Grafe, Hermann Heinrich – Wenn wir singen, wenn wir beten

1. Wenn wir singen, wenn wir beten,
lass uns, Herr, so vor Dich treten,
wie wir Dir sind offenbar.
Lass uns doch nicht anders scheinen,
als wie denken, als wir’s meinen;
mach uns lauter, mach uns wahr!

2. Komm mit Deinem Geist hernieder
auf uns, Deines Leibes Glieder;
segne uns auch heute hier:
lass uns Deine Stimme hören,
lass nichts die Gemeinschaft stören,
die wir haben, Herr, in Dir!

3. O gewähre uns die Bitte:
Komm, ach komm in unsre Mitte;
Unser Herz sich Dir erschließt.
Wollen Dich im Glauben fassen,
treuster Heiland, und nicht lassen,
bis Du völlig unser bist.

4. Wollen, Herr, Dir auch befehlen
unter uns die armen Seelen,
welche Dir noch ferne stehn;
ziehe sie durch Deine Gnade,
dass sie auf dem schmalen Pfade
durch die enge Pforte gehen.

5. Nun, wir glauben und wir hoffen,
dass Dein Herz, stets für uns offen,
und auch jetzt erhören wird.
Lass uns sehen, lass uns schmecken,
wie Du uns den Tisch kannst decken,
reicher Herr und guter Hirt!

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Grafe, Hermann Heinrich – Er ist wahrhaftig auferstanden

1. Er ist wahrhaftig auferstanden,
der für uns litt und für uns starb,
der uns erlöst aus Todesbanden
und ewges Leben uns erwarb,
der uns dereinst lebendig macht
zu seiner Herrlichkeit und Pracht.

2. Er ist wahrhaftig auferstanden!
O Seele, was verzagst du noch?
Für dich ist alles nun vorhanden,
was dich beglückt; so glaub es doch!
Komm, nimm aus seiner Fülle heut
den Reichtum, den sein Leben beut.

3. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Mein Herz erfährts, in dem er lebt.
Was alle Gläubigen empfanden,
die Freude, die auch mich durchbebt,
gibt Zeugnis mir durch seinen Geist,
dass mich sein Leben tränkt und speist.

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Grafe, Hermann Heinrich – Erbaut auf einem Grunde

1. Erbaut auf einem Grunde
stehn wir in einem Geist,
und wie aus einem Munde
dich unsre Seele preist.
Der du dich uns gegeben
zum ewgen Eigentum,
dich freudig zu erheben,
ist unser höchster Ruhm.

2. Wir baun auf deine Gnade,
die du uns frei geschenkt
auf unsrem Lebenspfade
so reich und unbeschränkt:
sie lässt für alle Sünden
in deinem Opferblut
uns stets Vergebung finden,
verleiht uns Trost und Mut.

3. Wir flehn in deinem Geiste
um deine Gotteskraft,
dass sie uns Hilfe leiste
zur Glaubensritterschaft;
dass du in ihr uns spendest
des Lebens Licht und Stärk
und herrlich auch vollendest
das angefangne Werk.

4. O lass uns dich umfassen,
Herr Jesu, unser Heil,
und nimmermehr dich lassen,
du auserkornes Teil!
Der du dich uns gegeben
zum ewgen Eigentum,
dich freudig zu erheben,
sei unser höchster Ruhm!

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Grafe, Hermann Heinrich – Ein einig Volk von Brüdern

1. Ein einig Volk von Brüdern,
das ist das Volk des Herrn,
verzweigt in seinen Gliedern,
doch eins in seinem Kern;
von oben her geboren,
vom Heilgen Geist getränkt,
von Gott selbst auserkoren,
der liebend sein gedenkt.

2. Durch Christi Blut gereinigt
von aller Sündenschuld,
weiß es sich ganz vereinigt
mit ihm in seiner Huld.
Noch eh die Welt gegründet,
schloss er es in sein Herz.
Wer je dies Glück empfindet,
den zieht es himmelwärts.

3. An seinem Gnadenthrone,
da sammelt sich die Schar,
geheiligt in dem Sohne
und mit ihm offenbar.
Ihr Leben, hier verborgen,
oft dunkel wie die Nacht,
glänzt dort im lichten Morgen
der Auferstehungspracht.

4. Dann ist es überwunden,
was uns noch schmerztund drückt;
wir haben dann gefunden
die Ruh, die uns erquickt;
wir sind bei ihm in Frieden,
verkläret in sein Bild,
auf ewig ungeschieden
und ganz von ihm erfüllt.

5. O Jesu, uns bescheine
in deiner Liebe Glanz.
O Jesu, uns vereine
mit dir und in dir ganz.
Ein einig Volk von Brüdern,
das lass, o Herr, uns sein,
in allen seinen Gliedern
auf ewig, ewig dein.

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Grafe, Hermann Heinrich – Du, unser Haupt, Herr Jesus Christ

1. Du, unser Haupt, Herr Jesu Christ,
der du gern bei den Deinen bist,
bleib stets in unsrer Mitte!
Belebe uns durch deine Kraft,
die neue Herzen in uns schafft,
erhöre unsre Bitte,
dass wir ganz dir
uns ergeben und dein Leben
uns durchdringe,
näher deinem Bilde bringe.

2. Der du zur Rechten Gottes thronst
und auch in unsern Herzen wohnst,
du hast den Sieg errungen;
den Satan und sein ganzes Reich,
die Hölle und den Tod zugleich
hast du am Kreuz bezwungen.
Herr, stärk dein Werk
in uns allen, dass wir wallen
deine Wege,
was uns auch begegnen möge!

3. Wir rühmen deine Liebe laut
als deine auserkorne Braut
im freudigen Vertrauen,
dass sie uns stets verbunden hält
mit dir und lös uns von der Welt,
dass wir dich können schauen —
ganz eins, dass keins
deiner Glieder jemals wieder
von dir scheide!
Das ist unsres Herzens Freude.

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Grafe, Hermann Heinrich – Darf ich wiederkommen

1. Darf ich wiederkommen mit der gleichen Schuld?
Hast du nicht verloren endlich die Geduld?
Ist denn deine Gnade also täglich neu,
dass du willst vergeben, auch so oft es sei?

2. Gnade und Vergeben heißt das süße Wort;
das trägt mich durch’s Leben, nimmt den Jammer fort,
bringet Heil und Frieden in mein Herz hinein,
dass es schon hienieden kann recht selig sein.

3. Wahrlich, ich darf kommen mit der gleichen Schuld,
ich werd angenommen, du trägst in Geduld.
Halt mich dann gebunden fest, o Herr, an dich,
dass ich werd erfunden in dir ewiglich!

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Gerhardt, Paul – Auf den Nebel folgt die Sonn

1. Auf den Nebel folgt die Sonn,
Auf das Trauern Freud und Wonn;
Auf die schwere, bittre Pein
Stellt sich Trost und Labsal ein.
Meine Seele, die zuvor
Sank bis zu dem Höllentor,
Steigt nun bis zum Himmelschor.

2. Der, vor dem die Welt erschrickt,
Hat mir meinen Geist erquickt;
Seine hohe starke Hand
Reißt mich aus der Höllen Band.
Alle seine Lieb und Gut
Überschwemmt mir mein Gemüt
Und erfrischt mir mein Geblüt.

3. Hab ich vormals Angst gefühlt,
Hat der Gram mein Herz zerwühlt,
Hat der Kummer mich beschwert,
Hat der Satan mich betört:
Ei, so bin ich nunmehr frei;
Heil und Rettung, Schutz und Treu
Steht mir wieder treulich bei.

4. Nun erfahr ich, schnöder Feind,
Wie du’s hast mit mir gemeint:
Du hast wahrlich mich mit Macht
In dein Netz zu ziehn gedacht.
Hätt ich dir zu viel getraut,
Hättst du, eh ich zugeschaut,
Mir zum Fall ein Sieb gebaut.

5. Ich erkenne deine List,
Da du mit erfüllet bist,
Du beleugst mir meinen Gott
Und machst seinen Ruhm zu Spott:
Wann er setzt, so wirfst du um,
Wann er spricht, verkehrt dein Grimm
Seine süße Vaterstimm.

6. Hoff und wart ich alles Guts,
Bin ich froh und gutes Muts,
Rückst du mir aus meinem Sinn
Alles gute Sinnen hin:
Gott ist, sprichst du, fern von dir,
Alles Unglück bricht herfur,
Steht und liegt vor deiner Tür.

7. Heb dich weg, verlogner Mund!
Hier ist Gott und Gottes Grund,
Hier ist Gottes Angesicht
Und das schöne helle Licht
Seines Segens, seiner Gnad;
All sein Wort und weiser Rat
Steht für mir in voller Tat.

8. Gott läßt keinen traurig stehn,
Noch mit Schimpf zurücke gehn,
Der sich ihm zu eigen schenkt
Und ihn in sein Herze senkt.
Wer auf Gott sein Hoffnung setzt,
Findet endlich und zuletzt,
Was ihm Leib und Seel ergötzt.

9. Kommt’s nicht heute, wie man will,
Sei man nur ein wenig still,
Ist doch morgen auch ein Tag,
Da die Wohlfahrt kommen mag.
Gottes Zeit halt ihren Schritt,
Wann die kommt, kommt unser Bitt
Und die Freude reichlich mit.

10. Ach wie ofte dacht ich doch,
Da mir noch des Trübsals Joch
Auf dem Haupt und Halse saß
Und das Leid mein Herze fraß:
Nun ist keine Hoffnung mehr,
Auch kein Ruhen, bis ich kehr
In das schwarze Totenmeer.

11. Aber mein Gott wandt es bald,
Heilt‘ und hielt mich dergestalt,
Daß ich, was sein Arm getan,
Nimmermehr gnug preisen kann.
Da ich weder hier noch da
Ein’gen Weg zur Hülfe sah,
Hatt ich seine Hülfe nah.

12. Als ich furchtsam und verzagt
Mich selbst und mein Herze plagt,
Als ich manche liebe Nacht
Mich mit Wachen krank gemacht,
Als mir aller Mut entfiel,
Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel,
Gabst dem Unfall Maß und Ziel.

13. Nun, so lang ich in der Welt
Haben werde Haus und Zelt,
Soll mir dieser Wunderschein
Stets für meinen Augen sein.
Ich will all mein Leben lang
Meinem Gott mit Lobgesang
Hiefur bringen Ehr und Dank.

14. Allen Jammer, allen Schmerz,
Den des ewgen Vaters Herz
Mir schon itzo zugezahlt
Oder künftig auserwählt,
Will ich hier in diesem Lauf
Meines Lebens allzuhauf
Frisch und freudig nehmen auf.

15. Ich will gehn in Angst und Not,
Ich will gehn bis in den Tod,
Ich will gehn ins Grab hinein
Und doch allzeit fröhlich sein.
Wem der Stärkste bei will stehn,
Wen der Höchste will erhöhn,
Kann nicht ganz zu Grunde gehn.

Gerhardt, Paul – Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden,
Nimm wahr, was heut‘ geschieht!
Wie kommt nach großem Leiden
Nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt
Da, wo man uns hinträgt,
Wenn von uns unser Geist
Gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket,
Der Feind trieb groß Geschrei.
Eh‘ er’s vermeint und denket
Ist Christus wieder frei
Und ruft: Viktoria!
Schwingt fröhlich hier und da
Sein Fähnlein als ein Held,
Der Feld und Mut behält.

3. Der Held steht aus dem Grabe
Und sieht sich munter üm:
Der Feind liegt und legt abe
Gift, Gall und Ungestüm.
Er wirft zu Christi Fuß
Sein Höllenreich und muß
Selbst in des Siegers Band
Ergeben Fuß und Hand.

4. Das ist mir anzuschauen
Ein rechtes Freudenspiel;
Nun soll mir nicht mehr grauen
Vor allem, was mir will
Entnehmen meinen Mut
Zusamt dem edlen Gut,
So mir durch Jesum Christ
Aus Lieb‘ erworben ist.

5. Die Höll‘ und ihre Rotten,
Die krümmen mir kein Haar;
Der Sünden kann ich spotten,
Bleib‘ allzeit ohn‘ Gefahr;
Der Tod mit seiner Macht
Wird schlecht bei mir geacht’t;
Er bleibt ein totes Bild,
Und wär‘ er noch so wild.

6. Die Welt ist mir ein Lachen
Mit ihrem großen Zorn;
Sie zuernt und kann nicht machen,
All‘ Arbeit ist verlor’n.
Die Trübsal trübt mir nicht
Mein Herz und Angesicht;
Das Unglück ist mein Glück,
Die Nacht mein Sonnenblick.

7. Ich hang‘ und bleib‘ auch hangen
An Christo als ein Glied;
Wo mein Haupt durch ist gangen,
Da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
Durch Welt, durch Sünd‘ und Not,
Er reißet durch die Höll‘,
Ich bin stets sein Gesell.

8. Er dringt zum Saal der Ehren,
Ich folg‘ ihm immer nach
Und darf mich gar nicht kehren
An einzig Ungemach.
Es tobe, was da kann,
Mein Haupt nimmt sich mein an;
Mein Heiland ist mein Schild,
Der alles Toben stillt.

9. Er bringt mich an die Pforten,
Die in den Himmel führt,
Daran mit güldnen Worten
Der Reim gelesen wird:
Wer dort wird mit verhöhnt,
Wird hier auch mit gekrönt;
Wer dort mit sterben geht,
Wird hier auch mit erhöht.

Gerhardt, Paul – Als Gottes Lamm und Leue

1. Als Gottes Lamm und Leue
Entschlafen und verschieden,
Erwacht in Lieb und Treue
Ein Paar recht frommer Jüden.
Die machten sich zum Kreuz hinzu,
Dich, o du unser ewge Ruh,
Zu deiner Ruh zu bringen.

2. Also weiß Gott die Seinen
Am Kreuz in Acht zu nehmen
Und, die es böse meinen,
Zur rechten Zeit zu zähmen.
Das Wüten nimmt zuletzt ein End,
Und wenn die Unschuld gnug geschändt,
So findt sich, der sie ehre.

3. Dann einer aus dem Rate,
Joseph, der fromme Reiche,
Der wagt es, ging und bate
Pilatum um die Leiche.
Pilatus war bereit und gab
Befehl, daß man sie nähm herab
Und Joseph übergäbe.

4. Gelegnet sei dein Wille,
Joseph, und dein Begehren,
GOtt wolle dir die Fülle
Der Freuden dort gewähren,
Daß du, den meine Seele liebt,
Vom Kreuze, da man ihn betrübt,
So freudig losgebeten.

5. Hierzu hat sich auch funden
Des Nicodemi Treue,
Der bringt bei hundert Pfunden
Der besten Spezereie,
Die Myrrhen samt der Aloe
Zu salben den, der aus der Höh
Uns salbt mit seinem Geiste.

6. Da siehst du, wie die Schwachen
Zuletzt gestärkt werden.
GOtt kann zu Helden machen,
Was blöd ist hier auf Erden.
Der Glaube, der im Finstern lag,
Bricht endlich an den hellen Tag
Und leuchtet wie die Sonne.

7. Nun, diese beiden Frommen
Ergreifen mit viel Weinen
Den, der vom Kreuz genommen,
Und wickeln ihn in Leinen,
Verwahren ihn zugleich dabei
Mit edler teurer Spezerei,
Wie in Judäa bräuchlich.

8. So soll man Christum ehren,
Wann er nun liegt darnieder.
Wir sollen balsamieren
Ihn und sein arme Glieder,
Die Unbekleidten wickln ein
Und die, so ganz verlassen sein,
Mit unsrer Hilf annehmen.

9. Es war nicht weit von hinnen,
Wo Christus starb, zu schauen
Ein Garten und darinnen
Des Josephs Grab, gehauen
Gar neu in einem Felsenstein,
Da legten ihren Schatz hinein
die zwei gelieben Herzen.

10. Ach Jesu, dessen Schmerzen
Mir all mein Heil erworben,
Komm, ruh in meinem Herzen,
Das in der Sünd erstorben!
Laß dirs gefallen, ich will dir
Dein Grab bereiten in mir hier,
So leb und sterb ich selig.

Gerhardt, Paul – Ach treuer Gott, barmherzigs Herz

1. Ach treuer GOtt, barmherzigs Herz,
des Güte sich nicht endet,
Ich weiß, daß mir dies Kreuz und Schmerz
dein Vaterherze sendet.
Ja, HErr, ich weiß, daß diese Last
du mir aus Lieb erteilet hast
und gar aus keinem Hasse.

2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch:
Wer Kind ist, muß was leiden;
und wen du liebst, den stäupst du auch,
Schickst Trauern vor den Freuden,
führst uns zur Höllen, tust uns weh
und führst uns wieder in der Höh,
und so geht eins ums ander.

3. Du führst jawohl recht wunderlich
die, so dein Herz ergetzen:
Was laben soll, muß erstlich sich
ins Todeshöhle letzen;
Was steigen soll zur Ehr empor,
liegt auf der Erd und muß sich vor
im Kot und Staube wälzen.

4. Das hat, HErr, dein geliebter Sohn
selbst wohl erfahrn auf Erden;
Denn eh er kam zum Ehrenthron,
muß er gekreuzigt werden.
Er ging durch Trübsal, Angst, und Not,
Ja durch den herben bittern Tod
drang er zur Himmelsfreude.

5. Hat nun dein Sohn, fromm und recht,
so willig sich ergeben,
Was will ich armer Sündenknecht
dir viel zuwider sterben?
Er ist der Spiegel der Geduld,
und wer sich lehnt nach seiner Huld,
der muß ihm ähnlich werden.

6. Ach, lieber Vater, wie so schwer
ists der Vernunft zu glauben,
daß du demselben, den du sehr
schlägt, solltest günstig bleiben!
Wie macht doch Kreuz so lang Zeit!
Wie schwerlich will sich Lieb und Leid
Zusammen lassen reimen!

7. Was ich nicht kann, das gib du mir,
o höchstes Gut der Frommen!
Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier
durch Trübsal werd entkommen!
Erhalte mich, o starker Hort!
Befestge mich in deinem Wort,
behüte mich vor Murren!

8. Bin ich ja schwach, laß deine Treu
mir an die Seite treten,
Hilf, daß ich unverdrossen sei
zum Rufen, Seufzen, Beten!
So lang ein Herze hofft und gläubt
und im Gebet beständig bleibt,
so lang ists unbezwungen.

9. Greif mich auch nicht zu heftig an,
damit ich nicht vergehe!
Du weißt wohl, was ich tragen kann,
Wies um mein Leben stehe;
Ich bin ja weder Stahl noch Stein:
Wie balde geht ein Wind herein,
so fall ich hin und sterbe.

10. Ach, Jesu, der du worden bist
mein Heil mit deinem Blute,
du weißt gar wohl, was Kreuze ist
und wie dem sei zu Mute,
Den Kreuz und großes Unglück plagt;
drum weist du, was mein Herze klagt,
gar gern zu Herzen fassen.

11. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn
mit mir Mitleiden haben
und mich, wie ichs jetzt dürftig bin,
mit Gnad und Hilfe laben.
Ach stärke meine schwache Hand,
ach heil und bring in bessern Stand
das Straucheln meiner Füße!

12. Sprich meiner Seel ein Herze zu
und tröste mich aufs beste,
denn du bist ja der Müden Ruh,
der Schwachen Turm und Feste,
ein Schatten für der Sonnen Hitz,
ein Hütte, da ich sicher sitz
in Sturm und Ungewitter.

13. Und weil ich ja nach deinem Rat
hier soll ein wenig leiden,
So laß mich auch in deiner Gnad
als wie ein Schäflein weiden,
Daß ich im Glauben die Geduld
und durch Geduld die edle Huld
nach schwerer Prob erhalten.

14. O heiliger Geist, Du Freundenöl,
das GOTT vom Himmel schicket,
erfreue mich, gib meiner Seel
was Mark und Bein erquicket!
Du bist der Geist der Herrlichkeit,
Weißt, was für Freud und Seligkeit
mein in dem Himmel warte.

15. Ach laß mich schauen, wie schön
und lieblich sei das Leben
das denen, die durch Trübsal gehn,
du dermaleinst wirst geben.
Ein Leben, Welt mit ihrer Zier
durchaus nicht zu vergleichen.

16. Daselbst wirst du in ewiger Lust
aufs süß´ste mit mir handeln:
Mein Kreuz, das dir und mir bewußt,
in Freud und Ehre wandeln;
Da wird mein Weinen lauter Wein,
mein Ächzen lauter Jauchzen sein!
Das glaub ich. Hilf mir! Amen.