Waldis, Burckardt – Psalm 110

Waldis, Burckardt – Psalm 110

Ein Weissagung vom Priesterthumb Christi, der sein volck segnen, vber alle feind herschen, Doch zuuor am Creutz sterben, aber im todt nit bleiben werde.

1. Der HERR sprach in seim höchsten thron
zu Christo, meinem HERREN,
›Du bist mein eingeborner Son,
dir gbürt die Göttlich ehre:
Drumb setz dich zu meinr rechten handt,
biß das ich leg dein feind allsandt
zum schemel deiner füsse.‹

2. Der HERR wirt dir auch auß Zion
deins Reichs das Scepter senden,
Dein wort sol sich da heben an
vnd gehn biß zur welt enden,
Daß du solt herschen gantz vnd gar
vbr alle deiner feinde schar,
daß sie jr sünde büssen.

3. Wann du wirst durch das leiden dein
den Todt vnd Sünd bekriegen,
Wirt dir dein volck gantz willig sein,
durch dich im glauben siegen;
Dir werden deine kind geborn
wie der taw kül vnd außerkorn
frü vor der Morgen Röten.

4. Der HERR geschworn hat vber dich
vnd wirt jn nicht gerewen
›Du bist ein Priester Ewiglich,
den Gottsdienst zu vernewen,
Gantz nach der weiß Melki Zedek‹,
das alt opffer muß gar hinwegk,
wann du dich selbst leßst tödten.

5. Doch wirt der HERR stedts bei dir sein
vnd stehn zu deiner rechten,
Vnd straffen mit ewiger pein
all die dir widerfechten,
Zur zeit, wann einst sein zorn ergrimmt,
die gwaltigen König hinnimbt,
wirt sie mit macht zerschmeissen.

6. Er wirt herrlich mit grossem pracht
vnder den Heyden richten,
Er wirt thun gar vil grosser schlacht
widr die so jn vernichten,
Er wirt dem Fürsten diser welt
der sich jm stedts zuwider stelt
sein hellisch reich zerreissen.

7. In schwacheyt, leiden, Creutz vnd todt
wirt Er hie zeitlich sterben,
Vnd vberwinden alle not,
all Gottes güter erben,
Vnd aufferstehn am dritten tag,
daß Er ewig Regieren mag,
ein König vbr himl vnd erden.

8. Dafür wir sagen ehr vnd lob,
daß wir den heyland haben,
Singen vnd frewen vns all drob,
dancken für solche gaben:
Wie Er vns in seim Wort bericht,
so wirs glauben vnd zweifeln nicht,
solln wir dort selig werden.

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