Mathesius, Johann – Hört, ihr Christen, und merket recht

Mathesius, Johann – Hört, ihr Christen, und merket recht

Ein Lied der Kirchen Gottes im Thal, vom Leiden Jesu Christi. Aus dem 53. Cap. Jes.

Hört, ihr Christen, und merket recht,
Was Gott weissagt von seinem Knecht,
Von seim Sohn, dem Herrn Jesu Christ,
Der unser Mittler worden ist.

„Sich, mein Knecht, der ist glehrt und weis,
Er scheußt vor mir auf wie ein Reis;
Gott ist er von Natur und Gwalt,
Im Fleisch ging er in Knechtes Gstalt.

Er ward arm, elend und veracht,
Von Schmerzen und Krankheit verschmacht,
An ihm ärgert sich Jedermann,
Sehr wenig Leut ihn nahmen an.

Ob ihn sein eigen Volk sehr schändt,
So ist er doch mein Sohn erkennt;
Der Heiden Licht und Trost er heißt,
Mein Bund er ihn aus Gnaden leist.

Aus Lieb hab ich ihn euch gesandt,
Auf ihm leit der Welt Schuld und Schand;
Die büßt er an des Kreuzes Stamm,
Er ist mein gfälligs Osterlamm.

Eur Schmerzen und der Sünden Last,
Die hab ich ihm selbst aufgefaßt;
In Ghorsam er eur Krankheit trug,
Um fremder Schuld ich ihn sehr schlug.

Das leidt er wie ein Lamm mit Gduld,
Erwirbt dadurch auch fremde Schuld;
Eur Mißthat hat ihn hart verwundt,
Durch sein Striemen seid ihr gesund.

Er ist das einig Opfer zwar,
Das euer Schuld bezahlet gar,
Sein Blut ist das rechte Lösgeld,
Das ledig macht die gfangne Welt.

Ob er wohl an das Kreuz ist ghenkt,
Und ward in Tod und Grab versenkt,
Währt doch sein Angst ein kleine Zeit;
Er lebt und herrscht in Ewigkeit.

Sein Reich er selbst auf Erd anricht,
Darin kein Samen ihm gebricht;
Mit Lust und Freud er da regiert,
Und seine Kraft in Schwachheit führt.

Da theilt er aus im Wort sein Blut,
Damit er euch besprengen thut,
Und schenkt die ewig Grechtigkeit
Seinen Brüdern, der Christenheit.

Er ist allein mein grechter Knecht,
Wer ihn erkennt, der ist gerecht.
Wer auf ihn herzlich trauen kann,
Den nehm ich zu eim Erben an.

Der Sohn mir zwar allein gefällt;
Wer sein Wort hört und stets behält,
Im Kreuz und Tod nicht von mir setzt,
Der wird all seines Leids ergetzt.

Er ist das Haupt der Christenheit,
Der für euch selbs zu Felde leit;
Die Sünd, Tod, Teufel, Höll und Welt
Schlägt er allein, mein starker Held.“

Herr Gotte, der du einig heißt,
Und bist Vater, Sohn, heilger Geist,
Und offenbarst dich uns im Sohn
Und machst uns den zum Gnadenthron:

Wir singen dir Lob, Ehr und Preis
Für deine Güt, an uns beweist;
Um Christi Leiden, Blut und Tod
Erbarm dich unser, lieber Gott.

Jesu, du wahrer Gottessohn,
Unser hohr Priester und Patron,
Erlös dein arme Christenheit;
Herr Christ, komm eilend, es ist Zeit.

O heilger Geist, du Tröster werth,
Hilf uns allzeit seufzen auf Erd;
In reiner Lehr erhalt uns, Herr,
Glaub, Lieb, Geduld auch in uns mehr.

Amen.

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