unbekannt – O Herre Gott

unbekannt – O Herre Gott

A. H. Z. W.

1528

Nach V. Babst Geystl. Lieder. Leipz. 1545. 8. Nr. 1. Bogen Q. S. 2-5 Die Chiffre über dem Liede nach dem angeblichen, von Serpilius eingesehen „Original“. S. dessen Prüfung des Hohensteinischen Gesangbuchs S. 497. Olearius Ev. Liederschatz I, S. 125. schließt aus einer Andeutung bei Cyr. Spangenberg Arelsspiegel II, 20, daß P. Speratus der Verfasser sein könne.

O Herre Gott,
Dein göttlich Wort
Ist lang verdunkelt blieben,
Bis durch dein Gnad
Uns ist gesagt,
Was Paulus hat geschrieben.
Und andere
Apostel mehr
Aus deim göttlichen Munde;
Das danken dir
Mit Fleiß, daß wir
Erlebet han die Stunde,

Daß es mit Macht
An Tag ist bracht,
Wie klärlich ist für Augen.
Ach Gott, mein Herr,
Erbarm dich der,
Die dich noch itzt verlaugnen
Und achten sehr
Auf Menschen Lehr,
Darin sie doch verderben.
Deins Worts Verstand
Mach ihn bekannt,
Daß sie nicht ewig sterben.

Willt du nu fein
Gut Christen sein,
So mußt du erstlich glauben,
Setz dein Vertrau,
Darauf fest bau
Hoffnung und Lieb im Glauben
Allein durch Christ
Zu aller Frist,
Dein Nächsten lieb darneben,
Das Gwissen frei,
Rein Herz dabei,
Das kein Creatur kann geben.

Allein, Herr, du
Mußt sölches thun,
Doch gar aus lautern Gnaden.
Wer sich deß tröst,
Der ist erlöst,
Und kann ihm niemand schaden.
Ob wöllten gleich
Papst, Kaiser, Reich
Sie und dein Wort vertreiben,
Ist doch ihr Macht
Gen dir nichts gacht;
Sie werdns wol lassen bleiben.

Hilf, Herre Gott,
In dieser Noth,
Daß sich die auch bekehren,
Die nichts betrachtn,
Dein Wort verachtn
Und wöllens auch nicht lehren.
Sie sprechen schlecht,
Es sei nicht recht,
Und habens nie gelesen,
Auch nie gehort
Das edle Wort.
Ists nicht ein teuflisch Wesen?

Ich gleub gwiß gar,
Daß es sei wahr,
Was Paulus uns thut schreiben:
Ehe muß geschehn,
Daß alls vergeh,
Dein göttlich Wort soll bleiben
In Ewigkeit,
Wär es auch leid
Viel hartverstockten Herzen;
Kehrn sich nicht umb,
Werden sie drumb
Leiden gar großen Schmerzen.

Gott ist mein Herr;
So bin ich der,
Dem Sterben kömmt zu gute,
Dadurch uns hast
Aus aller Last
Erlöst mit deinem Blute.
Das dank ich dir;
Drumb wirst du mir
Nach deinr Verheißung geben,
Was ich dich bitt,
Versag mirs nit
Im Tod und auch am Leben.

Herr, ich hoff je,
Du werdest die
In keiner Noth verlassen,
Die dein Wort recht
Als treue Knecht
Im Herzn und Glauben fassen;
Giebst ihn bereit
Die Seligkeit
Und läßt sie nicht verderben.
O Herr, durch dich
Bitt ich, laß mich
Fröhlich und willig sterben.

Amen.

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