Tersteegen, Gerhard – Du schönstes Gotteskind

Tersteegen, Gerhard – Du schönstes Gotteskind

1.) Du schönstes Gotteskind,
Das in der Krippe lieget,
In dem Gott selber sich
Von Ewigkeit vergnüget,
Du wirst geschenket mir,
O wundergroße Gnad‘!
Der Vater schenkt mir so
Das Liebste, das er hat.

2.) Ich wurde Gottes Feind,
Ein Höllenkind, geboren,
Die Gnade war verscherzt,
Und meine Seel‘ verloren,
Doch Gott vergisst der Sünd‘
Und mir sein Herze gibt
In dir, du Himmelskind:
Also hat Gott geliebt!

3.) Ich lief verirret hin
Durch Sündenlust verblendet
Auf jenem breiten Weg,
Der ins Verderben endet,
Da schickt‘ Gott seinen Sohn,
Weil ihm sein Herze brach,
Aus unverdienter Treu
Mir armem Schäflein nach.

4.) Das schöne Gottesbild
Der Unschuld war verdorben,
Ich war ein Sündenaas
An Tugenden erstorben.
Mein Kind, du Gottesbild,
Präg dich ins Herz mir ein,
Dies ist nur Heiligkeit,
In dich verbildet sein!

5.) Es war das Paradies
In meinem Grund verblichen,
Ich lebt‘ in Angst und Pein,
Der Friede war gewichen.
Doch deine Kreuzgeburt,
Du Paradieseskind,
Macht, dass ich Gottes Reich
Im Geiste wieder find‘.

6.) Gott war mir fremd und fern
Mit seinem Liebeleben,
Mein Herze war der Welt
Und Kreatur ergeben.
In dir, Immanuel,
Wird Gott und Mensch gemein,
In dir soll nun mein Herz
Mit Gott vereinigt sein.

7.) Gedenk doch, meine Seel‘,
Also hat Gott geliebet,
Dass er den einigen
Und liebsten Sohn dir gibet!
Du große Gottesgab‘,
Der Liebe Pfand und Band,
Ich nehm‘ dich willig an
Aus deines Vaters Hand.

8.) Ich bück‘ zur Krippe mich,
Dich innigst zu umfassen,
Ich will die Kreatur
Und alles willig lassen.
Du teure Perle du,
Wer dich erkennt und liebt,
Sich selbst und was er hat,
Für dieses Kleinod gibt.

9.) So komm denn, süßes Kind,
Du Heiland meiner Seelen!
Ich will mich ewig dir
Verbinden und vermählen.
Da nimm mein Herz dir hin
Und gib dein Herze mir,
Dass meine Liebe sich
In deiner Lieb‘ verlier‘!

10.) Ich weiß, du Gotteskind,
Du willst im Stalle liegen,
Die Hoheit muss hinaus
Und alles Weltvergnügen.
Ein arm‘, geringes Herz,
Das ausgeleert und klein,
Soll deine Krippe nur
Und ew’ge Wohnung sein.

11.) Bereite mich denn selbst,
Und mach mich auch zum Kinde,
Dass ich im Herzen dich
Und ew’ges Leben finde.
Mach in dem Stall allhier
Mich deiner Kindheit gleich,
Bis ich einst, wie ein Kind,
Erlang‘ dein Himmelreich!

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