadt)

ICk danck dy, Godt, vor alle dine woldadt,
dat du heffst my so gnedichlick
bether behödt dorch dine gudt,
Und bidde dy vort: O Godt, myn hordt,
vor sündt und vahr my stedes bewar,
wente du heffst getelt mines höuedes har.

Erholdt my, Here, by gelimp unnd ehr,
nym in dyn hödt Lyff, Seel und Gudt,
gemahl und kindt und myn gesindt!
De Engel dyn myn beschütter syn,
dem viende wehr syn vorsatlick beschwer,
in dine handt beuel ick my, O Godt myn Herr.

Here, lath dyn Wordt an allem ordt
dorch dine Knecht vorkünden recht,
fry, apenbar, rein, luther und klar!
Ach leue Here, dem Sathan wehr,
diner leue brunst entfenck in uns
dorch dines hilligen Geistes gunst.

Godt Vader, ick danck myn leeuenlanck
diner Mayestat vor alle woldat;
ock by, Here Christ, unnd dem hilligen Geist,
De my recht lehr, myn gelouen mehr;
dorch Christi dodt in der lesten nodt,
O Got, min arme Seel nym hen in dyn behödt!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Freder, Johann – Ein Morgengebet (ICk dancke dy, Godt, vor alle woldat,)

ICk dancke dy, Godt, vor alle woldat,
dat du ock my hefft gnediglick
de nacht behüdt dörch dine gud,
Und bidde nu vort: O Godt, myn hordt,
vor sünden unnd vahr my hüdt bewar,
dat my kein böses wedderfar!

Ick beuel dy, Herr, mine Seel und ehr,
hert, sinn unnd mudt, myn Lyff unnd gudt
und all dat mine: de Engel dyn
Hebb miner acht, dat nicht vinde macht
de viendt an my nha sinem bger
und my in sünde mit listen vör.

Ock woldest, Here, vorgeuen my
dorch dine huldt myn sünd und schuldt:
ick heb an dy vorgrepen my,
Unrecht gedan! HERR, gnad und schon
tho aller frist dorch Jesum Christ,
de unse einige Midler ist!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Francke, August Hermann – Kommst Du nicht auch zu mir

Kommst du nicht auch zu mir?
Im Morgensonnenglanz strahlt rings die Au;
das kleinste Blümlein selbst erhielt von dir,
den Durst zu löschen, einen Tropfen Tau –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
Du bist es, der die Welt mit Wonne speist,
das Gras des Feldes und des Walds Getier,
daß dich der Chor der Schöpfung preist –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
So kann kein Hirsch nach frischem Wasser schrein,
kein Halm so dürsten wie dein Kind nach dir;
nach deinem Leben schmachtet mein Gebein –
und du kämst nicht zu mir?

Kommst du nicht auch zu mir?
Die Sonne, die im Osten golden steigt,
bringt frohe Botschaft mir, mein Gott, von dir;
der Nebel flieht, und all mein Zagen weicht –
gewiß, du kommst zu mir!

Weitere Texte des Autors in der Glaubensstimme

Capito, Wolfgang – Morgengebet

Die Nacht ist hin, der Tag bricht an,
Zu Gott ruf innig jedermann,
Daß er uns heut Herz, Mund und Hand
bewahr vor Sünd und Teufels Tand.

Die Zung regier mit Bescheidenheit,
Daß sie nicht anstift Herzenleid,
Die Augen halt in steter Hut,
Daß sie nicht blend der Welte Muth.

Ein rein Herz gib nach Glaubens Art,
Das allzeit schau die Gottheit zart,
Und mäßig leb, ohn falschen Wahn,
Dem stolzen Fleisch recht abzustan;

Auf daß wir all zu Nacht mit Fleiß,
Dir, Vater, sagen Ehr und Preis
Durch Christum mit viel minder Schuld
Und mit mehr deiner Gnaden Huld.

Gott Vater sei Lob, Ehr und Preis,
Darzu auch seinem Sohne weis,
Des heilgen Geistes Gütigkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Ambrosius – Hymnus beim Hahnenruf

O Ew’ger! Der das All‘ erschuf,
Der Nächte so wie Tage lenkt,
Und mild der Zeiten Wechsel schenkt,
Erhöre unsrer Herzen Ruf!

Schon schallt der Hahn im Flügelschwung,
Der in der Stille tiefer Nacht,
Ein nächtlich Licht der Pilger wacht,
Und trennt der Nächte Dämmerung.

Sein Ruf erweckt den Morgenstern,
Der nun der Pole Dunkel scheucht;
Das Heer der bösen Geister fleucht,
Vom Licht‘ geschreckt, zum Abgrund fern.

Der Schiffer athmet neuen Muth,
So wie des Tages Herold ruft,
Die See befächelt milde Luft,
Das Licht vertilgt der Sünden Fluth.

Denn Nacht und Finsterniß entweicht;
Erscheint die Sonne hell und klar;
Die Sünde, so die Nacht gebar,
Erlischt, von Gottes Licht gebleicht.

D’rum lassen wir des Lagers Flaum;
Die Schlummernden erweckt der Hahn,
Er klaget die Verläugner an,
Und gibt den Lässigen nicht Raum.

Die Hoffnung kehret: singt der Hahn,
Den Kranken kehret neues Heil,
Es birgt sich schnell des Mörders Pfeil,
Und neu erglänzt des Glaubens Bahn.

Die Schwachen sieh, o Herr! mit Huld,
Es stärke, Jesu! uns Dein Blick;
Wir sinken, lenkest Du zurück,
In Thränen sühne sich die Schuld!

Gib, unsrer Sinne Licht! Dich kund,
Entscheuch‘ den Schlummer unsrer Brust,
Und stimme, unsrer Seele Lust!
Zu Lobgesängen unsern Mund:

Daß laut er Gott den Schöpfer preis’t,
Dich Lichtglanz, der im Vater glüht,
Ein Lichtquell selbst, der ewig sprüht,
Und gleichen Gott, des Trostes Geist.

Weitere Texte des Ambrosius von Mailand in der „Glaubensstimme“

Albert, Heinrich – Gott des Himmels und der Erden

Gott des Himmels und der Erden,
Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
Der es Tag und Nacht läßt werden,
Sonn‘ und Mond uns scheinen heißt,
Dessen starke Hand die Welt
Und was drinnen ist, erhält.

2. Gott, ich danke dir von Herzen,
Daß du mich in dieser Nacht
Vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen
Hast behütet und bewacht,
Daß des bösen Feindes List
Mein nicht mächtig worden ist.

3. Laß die Nacht auch meiner Sünden
Jetzt mit dieser Nacht vergehn!
O Herr Jesu, laß mich finden
Deine Wunden offen stehn,
Da alleine Hilf‘ und Rat
Ist für meine Missetat!

4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen
Geistlich auferstehen mag
Und für meine Seele sorgen,
Daß, wenn nun dein großer Tag
Uns erscheint und dein Gericht,
Ich davor erschrecke nicht.

5. Führe mich, o Herr, und leite
Meinen Gang nach deinem Wort!
Sei und bleibe du auch heute
Mein Beschützer und mein Hort!
Nirgends als von dir allein
Kann ich recht bewahret sein.

6. Meinen Leib und meine Seele
Samt den Sinnen und Verstand,
Großer Gott, ich dir befehle
Unter deine starke Hand.
Herr, mein Schild, mein‘ Ehr‘ und Ruhm,
Nimm mich auf, dein Eigentum!

7. Deinen Engel zu mir sende,
Der des bösen Feindes Macht,
List und Anschlag von mir wende
Und mich halt in guter Acht,
Der auch endlich mich zur Ruh
Trage nach dem Himmel zu.

Alber, Erasmus – Steht auf, ihr lieben Kinderlein

1. Steht auf, ihr lieben Kinderlein!
Der Morgenstern mit hellem Schein
läßt sich frei sehen wie ein Held
und leuchtet in die ganze Welt.

2. Sei uns willkommen, schöner Stern,
du bringst uns Christus, unsern Herrn,
der unser lieber Heiland ist,
darum du hoch zu loben bist.

3. Ihr Kinder sollt bei diesem Stern
erkennen Christus, unsern Herrn,
Marien Sohn, den treuen Hort,
der uns leuchtet mit seinem Wort.

4. Gotts Wort, du bist der Morgenstern,
wir können dein gar nicht entbehrn,
du mußt uns leuchten immerdar,
sonst sitzen wir im Finstern gar.

5. Leucht uns mit deinem Glänzen klar
und Jesus Christus offenbar‘,
jag aus der Finsternis Gewalt,
daß nicht die Lieb in uns erkalt.

6. Sei uns willkommen, lieber Tag,
vor dir die Nacht nicht bleiben mag.
Leucht uns in unsre Herzen fein
mit deinem himmelischen Schein.

7. O Jesu Christ, wir warten dein,
dein heilig Wort leucht uns so fein.
Am End der Welt bleib nicht lang aus
und führ uns in deins Vaters Haus.

8. Du bist die liebe Sonne klar,
wer an dich glaubt, der ist fürwahr
ein Kind der ewgen Seligkeit,
die deinen Christen ist bereit‘.

9. Wir danken dir, wir loben dich
hier zeitlich und dort ewiglich
für deine groß Barmherzigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.