Klopstock, G. – Der du stets unsre zuflucht bist

Der du stets unsre zuflucht bist,
Sey mit den deinen, Jesu Christ!
Send uns den geist, der uns regiert,
Und uns den weg zur wahrheit führt.

Er stärke den wankenden verstand,
Macht deine lehre uns bekannt;
Er flammt zur heiligkeit uns an:
Er leitet uns auf rechter bahn.

Halleluja! einst singen wir,
Gott, heilig! heilig! heilig! dir,
Und schauen dich, in deinem licht,
Von angesicht zu angesicht.

Neue Sammlung geistlicher auserlesener Lieder
Johann Theodor Künneth
Bayreuth,
Des Johann Andreas Lübecks Erben und Senfftische Gebrüdere.
1799

unbekannt – Veni creator spiritus

KUmm hailiger gayst, Gott schöpffer,
such haym die gmutt deiner diener,
Erfüll mitt deiner gnaden glast
die hertzen, die erschaffen hast!

Der du, tröster hayliger gayst,
des höchsten Gottes gabe hayst,
Ain brunn des lebens, lieb und fewr,
die gaystlich salbung Gottes thewr.

Dein gab auch sibenfältig ist,
der ghrechten Gottes Finger bist,
Du machst die kelen reden süß
durchs vatters wort, das er verhieß.

Zünd an dein liecht in unserm synn,
dz unser hertz vor liebe brinn!
Die schwachait unsers leibs du merck,
mit deiner krafft ewigklich sterck!

Treyb den feynd weyt von uns hindan
und gib uns den frid von stundan
Unnd für uns durch dein gnad unnd huld,
das wir vermeyden alle schuld.

Gib uns der frewden globten lon,
gib uns der gnaden gaben schon!
Zerreiß des haders hand in grund,
verbind mit uns den frides bund!

Gib uns, das wir erkennen nun
durch dich den vatter und den sun
Und dich, der bayder gayst, glauben
zu aller zeyt ain Gott, Amen!

Quelle

Arndt, Ernst Moritz – Gottes Geist

(1854)

O Gottes Geist und Christi Geist,
Der uns den Weg zum Himmel weist,
Der uns die dunkle Erdennacht
Durch seine Lichter heller macht.

Du Hauch, der durch das Weltall weht
Als Gottes stille Majestät,
Du aller Lichter reinstes Licht,
Erleucht uns Herz und Angesicht.

Komm, leuchte mit dem Gnadenschein
Hell in die weite Welt hinein,
Komm, mach uns in der Finsterniß
Des lichten Himmelwegs gewiß.

Ach, hier ist Alles Staub und Nacht,
Die Wahn und Sünde trübe macht;
Ach, hier ist Alles Noth und Tod,
Geht uns nicht auf dein Morgenroth.

Das Morgenroth der bessern Welt,
Das wie ein Strahl vom Himmel fällt,
Als Gottes Macht und Gottes Lust
Durchblitzt die kranke Menschenbrust.

O Gottes Geist und Christi Geist,
Der uns wie Kinder beten heißt,
Der uns wie Kinder glauben heißt,
O komm! o komm, du heilger Geist!

Komm, Gottes Frieden, Gottes Muth!
Komm, stille Kraft die nimmer ruht!
Komm, gieße deinen Gnadenschein
In Seele Sinn und Herz mir ein:

Dann wandl‘ ich wie ein Kind des Lichts,
Im Glanze deines Angesichts
Schon meinen kurzen Erdenlauf
Stets himmelein und himmelauf.

Ernst Moritz Arndt,
ein Zeuge für den evangelischen Glauben
Albrecht Wolters,
Pfarrer zu Bonn.
Elberfeld
Druck und Verlag der Bädeker’schen Buch- und Kunsthandlung
(A. Martini und Brüttesien)
1860

unbekannt – Gott ist mein Heil

HErtzlich lieb hab ich dich, mein Gott,
mein Hort, auff den ich trawe,
Vnd mein Erretter in der not,
mein Fels, darauff ich bawe:
Mein Sterck vnd Burg allein du bist,
darauff ich mich verlasse,
Mein Schild und Schutz dein Wort mir ist,
welchs ich im glauben fasse.

Gott ist mein Heil und Lebens krafft,
mein Horn, darauff ich trotze,
Sein Gnaden wort mein sterck vnd safft,
mein hoffnung ich drauf setze.
Gott ist mein Schatz vnd Glaubens liecht,
mein hülff vnd trost alleine,
Meins hertzen freud vnd zuuersicht,
der Welt gunst acht ich kleine.

HErr Gott hilff mir, das ich dich kan
von hertzen Vater nennen,
Vnd Christum, deinen lieben Son,
im glauben recht erkennen,
Das sein Blut mich vom Tod erlost,
mir bracht das ewig Leben.
HErr Jhesu Christ, dein hülff vnd trost
mir allzeit wollest geben.

Gott heilger Geist, dein gnad verley,
das ich dis wort behalte,
Das mein glaub nicht sey Heucheley,
die lieb auch nicht erkalte.
Gott, du heilge Dreyfaltigkeit,
dein krafft mich wöll bewaren,
Vnd sterck meins Fleisches blödigkeit,
wenn ich von hinn sol fahren.

Wackernagel – Kirchenlied

Zwick, Johannes – Herr Gott, dein Treu mit Gnaden leist

1.) Herr Gott, dein Treu mit Gnaden leist‘
Und send herab den Heil’gen Geist,
Der uns die Wahrheit lehre
Und gib Verstand, Gemüt und Herz,
Dass uns dein Wort nicht sei ein Scherz,
Ja, ganz zu dir bekehre.

2.) Und mach uns, o Herr, stets bereit.
Wir wissen nicht, zu welcher Zeit,
Auch nicht, wie viel der Tagen.
Zucht, Glauben, Frieden, Lieb‘ und Treu
Lehr uns dein Geist und mach uns neu,
Das woll‘ er nicht versagen.

3.) Er b’hüt allzeit vor falscher Lehr‘,
Der bösen Welt auch gänzlich wehr‘,
Damit sie uns nicht blende.
Er geb‘ uns sein‘ Barmherzigkeit,
Zeig uns dadurch die Seligkeit
Und helf mit Gnad‘ zum Ende.

Tersteegen, Gerhard – Komm, Heilger Geist, komm niederwärts

1.) Komm, Heilger Geist, komm niederwärts,
Schieß in mein kalt und finster Herz
Dein’n hellen Lichts- und Liebestrahl
Bereit mein Herz zu deinem Saal!

2.) Du wahrer Armenvater fromm,
Du Geber guter Gaben, komm,
Komm, Licht der Herzen, komm herein,
Leit mich in alle Wahrheit ein!

3.) Komm, Tröster derer, die betrübt,
Du süßer Gast der’r, die verliebt,
Du sanfte Kühlung solcher, die
In Kreuz und Leiden schwitzen hie!

4.) In Müh und Unruh gibst du Ruh,
Die größte Hitze linderst du,
Selbst wenn das Aug in Tränen fließt,
Das Herz oft deinen Trost genießt.

5.) O du höchst selig’s Gottheitslicht,
Ach, lass mich ja im Finstern nicht.
Mit deiner Glut, mit deinem Glanz
Mein Innerstes erfülle ganz!

6.) Mein Herz ohn dich und deine Gnad
Kein Leben, Kraft noch Tugend hat.
So tief die Sünde in mir steckt,
Dass Leib und Seel und Geist befleckt.

7.) Drum wasche, was besudelt, doch,
Befeuchte, was so dürre noch,
Und was in mir möcht sein verwund’t,
Das mach, o Salböl, recht gesund!

8.) Mach mild und weich, was steif und hart,
Erwärme, was vor Kält erstarrt,
Was irgend möchte sein verirrt,
Das führ zurecht, getreuer Hirt!

9.) Schenk uns, dein’m armen Häufelein,
Die in dich trauen nur allein,
Ins Herz die heilge Siebenzahl
Dein’r hohen Gaben allzumal.

10.) Gib Gnade, Tugend, Heiligkeit
Und endlich nach vollbrachtem Streit
Die volle Seligkeit dazu
In ew’ger Glorie, Freud und Ruh!

unbekannt – Der Köning in dem Hemmele

Die Königin des Hemmels Christlick vorandert.

Enchiridion Geistliker Gesenge unde Leder rc. Lübeck M.D.LVI

DEr Köning in dem Hemmele,
fröwet juw up erden,
Is am Crutze gestoruen
undt hefft genade verworuen
jegen Godt vor uns, alleluia!

Vam Dode wedder upgestanden,
den Viant gefangen,
Ewigen frede gehalte,
der sünden schult betalet
jegen Godt vor uns, alleluia!

Van Maria minsche baren,
tho Hemmel gefaren,
Unde sit tho der rechten bym Vader
unde stillet unsen hader,
jegen Godt vor uns, Alleluja!

Syn Hilligen Geist sande he uns wedder
vam Hemmel hernedder,
Den Tröster, vam Vader vorlenet,
– – – – – – – –
jegen Godt vor uns, Alleluia!

Neander, Joachim – Komm o komm Du Geist des Lebens

Komm, o komm, Du Geist des Lebens,
Wahrer Gott von Ewigkeit!
Deine Kraft sei nicht vergebens,
Sie erfüll uns jederzeit:
So wird Geist, ja Licht und Schein
In dem dunkeln Herzen sein.

Gieb in unser Herz und Sinnen
Weisheit, Rath, Verstand und Zucht,
Daß wir Andres nicht beginnen,
Denn was nur Dein Wille sucht;
Dein Erkenntniß werde groß
Und mach uns vom Irrthum los!

Zeige, Herr, die Wohlfahrtsstege!
Führ uns auf der rechten Bahn,
Räume alles aus dem Wege
Was im Lauf uns hindern kann.
Wirke Reu‘ an Sünden Statt,
Wenn der Fuß gestrauchelt hat!

Laß uns stets Dein Zeugniß fühlen,
Daß wir Gottes Kinder sind,
Die auf Ihn alleine zielen,
Wann sich Noth und Drangsal find’t!
Denn des Vaters Liebesruth‘
Ist uns allewege gut.

Reiz uns, daß wir zu Ihm treten
Frei, mit aller Freudigkeit;
Seufz auch in uns, wann wir beten,
Und vertritt uns allezeit:
So wird unsre Bitt‘ erhört
Und die Zuversicht vermehrt.

Wird uns dann um Trost auch bange,
Daß das Herz oft rufen muß:
Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange!
Ei, so mache den Beschluß;
Sprich der Seele tröstlich zu,
Und gieb Muth, Geduld und Ruh‘!

O Du Geist der Kraft und Stärke,
Du gewisser neuer Geist,
Fördre in uns Deine Werke,
Wenn der Feind uns fliehen heißt;
Schenk uns Waffen in dem Krieg,
Und erhalt in uns den Sieg!

Herr, bewahr auch unsern Glauben,
Daß kein Teufel, Tod, noch Spott
Uns denselben möge rauben;
Du bist unser Schutz und Gott!
Sagt das Fleisch gleich immer nein,
Laß Dein Wort gewisser sein!

Wann wir endlich sollen sterben,
So versichre uns je mehr
Als des Himmelreiches Erben
Jener Herrlichkeit und Ehr‘,
Die Gott giebt durch Jesum Christ,
Und nicht auszusprechen ist.

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Hermann, Nikolaus – Christ fuhr gen Himmel.

Christ fuhr gen Himmele,
Was sandt er uns herwiedere?
Seinen heiligen Geist
Zu Trost der armen Christenheit.
Kyrieleis.

Er sitzt zus Vaters Rechten,
Da theilt er aus sein Knechten
Seines Geists Gab und Gnad,
Daß uns kein Sünd noch Teufel schad.
Kyrieleis.

Von dannen wird er kommen,
Zu richten Bös und Frommen
Herrlich mit großer Gwalt,
Wie er auffuhr in solcher Gstalt.
Kyrieleis.

Auf sein Zukunft wir hoffen,
Die Zeit ist schier verloffen,
Der jüngste Tag ist nicht weit,
Des freut sich alle Christenheit.
Kyrieleis.

Amen.

Ledderhose – Nikolaus Hermans und Johannes Mathesius geistliche Lieder