Johannes Tauler – Von inwendige bloßheit, vnd gelassenheit vns selbst vnd aller dinge.

Johannes Tauler – Von inwendige bloßheit, vnd gelassenheit vns selbst vnd aller dinge.

ICh wil von bloßheit singen neuwen sanck,
wan rechte lauterkeit ist onn gedanck,
Gedancken mögenn da nit seyn,
so ich verloren hab das mein.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Mich irret nummer mer meyne vngelich,
ich byn so gerne arm vnd reich,
Mit bielden mag ich nit vmmegeen,
meins selbst muß ich ledig steen.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem bielden kam?
do ich rechte eincheyt in mir vernam.
Das ist rechte einicheyt,
so mich entsetzt noch lieb noch leit.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem geiste kam?
doch ich weder diß noch das in mir vernam,
Dan blosse gotheit vngegrundet,
do mogt ich langer schwygen nit: ich möstet kunden.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Synt ich alsus verloren byn in den abgrunde,
do mocht ich langer reden nit, ich was ein stumme.
alsus hat mich die gotheit klar in sich verschlunden.
Ich bin entsetzet,
des hat mich dz finsternisse wol ergetzet.

Sint ich alsus durchkommen bin vor dem vrsprung,
da mag ich langer alden nit, ich muß da jungen.
alsus sint alle die krefte mein zumal verschwunden,
Vnd sein gestorben,
wer alsus entgeistet ist, der mag nitt sorgen.

So wer nu also verschwunden ist
vnd hat befonden ein finsternis,
Ist so rich on allen kummer.
alsus hat mich das lieben feür zumal verbrunnen,
Vnd bin erstorben,
wer alsus entgeistet wird, der mag nit sorgen.

Wer nu alsus erstorben ist vnd auch entworden,
der vatter ist jm offenbar,
Der sunn, der geyst jrer beyde,
in Christo Jesu ist alles guts wunne vnd weyde.
Er ist über alle massen,
wer noch ist vngelassen, den sol man straffen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

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