Mentzer, Johann – Du gehest in den Garten beten

1. Du gehest in den Garten beten,
Mein treuster Jesu, nimm mich mit.
Laß mich an deine Seite treten,
Ich weiche von dir keinen Schritt,
Ich will an dir, meim Lehrer, sehn,
Wie mein Gebete soll geschehn.

2. Du gehst mit Zittern, Zagen, Klagen
Und bist bis in den Tod betrübt.
Ach dies soll mir ans Herze schlagen,
Daß mir die Sünde so beliebt;
Drum willst du, daß ein Herz voll Reu
Mein Anfang zum Gebete sei.

3. Du reißest dich von allen Leuten,
Du suchst die stille Einsamkeit;
So muß auch ich mich wohl bereiten
Und fliehen, was mein Herz zerstreut.
Zeuch mich von aller Welt allein,
Daß nur wir zwei beisammen sein.

4. Du knieest und wirfst dich zur Erden,
Du fällest auf dein Angesicht;
So muß die Demut sich gebärden,
Drum bläh ich Staub und Asch mich nicht.
Ich lieg und schmiege mich mit dir
Als wie das ärmste Würmchen hier.

5. Du betest zu dem lieben Vater,
Rufst Abba, Abba wie ein Kind;
Dein Vater ist auch mein Berater,
Sein Vaterherz ist treu gesinnt.
Ich halte mich getrost an dich
Und rufe: Abba, höre mich.

6. Du greifst voll Zuversicht und Liebe
Dem Vater tief ins weiche Herz
Und schreist aus tiefstem Herzenstriebe;
Mein, mein, mein Abba himmelwärts.
Ach Glaub und Liebe sind mir not,
Sonst ist mein Beten alles tot.

7. Wie kläglich trägst du deinen Jammer
Dem höchsterzürnten Vater für!
Du klopfst mit einem starken Hammer
Um Rettung an die Gnadentür;
So klag ich auch, was mich nur quält,
Und bitt um alles, was mir fehlt.

8. Geduldigs Lamm, wie hältst du stille
Und im Gebete dreimal an!
Dabei ist auch für mich dein Wille,
Daß ich soll tun, wie du getan.
Gott hilft nicht stets aufs erste Mal,
Drauf wein und schrei ich ohne Zahl.

9. Dein Wille senkt sich in den Willen
Des allerliebsten Vaters ein;
Darein muß ich mich auch verhüllen,
Dafern ich will erhöret sein.
Drum bet ich in Gelassenheit:
Was mein Gott will, gescheh allzeit.

10. Obgleich die Jünger dein vergessen,
Gedenkst du doch getreu an sie;
Und da dich alle Martern pressen,
Sorgst du für sie mit höchster Müh.
Mein Beten bleibet ohne Frucht,
Wenn es des Nächsten Heil nicht sucht.

11. Nun du erlangest auf dein Flehen
Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit;
Damit hast du auf mich gesehen,
Daß ich zur angenehmen Zeit
Auf ernstlichs Beten freudenvoll
Dergleichen Segen ernten soll.

12. Mein Jesu, hilf mir stets so beten,
Wie dein Exempel mich es lehrt,
So kann ich frei zum Vater treten
Und werde von ihms stets erhört,
So bet ich mich zum Himmel ein
Und will dir ewig dankbar sein.

Hiller, Philipp Friedrich – Kinder Gottes, laßt uns beten

Mel.: Werde munter, mein Gemüthe.

1.
Kinder Gottes, laßt uns beten, Denn der HErr befiehlt es uns,
Und Sein Geist will uns vertreten Bei der Schwachheit unsers Thuns.
Fleh’n nur zwei nach Seinem Sinn, Ist Er selbst doch mitten inn’,
Und es soll gewiß das Flehen Niemals unerhört geschehen.

2.
Jesu, stärke uns den Glauben; Vater, gib uns Christi Geist;
Laß uns nicht des Worts berauben, Das ein Wort des Lebens heißt;
In dem Kämpfen gib Geduld, In der Welt Haß Deine Huld,
In Versuchung Schild und Waffen, Und Erlösung in den Strafen.

3.
Wächst schon Noth und Drangsal täglich, Mach uns nur vom Argen frei,
Und die Hoffnung unbeweglich, Daß der Himmel unser sei;
Laß nur uns’re Kleider rein In dem Blut des Lammes sein;
Daß wir uns gewürdigt sehen, Vor des Menschen Sohn zu stehen.

Hiller, Philipp Friedrich – Seele, freu’ dich, du darfst nun

Mel.: Jesus meine Zuversicht.

1.
Seele, freu’ dich, du darfst nun In dem Namen Jesu beten;
Er heißt selbst dich solches thun, Und als Kind zum Vater treten.
Fasse Ihn bei Seinem Wort, Glaube, bete, danke fort.

2.
O der fühlt schon ein Gericht, Wer nicht darf zum Vater gehen;
In der Hölle darf man nicht Um ein Tröpflein Wasser flehen;
Und wer nicht glaubt an den Sohn, Hat kein Recht zum Gnadenthron.

3.
Was auf Dich gebetet ist, Kann der Vater nicht versagen,
Weil Du, Jesu, bei Ihm bist, Und Dein Blut hast eingetragen;
Ja Du legst Dein Vorwort ein, Weil Du unser, und wir Dein.

4.
Jesu, dafür danke ich, Daß ich darf mein Herz ausschütten,
Und um alles Heil für mich Dein’ und meinen Vater bitten.
Bring’ mich zu Dir, wo ich dann Statt des Flehens loben kann.

Huberinus, Caspar – Herr Gott, Vater im Himmelreich

1. Herr Gott, Vater im Himmelreich,
wir deine Kinder allzugleich,
bitten dich jetzt aus Herzensgrund:
Speis uns alle zu dieser Stund.

2. Tu auf dein reiche, milde Hand,
behüt uns Herr, vor Sünd und Schand
und gib uns Fried und Einigkeit,
bewahr uns auch vor teurer Zeit,

3. damit wir leben seliglich,
dein Reich besitzen ewiglich
in unsres Herrn Christ Namen.
Wer das begehrt, der sprech Amen.

Gerhardt, Paul – Herr, höre, was mein Mund

1. HErr, höre, was mein Mund
aus innerm Herzensgrund
ohn alle Falschheit spricht,
Wend, HErr, dein Angesicht,
Vernimm meine Bitte!

2. Ich bitte nicht um Gut,
das auf der Welt beruht,
Auch endlich mt der Welt
bricht und zu Boden fällt
Und mag gar nicht retten.

3. Der Schatz, den ich begehr,
ist deine Gnad, o HErr,
Die Gnade, die dein Sohn,
mein Heil und Gnadenthron,
Mir sterbend erworben.

4. Du bist rein und gerecht,
Ich bin ein böser Knecht,
ich bib in Sündentot,
Du bist der fromme GOtt,
der Sünde vergibet.

5. Laß deine Frömmigkeit
sein meinen Trost und Freud,
Laß über meine Schuld
dein edle Lieb und Huld
sich reichlich ergießen.

6. Betrachte, wer ich bin,
im Huf fahr ich dahin,
zerbrechlich wie ein Glas.
Vergänglich wie ein Gras,
ein Wind kann mich fällen.

7. Willst du nichts sehen an
als was ein Mensch getan,
So wird kein Menschenkind
von wegen seiner Sünd
im Himmel bestehen.

8. Sieh an, wie Jesus Christ
für mich gegeben ist,
Der hat, was ich nicht kann,
Erfüllt und genug getan
in Leben und im Leiden.

9. Du liebest Reu und Schmerz,
schau her, hier ist mein Herz,
Das seine Sünd erkennt
und wie ein Feuer brennt
vor Angst, Leid und Sorgen.

10. Ich lechze wie ein Land,
dem deine milde Hand
Den Regen lang entfleucht,
bis Saft und Kraft entweicht
und alles verdorret.

11. Gleich wie auch auf der Heid
ein Hirsch begehrlich schreit
nach frischem Wasserquell,
So ruf ich laut und hell
nach dir, o mein Leben.

12. Erquicke mein Gebein,
Gießt Trost undLobsal ein
und sprich mir freundlich zu,
Daß meine Seele ruh
im Schloß deiner Liebe.

13. Gib mir getrosten Mut,
wenn meiner Sünden Flut
aufsteiget in die Höh,
Ersäuf all Angst und Weh
im Meer deiner Gnaden.

14. Treib weg den bösen Feind,
der mich zu stürzen meint,
Du bist mein Hirt, und ich
will bleiben ewiglich
ein Schaf deiner Weide.

15. So lang auf dieser Erd
ich Atem holen werd,
O HErr, so will ich dein
und seines Willens sein
gehorsamer Diener.

16. Ich will dir dankbar sein,
Doch ist mein Können klein,
allein in deiner Kraft,
Die Tin und Wollen schafft,
steht all mein Vermögen.

17. Drum sende deine Geist,
der deinen Kindern weist
den Weg, der dir gefällt:
Wer den bewahrt und hält,
wird nimmermehr fehlen.

18. Ich richte mich nach dir,
du sollst mir gehen für.
Du sollst mir schließen auf
die Bahn im Tugendlauf,
Ich will treulich folgen.

19. Und wann des Himmels Pfort
Ich werd ergreifen dort,
So will im Engelheer
Ich ewig deiner Ehr
in Freuden lobsingen.

Eber, Paul – Ein Gebet in Todesnöthen

(766 Geistliche Psalmen rc. Nürnberg M.DC. VII, in 8°, Seite 867)

O HERR, biß du mein Zuversicht,
so mein Mund kein Wort nimmer spricht!
Ja, so die Ohren nicht mehr hörn,
durch deinen Geist thu du mich lehrn!

HErr, biß mein Stärck, mein Felß und Trost,
so mir der Tod an mein Hertz stost,
Dadurch sich meine Augen wenden!
stehe mir bey und hilff mir enden!

HERR, meinen Geist befehl ich dir!
dein gnedig Angesicht wend zu mir!
Durch dein bitter Leiden und Sterben
laß mich in keiner Sünd verderben,

Die mir der feind so groß thut machen,
o HErr, reiß mich auß seinem Rachen
Und leg das tröstlich Wort auff mich
deiner Versöhnung, bitt ich dich!

Laß mein Gewissen auch empfinden,
daß ich rein sey von meinen Sünden!
O trewer Gott, ich bitt von Hertzen,
gib mir Gedult in allem Schmertzen.

Durch Jesum Christ erhör mein Bitt,
laß deinen Knecht sterben im Fried!
Erlöß mich auß der Noth und Qual,
beleyt mein Seel ins Himels Saal
Durch deine Engel in dein Reich,
daß ich dich lob dort ewigleich!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer