Nikolaus Hermann – Ein Gesprech zweier Christlichen Jungfrewlin

Nikolaus Hermann – Ein Gesprech zweier Christlichen Jungfrewlin

von nutz und kraff der heiligen Tauff, In einen Abendreien gefasset, vnd in Frag vnd Antwort gestellet.

WIl niemand singen, so wil singen ich!
der König aller Ehren freit vmb mich!

Denn in der Tauff hat er mich jm vertrawt,
auff das ich sey sein allerliebste Braut.

Was hat er denn zum Malschatz geben dir?
Ein güldens Füngerlein mit eim Saphir.

Was bedeut im Fingerlein der Saphir?
Es ist der heilge Geist, den schenckt er mir.

Auch leucht im Ringle ein heller Rubin,
denn ich mit seinem Blut besprenget bin.

Ist denn das Fingerlein pur lauter gold?
Ja, darumb bin ich jm von hertzen hold.

Sag an, warumb du denn getauffet bist?
Mein alter Adam drin erseuffet ist.

Was hastu denn in der Tauff dich verpflicht?
Mein bösen lüstel wöll ich folgen nicht.

Auch wöll ich kempffen wider fleisch vnd blut,
so offt es mich zum argen reitzen thut.

Hastu dem bösen Feind auch abgesagt?
Ja, ich wöl thun allein was Gott behagt.

Was hastu denn Christo verheissen mehr?
Ich wöll mich richten nach seim wort vnd lehr.

Was bedeut denn das Westerhembdelein?
Das ich anzieh Christum, den HErrn mein.

Das Westerhembdlein ist schön vnd schneweis:
Mein zucht vnd ehr sol ich bewarn mit vleis.

Was machen denn also viel Creutzlein dran?
Ein Christ viel Creutz vnd vnglück hie mus han.

Sag vns doch auch: wenn wird hie die heimfart sein?
Am Jüngsten tag, wenn kommt der Breutgam mein.

Denn wird er mit ehren heimholen mich;
mein hertz darnach verlanget vnd sehnet sich.

Denn wird ergetzt werden mir alles leid
vnd werd mich mit jm frewn in ewigkeit.

Auff sein Zukunfft ward ich jtzt für der thür
mit öl füll ich mein Lampen vnnd sie schür.

Wenn er wird komen, das ich sey bereit,
auff das er mir geb kein bösen bescheit,

Wie er den fünff tollen Jungfrawen thut,
die hauffen bleiben müssen mit vnmut.

Denn sie jr Lampen nicht hatten geschürt
vnd mit öl gefüllet, wie sichs gebürt.

HErr Christ, mein lieber breutgam, kom schier!
hol vns aus dem Jammerthal heim zu dir!

Amen.

In die Johannis, 1560

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