Gerhard Tersteegen – Die Blümlein klein und groß

1. Die Blümlein klein und groß
in meines Herren Garten,
wie prangen sie so schön!
Von mancherlei Gestalt,
Koleur1Farbe, Geruch und Arten,
sie durcheinander stehn.

2. Wie prangen sie so schön,
dem Auge sie gefallen,
das Gottes Wunder meint;
da seiner Weisheit Strahl
und Tugenden in allen,
nach jeder Art, erscheint.

3. Hier Herzenseinfalt grünt,
da heil`ge Weisheit blühet;
dort wächst Geduld beim Kreuz;
Hier süße Andacht man,
da Rein – dort Kleinheit siehet,
kurz, Schönheit allerseits.

4. Vom Glauben Paulus schreibt,
Johannes von der Liebe,
die Hoffnung Petrus stärkt.
Jakobus auf die Werk`,
als Glaubensfrüchte triebe,
den Irrtum Judas merkt.

5. Ein Jüngling will zum Kampf,
ein Vater zum Beschauen,
die Braut vom Lieben redet,
ein Herzenskind spricht süß
vom kindlichen Vertrauen,
ein Beter vom Gebet.

6. Mit Jesu Kindheit will
sich dort ein Herz verbinden,
zum Kreuz hat jener Mut,
in Gottes Gegenwart
kann dieser alles finden,
und der in Christi Blut.

7. Maria schweigt dem Herrn,
und kehrt sich nicht am Handel,
die Martha dienet gern;
ein Hirte nutzt durchs Wort,
ein Schaf durch Sinn und Wandel,
doch alle sind des Herrn.

9. So wirkt der Eine Geist,
nachdem es Ihm gefällt,
den unterschiednen Glanz;
wird dann ein jeder Stein
an seinen Ort gestellt,
so ist der Tempel ganz.

10. O Pracht der Himmelsstadt,
da solche Edelsteine
von tausend Arten seind!
Dies ist die wahre Kirch`,
der heiligen Gemeine,
die hier so arm erscheint.

11. O schönes Paradies,
drin solche Blumen prangen,
und blühen immerfort.
Mögt ich hier blühen schon,
Gestalt und Schmuck erlangen,
der auch noch schön sei dort.

12. Du gloriöses Haupt,
das alle deine Glieder,
mit einem Geist durchdringst,
blas in mich dürres Bein,
bis du`s auch völlig wieder
an seine Stelle bringst.

Julie Hausmann – So nimm denn meine Hände

„Ich will Dir folgen, wo Du hingehst.“

So nimm denn meine Hände
Und führe mich
Bis an mein selig Ende
Und ewiglich.

Ich mag allein nicht gehen,
Nicht einen Schritt;
Wo Du wirst geh’n und stehen,
Da nimm mich mit.

In Dein Erbarmen hülle
Mein schwaches Herz,
Und mach’ es endlich stille
In Freud’ und Schmerz.

Lass ruh’n zu Deinen Füßen
Dein armes Kind,
Es will die Augen schließen
Und glauben blind.

Wenn ich auch gar nichts fühle
Von Deiner Macht,
Du bringst mich doch zum Ziele
Auch durch die Nacht.

So nimm denn meine Hände
Und führe mich
Bis an mein selig Ende
Und ewiglich!

Friedrich Spee – Zu Bethlehem geboren

Zu Bethlehem geboren
ist uns ein Kindelein,
Dies hab ich auserkoren,
sein eigen will ich sein.
Eia, eia, sein eigen will ich sein.

O Kindelein, von Herzen
will ich dich lieben sehr,
in Freuden und in Schmerzen,
je länger mehr und mehr.
Eia, eia, je länger mehr und mehr.

Lass mich von dir nicht scheiden,
knüpf zu, knüpf zu das Band
der Liebe zwischen beiden;
nimm hin mein Herz zum Pfand,
eia, eia, nimm hin mein Herz zum Pfand!

Friedrich Spee – O Heiland, reiß die Himme auf

1 O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab, vom Himmel lauf.
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für!

2 O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß;
im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.

3 O Erd‘, schlag aus, schlag aus, o Erd‘,
dass Berg und Tal grün alles werd‘.
O Erd‘, herfür dies Blümlein bring,
o Heiland, aus der Erden spring.

4 Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all‘ ihr‘ Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm tröst uns hier im Jammertal.

5 O klare Sonn‘, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn‘, geh auf, ohn‘ deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

6 Hier leiden wir die größte Not,
vor Augen steht der ewig‘ Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand
vom Elend zu dem Vaterland.

7 Da wollen wir all’ danken dir,
unserm Erlöser, für und für.
Da wollen wir all’ loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

Balthasar Münter – Die Feinde deines Kreuzes drohn,

1 Die Feinde deines Kreuzes drohn,
dein Reich, Herr zu verwüsten;
du aber, Jesu, Gottes Sohn1Du aber, Mittler, Gottes Sohn
beschützest deine Christen.
Dein Thron bestehet ewiglich;
vergeblich wird sich wider dich
die ganze Hölle rüsten.2die ganze Hölle waffnen

2 Dein Reich ist nicht von dieser Welt,
kein Werk von Menschenkindern;
drum konnt‘ auch keine Macht der Welt,
Herr, seinen Fortgang hindern.
Dir können deine Feinde nie
dein Erde rauben; selbst durch sie
wird es vergrößert werden.

3 Weit woll’st du deine Herrschaft noch
in deiner Welt verbreiten
und unter deinem sanftes Joch
die Völker alle leiten!
Vom Aufgang bis zum Niedergang
bring‘ alle Welt dir Preis und Dank
und glaub‘ an deinen Namen!

4 Auch deine Feinde, die dich schmähn,
die frevelnd sich empören,
lass deiner Gnade Wunder sehn,
dass sie sich noch bekehren!
Lehr sie mit uns gen Himmel schaun
und unerschüttert im Vertrau’n
auf deine Zukunft warten!

5 Uns Christen aber wollest du
fest in der Wahrheit gründen,
das wir für unsre Seelen Ruh‘
in deiner Gnade finden.
Mach unsers Glaubens uns gewiß;
vor Irrtum und vor Finsternis
bewahr uns, weil wir leben!

6. Ein reines Herzt schaff‘ in uns, Herr,
ein Herz nach Deinem Willen,
Lehr‘ uns mit jedem Tage mehr
treu dein Gesetz erfüllen.
Gehorsam deiner Vorschrift sein,
und dann uns deiner Gnade freun,
sei unser Heil auf Erden.

7 So wird dein Volk, dir untertan,3So werden wir, dir untertan
auf grüner Aue weiden,4mit Ernst die Sünde meiden,
und du führst es auf eb’nerBahn
zu deine Reiches Freuden;
und herrlich wird in dieser Zeit,
noch herrlicher in Ewigkeit
dein großer Name werden.

//Kommentare aus „Badisches neues Gesangbuch“, 1827//

Albertini, Johann Baptista von – Heimweh

„Heimweh fühl ich Sohn vom Hause!
Draußen ist es kalt und kahl:
Birg mich vor des Sturms Gesause
Bald im warmen Ruhesaal!“

Chorus: Halleluja, Halleluja, wir sind auf der Reise Heim.

„Heimweh fühl ich, Fürst des Lichtes!
Dämmerung behagt mir nicht:
Gönn‘ mir deines Angesichtes
Freuden bald im Saal voll Licht!“

Chorus: Halleluja, Halleluja, wir sind auf der Reise Heim.

„Heimweh fühl ich, Gott der Liebe!
Lange währt der Sehnsucht Qual:
Stille bald die heißen Triebe
Mir im sel’gen Hochzeitssaal!“

Chorus: Halleluja, Halleluja, wir sind auf der Reise Heim.