Ringwaldt, Bartholomäus – Ein Morgensegen

Ringwaldt, Bartholomäus – Ein Morgensegen

O Gott, ich thu dir danken,
Daß du durch deine Güt
Mich hast vors Teufels Wanken
In dieser Nacht behüt,
Also daß er mich fein
Hat müssen lassen schlafen
Und mir mit seinen Waffen
Nichts können schädlich sein.

Beschütz mich auch auf heute
Vor großer Angst und Noth,
Vor Gottsvergessnen Leuten,
Und vor eim schnellen Tod,
Vor Sünden und vor Schand,
Vor Wunden und vor Schlägen
Vor ungerechtem Segen,
Vor Wasser und vor Brand.

An meinem Geist mich stärke,
Sowol auch an dem Leib,
Daß ich meins Amtes Werke
Mit allen Freuden treib
Und thu nach meiner Pflicht,
So viel, als mir befohlen,
Bis daß du mich wirst holen
Zu deinem hellen Licht.

Mein Gesichte mir verleihe
Bis an mein letztes End
Und gnädig benedeie
Die Arbeit meiner Händ,
Damit ich auch was hab
Für mich in schweren Zeiten,
Und davon armen Leuten
Kann ehren eine Gab.

Vor allem mich regire
Mit deinem Gnadengeist,
Daß ich mein Gdanken führe
Im Himmel allermeist,
Und ja nicht ganz und gar
Sei mit dem Geiz besessen,
Und schändlich mög vergessen
Des lieben Himmels klar.

Erhalt mir Leib und Leben,
So lang es dir gefällt,
Und thu mir, HErr, nur geben
Den Schatz in jener Welt,
So gilt mirs alles gleich
Und steh es wol zufrieden,
Ob ich schon nicht hienieden
Bin vor den Menschen reich.

O HErr, hilf mir vollenden
Mein‘ saure Lebenszeit,
Thu mir dein Hülfe senden
Und sei nicht allzuweit,
Wenn ich heim schlafen geh,
Auf daß ich friedlich fahre
Und mit der Christenschare
Zum Leben aufersteh. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt’s geistliche Lieder
herausgegeben von Hermann Wendebourg
Halle
Verlag von Julius Fricke.
1858

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