Tersteegen, Gerhard – Liebster Heiland, nahe dich

Tersteegen, Gerhard – Liebster Heiland, nahe dich

1.) Liebster Heiland, nahe dich,
Meinen Grund berühre.
Und aus allem kräftiglich
Mich in dich einführe.
Dass in dich
Inniglich
Mög‘ in Liebe fassen,
Alles andre lassen!

2.) Sammle den zerstreuten Sinn,
Treuer Hirt der Seelen!
Denn wenn ich in dir nicht bin,
Muss mein Geist sich quälen.
Kreatur
Ängstet nur,
Du allein kannst geben
Ruhe, Freud’ und Leben.

3.) Mache mich von allem frei,
Gründlich abgeschieden,
Dass ich eingekehret sei
Stets in deinem Frieden,
Kindlich, rein,
Sanft und klein,
Dich in Unschuld sehe,
In dir leb’ und stehe!

4.) Menschenfreund, Immanuel,
Dich mit mir vermähle.
O du sanfter Liebesquell,
Salbe Geist und Seele,
Dass mein Will’
Sanft und still
Ohne Widerstreben
Dir sich mag ergeben!

5.) Jedermann hat seine Lust
Und sein Zeitvertreiben.
Mir sei Eines nur bewusst,
Herr, in dir zu bleiben!
Alles soll
Folgen wohl,
Wenn ich mich nur übe,
In dem Weg der Liebe.

6.) Kreaturen, bleibet fern,
Und was sonst kann stören!
Jesu, ich will schweigen gern
Und dich in dir hören.
Schaffe du
Wahre Ruh,
Wirke nach Gefallen,
Ich halt’ still in allen!

7.) Was noch flüchtig, sammle du,
Was noch stolz ist, beuge,
Was verwirret, bring zur Ruh,
Was noch hart, erweiche,
Dass in mir
Nichts hinfür
Lebe noch erscheine
Als mein Freund alleine!

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