Claudius, Matthias – Frau Rebekka mit den Kindern

Claudius, Matthias – Frau Rebekka mit den Kindern

Kommt, Kinder, wischt die Augen aus,
Es gibt hier was zu sehen,
Und ruft den Vater auch heraus…
Die Sonne will aufgehen!

Wie ist sie doch in ihrem Lauf
So unverzagt und munter!
Geht alle Morgen richtig auf,
Und alle Abend unter!

Geht immer, und scheint weit und breit
in Schweden und in Schwaben,
Dann kalt, dann warm, zu seiner Zeit,
Wie wir es nötig haben.

Von ohngefähr kann das nicht sein,
Das könnt ihr wohl gedenken;
Der Wagen da geht nicht allein,
Ihr müßt ihn ziehn und lenken.

Das Sternenheer hoch in der Höh‘,
die Sonne, die dort glänzet,
Das Morgenrot, der Silbersee
Mit Busch und Wald umkränzet,

Dies Veilchen, dieser Blütenbaum,
Der seine Arm ausstrecket,
Sind, Kinder! „seines Kleides Saum“,
Das ihn vor uns bedecket;

Ein „Herold“, der uns weit und breit
Von ihm erzähl‘ und lehre;
Der „Spiegel seiner Herrlichkeit“;
Der „Tempel seiner Ehre“,

Ein mannichfaltig groß Gebäu,
Durch Meisterhand vereinet,
Wo seine Lieb‘ und seine Treu‘
Uns durch die Fenster scheinet.

Er selbst wohnt unerkannt darin,
Und ist schwer zu ergründen.
Sei fromm, und sucht von Herzen ihn,
Ob ihr ihn möchtet finden.

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