Gerhardt, Paul – Ich grüße dich, du frömmster Mann

1. Ich grüße dich, du frömmster Mann,
Der herzlich gern vergibet.
Wie herzlich weh wird dir getan,
Wie wird dein Leib betrübet!
Es grüßet dich mein ganzer Geist,
Du meines Heilands Seite,
Du edler Quell, aus welchem fleußt
Das Blut, das so viel Leute
Von ihren Sünden wäschet.

2. Ich mach, Herr Jesu, mich zu dir,
Ach halt mir’s ja zugute,
Und laß mich suchen Trost für mir
In deiner Wunden Blute.
Du werte Wunde, sei gegrüßt,
Du weites Tor der Gnaden,
Daraus sich Blut und Wasser gießt,
Und da all unsern Schaden
Kann abgeholfen werden.

3. Du reuchst mir süßer als der Wein
Und heilst die Gift der Schlangen,
Du flößest mir das Leben ein
Und stillst des Dursts Verlangen.
Eröffne dich, du liebe Wund,
Und laß mein Herze trinken;
Ist’s müglich, laß mich gar zu Grund
In dir gehn und versinken,
So werd ich mich recht laben.

4. Mein Mund streckt sich mit aller Kraft,
Damit er dich berühre
Und ich den teuren Lebessaft
Im Mark und Beinen spüre.
Ach wie so süße bist du doch,
Herr Jesu, meinem Herzen!
Wer dich recht liebt, dem wird das Joch
Der bittern Todesschmerzen
Gleich als wie lauter Zucker.

5. Verbirge mich und schleuß mich ein
In deiner Seiten Höhle!
Hier laß mich still und sicher sein,
Hier wärme meine Seele,
Wann mich der kalte Tod befällt;
Nach mir und meinem Geiste stellt,
So laß in deiner Treue
Mich dann fein ruhig bleiben

Grafe, Hermann Heinrich – Du, unser Haupt, Herr Jesus Christ

1. Du, unser Haupt, Herr Jesu Christ,
der du gern bei den Deinen bist,
bleib stets in unsrer Mitte!
Belebe uns durch deine Kraft,
die neue Herzen in uns schafft,
erhöre unsre Bitte,
dass wir ganz dir
uns ergeben und dein Leben
uns durchdringe,
näher deinem Bilde bringe.

2. Der du zur Rechten Gottes thronst
und auch in unsern Herzen wohnst,
du hast den Sieg errungen;
den Satan und sein ganzes Reich,
die Hölle und den Tod zugleich
hast du am Kreuz bezwungen.
Herr, stärk dein Werk
in uns allen, dass wir wallen
deine Wege,
was uns auch begegnen möge!

3. Wir rühmen deine Liebe laut
als deine auserkorne Braut
im freudigen Vertrauen,
dass sie uns stets verbunden hält
mit dir und lös uns von der Welt,
dass wir dich können schauen —
ganz eins, dass keins
deiner Glieder jemals wieder
von dir scheide!
Das ist unsres Herzens Freude.

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Gerhardt, Paul – Gegrüßet seist du, meine Kron

1. Gegrüßet seist du, meine Kron,
Und König aller Frommen,
Der du zum Trost von deinem Thron
Uns armen Sündern kommen.
O wahrer Mensch, o wahrer Gott,
Ein Helfer, voller Hohn und Spott,
Den du doch nicht verschuldest!
Ach wie so arm, wie nackt uns bloß
Hängst du am Kreuz, wie schwer und groß
Ist dein Schmerz, den du duldest!

2. Es fleußet deines Blutes Bach
Mit ganzem vollen Haufen,
Dein Leib ist dir mit Ungemach
Ganz durch und durch belaufen.
O ungeschränkte Majestät,
Wie kömmt’s, daß dir’s so kläglich geht?
Das macht dein Huld und Treue.
Wer dankt dir des? Wo ist der Mann,
Der sich, wie du für uns getan,
Vor dir zu sterben freue?

3. Was soll ich dir doch immermehr,
Mein Liebster, dafür geben,
Daß dein Herz sich so hoch und sehr
Bemüht hat um mein Leben?
Du rettest mich durch deinen Tod
Von mehr als eines Todes Not
Und machst mich sicher wohnen.
Laß Höll und Teufel böse sein:
Was schadt’s? Sie müssen dannoch mein
Und meiner Seelen schonen.

4. Für großer Lieb und heil’ger Lust,
Damit du mich erfüllet,
Drück ich dich an mein Herz und Brust,
So wird mein Leid gestillet,
Das deinen Augen wohl bekannt.
Und das ist dir ja keine Schand,
Ein krankes Herz zu laben.
Ach bleib mir hold und gutes Muts,
Bis mich die Ströme deines Bluts
Ganz rein gewaschen haben.

5. Sei du mein Schatz und höchste Freud,
Ich will dein Diener bleiben,
Und deines Kreuzes Herzeleid
Will ich in mein Herz schreiben.
Verleihe du mir Kraft und Macht,
Damit, was ich bei mir bedacht,
Ich mög ins Werk auch setzen;
So wirst du, Schönster, meinen Sinn
Und alles, was ich hab und bin,
Ohn‘ Unterlaß ergötzen.

Gigas, Johann – Ein Gebetlein

nach 1555

Ich armer Mensche gar nichts bin,
Gotts Sohn allein ist mein Gewinn.
Daß er Mensch worden, ist mein Trost,
Und hat mich durch sein Blut erlost.
O Gott Vater, regier du mich
Mit deinem Geiste stetiglich.
Laß deinen Sohn, mein Trost und Leben,
Allzeit in meinem Herzen schweben.
Und wann die Stund vorhanden ist,
Nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ.
Denn du bist mein und ich bin dein;
Wie gern wollt ich bald bei dir sein.
Amen.

Mützell – Geistliche Lieder der evangelischen Kirche aus dem sechszehnten Jahrhundert
Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Gellert, Christian Fürchtegott – Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen.

3. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

6. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.

7. Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

8. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

9. Unendlich Glück! Du littest uns zugute.
Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.
Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,
am Kreuz erworben.

10. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Gellert, Christian Fürchtegott – Jesus lebt, mit ihm auch ich!

1. Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht,
das ist meine Zuversicht.

2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

3. Jesus lebt! Wer nun verzagt,
lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt,
dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht;
dies ist meine Zuversicht.

4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein,
sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein
und den Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht;
dies ist meine Zuversicht.

5. Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht;
dies ist meine Zuversicht.

6. Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
Herr, Herr, meine Zuversicht!

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Gellert, Christian Fürchtegott – Jesus lebt, wie froh bin ich

1. Jesus lebt wie froh bin ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Jesus lebt, er kann auch mich
bald zu neuem Leben wecken,
führt aus Gnaden mich zum Licht
– das ist meine Zuversicht.

2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm soll auch ich zugleich
einstens herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
das ist meine Zuversicht

3. Jesus lebt! Ich bin gewiss,
nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
das ist meine Zuversicht.

4. Jesus lebt! Nun ist sein Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
Herr, Herr, meine Zuversicht!

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Gesenius, Justus – Wenn meine Sünd mich kränken

1.Wenn meine Sünd mich kränken,
o mein Herr Jesu Christ,
so lass mich wohl bedenken,
wie du gestorben bist
und alle meine Schuldenlast
am Stamm des heilgen Kreuzes
auf dich genommen hast.

2.O Wunder ohne Maßen,
wenn man’s betrachtet recht:
es hat sich martern lassen
der Herr für seinen Knecht,
es hat sich selbst der wahre Gott
für mich verlornen Menschen
gegeben in den Tod.

3.Was kann mir denn nun schaden
der Sünden große Zahl?
Ich bin bei Gott in Gnaden,
die Schuld ist allzumal
bezahlt durch Christi teures Blut,
dass ich nicht mehr darf fürchten
der Höllen Qual und Glut.

4.Drum sag ich dir von Herzen
jetzt und mein Leben lang
für deine Pein und Schmerzen,
o Jesu, Lob und Dank,
für deine Not und Angstgeschrei,
für dein unschuldig Sterben,
für deine Lieb und Treu.

5.Herr, lass dein heilig Leiden
mich reizen für und für,
mit allem Ernst zu meiden
die sündliche Begier,
dass mir nie komme aus dem Sinn,
wie viel es dich gekostet,
dass ich erlöset bin.

6.Mein Kreuz und meine Plagen,
sollt’s auch sein Schmach und Spott,
hilf mir geduldig tragen;
gib, o mein Herr und Gott,
dass ich verleugne diese Welt
und folge dem Exempel,
das du mir vorgestellt.

7.Lass mich an Andern üben,
was du an mir getan,
und meinen Nächsten lieben,
gern dienen jedermann
ohn Eigennutz und Heuchelschein
und, wie du mir erwiesen,
aus reiner Lieb allein.

8.Lass endlich deine Wunden
mich trösten kräftiglich
in meiner letzten Stunden
und des versichern mich:
weil ich auf dein Verdienst nur trau,
du werdest mich annehmen,
dass ich dich ewig schau.

Franck, Salomo – Die dunkle Nacht ist nun vergangen

[Mel. Wer nur den lieben Gott.]
Gedruckt 1685

Die dunkle Nacht ist nun vergangen,
Die güldne Sonne bricht herfür,
Komm, liebster Jesu, mein Verlangen,
Mein Licht, und meine schönste Zier!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Erleucht mein verdüstert Herze,
Bleib doch in mir mit deiner Treu,
Damit mein Herz die reine Kerze
Vor deines Geistes Flamme sei!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Vertreib den Nebel meiner Sünden,
Herr Jesu, meines Lebens Licht!
Mein Heiland, laß mich Gnade finden,
Und zeige mir dein Angesicht!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Laß doch den Thau des Segens fließen
Auf meiner Seele dürres Land!
Laß hier die Tugendblumen sprießen,
Und baue mich mit deiner Hand!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Mein Jesu, lenke meine Sinnen,
Sei meine Sonne, meine Zier!
Mein Heiland, segne mein Beginnen,
Mein Schild und Hort, bleib stets bei mir!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Hilf, daß ich deinen Ruhm besinge;
Hilf, daß mein Geist ein Adler sei,
Der sich zu dir durch Glauben schwinge;
Herr, stehe mir in Allem bei!
Ich werde nur durch dich erfreut,
Du Sonne der Gerechtigkeit!

Schauer – Salomo Francks geistliche Lieder

Eber, Paul – Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott

Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott,
der du littst Marter, Angst und Spott,
Für mich am Kreuz auch endlich starbst
und mir deins Vaters Huld erwarbst:
Ich bitt durch bitter Leiden dein,
du wollst mir Sünder gnädig sein!

Wenn ich nun komm in Sterbens not
und ringen werde mit dem Tod,
Wenn mir vergeht all mein Gesicht
und meine Ohren hören nicht,
Wenn meine Zunge nichts mehr spricht
und mir vor Angst mein Herz zerbricht,

Wenn mein Verstand sich nicht versinnt
und mir all menschlich Hilf zerrinnt:
So komm, Herr Christe, mir behend
zu Hilf an meinem letzten End
Und führ mich aus dem Jammerthal,
verkürzt mir auch des Todes Qual!

Die bösen Geister von mir treib,
mit deinem Geist stets bei mir bleib,
Bis sich die Seel vom Leib abwend,
so nimm sie, Herr, in deine Händ!
Der Leib hab in der Erd sein Ruh,
bis sich der Jüngst Tag naht herzu.

Ein fröhlich Urständ mir verleih,
am jüngsten Gricht mein Fürsprech sei
Und meiner Sünd nicht mehr gedenk,
aus Gnaden mir das Leben schenck,
Wie du hast zugesaget mir
in deinem Wort, das trau ich dir:

Fürwahr, Fürwahr, euch sage ich:
wer mein Wort hält und glaubt an mich,
Der wird nicht kommen ins Gericht
und den Tod ewig schmecken nicht,
Und ob er schon hier zeitlich stirbt,
mitnichten er drum gar verdirbt!

Sondern ich will mit starker Hand
ihn reißen aus des Todes Band
Und zu mir nehmen in mein Reich,
da soll er dann mit mir zugleich
In Freuden leben ewiglich!
dazu hilf uns ja gnädiglich!

Ach Herr, vergib all unser Schuld!
hilf, daß wir warten mit Geduld
Bis unser Stündlein kommt herbei,
auch unser Glaub stets wacker sei,
Deim Wort zu trauen festiglich,
bis wir entschlafen seliglich!