Arndt, Ernst Moritz – Gottes Geist

Arndt, Ernst Moritz – Gottes Geist

(1854)

O Gottes Geist und Christi Geist,
Der uns den Weg zum Himmel weist,
Der uns die dunkle Erdennacht
Durch seine Lichter heller macht.

Du Hauch, der durch das Weltall weht
Als Gottes stille Majestät,
Du aller Lichter reinstes Licht,
Erleucht uns Herz und Angesicht.

Komm, leuchte mit dem Gnadenschein
Hell in die weite Welt hinein,
Komm, mach uns in der Finsterniß
Des lichten Himmelwegs gewiß.

Ach, hier ist Alles Staub und Nacht,
Die Wahn und Sünde trübe macht;
Ach, hier ist Alles Noth und Tod,
Geht uns nicht auf dein Morgenroth.

Das Morgenroth der bessern Welt,
Das wie ein Strahl vom Himmel fällt,
Als Gottes Macht und Gottes Lust
Durchblitzt die kranke Menschenbrust.

O Gottes Geist und Christi Geist,
Der uns wie Kinder beten heißt,
Der uns wie Kinder glauben heißt,
O komm! o komm, du heilger Geist!

Komm, Gottes Frieden, Gottes Muth!
Komm, stille Kraft die nimmer ruht!
Komm, gieße deinen Gnadenschein
In Seele Sinn und Herz mir ein:

Dann wandl‘ ich wie ein Kind des Lichts,
Im Glanze deines Angesichts
Schon meinen kurzen Erdenlauf
Stets himmelein und himmelauf.

Ernst Moritz Arndt,
ein Zeuge für den evangelischen Glauben
Albrecht Wolters,
Pfarrer zu Bonn.
Elberfeld
Druck und Verlag der Bädeker’schen Buch- und Kunsthandlung
(A. Martini und Brüttesien)
1860

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