Witzstat von Wertheim, Hans – Ein Christenlich lied von der gfärlichkeyt diser welt.

Witzstat von Wertheim, Hans – Ein Christenlich lied von der gfärlichkeyt diser welt.

(Einzelner Druck durc h Hans Guldenmundt, in 8°. Münchener Bibliothek)

SO wöl wirs aber heben an
ein newes lied zusingen,
Die prophecey zeyt uns an
so kümerliche dinge,
Darinn ich treülich warnen thu,
die warheyt muß ich jehen,
es hat doch niemandts glauben dran,
biß wirs vor augen sehen.

O Got in deinem höchsten thron,
nit laß uns yetzt abschrecken
Von dem Euangelio,
thu uns vom schlaf auffwecken:
Der schlaff ist die gerechtigkeyt,
die leyt yetzund verporgen,
als uns die heylige gschrifft aneigt,
drumb steht die welt in sorgen.

Hab eben acht, auff Christum tracht,
laß dich yetz nit betriegen!
Es tringt daher mit manchem gfer,
die warheyt thut nit liegen;
Hoher gwalt ist offt zerspalt,
ist stehn in gfar und sorgen,
weyß nit, wenn kumbt des unfalls stundt
mit straff heut oder morgen.

Gedult ist noch ein Dugent hoch
kan sich in armut fügen;
Ey, ist doch ye reych niemand hie,
denn der sich last benügen;
Wo geltsucht ist, da vil geprist,
wil nicht ermessen werden,
kein rhu noch trew wont yetzundt bey,
dann geytz auff diser erden.

Byß wol benügt, was dir Gott fügt,
und thu dich selbs anschawen;
Bedenck dich recht, wie unnütz knecht
wir sein vor Gottes augen;
Groß trug und gfar den armen beschwärt,
bleybt nicht unbelonet:
als baldt nun kumbt dis todtes stund,
so wird niemands verschonet.

Wilt du bey Got dein wonung han
und seinen hymel erben,
So halt dich stets auff seiner ban,
mit Christo muß du sterben;
Du must dein hertz, es gilt kein schertz,
mit gnatzem leyb und leben,
dein hab und gut, auch syn und muth
gentzlich in Gott ergeben.

On alle forcht und zweiffels art
solst dich seins willens halten,
In frey bekennen ungespart
unnd jn darnach laß walten;
Greyffs dapffer an, du mus doch dran,
ker dich an niemants wüten,
dein creütz nit meydt, auff Christum streyt,
Got wirdt dich wol behüten!

Bracht, Adel, gwalt, sterck unnd kunst,
mag dich zu Gott nit bringen,
Es stinckt vor jm unnd ist umbsunst:
nach demut solt du ringen!
Die welt veracht, auff Christum tracht,
das macht dich frölich lauffen
auffs Heeren stra0ß all zyl und maßß
das heyst als ubel lassen.

Hast du Gott lieb und kenst sein sun,
als du dich rümbst mit worten,
So solt auch seinen willen thun
auff erd an allen orten.
Hie hilfft kein gloß, die gschrifft ist bloß,
ich kans nit anders lesen:
wilt du sein frumm, du must kurtz umb
der welt lust widerstreben.

Ja, spricht die welt, es ist nit not;
solt ich mit Christo leyden?
Er leit doch selbst für mich den todt,
nun zeyg ich auff sein kreyden:
Er zalt für mich, das selb glaub ich,
damit ist auß gerichtet!
O bruder mein, ich sprich nicht nein,
dein Creütz du nit vergisse!

Wer sein Creütz nymbt und volgt Christum nach,
thut allzeit von jm lernen,
Für den selben hat er geliten den todt,
der wirdt auch mit jm leben;
Wer an jn glaubt und ist getaufft,
den hat Christus erlöset,
und bleibt darbewy in diser zeyt,
den wil er ewig trösten!

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