Klepper, Jochen – Ja, ich will euch tragen

1. Ja, ich will euch tragen
bis zum Alter hin.
Und ihr sollt einst sagen,
daß ich gnädig bin.

2. Ihr sollt nicht ergrauen,
ohne daß ich’s weiß,
müßt dem Vater trauen,
Kinder sein als Greis.

3. Ist mein Wort gegeben,
will ich es auch tun,
will euch milde heben:
Ihr dürft stille ruhn.

4. Stets will ich euch tragen
recht nach Retterart.
Wer sah mich versagen,
wo gebetet ward?

5. Denkt der vor’gen Zeiten,
wie, der Väter Schar
voller Huld zu leiten,
ich am Werke war.

6. Denkt der frühern Jahre,
wie auf eurem Pfad
euch das Wunderbare
immer noch genaht.

7. Laßt nun euer Fragen,
Hilfe ist genug.
Ja, ich will euch tragen,
wie ich immer trug.

Klepper, Jochen – In jeder Nacht, die mich bedroht

1. In jeder Nacht, die mich bedroht,
ist immer noch dein Stern erschienen.
Und fordert es, Herr, dein Gebot,
so naht dein Engel, mir zu dienen.
In welchen Nöten ich mich fand,
du hast dein starkes Wort gesandt.

2. Hat banger Zweifel mich gequält,
hast du die Wahrheit nie entzogen.
Dein großes Herz hat nicht gezählt,
wie oft ich mich und dich betrogen.
Du wußtest ja, was mir gebricht.
Dein Wort bestand: Es werde Licht!

3. Hat schwere Sorge mich bedrängt,
ward deine Treue mir verheißen.
Den Strauchelnden hast du gelenkt
und wirst ihn stets vom Abgrund reißen.
Wann immer ich den Weg nicht sah:
dein Wort wies ihn. Das Ziel war nah.

4. Hat meine Sünde mich verklagt,
hast du den Freispruch schon verkündet.
Wo hat ein Richter je gesagt,
er sei dem Schuldigen verbündet?
Was ich auch über mich gebracht,
dein Wort hat stets mein heil bedacht.

5. In jeder Nacht, die mich umfängt,
darf ich in deine Arme fallen,
und du, der nichts als Liebe denkt,
wachst über mir, wachst über allen.
Du birgst mich in der Finsternis.
Dein Wort bleibt noch im Tod gewiß.

Klepper, Jochen – Ich liege, Herr, in deiner Hut

1. Ich liege, Herr, in deiner Hut
und schlafe ganz mit Frieden.
Dem, der in deinen Armen ruht,
ist wahre Rast beschieden.

2. Du bist’s allein, Herr, der stets wacht,
zu helfen und zu stillen,
wenn mich die Schatten finstrer Nacht
mit jäher Angst erfüllen.

3. Dein starker Arm ist ausgereckt,
daß Unheil mich verschone
und ich, was auch den Schlaf noch schreckt,
beschirmt und sicher wohne.

4. So will ich, wenn der Abend sinkt,
des Leides nicht gedenken,
das mancher Erdentag noch bringt,
und mich darein versenken,

5. wie du, wenn alles nichtig war,
worauf die Menschen hoffen,
zur Seite warst und wunderbar
mir Plan und Rat getroffen.

6. Weil du der mächt’ge Helfer bist,
will ich mich ganz bescheiden
und, was bei dir verborgen ist,
dir zu entreißen meiden.

7. Ich achte nicht der künft’gen Angst.
Ich harre deiner Treue,
der du nicht mehr von mir verlangst,
als daß ich stets aufs neue

8. zu kummerlosem, tiefem Schlaf
in deine Huld mich bette,
vor allem, was mich bitter traf,
in deine Liebe rette.

9. Ich weiß, daß auch der Tag, der kommt,
mir deine Nähe kündet
und daß sich alles, was mir frommt,
in deinen Ratschluß findet.

10. Sind nun die dunklen Stunden da,
soll hell vor mir erstehen,
was du, als ich den Weg nicht sah,
zu meinem Heil ersehen.

11. Du hast die Lider mir berührt.
Ich schlafe ohne Sorgen.
Der mich in diese Nacht geführt,
der leitet mich auch morgen.

Manuel, Niklaus – Ein Lied und Gebeth

vber das, Laß vns nit vndertrucken, als ettlich den Frommen von Bern Ire Lüt hattent vnghorsam gmacht.

Das got durch sins Bunts willen Sig vnd oberhandt den Frommen von Zürch vnd Bern verlyhen wölle.

Ker dich zu vns o höchster got,
vnd halt doch du uns dynen Bundt,
hand wir dan schon din heilges pot,
nit ghalten gantz vß Hertzes grundt,
so biß Indenck,
der Edlen schenck,
das du vns Jesum ggeben hast,
din Liebsten fson,
der gnaden thron,
das er hinnemm der sünden last.

Du hast auch selbst verheissen hie,
ob was Im Bundt schon geIrret wer,
so woltest doch erhören die,
für dich brechtint Irs Hertzen bschwer,
des Bunts wir dich
gantz trungenlich,
ermanent jetz, thuw dich herfür,
biß vnser Got,
her Zebaoth,
o starcke krafft kum vns zu stür.

O Her sich zu wie es vns gadt,
sie brechend Bündt, die wilden thier,
Ir Schlundt gen vns wyt offen stat,
sy brüelent wie ein wüettent stier,
Si hand vns lang,
thon vbertrang,
verachtet gnod geschmecht vnd gschendt,
Jetz hettens gern,
die frommen von Bern,
verhetzt, verhergt vnd ganz zertrennt.

Ach Her laß dirs zu hertzen gen,
verker de3n falschen Blutes Rat:
wie tieff müessents Im blut noch ston?
kein Frid vß Irem Hertzen gadt,
Ir redt schmecht dich,
gantz grusamklich,
Ir ding ist nüt dann boch vnd tratz.
Ir vbermut,
wirt gmert mit Blut,
das güssents vns mit krieg vnd hatz.

Sy hassent vns das wir vns din,
vnd dyner ler stiff halten wend,
das wir hand d gotzen gworfen hin,
das wir ein gruwel ab kriegen handt,
vnd nit das brot,
für vnsren got,
In numen wendt anbetten hie:
Hastu min her,
vns solche ler,
Durch dynen Sun verkündet Je:

So ist d sach din, nims In din handt,
vnd ret die Er ist vnser Bit,
vnd straff vns nit mit solcher schandt,
gun In der großen Freuden nit:
Das sie mit schall
lut schryent all,
wo ist Ir got, sie sind verlon,
o got nit wenck,
biß jetz in Denck,
dins Bunts laß vns nit vnder gen.

Dan du allein bist vnser got,
Der sig, die stärck, der recht hoptman,
Du machst die Forcht, zertreust die rot,
die ordnung brichst vnd machst vns ban:
das hast offt bwyßt,
wie gschrifft ermißt
In Madian vnd Pharao:
die du on schwert,
Hast schnell vmkert,
vßgmacht glich wie Hiericho.

Ach Her laß doch erbarmen dich,
die alten lüdt, verlassnen kind,
vnd vnsre wib das nit das vich,
sy gschend vnd Broub, fürhin din gsind:
In frembde Land,
vnd da in bandt,
In hunger vnd not, in ellend setz,
so wend wir dir,
mit gantzer bgir,
als vnserm got danck sagen stäts.

Im thon: so hab Ich all min tag gehort rc.
Anno 1528

Niclaus Manuel
Leben und Werke
Dr. C. Grüneisen
Stuttgart und Tübingen
Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung
1837

Gerhardt, Paul – Ich danke dir demütiglich

Am 22. Sonntage nach Trinitatis.

Ich danke dir demüthiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von  deinem Zorn gewendet,
Und deinen Sohn zur Freud‘ und Kron‘
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All‘ uns’re Sünd‘ ersticket.
Wer ihn nun faßt, wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an,
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug‘ und Hand
Ergreifen dieses werthe Pfand
Und nimmermehr verlieren,
Laß dieses Licht mein Angesicht
Zum ew’gen Lichte führen.

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Koth und Unflath aus,
Bau“ in mir deine Hütte,
Daß deine Güt‘ in mein Gemüth
All ihre Lieb‘ ausschütte.

Wenn ich dich hab‘, ist alles mein,
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg‘ und Weisen,
Dein‘ arme Heerd‘ auf dieser Erd‘
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht‘ in deinem Wort,
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub‘ und Treu‘ stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere.

Gib‘ mir ein g’nügsam Herz und Sinn,
Denn das ist ja ein groß Gewinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt, was ihm beliebt,
Ihm lassen gerne g’nügen.

Das Wen’ge, das durch Gottes Gnad‘
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret,
Als alles Geld, davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr‘, und sie deine Lust
Und werden nicht zu Schanden;
Kommt theure Zeit, find’t sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt, steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
Die auf ihn hoffen spät und früh,
Daß er sie schütz‘ und rette
Aus aller Noth, wenn sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als gütig sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all‘ denen gönnen,
Die sich mit Mund und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen.

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unser’s Landes Krone:
Laß immerzu sein Fried‘ und Ruh‘
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt‘ unser liebes Vaterland
In deinem Schooß und starker Hand,
Behüt‘ uns allzusammen
Vor falscher Lehr‘ und Feindesheer‘
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all die Meinen eben war,
Treib‘, Herr, die böse Höllenschaar
Von Jungen und von Alten,
Das deine Heerd‘ hier zeitlich werd‘
Und ewig dort erhalten.

Paul Gerhard’s
geistliche Lieder.
Herausgegeben von
C. F. Becker
Leipzig
Georg Wigand’s Verlag.
1851

Erb, Matthias – Ein Lied der gemeind zu Reichenweyler

vmb beharliche besserung vnd bestand/ zu singen im thon/ Mag ich vnglück nitt widerston.

REich ist Gott von barmhertzigkeit/
wie gschrifft anzeigt/
vnd will vns nit verlassen/:/
Er hatt sein Wort zu diser frist/
durch Jesum Christ/
fürtragen lon on massen/
Gott lob vnd preiß/
mitt allem fleiß/
wir singen dir/
von hertzes bgir/
wölst vnser bett erhören.

Entrunnen seind wir vonn der schand/
vnds teüffels band/
darinn wir lagen gfangen/:/
In vnglaub vnnd auch falschem won/
das hatt gethon/
daß wir seind irre gangen/
Vonn Gottes wort/
welchs ist der hort/
vnd helffen thut/
zum höchsten gut/
mehr vns den rechten glauben.

Benjamin Schmolck – Hosianna Davids Sohn

1.) Hosianna Davids Sohn,
Meinem teuren Gnadenthron!
Er, der Helfer in der Not,
Hilft auch mir in Not und Tod.

2.) Hoch gelobet sei nun Gott,
Er macht unsern Feind zu Spott.
Hochgelobet sei der Held,
Der sich bei uns eingestellt.

3.) Er stellt sich, uns zu erfreun
Auf des Herren Namen ein.
Bei uns, die wir Sünder sein,
Tritt der Sünder Heiland ein.

4.) Hosianna in der Höh‘!
Gott reißt uns aus allem Weh.
Ihm sing alle Christenheit:
Hosianna, weit und breit.

Eber, Paul – Das Gebet Josaphats

(2. Chronica Kap. 20)

Wenn wir in höchsten Nöthen sein
Und wissen nicht wo aus noch ein
Und finden weder Hülf noch Rath,
Ob wir gleich sorgen früh und spat:

So ist dieß unser Trost allein,
Daß wir zusammen insgemein
Dich anrufen, o treuer Gott,
Um Rettung aus der Angst und Noth.

Und heben unser Augen und Herz
Zu dir in wahrer Reu und Schmerz
Und suchen der Sünd Vergebung
Und aller Strafen Linderung.

Die du verheißest gnädiglich
Allen, die darum bitten dich
Im Namen deines Sohns Jesu Christ,
Der unser Heil und Fürsprech ist.

Darum kommen wir, o Herre Gott,
Und klagen dir all unser Noth,
Weil wir jetzt stehn verlassen gar
In großer Trübsal und Gefahr.

Sieh nicht an unser Sünden groß,
Sprich uns derselb aus Gnaden los,
Steh uns in unserm Elend bei,
Mach uns von allen Plagen frei.

Auf daß von Herzen können wir
Nachmals mit Freuden danken dir,
Gehorsam sein nach deinem Wort,
Dich allzeit preisen hie und dort.

Zwick, Johannes – Jetzund so bitten wir dich, Herr

1.) Jetzund so bitten wir dich, Herr,
Bestät’g und stärk die wahre Lehr‘
In unsern Herzen allen!
Denn das ist wahr: wie bös‘ wir sind,
Begehren wir doch, deine Kind‘
Zu sein und dir zu g’fallen.

2.) So zeig nun, Gott, dein‘ Gnad‘ und Gunst,
Erfüll das Herz mit wahrer Brunst
Der Liebe und des Glaubens,
Dass wir mögen wie’s dir gefällt,
Das Leben schließen und der Welt
Gar bald ein End erlauben.

Tersteegen, Gerhard – Sollt ich nicht gelassen sein

1.) Sollt ich nicht gelassen sein
In des Kreuzes Nacht und Pein.
Da mich Gottes Gnad‘ und Segen
Will von meinem Unflat fegen.

2.) Jesus hat mich so geliebt,
Da er bis zum Tod betrübt:
Sollt‘ ich ihme zu behagen,
Nicht ein kleines Kreuzchen tragen?

3.) Sollt der Ton nicht heißen gut,
Was der Töpfer mit ihm tut?
Will mich Gott im Schmerz begraben,
Sollt ich’s anders wollen haben?

4.) Nein, ich leg mich willenlos,
Wie ein Kind in’s Vaters Schoß.
Schließ die Augen, streck die Hände:
Herr, wohlan, dein Werk vollende!

5.) Nur in Gnaden schlage zu.
Nur dein Will‘ sei meine Ruh‘,
Will das Fleisch gleich immer klagen,
Schau nur was mein Geist will sagen.

6.) Was dich selbst nicht meint, verzehr
Durch des Leidens Glut, mein Herr,
Sieh, ich lass mich deinen Händen.
Du wollst mich durch’s Kreuz vollenden.

7.) Ach, möcht‘ es noch heut‘ geschehn,
Ach, wann werd‘ ich’s endlich sehn,
Dass ich, ganz befreit und reine,
Dir nur lebe, dich nur meine!

8.) Nun, ich geb mich völlig dran,
Hilf, Herr, dass ich leiden kann:
Wie du’s willst am liebsten sehen,
Lass es ewig mir geschehen.